Archiv der Kategorie: Allgemein

Wie weihnachtet es woanders?

Weihnachtstraditionen in anderen Teilen der Welt

Es ist der 24. Dezember, Heiligabend. Nach dem Besuch in der Kirche, um sich das Krippenspiel und natürlich auch den Gottesdienst anzuschauen, geht es meist auf zu den Großeltern zum Abendessen. Es gibt Würstchen mit Kartoffelsalat und danach noch ein leckeres Dessert. Und dann kommt auch schon der Moment, auf den alle Kinder schon den ganzen Tag gewartet haben: die Bescherung. Nun dürfen endlich die Geschenke ausgepackt werden, die das Christkind vorher vorbeigebracht hat. Der restliche Abend wird mit Gesellschaftsspielen und einem besinnlichen Beisammensein verbracht. Groß aufgekocht wird dann erst am 1. oder 2. Weihnachtsfeiertag, wenn die ganze Familie beisammen ist. So wird das Weihnachtsfest wahrscheinlich bei den meisten von uns hier in Deutschland aussehen, aber wie ist das eigentlich in anderen Ländern und Kulturen?

Gehen wir zuerst einmal nach Brasilien, das Land aus dem uns wohl eher die Karnevalstraditionen bekannt sind.

Weihnachten fällt in Brasilien in den Sommer, man hat also eher Hitze und geht sich sonnen am Strand, anstatt Schneemänner zu bauen und Schlitten zu fahren. Trotzdem sind hier die Straßen und natürlich auch die privaten Häuser schön weihnachtlich dekoriert, mit vielen Lichtern und bunten Kugeln. Weihnachtsstimmung ist also auf jeden Fall zu finden, trotz den hohen Temperaturen, obwohl das für uns Europäer in gewisser Weise unvorstellbar wirkt. Am größten wird auch hier am 24.12 gefeiert – dem véspera de natal. Hierbei steht, neben dem Besuch von papai noel, vor allem das große Festmahl, das ceia de natal, im Vordergrund. Die ganze Familie kommt zusammen und es gibt oft Truthahn, der mit farofa gefüllt ist – dazu noch viele Beilagen und viel Auswahl an Desserts, z. B. brigadeiros.

Anschließend wird viel zusammen getanzt und gesungen, denn die Brasilianer sind grundsätzlich sehr lebhaft. Die Bescherung, auf portugiesisch troca de presentes, findet um Mitternacht statt und dazu kommen noch Feuerwerke, besonders in großen Städten um die Geburt Jesu zu symbolisieren. Außerdem findet traditionell um Mitternacht eine katholische Messe statt, die missa do galo. Am ersten Weihnachtsfeiertag stehen anschließend Besuche beim Rest der Familie und Freunden an.

„Ich würde gerne mal wieder Weihnachten in Brasilien verbringen. Es ist ganz anders als hier in Deutschland, aber trotzdem sind beide Arten zu feiern auf ihre eigene Weise toll“, sagt Gabriel D., der aus einer deutsch-brasilianischen Familie kommt und als Kind auch einige Jahre in Brasilien lebte.

Litauen, ein Land, von dem tatsächlich viele kaum etwas wissen und vor allem nicht über die Weihnachtsbräuche dort, denn es gehört eben nicht zu den ganz typischen Reisezielen für uns Deutsche, so wie Italien oder Frankreich, obwohl es eigentlich gar nicht so weit entfernt liegt.

Weihnachten in Litauen basiert bis heute auf christlichen Traditionen mit heidnischen Wurzeln. So fasten viele noch in der Zeit vor Weihnachten und putzen auch ihr gesamtes Haus, damit es am Festtag absolut sauber ist. Wenn es dunkel ist, kommt dann die ganze Familie zum Essen zusammen, dabei wird allerdings immer ein Platz am Tisch freigelassen, für verstorbene Verwandte oder Bedürftige, die spontan zum Festmahl eingeladen werden. Dieses demonstrative Zeigen der Gutmütigkeit soll dann im kommenden Jahr Glück bringen. Das Essen an Heiligabend besteht meist aus 12 Gängen – eine Symbolik für die 12 Apostel. Die Gänge sind alle ganz unterschiedlich so gibt es z. B. Suppen, Fischgerichte oder süßes Gebäck, allerdings kein Fleisch, denn das wird in Litauen erst am 1. Weihnachtsfeiertag gegessen.

Eine wichtige Tradition ist das Strohhalmziehen, wobei das Stroh unter einem Tuch die Krippe Jesu darstellen soll und die Strohhalme je nach Länge und Dicke für unterschiedliche Dinge stehen, z. B. für Wohlstand, Glück oder ein langes Leben. Natürlich kommt auch der Weihnachtsmann und verteilt Geschenke an die Kinder und nicht selten gehen die Erwachsenen um Mitternacht noch in die Kirche.

