Antisemitismus in Deutschland – ein Phänomen der NS-Zeit?

Racism, Black Lives Matter, African-American, Equality

Antisemitismus ist mehr als Fremdenfeindlichkeit, auch mehr als ein soziales oder religiöses Vorurteil. Er ist eine antimoderne Weltanschauung, die in der Existenz jüdischer Personen die Ursache aller Probleme sieht, kurz gesagt – Judenhass. Die jüdische Geschichte, so reichhaltig sie auch ist, ist von jeher von Ausgrenzung, Hass und Gewalt geprägt.

Antisemitismus ist nicht allein ein Phänomen der NS-Zeit, sondern ist bereits seit dem frühen Mittelalter in Deutschland zu finden. Als schließlich Hitler im Jahre 1933 die Macht ergreift, setzt eine Vernichtungspolitik in noch nie gesehenem Ausmaß ein, die zur Ermordung von etwa sechs Millionen Juden führt. Der Judenhass, der sich im Zeitalter des Nationalsozialismus ins Unermessliche steigert, äußert sich durch Maßnahmen wie gewaltsame Verfolgung, gesetzliche Diskriminierung, Deportation der Juden bis hin zur systematischen Judenvernichtung. Bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten leben circa 500.000 Juden im Deutschen Reich, was weniger als ein Prozent der deutschen Bevölkerung ausmacht. Auf die mühsam errungenen Rechte, die die jüdische Gemeinschaft nach und nach erlangte und den daraus resultierenden Erfolg der Juden in Wirtschaft und Kultur in diesen Zeiten, folgt Neid, welcher zu zunehmendem Antisemitismus und stark ausgebildeten Stereotypen führt. 1935 werden deutsche Juden durch eine antijüdische Gesetzgebung ihrer Grundrechte beraubt. Die ökonomische Benachteiligung wird durch Boykotte, Entlassungen, Berufsverbote und Enteignungen sichtbar und immer mehr Juden verlassen Deutschland. 1938 äußert sich der Judenhass erneut in extremeren Formen. Antisemitische Kräfte radikalisieren sich weiter und die Lage spitzt sich in der Reichspogromnacht, in der die Zerstörung jüdischer Gebäude und Verhaftungen jüdischer Bürger ihren Höhepunkt erreicht, zu. Im Zuge der Novemberpogrome werden etwa 26.000 Juden aus ganz Deutschland in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen gebracht. Die jüdische Bevölkerung wird von da an in einem nie da gewesenen Ausmaß verschleppt und diskriminiert. Die jüdische Emigration wird zur Massenflucht. Ab Oktober 1941 werden die verbliebenen 163.000 Juden systematisch aus dem Deutschen Reich deportiert und ca. zwei Millionen Juden aus Deutschland und verbündeten Staaten kommen bis Kriegsende 1945 in Vernichtungslagern ums Leben. Im sogenannten Holocaust erleiden insgesamt etwa sechs Millionen Juden den Tod. Auch Landshuter Bürger werden zu dieser Zeit Opfer des Antisemitismus. Martin Ansbacher erzählt in einem Interview von den Qualen und Erniedrigungen, die sein Vater damals im Arbeitslager Dachau erlitt: „Eines Tages brach mein Vater neben mir während des Appells zusammen, und natürlich half ich ihm auf. Sofort schreit mich ein SS-Mann an: „Wieso hilfst du diesem Juden?““ Obwohl Dachau kein Vernichtungslager gewesen ist, werden es die Wenigsten lebend oder unverletzt entlassen: „Schließlich wurden wir entlassen und konnten mit dem Zug nach Hause fahren. Am Morgen danach bekam ich Fieber und schlimme Rückenschmerzen. Der Doktor diagnostizierte eine Nierenentzündung. Tagelang, wochenlang, litt ich Höllenquallen.”

