Archiv der Kategorie: Die Gesellschaft im Wandel

Volksentscheide bundesweit?

Liebe Leser des Piepermagazins,

in diesem Leserbrief greife ich das durchaus umstrittene Thema der bundesweiten Volksentscheide auf, um das eigenständige Denken so vieler Leser wie möglich anzuregen. Auf dieses Thema kam ich durch ein Plakat mit der Aufschrift „Jetzt ist die Zeit. Volksentscheid. Bundesweit.“

Meine Person steht diesem Vorschlag sehr positiv gegenüber, denn ich als Schüler des sozialwissenschaftlichen Gymnasiums besitze zu dieser Thematik eine stark fundierte Meinung, die ich nun schildern werde.

Der erste Punkt besteht darin, dass die Politikverdrossenheit in den letzten Jahren stark zugenommen hat, wie v. A. an den Beteiligungen an den Bundestagswahlen ersichtlich ist. Diesem kritischen Prozedere könnten bundesweite Volksentscheide entgegenwirken, weil die Möglichkeit, wirklich aktiv an konkreten Entscheidungsprozessen teilzunehmen und nicht lediglich Repräsentanten zu wählen, denen man für vier Jahr vollstes Vertrauen schenken muss, auch die Bereitschaft der Menschen sich in politischen Themen weiterzubilden erhöhen würde.

Ein weiterer signifikanter Aspekt, der wahrscheinlich sogar Wichtigste, ist, dass der Bundestag immer wieder Entscheidungen gegen die Meinung der Mehrheit der Bevölkerung getroffen hat. Zwei bekannte Beispiele hierfür sind zum einen der Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan ab 2001 sowie die Einführung der umstrittenen Sozialreform Agenda 2010. So etwas kann geschehen, weil man einem Abgeordneten bzw. einer Partei seine Stimme am Wahltag gibt. Es ist aber schlicht und einfach nicht möglich, dass zwei Menschen über vier Jahre hinweg bei allen Themen die gleichen Ansichten besitzen. Somit kann man in der indirekten Demokratie nicht mit Gewissheit behaupten, dass die eigene Meinung immer so einfließt in politische Diskurse, wie man es persönlich gern hätte. Das wäre lediglich in einer direkten Demokratie mit bundesweiten Volksentscheiden möglich.

Zum Schluss möchte ich noch kurz das beliebte Argument der Gegner beleuchten, dass der Otto-Normalverbraucher sich nicht mit komplexen politischen Themen auseinandersetzen kann. Das wäre jedoch für einen Volksentscheid wichtig. Denn aktuell traut man den Menschen hier sogar zu, dass sie eine neue Verfassung, eines der grundlegendsten Organe der Demokratie, per Volksentscheid verabschieden dürfen, oder auch eben nicht. Wenn man einem Menschen das Bestimmen über die wahrscheinlich umfassendste und komplexeste Sammlung an Grundrechten und –pflichten überlässt, dann kann man ihm auch so gut wie jede andere politische Entscheidung zutrauen.

Hoffentlich konnte ich hiermit einige Menschen zum Nachdenken anregen.

Matthew König, 10b

 

Landtagswahl in Hessen – Der Niedergang der Volksparteien?

Das Ergebnis der Wahl in Hessen bestätigt nun ein weiteres Mal, dass den sogenannten Volksparteien der „großen Koalition“ aus CDU/CSU und SPD die Wähler in Scharen verloren gehen. In Folge dessen können sich links und rechts der Mitte neue politische Kräfte etablieren.

Man kann durchaus einige Parallelen zur Wahl in Bayern ziehen. Die beiden sogenannten  „großen Volksparteien“ CDU und SPD verlieren jeweils über 10 Prozentpunkte und kommen nur noch auf 27% bzw. 19,5%. Die klaren Gewinner dieser Wahl sind wie in Bayern die Grünen, die ihr Ergebnis im Vergleich zu 2013 verdoppeln können und nun auf 19,5% kommen – und die AfD, die ihr Ergebnis verdreifachen kann, damit auf 13% kommt, und somit nun in allen deutschen Landesparlamenten vertreten ist. Die FDP und die Linke ziehen mit 7,5% bzw. 6,3% in den hessischen Landtag ein. Damit werden nun sechs Parteien im wiesbadischen Stadtschloss vertreten sein.