Weihnachten ist in allen Ländern und Kulturen die Zeit der Besinnung, in der man mit der Familie zusammenkommt und sich eine schöne Zeit macht. Unabhängig vom Wetter oder den Traditionen ist es wahrscheinlich für fast alle Menschen der Welt eine der schönsten Zeiten des Jahres. Wer einmal etwas Neues an Weihnachten machen möchte, kann einfach ein Multi-kulti-Fest feiern, und verschiedene Traditionen aus anderen Ländern durchführen und z. B. typisch brasilianisches Essen kochen und danach das litauische Strohhalmziehen durchführen. Frohe Weihnachten, feliz Natal und linksmų Kalėdų!

Quellen:

https://www.aventuradobrasil.de/blog/wie-feiert-man-in-brasilien-eigentlich-weihnachten/

https://www.reisetipps.cc/news/1764/so-feiert-litauen-weihnachten-und-silvester/

https://www.linguee.de/deutsch-litauisch/uebersetzung/frohe+weihnachten.html

EM 2021 – das Fußballevent stand bevor, Corona war sofort vergessen: eine Bilanz

„Die UEFA ist für den Tod von vielen Menschen verantwortlich.“, so SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Doch trifft Kritik wie diese auf fruchtbaren Boden? Natürlich nicht. Dass die Disziplin bei der Einhaltung der Vorschriften zur Bekämpfung der Pandemie in den vergangenen Monaten nun mit dem Zulassen von Zuschauern im Stadion belohnt wurde, ist nachvollziehbar und ein Schritt zurück zur Normalität.

Der von einer breiten Menge der Bevölkerung geforderte Mut, die Stadien zu öffnen, hat sich gelohnt. Doch Mut wird schnell zu Übermut und aus den 14.000 Zuschauern in München werden fast 45.000, die sich beim Achtelfinale zwischen Deutschland und England im Wembley-Stadion vergnügen und dies, anders als vermutet, nicht mit, sondern oftmals ohne Masken und Abstand tun.

Das Viertelfinale zwischen der Schweiz und Italien findet im Corona-Hotspot St. Petersburg statt und Premierminister Boris Johnson lässt sich feiern, weil er den Briten Fußball und Spaß zurückgibt. England steht im Finale und 60.000 Zuschauer sitzen im Stadion, Maskenpflicht ist selbstredend Fehlanzeige. Alles wäre schön und gut, wenn das Virus beim Fußball eine Ausnahme machen würde. Leider Gottes ist dies aber nicht der Fall. Und obwohl natürlich, wie immer, alle gleich sein sollen, gibt es für den Fußball Ausnahmen. Während die Olympischen Spiele in Tokio in diesem Jahr von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt und mit leeren Stadien stattfinden, droht die UEFA der Stadt München bereits vor der EM die Spiele zu verlegen, falls die Bayerische Staatsregierung keine Zuschauer im Stadium zulassen sollte. Dies alles sei „absolut verantwortungslos“, so Seehofer und „bedenklich“ laut Olaf Scholz. Und die nun wieder rasant gestiegenen Zahlen positiver Coronafälle gaben den Politikern in diesem Fall recht. Neun Fans werden nach dem Spiel Dänemark gegen Belgien als infiziert gemeldet. Fünf weitere in der darauffolgenden Partie gegen Russland. Nach einem weiteren Spiel in St. Petersburg berichtet allein die finnische Behörde von mindestens 300 weiteren Infizierten. Die russische Metropole meldet nach den Spielen Schwedens gegen Polen und die Slowakei einen Höchstwert an Corona-Toten. Stoppt Staatschef Wladimir Putin die Ausrichtung von EM-Spielen in St. Petersburg daraufhin? Leider nein, die Durchführung der Spiele mit Zuschauern in den Stadien wird weiterhin verteidigt. Zur Krönung des Ganzen stecken sich etwa 1.300 der schottischen Fans bereits am zweiten Spieltag in London an. Und dennoch machte die UEFA keinerlei Anstalten den Spielplan zu ändern oder Spiele zu verlegen.

Ganz im Gegenteil, mit ihrer Drohung, London das Endspiel zu entziehen, wird bewusst ein Umdenken zu mehr Lockerungen in Wembley provoziert. Die Union der Europäischen Fußballverbände versteht sich jedoch darin, jede Verantwortung auf die lokalen Behörden zu übertragen und zieht sich damit gekonnt aus der Affäre. Was ursprünglich in ganz Europa für Begeisterung und positive Schlagzeilen sorgen sollte, schlägt zu positiven Tests sowie Missgunst in Politik und Bevölkerung um. Europa befindet sich offensichtlich im Zwiespalt. Auf der einen Seite schlagen die Herzen aller Fußballfans höher, als nach einem Jahr mit Geisterspielen wieder die Tribünen beben. Auf der anderen Seite sind die Lockerungen im Zuge der EM verantwortungsloser, als es die meisten zu träumen wagten und die Folgen größer als vorab vermutet. Es haben sich Tausende infiziert, die jetzt wiederum weitere Tausende infizieren. Allein bis Ende Juni berichtete die ECDC von über 2.500 Corona-Ansteckungen, die direkt in Verbindung mit der Fußball-EM stehen. Die UEFA ist während des ganzen Turniers vollkommen uneinsichtig, schiebt die steigenden Zahlen auf die Pubs aber keinesfalls auf den Fußball, da sich laut UEFA-Präsident Ceferin „alle Teams hochprofessionell verhalten“ und sie „auch in den Stadien sehr strikt“ seien. Die Aussage, dass sich die Menschen bei den Spielen infiziert hätten, sei laut Ceferin beweislos und enttäuschend.