Trotz des schlechten Ergebnisses der CDU ist sie immer noch die stärkste Kraft im Land und wird wahrscheinlich weiterhin den Ministerpräsidenten stellen, da eine mehrheitsfähige und stabile Koalition ohne Beteiligung der CDU wohl nicht zustande kommen wird. Sowohl eine Fortführung des schwarz-grünen Bündnisses in Hessen als auch eine große Koalition aus CDU und SPD hätte eine hauchdünne Mehrheit. Die Fortführung einer schwarz-grünen Koalition scheint zum jetzigen Zeitpunkt am realistischsten, dennoch sollte man in politisch unruhigen Zeiten wie diesen vorsichtig mit Prognosen sein.

Nach den schlechten Ergebnissen für CDU und SPD gibt es nun bereits die ersten politischen Konsequenzen. Bundeskanzlerin und Parteivorsitzende der CDU, Angela Merkel, erklärte laut übereinstimmenden Medienberichten auf der Präsidiumssitzung der Partei, dass sie nicht erneut für den Vorsitz ihrer Partei kandidieren werde. Daraufhin wurden nun bereits mehrere mögliche Nachfolger ins Gespräch gebracht. Auf der einen Seite stehen Jens Spahn und Friedrich Merz, die dem konservativen Lager der CDU zugeordnet werden können. Auf der anderen Seite befinden sich die Generalsekretärin der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, die als Vertraute von Angela Merkel gilt. Bekommt die CDU nach der Wahl eines konservativen Fraktionschefs nun auch wieder eine konservative Parteispitze? Und kann sie mit diesem Kurs Wähler von der AFD zurückgewinnen?

In der SPD ist die Stimmung nach der Wahl sehr angespannt und wird von Schuldzuweisungen überbeschattet. Der Spitzenkandidat aus Hessen Schäfer-Gümbel erklärte: „Wir haben nicht nur keinen Rückenwind aus Berlin erhalten, sondern wir hatten regelmäßig Sturmböen im Gesicht.“ Die Parteivorsitzende Andre Nahles äußerte sich durchaus selbstkritisch und stellte die Regierungsarbeit in Frage: „Zu den Verlusten der SPD in Hessen hat die Bundespolitik erheblich beigetragen. (…) Der Zustand der Regierung ist nicht akzeptabel.“

Ob die SPD in naher Zukunft politische Konsequenzen aus den herben Verlusten auf Landesebene ziehen wird – sowohl auf Personal- als auch auf Regierungsebene – bleibt abzuwarten.

Nun darf man gespannt sein, wie sich die politische Lage in Zukunft entwickeln wird. Die nächsten Wahlen stehen im Sommer 2019 an, dann werden die Landesparlamente in Brandenburg, Sachsen und Thüringen gewählt, Länder, die durchaus das Potenzial haben, für ein gewaltiges politisches Beben in Deutschland zu sorgen. Oder erleben wir bis dahin schon ein Ende der großen Koalition und Neuwahlen auf Bundesebene? Durchaus vorstellbar ist das angesichts der Streitereien innerhalb Regierung und den daraus resultierenden Ergebnissen bei den Wahlen in Bayern und Hessen.

In jedem Fall haben die beiden großen Volksparteien CDU und SPD massiv an Wählern eingebüßt. Volksparteien sind eigentlich Parteien, die grundsätzlich eine große Anhängerschaft aus allen Gruppen der Bevölkerung haben. Dass sich dies nun ändert, vermag also dennoch eine Prognose gerechtfertigt erscheinen lassen: die Parteienlandschaft, wie wir sie kennen, könnte sich drastisch verändern.

Quellen:

https://www.n-tv.de/politik/Wer-in-Hessen-mit-wem-regieren-koennte-article20675534.html

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-angela-merkel-will-nicht-mehr-fuer-parteivorsitz-kandidieren-a-1235646.html

https://www.wahlrecht.de/termine.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Hessischer_Landtag#Sitz

https://www.bild.de/regional/frankfurt/frankfurt-regional-politik-und-wirtschaft/stimmen-zur-landtagswahl-am-riemen-reissen-ist-das-gebot-der-stunde-58102318.bild.html

Der deutsch-polnische Vertrag als Eröffnung eines neuen Kapitels internationaler Beziehungen: Die Deutsche Außenpolitik von Willy Brandts Kniefall von Warschau bis heute

Wandel durch Annäherung – das ist der Grundstein von Brandts Ostpolitik, die er am 7. Dezember 1970 durch eine der bedeutsamsten Gesten, die die Welt jemals gesehen hatte, besiegelte: den Kniefall von Warschau als Bekundung von Demut.