Insgesamt war die EM dieses Jahres sicherlich vor allem für die Fußballfans ein Zeichen der Hoffnung, dennoch war die Art und Weise, wie sie abgehalten wurde, riskant, wenn nicht gerade töricht. Das volle Ausmaß der Schäden wird sich im Laufe der nächsten Wochen zeigen, doch schon jetzt verbreitet sich die Delta-Variante rasant in großen Teilen Europas. Mitschuld des Turniers? Umstritten, aber wahrscheinlich.

https://www.t-online.de/sport/fussball/id_90367908/em-2021-die-europameisterschaft-wird-zur-virus-drehscheibe-kritik-waechst.html

https://www.stern.de/gesundheit/em-2021–sorge-vor-steigenden-corona-zahlen-nach-em-spielen-30597794.html

https://www.fr.de/sport/fussball/em-2021-corona-uefa-praesident-ceferin-infektionen-fans-zuschauer-wembley-stadion-90853835.html

https://www.swr.de/sport/mehr-sport/olympia/meinung-em-mit-zuschauern-olympia-ohne-zuschauer-100.html

Historische Wahlen in Deutschland

Am 26.09.2021 wurde in Deutschland eine neue Regierung gewählt. Auch hier am Gymnasium Seligenthal haben die Schülerinnen und Schüler ab der achten Klasse bei der Juniorwahl abstimmen dürfen. Doch wie funktioniert das denn jetzt alles? Was sind die aktuellen Koalitionsaussichten, einige Wochen nach der Wahl?

Gerade finden Sondierungsgespräche statt, bei denen verschiedene Parteien, die gemeinsam eine Mehrheit im Parlament erreichen können, miteinander diskutieren und prüfen, ob eine gemeinsame Regierung überhaupt möglich wäre. Da wir diese Legislaturperiode 735 Sitze im Parlament haben, benötigen die Parteien insgesamt 368 Abgeordnete, um eine Mehrheit zu bilden.

Sollten sich die Parteien bei ihren Sondierungen einig werden, kann es mit den Koalitions- oder auch Regierungsverhandlungen weitergehen, an deren Ende ein gemeinsames Regierungsprogramm steht. Dieses Programm soll bestmöglich die Regierungsversprechen aller beteiligten Parteien berücksichtigen, was natürlich aufgrund von teils ganz unterschiedlichen Positionen schwer bis unmöglich ist. Darum müssen alle regierungsinteressierten Parteien oft zurückstecken oder einige ihrer Wahlversprechen komplett streichen. Kompromisse sind also das A und O einer funktionierenden Regierung. Das erarbeitete Programm fungiert dann in den kommenden vier Jahren bis zur nächsten Wahl als eine Art Leitfaden der Regierung.

Aktuell findet man ja in der Politikrubrik einer jeden Zeitung hierzulande Ausdrücke wie Ampel- oder Jamaika-Koalition, welche auf die Farben der beteiligten Parteien dieser Koalitionsmöglichkeiten anspielen: Bei der Ampel-Koalition wären das Rot für die SPD, Gelb für die FDP und Grün für, natürlich, die Grünen. Die jamaikanische Flagge enthält die Farben Schwarz, Grün und Gelb, also wäre hier die Union, bestehend aus CDU und CSU, anstatt der SPD in der Regierung.

Derzeit sieht alles nach einer Ampel-Koalition aus.

Zudem wäre auch die sogenannte GroKo eine Möglichkeit, also ein Zusammenschluss der SPD und der Union. Jedoch wurde diese Regierung bereits mehrfach vom Kanzlerkandidaten der SPD, Olaf Scholz, ausgeschlossen. Auch die Wählerinnen und Wähler scheinen sich keine erneute GroKo zu wünschen, so sehr wie die Unionsparteien abgestürzt sind bei dieser Wahl: 2013 noch bei 41,5%, wurde die ehemalige „Volkspartei“ (‚ehemalige Volkspartei‘, da es Zeiten gab, in denen die Union über 50% der Stimmen erhielt) dieses Jahr mit einem historischen Tief von 24,1% abgestraft. Auch eine Koalition mit der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“, kurz AfD, schließen alle anderen Parteien aus.

Vielleicht erinnert sich manch einer hier noch an das Zitat „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren“ von Christian Lindner, als die FDP sich 2017 aus den Sondierungen mit der Union und den Grünen zurückzog, da sich nach der Auffassung der Parteispitze keine Vertrauensbasis oder gemeinsame Ideen für die Modernisierung Deutschlands finden ließen. Vielleicht bereut die FDP es inzwischen etwas, damals ausgestiegen zu sein, denn sie ist der Union inhaltlich sehr viel näher als der SPD oder den Grünen. Doch dieses Jahr stellt die Ampel-Koalition eine ernstzunehmende Konkurrenz gegenüber der Jamaika-Koalition dar, um nicht zu sagen: zu 99,99% bekommen wir für diese Legislaturperiode eine Rot-Gelb-Grüne Regierung, wie es sie in Rheinland-Pfalz aktuell gibt und auf Länderebene zuvor schon mehrfach gab.

Die Union zog sich diesen Herbst erstmals in der Geschichte unserer Bundesrepublik von einem Regierungsanspruch zurück, stand aber zur Verfügung, sollten sich Rot, Gelb und Grün nicht einigen können. Doch genau das war nun wohl möglich. Somit ist die Union ziemlich sicher in der Opposition.

Die Motivation schien bei allen Ampel-Beteiligten weitaus größer: „Scheitern ist eigentlich keine Option“ sagte Robert Habeck (Die Grünen). Auch wird diese Bundesregierung mit die letzte sein, die noch wirklich aktiv der Klimakrise entgegenwirken kann – also handelte es sich um eine historisch wirklich sehr relevante Wahl, welche über unser aller Zukunft entscheiden wird. Deutschland bekannte sich 2015 im Pariser Klimaabkommen zum 1,5°-Ziel und sollte daher schleunigst beginnen, Methan- und CO₂-Emissionen zu minimieren oder zumindest den Grundstein dafür legen. Doch Klimaschutz ist nur ein Punkt, der für das Regierungsprogramm ausdiskutiert werden muss.

Also, was kam raus bei den Sondierungen?

  • Einkommens-, Unternehmens- und Mehrwertsteuern sollen nicht erhöht werden
  • Der Mindestlohn soll auf 12€ pro Stunde angehoben werden
  • Ausstieg aus der Kohleverstromung soll bis möglicherweise 2030 umgesetzt werden
  • Ausbau der erneuerbaren Energien soll „drastisch“ beschleunigt werden
  • „Alle geeigneten Dachflächen“ sollen künftig für Solarstromerzeugung genutzt werden (Bei gewerblichen Neubauten verpflichtend, bei privaten soll es die Regel werden)
  • Es soll kein generelles Tempolimit auf Autobahnen kommen
  • Hartz IV soll durch ein sog. „Bürgergeld“ ersetzt werden
  • Das System der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung soll erhalten bleiben
  • Mindestrentenniveau und Renteneintrittsalter sollen gleich bleiben
  • Kinderrechte sollen im Grundgesetz verankert werden
  • Das Wahlalter für die Wahlen zum Deutschen Bundestag und Europäischen Parlament soll auf 16 Jahre gesenkt werden
  • Unsere Verwaltung soll „agiler“ werden – die Verfahrensdauer soll mindestens halbiert werden

Man beachte hierbei, dass die eigentlichen Koalitionsverhandlungen von SPD, FDP und den Grünen gerade erst beginnen und sich die Parteien auch noch anderweitig einigen könnten, wenn es jetzt ernst wird.

Wir alle wünschen uns eine kooperative und handlungsfähige Regierung in unserem Land, die sich auch mal traut, wichtige Zukunftsthemen anzupacken, unser Deutschland weiterzuentwickeln und so ein progressives und zeitgemäßes Land zu schaffen, in dem wir alle gut und gerne leben. Werden wir es also mit unserer neuen Regierung schaffen, diese vielen, neuen Schritte in unsere Zukunft zu meistern? Wir alle können nur hoffen und gespannt auf die richtigen Koalitionsergebnisse warten, welche durchaus viel über die angestrebte Zukunft unseres Landes verraten werden.

Quellen:

https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/bundestagswahlen/340992/sitzverteilung

https://www.bundestag.de/parlament/wahlen/ergebnisse_seit1949-244692

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bundestagswahl-2021-wie-viele-sitze-braucht-man-fuer-eine-mehrheit.89276df6-e925-4011-b063-6800e039cff6.html

https://www.welt.de/politik/article170761256/Es-ist-besser-nicht-zu-regieren-als-falsch-zu-regieren.html

https://www.faz.net/aktuell/politik/bundestagswahl/ampel-koalition-spd-gruene-und-fdp-nach-erster-sondierung-positiv-17580706.html

https://www.deutschlandfunk.de/nach-der-bundestagswahl-2021-welche-koalitionen-sind-denkbar.2897.de.html?dram:article_id=502404

https://www.bundesrat.de/DE/bundesrat/verteilung/verteilung-node.html

https://www1.wdr.de/nachrichten/bundestagswahl-2021/faq-begriffe-wahl-100.html

https://www.tagesschau.de/inland/sondierungspapier-105.html

Kinderarbeit in Indien – ein kurzer Überblick

Child Labor, Car Mechanic, Cars, Labor, Kid, Mechanic

Indien ist definitiv ein Land, welches unterschiedlich in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Auf der einen Seite steht die Schönheit der indischen Kultur, Geschichte und der Umwelt und auf der anderen Seite starke Luftverschmutzung, Überbevölkerung und Armut.

Während es, ohne jeden Zweifel, viele wichtige Probleme gibt, die angesprochen werden müssen, übersehen wir oft eine der signifikantesten Angelegenheiten in Indien – Kinderarbeit. Weltweit wird Millionen Kindern die Chance auf Bildung, eine glückliche Kindheit und eine erfolgreiche Zukunft genommen.