Jemand, der selbst vor den Nationalsozialisten fliehen musste, da er im Untergrund für linke Gruppen arbeitete und so nicht einmal selbst für deren Verbrechen verantwortlich war, bat hier um Vergebung.

Er kniete nicht um seiner selbst willen dort, sondern für Deutschland und die Deutschen. Eine große Geste, die wohl mehr bewegt hat als viele Verträge – und ein Symbolbild des ganzen Jahrhunderts, das auch im darauffolgenden Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Warschau, Bronzetafel, Denkmal Des Kniefalls

Meilenstein der deutschen Außenpolitik

Auch die folgenden Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Schmidt (SPD), Helmut Kohl (CDU) und Gerhard Schröder (SPD), wie auch die aktuelle, erste weibliche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), zeichnen sich verantwortlich für wichtige Pfeiler der Außenpolitik. Dabei arbeitet der Kanzler stets eng mit dem Außen- aber auch beispielsweise dem Entwicklungsminister zusammen. Ebenso spielen der Bundestag, die deutschen Botschaften in verschiedenen Ländern der Welt und auch die Goethe-Institute eine wichtige Rolle. Die Kanzler nach Brandt legten dabei auf teilweise unterschiedliche Aspekte ihrer Aufgabe als ranghöchste Außenpolitiker Deutschlands Wert.

Ära Schmidt: möglichst keine Einmischung in Angelegenheiten souveräner Staaten

Schmidt (1974-1982) beispielsweise war es besonders wichtig, sich nicht in die Angelegenheiten souveräner Staaten einzumischen. Auch war die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen in Europa eines seiner großen Ziele, das er auch erreichte. Dieser sogenannte NATO-Doppelbeschluss war die Antwort auf die Bedrohung durch neue Atomraketen auf sowjetischer Seite und sah zudem noch ein Verhandlungsangebot an die Sowjetunion, beiderseits auf die Waffensysteme zu verzichten, vor. Doch da dieser Beschluss in der Bevölkerung und auch in der SPD auf Ablehnung stieß, verlor Schmidt die Zustimmung seiner Partei und so zerfiel schließlich die sozialliberale Koalition an den Differenzen, besonders in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Am 17. September 1982 traten daher sämtliche FDP-Bundesminister zurück. Am 1. Oktober stellte die CDU/CSU ein konstruktives Misstrauensvotum, bei dem Helmut Kohl (CDU) als Schmidts Nachfolger zum neuen Bundeskanzler gewählt wurde.

Ära Kohl: Einigkeit und Freiheit für Deutschland und Europa

Kohl (1982-1998) hatte in seiner Außenpolitik klare Ziele: zunächst strebte er die politische Einigung Europas an. Weiter wollte er die westliche Allianz festigen und weiter ausbauen. Auch die internationale Mitverantwortung gegenüber der Dritten Welt galt es wahrzunehmen und für einen menschlich gerechten und sachlich vernünftigen Interessenausgleich zwischen Nord und Süd, aber auch, vordringlich, zwischen West und Ost zu sorgen. Hier sollte in besonderer Weise auch die Volksrepublik China einbezogen und die Beziehungen zur Sowjetunion zum gegenseitigen Vorteil weiterentwickelt werden. Die „Ära Kohl“ hat in der Bundesrepublik so viel verändert wie nur vor ihm der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer. Die Verhandlungen mit George Bush und Michail Gorbatschow nach dem Sturz der SED-Diktatur in der DDR durch die friedliche Revolution konnten die Vereinigung beider deutscher Staaten 1990 sicherstellen. Nach über 40 Jahren deutscher Teilung leistete der „Kanzler der Einheit“ einen entscheidenden Beitrag, diesen Konflikt zu lösen.

Die Etappe Schröder: neue Herausforderungen

Auf Kohls Kanzlerschaft folgte von 1998-2005 die Gerhard Schröders, dessen Außenpolitik bis 2002 zwischen Beständigkeit in der Europapolitik und den transatlantischen Beziehungen und radikalem Wandel durch die Teilnahme der Bundeswehr im Kosovokrieg schwankte.

„Ground Zero“ in New York: der Terror von 9/11 veränderte nicht nur die Außen- und Sicherheitspolitik Deutschlands, sondern die der ganzen westlichen Welt

Doch ab 2003, nach dem Irak-Krieg, stand Schröders Außenpolitik vermehrt unter Kritik, die sich auf fast alle Bereiche ausbreitete. Auch der Terrorangriff der islamistischen Organisation Al-Qaida am 11. September 2001 in den USA veränderte die gesamte deutsche Außenpolitik auf dramatische Weise, auch was die transatlantischen Beziehungen betraf. Deutschland versprach den USA ihre Unterstützung und stellte knapp 4.000 Bundeswehrsoldaten zur Verfügung, von denen einige an Operationen in Afghanistan teilhatten und immer noch haben, und weitere in der Luftraumüberwachung der NATO tätig sind. Dieser Wandel der Bundeswehr zu einer Armee mit globalem Aufgabenspektrum und der Unterzeichnung des Afghanistanabkommens am 5. Dezember 2001 markierte einen Höhepunkt in Schröders Außenpolitik. Doch die Beziehungen zu Amerika wurden zunehmend schlechter, da Deutschland verkündete, nicht ohne ein UNO-Mandat am von Amerika geplanten Irak-Krieg teilzunehmen. Im Sommer 2002 gab Schröder, anfangs aus wahltaktischen Gründen, den „Deutschen Weg“ als Alternative zur „amerikanischen Kriegstreiberei“ im Irak bekannt und stellte Deutschland als Friedensmacht dar. Die sich zunehmend verschlechternden transatlantischen Beziehungen zu den USA führten zu einer fast trotzigen Annäherung Schröders zu Russland und der Anerkennung Putins als „lupenreinen“ Demokraten.Beinahe war die Außenpolitik Schröders von einer scheinbaren Blindheit gegenüber autoritären Entwicklungen in Moskau und Peking gekennzeichnet, da der Kanzler auch gegenüber China die europäischen Waffenembargos (Unterbindung des Exports und Imports von Waffen) aufheben wollte, was Deutschlands Position und Ansehen auf internationalem Parkett zusätzlich schwächte. Trotz allem wurde Schröder bei der Bundestagswahl 2002 erneut zum Kanzler gewählt, was wohl vor allem an der Ablehnung einer Teilnahme am Irak-Krieg lag.

Die Agenda 2010, eine Reform der Sozialgesetzgebung, war Schröders zugleich wichtigstes und größtes Projekt aber auch jenes, das ihn am meisten unter Druck setzte. Oft konnte er seine Koalition nur durch mehr oder weniger offene Rücktrittsdrohungen und die Förderung von parteiinternen Unterstützern zusammenhalten. Trotz dieser Versuche legte er 2004 sein Amt als Parteivorsitzender der SPD nieder. Nachdem die Sozialdemokraten bei der Landtagswahl in ihrem Stammland Nordrhein-Westfahlen nach 39 Jahren die Regierungsführung verloren, sah Schröder die Grundlage für seine Politik in Frage gestellt. Im Bundestag stellte er am 1. Juli 2005 die Vertrauensfrage, die mit 151 Ja-, 296 Nein-Stimmen sowie 148 Enthaltungen beantwortet wurde. Damit war die notwendige Kanzlermehrheit nicht erreicht und die „Etappe Schröder“ fand ihr Ende.

Angela Merkel: Demokratie, Sicherheit, Diplomatie

Als Nachfolgerin wurde die bis heute amtierende erste deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewählt. Sie ließ ihre Aufgaben zunächst ruhig und (bis heute) mit Bedacht angehen, schaffte es aber langfristig, die Beziehungen zu den USA wieder zu verbessern. Doch die Ruhe in der ersten Amtsperiode Merkels täuscht: auf den ersten Blick scheinen wenige außenpolitische Bewährungsproben Merkel zu belasten, allerdings sind auf den zweiten Blick neue weltpolitische Herausforderungen zu bewältigen, wie beispielsweise die Globalisierung und (teilweise daraus resultierende) Konfliktherde auf der Welt.