Aber ist Kinderarbeit in Indien wirklich noch so ein großes Problem und was wird dagegen unternommen? Helfen die Maßnahmen dabei, die Zahl der Kinder zu reduzieren, die in Fabriken, auf dem Land und in Restaurants ihre Kindheit verbringen müssen?

Kinderarbeit – ein globales Problem, welches als Ausbeutung von Kindern (Personen unter 14 Jahren) in jeder möglichen körperlichen Arbeit definiert ist. In diesem Alter ist ein Kind dazu bestimmt zu wachsen, seine Kindheit in vollen Zügen zu genießen, Bildung zu erhalten, Werte zu erlernen und vieles mehr. Doch stattdessen wird es genötigt zu arbeiten und für sich und seine Familie Geld zu verdienen. Dies beeinflusst nicht nur die physische und psychische Entwicklung des Kindes, es bedeutet auch eine sehr große Verantwortung, seine Familie zu unterstützen. Außerdem heißt es laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO „International Labour Organisation“), dass Kinder, welche im Alter von unter 14 Jahren arbeiten, nicht fähigseien, sich mental, sozial, physisch und moralisch zu entwickeln.

Einem Bericht der ILO aus dem Jahr 2017 zufolge ist die Zahl der Kinderarbeiter/-innen weltweit von 246 Millionen im Jahr 2000 auf 152 Millionen im Jahr 2016 gesunken. Nichtsdestotrotz werden weiterhin Millionen von Kindern als billige Arbeitskräfte ausgebeutet, vor allem in Ländern wie Indien. Die Hauptbundesstaaten, in denen Kinderarbeit hier ein großes Thema ist, sind Bihar, Uttar Pradesh, Rajasthan, Madhya Pradesh und Maharashtra. Die meistverbreiteten Formen von Kinderarbeit in Indien sind dabei zum Beispiel Sklaverei, Kinderhandel, Zwangsarbeit und Bettelei.

Doch gibt es Maßnahmen, um die Zahl der Kinderarbeiter/-innen weiterhin zu senken? In den letzten Jahrzehnten hat die indische Regierung einige Gesetze akzeptiert, um gegen Kinderarbeit angehen zu können. 1933 wurde beispielsweise ein Gesetz in Kraft gesetzt, welches gefährliche Tätigkeiten, die die mentale, spirituelle, moralische oder soziale Entwicklung für Jungen und Mädchen jünger als 18 Jahre schädigen könnte, untersagt.

Trotzdem kann die Ausbeutung aus verschiedenen Gründen fortgeführt werden. Ein Auslöser ist, dass viele Menschen Gesetzeslücken im indischen Gesetz ausnutzen, was ihnen erlaubt, Kinder arbeiten zu lassen, wenn die Tätigkeit Teil des Familienbetriebs ist. Dass das aber nicht immer der Fall ist, dürfte jedem bewusst sein.

Was ist nach dem kurzen Überblick festzuhalten? Ist Kinderarbeit in Indien wirklich noch so ein großes Problem? Definitiv. Trotz einiger Gesetze, die Kinder vor Ausbeutung in Indien schützen sollen, gibt es immer noch viele, die in Restaurants, in Fabriken und auf dem Land in ganz Indien zur Arbeit genötigt werden. Die politische Situation muss sich ändern. Damit dies geschieht, könnten Gesetze gegen Kinderarbeit verschärft und strenger vollzogen werden. Zwar ist die Zahl der Betroffenen fast um ein Drittel zurückgegangen, dennoch bleibt Kinderarbeit eine Herausforderung, die weiterhin ein wichtiges Thema bleibt und zudem immer noch ein Hindernis für viele Kinder darstellt, ein glückliche Kindheit zu erleben.

Deshalb sollte uns im Gedächtnis bleiben: Während wir unsere Jugend, Bildung und Möglichkeiten unsere Zukunft zu gestalten genießen, müssen Kinder, jünger als wir, in Fabriken, auf Feldern und in Stollen arbeiten, bekommen wenig Lohn und müssen mit für ihr Familie sorgen.

Quellen:

https://theirworld.org/explainers/child-labour

Volksentscheide bundesweit?

Liebe Leser des Piepermagazins,

in diesem Leserbrief greife ich das durchaus umstrittene Thema der bundesweiten Volksentscheide auf, um das eigenständige Denken so vieler Leser wie möglich anzuregen. Auf dieses Thema kam ich durch ein Plakat mit der Aufschrift „Jetzt ist die Zeit. Volksentscheid. Bundesweit.“

Meine Person steht diesem Vorschlag sehr positiv gegenüber, denn ich als Schüler des sozialwissenschaftlichen Gymnasiums besitze zu dieser Thematik eine stark fundierte Meinung, die ich nun schildern werde.

Der erste Punkt besteht darin, dass die Politikverdrossenheit in den letzten Jahren stark zugenommen hat, wie v. A. an den Beteiligungen an den Bundestagswahlen ersichtlich ist. Diesem kritischen Prozedere könnten bundesweite Volksentscheide entgegenwirken, weil die Möglichkeit, wirklich aktiv an konkreten Entscheidungsprozessen teilzunehmen und nicht lediglich Repräsentanten zu wählen, denen man für vier Jahr vollstes Vertrauen schenken muss, auch die Bereitschaft der Menschen sich in politischen Themen weiterzubilden erhöhen würde.