Zu Beginn der zweiten Amtsperiode 2009 verschärfte sich infolge der Wirtschaftskrise die finanzielle Lage einiger europäischer Staaten. Ziel der deutschen Außenpolitik war es, eine gesamteuropäische Lösung der Euro-Krise zu finden. Diese Einbindung in den europäischen Kontext zieht sich wie ein roter Faden durch die Außenpolitik aller Kanzler der Bundesrepublik seit Adenauer. Auch in der Dritten Welt werden weitere Spannungen besonders deutlich und die scheinbar helle, fortschrittliche Globalisierung „wird außerhalb der OECD-Welt zum Synonym für Armut, Identitätsverlust und Rückständigkeit“[1].

Soldaten der Bundeswehr patroullieren in Afghanistan im Rahmen des ISAF-Mandats

Militärisch hält sich die deutsche Außenpolitik nach dem Afghanistaneinsatz wieder zunehmend zurück, lediglich in Mali und weiteren Regionen wird Aufklärungsarbeit und Unterstützung durch die Bundeswehr geleistet. Der Hauptauftrag besteht darin, deeskalierend zu wirken und Rechtsstaatlichkeit wiederherzustellen und zu sichern. Durch den Wandel und vor allem die Ausweitung der Konflikte ist es jedoch fraglich, wie lange sich Deutschland noch aus Kampfhandlungen heraushalten kann, zumal seitens der Bündnispartner seit längerem die Forderung zu mehr aktiver Beteiligung laut wird.

Schwierig ist auch der Umgang mit Diktaturen oder Scheindemokratien, wie sie vor allem in Russland und der Türkei vorzufinden sind. Völkerrechtlich gesehen, ist es keinem Staat erlaubt, aktiv in die Politik anderer Nationen einzugreifen; es ist nur möglich, mit diesen zu kooperieren und diplomatisch Konflikte zu lösen. Für Israel fühlt sich Deutschland aufgrund seiner Geschichte bis heute verantwortlich, weshalb die Aufnahme von Flüchtlingen und deren Integration (Humanität) dementsprechend eine absolut logische und richtige Konsequenz ist. Auch die Umwelt- und Energiepolitik sind wichtige Aufgabenfelder der Kanzlerin und so forderte sie nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011 eine völlige Abkehr von der Atomkraft und den stufenweisen Atomaussteig Deutschlands bis 2022.

Es folgte die umstrittene Überwachungs- und Spionageaffäre der NSA 2013. Im September des Jahres wurde Merkel erneut zur Kanzlerin gewählt. Im Ukraine-Konflikt mit Russland tritt Merkel fast nur in Gemeinschaft mit der EU auf, nimmt aber trotzdem wieder ihre Vermittlerrolle auf, die auch auf die geografische Lage Deutschlands  und die besondere politische Verantwortung aufgrund der Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs zurückzuführen ist. Ebenfalls hat die Wahl des neuen US-Präsidenten Donald Trump, der seit 20. Januar diesen Jahres im Amt ist, in der Außenpolitik Deutschlands viel verändert. Die Beziehungen zu den USA haben sich spätestens seit Trump drastisch verändert, was sich auch auf die transatlantische Zusammenarbeit auswirkt (vgl. Trumps Forderung nach einer Aufstockung des Wehretats der Nationalstaaten). Das Freihandelsabkommen TTIP wird im Zuge der Entwicklungen wohl weniger bis keine Chance mehr haben, zumindest nicht ohne markante Forderungen durch die USA. In einem Bericht des ZDF heißt es, Trump habe die Macht, wüsste aber nichts von internationalen Beziehungen. Deutschland muss in Zukunft seine Handelspartner also wohl außerhalb von Washington suchen. Derzeit sieht sich die deutsche Außenpolitik mit diplomatischen Spannungen mit der Türkei konfrontiert, deren Präsident Erdogan ein Präsidialsystem nach autoritärem Vorbild anstrebt. Aus diesem Konflikt erwachsen womöglich noch verstärkte innenpolitische Spannungen, zumal Erdogan die in Deutschland lebenden Türken für seine Zwecke zu moblisieren versucht und Deutschland öffentlich in Misskredit bringt.

Diesen Herbst finden dann die nächsten Bundestagswahlen statt, in denen Angela Merkel gegen den ehemaligen Präsidenten des EU-Parlaments Martin Schulz (SPD) antreten wird. Es bleibt abzuwarten, welche Herausforderungen die deutsche Außenpolitik noch zu meistern hat. Soviel dürfte aber klar sein: es wird nicht einfacher, sondern eher komplizierter – wie die Welt offensichtlich auch. Umso entscheidender dürfte also sein, (weiterhin) mit Bedacht und diplomatischem Geschick außenpolitisch zu agieren, um den europäischen und weltweiten Krisen und Konflikten adäquat begegnen zu können.

[1] http://www.bpb.de/apuz/29462/deutsche-aussenpolitik-unter-bundeskanzlerin-angela-merkel?p=all

Kommentar: „Bist du schwul, oder was?“ – Ein Plädoyer für mehr Toleranz

SoR-SmC Exklusiv

„Hahaha, das sieht voll schwul aus.“ Dieser Satz ist eigentlich gar nicht auf eine homosexuelle Person bezogen. „Schwul“ bedeutet in diesem Kontext so etwas wie „nicht schön“, „eigenartig“ oder sogar „hässlich“. Man könnte meinen, unsere Gesellschaft im 21. Jahrhundert sei tolerant und aufgeklärt – wie kommt es dann aber, dass eine sexuelle Orientierung als Schimpfwort verwendet wird?

Mann und Frau zusammen bilden nach wie vor das typische Beziehungsbild. Klar, das lässt sich auch begründen, denn nur daraus gehen letztlich Kinder hervor und die Gesellschaft braucht Kinder, der demographische Wandel ist kaum zu leugnen. Trotzdem kann das kein Grund sein, jemanden auszugrenzen. Man kann Kinder adoptieren, es gibt künstliche Befruchtungen usw. Aber natürlich bleiben Vater und Mutter trotzdem nach wie vor die besten Eltern.

Schon immer gab es Menschen, die nicht nur in puncto Sexualität anders waren, als es die Norm vorsah – sie wurden über Jahrhunderte hinweg verfolgt, gefoltert, hingerichtet. Aber weswegen? Wir sind doch alle Menschen!

In den USA kursierte eine Weile das Gerücht, die Teletubbies würden die Kinder „schwul machen“, weswegen sie schlecht wären und abgeschafft gehörten. Im Februar 1999 erschien im National Liberty Journal des US-amerikanischen Fernsehpredigers Jerry Falwell der Artikel Tinky Winky Comes Out of the Closet, welcher Eltern vor der homosexuellen Agenda der Teletubbies warnte. Tinky-Winky sei schwul, denn er ist violett – die Gay-Pride-Farbe (in den USA ist lavendelfarben eine althergebrachte homosexuelle Symbolfarbe), seine Antenne wird mit dem Rosa Winkel in Verbindung gebracht, den Homosexuelle in nationalsozialistischen Konzentrationslagern tragen mussten und der daher später ebenfalls zu einem Gay-Pride-Symbol wurde, und er trägt eine Handtasche. Im Artikel heißt es, die „subtile Darstellung“ schwuler Sexualität sei Absicht und der Autor kommt zu dem Schluss: „Als Christ fühle ich, dass das Vorbild des homosexuellen Lebensstils schädlich für das moralische Leben von Kindern ist.“ [fachliche Anmerkung: Christen in den USA gehören unterschiedlichen Splittergruppen an, die teilweise sektenähnlich organisiert sind]. Aus demselben Grund wurde im Mai 2007 Polen überlegt, ob die Teletubbies aus dem Programm genommen werden sollen.

Dass Kinder dadurch nicht „schwul gemacht“ werden, sondern eher von vornherein lernen, sich darüber nicht zu wundern und sich keine vorurteilsbehafteten Gedanken zu machen, steht für mich außer Frage. Aber warum haben die Menschen überhaupt so viel Angst davor?

Die Furcht vor dem Andersartigen und Unbekannten war schon immer weit verbreitet (vgl. Hexenverbrennung im Mittelalter). Wenn jemand anders aussah, andere Fähigkeiten oder Eigenschaften besaß als die meisten anderen, musste es schlecht und falsch sein. Eine einseitige, ja mehr als kurzssichtige Denkhaltung ist das meiner Meinung nach und nicht selten lässt sich dahinter, wenn nicht ein niedriger Bildungsstand, dann zumindest ein geringer Wissensstand oder ein Minimalmaß an Toleranz in dieser Hinsicht vermuten.