Ein weiterer signifikanter Aspekt, der wahrscheinlich sogar Wichtigste, ist, dass der Bundestag immer wieder Entscheidungen gegen die Meinung der Mehrheit der Bevölkerung getroffen hat. Zwei bekannte Beispiele hierfür sind zum einen der Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan ab 2001 sowie die Einführung der umstrittenen Sozialreform Agenda 2010. So etwas kann geschehen, weil man einem Abgeordneten bzw. einer Partei seine Stimme am Wahltag gibt. Es ist aber schlicht und einfach nicht möglich, dass zwei Menschen über vier Jahre hinweg bei allen Themen die gleichen Ansichten besitzen. Somit kann man in der indirekten Demokratie nicht mit Gewissheit behaupten, dass die eigene Meinung immer so einfließt in politische Diskurse, wie man es persönlich gern hätte. Das wäre lediglich in einer direkten Demokratie mit bundesweiten Volksentscheiden möglich.

Zum Schluss möchte ich noch kurz das beliebte Argument der Gegner beleuchten, dass der Otto-Normalverbraucher sich nicht mit komplexen politischen Themen auseinandersetzen kann. Das wäre jedoch für einen Volksentscheid wichtig. Denn aktuell traut man den Menschen hier sogar zu, dass sie eine neue Verfassung, eines der grundlegendsten Organe der Demokratie, per Volksentscheid verabschieden dürfen, oder auch eben nicht. Wenn man einem Menschen das Bestimmen über die wahrscheinlich umfassendste und komplexeste Sammlung an Grundrechten und –pflichten überlässt, dann kann man ihm auch so gut wie jede andere politische Entscheidung zutrauen.

Hoffentlich konnte ich hiermit einige Menschen zum Nachdenken anregen.

Matthew König, 10b

 

Der deutsch-polnische Vertrag als Eröffnung eines neuen Kapitels internationaler Beziehungen: Die Deutsche Außenpolitik von Willy Brandts Kniefall von Warschau bis heute

Wandel durch Annäherung – das ist der Grundstein von Brandts Ostpolitik, die er am 7. Dezember 1970 durch eine der bedeutsamsten Gesten, die die Welt jemals gesehen hatte, besiegelte: den Kniefall von Warschau als Bekundung von Demut.

Jemand, der selbst vor den Nationalsozialisten fliehen musste, da er im Untergrund für linke Gruppen arbeitete und so nicht einmal selbst für deren Verbrechen verantwortlich war, bat hier um Vergebung.

Er kniete nicht um seiner selbst willen dort, sondern für Deutschland und die Deutschen. Eine große Geste, die wohl mehr bewegt hat als viele Verträge – und ein Symbolbild des ganzen Jahrhunderts, das auch im darauffolgenden Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Warschau, Bronzetafel, Denkmal Des Kniefalls

Meilenstein der deutschen Außenpolitik

Auch die folgenden Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Schmidt (SPD), Helmut Kohl (CDU) und Gerhard Schröder (SPD), wie auch die aktuelle, erste weibliche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), zeichnen sich verantwortlich für wichtige Pfeiler der Außenpolitik. Dabei arbeitet der Kanzler stets eng mit dem Außen- aber auch beispielsweise dem Entwicklungsminister zusammen. Ebenso spielen der Bundestag, die deutschen Botschaften in verschiedenen Ländern der Welt und auch die Goethe-Institute eine wichtige Rolle. Die Kanzler nach Brandt legten dabei auf teilweise unterschiedliche Aspekte ihrer Aufgabe als ranghöchste Außenpolitiker Deutschlands Wert.

Ära Schmidt: möglichst keine Einmischung in Angelegenheiten souveräner Staaten

Schmidt (1974-1982) beispielsweise war es besonders wichtig, sich nicht in die Angelegenheiten souveräner Staaten einzumischen. Auch war die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen in Europa eines seiner großen Ziele, das er auch erreichte. Dieser sogenannte NATO-Doppelbeschluss war die Antwort auf die Bedrohung durch neue Atomraketen auf sowjetischer Seite und sah zudem noch ein Verhandlungsangebot an die Sowjetunion, beiderseits auf die Waffensysteme zu verzichten, vor. Doch da dieser Beschluss in der Bevölkerung und auch in der SPD auf Ablehnung stieß, verlor Schmidt die Zustimmung seiner Partei und so zerfiel schließlich die sozialliberale Koalition an den Differenzen, besonders in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Am 17. September 1982 traten daher sämtliche FDP-Bundesminister zurück. Am 1. Oktober stellte die CDU/CSU ein konstruktives Misstrauensvotum, bei dem Helmut Kohl (CDU) als Schmidts Nachfolger zum neuen Bundeskanzler gewählt wurde.