Wenn Homosexualität im Alltag stärker (vorbehaltlos) thematisiert werden würde sowie – bildlich gesprochen  – nicht mit LED-Pfeilen darauf gezeigt werden würde – könnte sich vielleicht etwas in unserer Gesellschaft verändern. Natürlich muss niemand etwas für „gut“ oder „nicht gut“ befinden, wenn er es nicht möchte. Es geht auch gar nicht darum, mit der Keule jemandem Toleranz aufzuzwingen oder ihn von einer Sache zu überzeugen, hinter der er nicht steht. Dennoch wäre es gerade in einer demokratischen Gesellschaft wie unserer wünschenswert, dass man das, was eben AUCH da ist, nicht als abnorm oder „schlecht“ abtut, sondern zumindest als etwas gleichwertig Mögliches neben dem eigenen Vorstellungskonzept akzeptiert – und nur dann darüber urteilt, wenn man auch wirklich etwas darüber weiß. Voraussetzung ist allerdings immer, dass durch das „Andere“ niemand zu Schaden kommt oder negativ beeinflusst wird.

Die Bundessprecherin der Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry, hat hinsichtlich der o.g. Forderung nach einer toleranteren Sichtweise scheinbar insgesamt eine andere Meinung als ich. In einem Interview mit dem Youtube – Kanal „Jung & Naiv“ beklagte sie sich, dass homosexuelle Figuren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen „zum Standard erhoben“ würden. Es komme „fast kein Spielfilm in Deutschland mehr […] ohne das schwule Pärchen [aus], das dann ganz toll gefunden wird von Mutter und Vater, die nach Hause kommen“. Sie begründete ihre Aussage mit dem klassischen Argument, dem Kindermangel in Deutschland. Auch das volle Adoptionsrecht für Lesben und Schwule lehnte Petry mit dieser Begründung ab: „Der politische Standard für die AfD ist die Partnerschaft der Familie aus Frau, Mann und Kindern, weil daraus in der Regel zumindest die Kinder hervorgehen.“

Keine Ahnung, welche Filme sie sich ansieht, aber zuhauf kommen Homosexuelle in Film und Fernsehen meiner Meinung nach nicht vor. Hier und dort, selten ist die Figur aber der Protagonist. Und so, wie Frauke Petry es formuliert, klingt es, als wäre Homosexualität eine Art modische Erscheinung oder eine allgemeine Tendenz, homosexuell zu sein – frei nach dem Motto „Ach, jetzt ist das gerade ein Trend, oder?“ Eigentlich ist es doch aber eine Errungenschaft, dass Homosexuelle in den Medien erscheinen. Ein Versuch, den Leuten zu zeigen: Es gibt auch solche Menschen und die sind ganz normal – allmählich in der öffentlichen Wahrnehmung befreit von ihrem Stigma. Damit ist es aber meiner Meinung nach noch lange nicht getan.

Homosexuell zu sein, ist immer noch irgendwie schwierig. Es wird gut überlegt, wem gegenüber man sich outet und wann – und dann ist es gefühlt immer ein „Riesending“. Warum heißt es überhaupt „Outing“? „Out“ bedeutet doch „aus der Mode“, etwas „rauslassen“ (für das man sich schämen muss / weil es belastet) bzw. in einem anderen Kontext „raus“ – vielleicht sogar raus aus der Gesellschaft oder zumindest nicht „drin“? Allein dieses Wortspiel lässt erkennen, wie Homosexualität im Alltag unnatürlich aufgeblasen und über Gebühr in der öffentlichen Wahrnehmung „problematisiert“ wird.

Wenn das Thema „homosexuell sein“ zur Sprache kommt, sagen die meisten, sie hätten nichts gegen diese Leute. Sie reden darüber, als wäre das eine Gruppe von Menschen, die auf der anderen Seite der Welt lebte oder auf einem anderen Planeten,  ganz weit weg eben. Aber wenn sie selbst direkt damit konfrontiert werden, sähe es wahrscheinlich ganz anders aus. (Zum Beispiel sagen manche hinter vorhehaltener Hand, dass sie es nicht so toll fänden, wenn ihre Kinder homosexuell wären.)