Ära Kohl: Einigkeit und Freiheit für Deutschland und Europa

Kohl (1982-1998) hatte in seiner Außenpolitik klare Ziele: zunächst strebte er die politische Einigung Europas an. Weiter wollte er die westliche Allianz festigen und weiter ausbauen. Auch die internationale Mitverantwortung gegenüber der Dritten Welt galt es wahrzunehmen und für einen menschlich gerechten und sachlich vernünftigen Interessenausgleich zwischen Nord und Süd, aber auch, vordringlich, zwischen West und Ost zu sorgen. Hier sollte in besonderer Weise auch die Volksrepublik China einbezogen und die Beziehungen zur Sowjetunion zum gegenseitigen Vorteil weiterentwickelt werden. Die „Ära Kohl“ hat in der Bundesrepublik so viel verändert wie nur vor ihm der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer. Die Verhandlungen mit George Bush und Michail Gorbatschow nach dem Sturz der SED-Diktatur in der DDR durch die friedliche Revolution konnten die Vereinigung beider deutscher Staaten 1990 sicherstellen. Nach über 40 Jahren deutscher Teilung leistete der „Kanzler der Einheit“ einen entscheidenden Beitrag, diesen Konflikt zu lösen.

Die Etappe Schröder: neue Herausforderungen

Auf Kohls Kanzlerschaft folgte von 1998-2005 die Gerhard Schröders, dessen Außenpolitik bis 2002 zwischen Beständigkeit in der Europapolitik und den transatlantischen Beziehungen und radikalem Wandel durch die Teilnahme der Bundeswehr im Kosovokrieg schwankte.

„Ground Zero“ in New York: der Terror von 9/11 veränderte nicht nur die Außen- und Sicherheitspolitik Deutschlands, sondern die der ganzen westlichen Welt

Doch ab 2003, nach dem Irak-Krieg, stand Schröders Außenpolitik vermehrt unter Kritik, die sich auf fast alle Bereiche ausbreitete. Auch der Terrorangriff der islamistischen Organisation Al-Qaida am 11. September 2001 in den USA veränderte die gesamte deutsche Außenpolitik auf dramatische Weise, auch was die transatlantischen Beziehungen betraf. Deutschland versprach den USA ihre Unterstützung und stellte knapp 4.000 Bundeswehrsoldaten zur Verfügung, von denen einige an Operationen in Afghanistan teilhatten und immer noch haben, und weitere in der Luftraumüberwachung der NATO tätig sind. Dieser Wandel der Bundeswehr zu einer Armee mit globalem Aufgabenspektrum und der Unterzeichnung des Afghanistanabkommens am 5. Dezember 2001 markierte einen Höhepunkt in Schröders Außenpolitik. Doch die Beziehungen zu Amerika wurden zunehmend schlechter, da Deutschland verkündete, nicht ohne ein UNO-Mandat am von Amerika geplanten Irak-Krieg teilzunehmen. Im Sommer 2002 gab Schröder, anfangs aus wahltaktischen Gründen, den „Deutschen Weg“ als Alternative zur „amerikanischen Kriegstreiberei“ im Irak bekannt und stellte Deutschland als Friedensmacht dar. Die sich zunehmend verschlechternden transatlantischen Beziehungen zu den USA führten zu einer fast trotzigen Annäherung Schröders zu Russland und der Anerkennung Putins als „lupenreinen“ Demokraten.Beinahe war die Außenpolitik Schröders von einer scheinbaren Blindheit gegenüber autoritären Entwicklungen in Moskau und Peking gekennzeichnet, da der Kanzler auch gegenüber China die europäischen Waffenembargos (Unterbindung des Exports und Imports von Waffen) aufheben wollte, was Deutschlands Position und Ansehen auf internationalem Parkett zusätzlich schwächte. Trotz allem wurde Schröder bei der Bundestagswahl 2002 erneut zum Kanzler gewählt, was wohl vor allem an der Ablehnung einer Teilnahme am Irak-Krieg lag.

Die Agenda 2010, eine Reform der Sozialgesetzgebung, war Schröders zugleich wichtigstes und größtes Projekt aber auch jenes, das ihn am meisten unter Druck setzte. Oft konnte er seine Koalition nur durch mehr oder weniger offene Rücktrittsdrohungen und die Förderung von parteiinternen Unterstützern zusammenhalten. Trotz dieser Versuche legte er 2004 sein Amt als Parteivorsitzender der SPD nieder. Nachdem die Sozialdemokraten bei der Landtagswahl in ihrem Stammland Nordrhein-Westfahlen nach 39 Jahren die Regierungsführung verloren, sah Schröder die Grundlage für seine Politik in Frage gestellt. Im Bundestag stellte er am 1. Juli 2005 die Vertrauensfrage, die mit 151 Ja-, 296 Nein-Stimmen sowie 148 Enthaltungen beantwortet wurde. Damit war die notwendige Kanzlermehrheit nicht erreicht und die „Etappe Schröder“ fand ihr Ende.

Angela Merkel: Demokratie, Sicherheit, Diplomatie

Als Nachfolgerin wurde die bis heute amtierende erste deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewählt. Sie ließ ihre Aufgaben zunächst ruhig und (bis heute) mit Bedacht angehen, schaffte es aber langfristig, die Beziehungen zu den USA wieder zu verbessern. Doch die Ruhe in der ersten Amtsperiode Merkels täuscht: auf den ersten Blick scheinen wenige außenpolitische Bewährungsproben Merkel zu belasten, allerdings sind auf den zweiten Blick neue weltpolitische Herausforderungen zu bewältigen, wie beispielsweise die Globalisierung und (teilweise daraus resultierende) Konfliktherde auf der Welt.

Zu Beginn der zweiten Amtsperiode 2009 verschärfte sich infolge der Wirtschaftskrise die finanzielle Lage einiger europäischer Staaten. Ziel der deutschen Außenpolitik war es, eine gesamteuropäische Lösung der Euro-Krise zu finden. Diese Einbindung in den europäischen Kontext zieht sich wie ein roter Faden durch die Außenpolitik aller Kanzler der Bundesrepublik seit Adenauer. Auch in der Dritten Welt werden weitere Spannungen besonders deutlich und die scheinbar helle, fortschrittliche Globalisierung „wird außerhalb der OECD-Welt zum Synonym für Armut, Identitätsverlust und Rückständigkeit“[1].

Soldaten der Bundeswehr patroullieren in Afghanistan im Rahmen des ISAF-Mandats

Militärisch hält sich die deutsche Außenpolitik nach dem Afghanistaneinsatz wieder zunehmend zurück, lediglich in Mali und weiteren Regionen wird Aufklärungsarbeit und Unterstützung durch die Bundeswehr geleistet. Der Hauptauftrag besteht darin, deeskalierend zu wirken und Rechtsstaatlichkeit wiederherzustellen und zu sichern. Durch den Wandel und vor allem die Ausweitung der Konflikte ist es jedoch fraglich, wie lange sich Deutschland noch aus Kampfhandlungen heraushalten kann, zumal seitens der Bündnispartner seit längerem die Forderung zu mehr aktiver Beteiligung laut wird.

Schwierig ist auch der Umgang mit Diktaturen oder Scheindemokratien, wie sie vor allem in Russland und der Türkei vorzufinden sind. Völkerrechtlich gesehen, ist es keinem Staat erlaubt, aktiv in die Politik anderer Nationen einzugreifen; es ist nur möglich, mit diesen zu kooperieren und diplomatisch Konflikte zu lösen. Für Israel fühlt sich Deutschland aufgrund seiner Geschichte bis heute verantwortlich, weshalb die Aufnahme von Flüchtlingen und deren Integration (Humanität) dementsprechend eine absolut logische und richtige Konsequenz ist. Auch die Umwelt- und Energiepolitik sind wichtige Aufgabenfelder der Kanzlerin und so forderte sie nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011 eine völlige Abkehr von der Atomkraft und den stufenweisen Atomaussteig Deutschlands bis 2022.

Es folgte die umstrittene Überwachungs- und Spionageaffäre der NSA 2013. Im September des Jahres wurde Merkel erneut zur Kanzlerin gewählt. Im Ukraine-Konflikt mit Russland tritt Merkel fast nur in Gemeinschaft mit der EU auf, nimmt aber trotzdem wieder ihre Vermittlerrolle auf, die auch auf die geografische Lage Deutschlands  und die besondere politische Verantwortung aufgrund der Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs zurückzuführen ist. Ebenfalls hat die Wahl des neuen US-Präsidenten Donald Trump, der seit 20. Januar diesen Jahres im Amt ist, in der Außenpolitik Deutschlands viel verändert. Die Beziehungen zu den USA haben sich spätestens seit Trump drastisch verändert, was sich auch auf die transatlantische Zusammenarbeit auswirkt (vgl. Trumps Forderung nach einer Aufstockung des Wehretats der Nationalstaaten). Das Freihandelsabkommen TTIP wird im Zuge der Entwicklungen wohl weniger bis keine Chance mehr haben, zumindest nicht ohne markante Forderungen durch die USA. In einem Bericht des ZDF heißt es, Trump habe die Macht, wüsste aber nichts von internationalen Beziehungen. Deutschland muss in Zukunft seine Handelspartner also wohl außerhalb von Washington suchen. Derzeit sieht sich die deutsche Außenpolitik mit diplomatischen Spannungen mit der Türkei konfrontiert, deren Präsident Erdogan ein Präsidialsystem nach autoritärem Vorbild anstrebt. Aus diesem Konflikt erwachsen womöglich noch verstärkte innenpolitische Spannungen, zumal Erdogan die in Deutschland lebenden Türken für seine Zwecke zu moblisieren versucht und Deutschland öffentlich in Misskredit bringt.

Diesen Herbst finden dann die nächsten Bundestagswahlen statt, in denen Angela Merkel gegen den ehemaligen Präsidenten des EU-Parlaments Martin Schulz (SPD) antreten wird. Es bleibt abzuwarten, welche Herausforderungen die deutsche Außenpolitik noch zu meistern hat. Soviel dürfte aber klar sein: es wird nicht einfacher, sondern eher komplizierter – wie die Welt offensichtlich auch. Umso entscheidender dürfte also sein, (weiterhin) mit Bedacht und diplomatischem Geschick außenpolitisch zu agieren, um den europäischen und weltweiten Krisen und Konflikten adäquat begegnen zu können.

[1] http://www.bpb.de/apuz/29462/deutsche-aussenpolitik-unter-bundeskanzlerin-angela-merkel?p=all