Außerdem fällt auf, dass schwul zu sein scheinbar ein größeres Thema darstellt als lesbisch zu sein. Meistens wird nur über die Männer gesprochen. Warum ist das eine diskussionswürdig, das andere kein Thema? Vielleicht liegt es auch daran, dass bei Frauen die Grenze zwischen Freundschaft und Liebe aufgrund der Zuweisung „Frauen sind emotionaler“ fließend erscheint. Bei Männern ist das anders. Für Teenager-Jungs scheint zu gelten: lieber nichts Rosafarbenes anziehen, lieber nur Einklatschen mit den Kumpels anstatt Umarmen, breitbeinig sitzen und Bier trinken, man könnte ja sonst schwul wirken. Dass Männer Angst davor haben, zeigt, dass sie damit etwas Negatives verbinden. Also kann man nicht von allgemein vorherrschender Akzeptanz sprechen.

Sexualität ist ein Thema, mit dem sich die Menschen augenscheinlich eher nicht so gerne auseinandersetzen. Außerdem gibt es viele Lebensformen und Orientierungen, von denen die meisten nichts wissen. Natürlich darf niemand gezwungen sein oder sich unter dem Denkmantel der Forderung nach mehr Toleranz gezwungen fühlen, Wissen über Dinge zu haben oder (ungefragt) zu bekommen, wenn sie sich nicht dafür interessieren oder sich diese Dinge nicht in das eigene Weltbild integrieren lassen – und damit womöglich mehr belastet als Nutzen bringt. Es  steht letztlich jedem frei, was er weiß, und jeder hat das Recht auf Nichtwissen. Dennoch darf als Faustregel gelten: wer urteilt, kann das letztlich nur auf Grundlage von Wissen tun – dabei wird man schnell ungerecht, ohne darüber nachgedacht zu haben, dass man dabei indirekt ausgrenzt oder zu Unrecht Menschen auf einzelne Merkmale reduziert: der Kerngedanke meiner Kritik!

Im Zusammenhang mit Wissen gilt es noch zu bedenken, dass durch die mediale Enttabuisierung und latente Verfügbarkeit von Sexualität ein neuer, nicht ungefährlicher Zugang zu selbiger geschaffen wurde, der gerade junge Menschen, die sich noch in der Phase der Selbstfindung befinden, womöglich irritert – ist der Zugang schließlich ein anderer als noch vor wenigen Jahrzehnten. Es stellt sich also die Frage, ob angesichts dieser Omnipräsenz sexueller Inhalte und Erscheinungsformen nicht womöglich doch die wissenserweiternde, pädagogisch begleitete Beschäftigung damit insofern notwendig ist, als nur durch sie ein adäquater Schutz der Jugend möglich erscheint, ganz nach dem Motto: „Lasst unsere Kinder damit nicht alleine!“ In dieser Hinsicht ist Wissen also wohl nicht verkehrt, da sie Mündigkeit befördert, durch welche in letzter Instanz im Rahmen der eigenen konsolidierten Werte- und Normenordnung Toleranz entstehen kann, die nicht belastet oder verwirrt, sondern ein „Leben und leben lassen“ ermöglicht.

Wir sind alle unterschiedlich, nicht für jeden passt das, was als Standard oder Norm angesehen wird, nicht nur in sexueller Hinsicht. Aufgezwängtes kann sogar seelisches (und in der Konsequenz nicht selten auch körperliches) Leid hervorrufen – ebenfalls in jedweder Hinsicht. Wenn man darüber nicht nachdenkt, darüber nicht spricht, und sich nicht informiert, wird sich auch nichts ändern.

Wahrscheinlich wäre das alles gar nicht so besonders, würden die Menschen das Thema Sexualität für / vor sich selbst enttabuisieren. Wenn das bei mir der Fall wäre, hätte ich das  hier wahrscheinlich nicht geschrieben.

Europa der Zukunft – Zukunft Europas: Kollegiatinnen der Q12 verleihen Sorgen und Hoffnungen auf selbst gestalteten Geldscheinen Ausdruck

Im Rahmen des Sozialkundeunterrichts haben Kollegiatinnen aus der Q12 ihren Sorgen und Hoffnungen zum Thema „Zukunft der EU“ Ausdruck verliehen. Fröhliche, hoffnungsvolle Szenarien, aber auch düstere, kann man in der nachfolgenden „digitalen Galerie“ betrachten:

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