Antisemitismus – ein Phänomen, welches vor allem mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wird. Mittlerweile lebt in Deutschland wieder die drittgrößte jüdische Gemeinschaft Europas und dennoch ist Antisemitismus auch heute noch in Teilen der Bevölkerung verankert. 2017 in Berlin: Augenzeugen berichten von offener Holocaust-Leugnung und der Verbrennung israelischer Flaggen. Traditionelle antisemitische Vorurteile, sekundärer Antisemitismus und israelbezogener Antisemitismus sind hier nicht selten zu finden. Dies ist nur ein Beispiel von vielen: Im Mai 2021 wird in Mannheim eine Synagoge beschädigt. In Berlin, Würzburg und Solingen wird die von der Regierung gehisste Israel-Flagge gestohlen und beschädigt. In Gelsenkirchen müssen Demonstrationen gegen die Politik Israels unter palästinischer und türkischer Fahne gestoppt werden. Von Seiten der Politik heißt es „Null Toleranz“ gegenüber Judenfeindlichkeit, so Heiko Maaß. Auch Franz-Walter Steinmeier betont, dass das Grundgesetz zwar das Recht auf Meinungs- und Demonstrationsfreiheit garantiere, dass die Verbrennung von Fahnen mit Davidstern und das Brüllen antisemitischer Sprüche aber nicht nur als Missbrauch der Demonstrationsfreiheit, sondern als Straftat gelte und verfolgt werden müsse. Der wieder zunehmende Antisemitismus sorgt für Angst unter den Leuten. Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach sagt: „Für unsere Mitglieder, die zu einem großen Teil aus der ehemaligen Sowjetunion kommen, ist das beängstigend und emotional schwer zu verkraften.“ Nachdem vor kurzem auch in Bonn vor einer Synagoge eine israelische Flagge brennt, äußert sich nun ebenfalls die Vorsitzende der Synagogengemeinde Bonn: „Es ist mir egal, woran die Leute glauben. Aber leider sind es immer wieder junge islamistische Männer, die uns Juden angreifen.“ Der Antisemitismus komme jedoch von allen Seiten, auch von Rechten, Linken und aus der Mitte der Gesellschaft. „Die Menschen kennen keine Juden und hassen sie trotzdem.“ Einer Umfrage der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte nach sind 41 % der jüdischen Befragten in den letzten 12 Monaten von antisemitischen Übergriffen betroffen gewesen. Die Kriminalität von Judenhassern hat 2019 den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten erreicht. Die Polizei registriert in diesem Jahr etwa 2000 antisemitische Straftaten, die vor allem rechts-konservativen Tätern zuzuordnen sind. 2020 steigt diese Zahl auf ca. 2350 und damit erneut auf eine Höchstzahl. Auch jüdische Jugendliche haben in Schule und Freizeit unter antisemitischen Äußerungen zu leiden. „Du Jude“ als Schimpfwort gehört auf vielen Pausenhöfen zum festen Sprachgebrauch, so Iris Berben. Unter körperlichen Angriffen hat ein Schüler aus Frankfurt am Main aufgrund des öffentlichen Tragens der Kippa zu leiden. Ein anderer Schüler äußert den Wunsch „nicht auf die Welt gekommen zu sein“, den der tägliche Antisemitismus in ihm auslöst. Antisemitismus beziehungsweise Rassismus führt laut ihm dazu, „dass man sich selbst nicht mag“. Auch Julia Bernstein thematisiert die Problematik in ihrem Buch „Antisemitismus an Schulen in Deutschland“. Sie berichtet beispielsweise von Aussagen eines Lehrers, welcher wörtlich zu einem seiner Schüler sagt: „Wenn alle Juden sind wie du, dann kann ich Hitler verstehen.“ Auch innerhalb der Klassengemeinschaft sind jüdische Schüler vor antisemitischen Äußerungen nicht sicher. Die einen leugnen den Holocaust, die anderen meinen „der Mitschüler hätte mit vergast werden sollen“.

Antisemitismus ist im Laufe der Zeit zwar offensichtlich zurückgegangen und im Ausmaß der NS-Zeit nie wieder vorgekommen, dennoch ist er nicht verschwunden. Die Allgegenwärtigkeit des Judenhasses ist vielen Deutschen nicht bewusst und doch bekommen ihn viele jüdische Bürger täglich zu spüren. Das Bild völliger Gleichberechtigung und das Ablegen von Vorurteilen Juden gegenüber ist eine utopische Illusion. Antisemitismus ist kein Phänomen aus der Vergangenheit, das getrost vergessen werden kann. Er ist immer noch gegenwärtig und wird auch von Seiten der deutschen Politik weiterhin bekämpft.

Quellen: https://www.zdf.de/dokumentation/dokumentation-sonstige/hey-ich-bin-jude-104.html https://www.annefrank.org/de/anne-frank/vertiefung/was-ist-der-holocaust/ https://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/gerettete-geschichten/177625/vertreibung-und-vernichtung-der-juden-aus-dem-deutschen-reich https://gymnasium.seligenthal.de/827/articles/1037 https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/juedischesleben/ https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Antisemitismus_bis_1945 https://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37966/aktuelle-phaenomene-stroemungen-debatten https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/polizei-antisemitismus-synagogen-101.html https://www.tagesschau.de/inland/antisemitismus-nahost-konflikt-101.html https://www.tagesspiegel.de/politik/rekordzahl-antisemitischer-kriminalitaet-in-deutschland-straftaten-von-judenhassern-auf-hoechstem-stand-seit-2001/25863836.html https://mediendienst-integration.de/desintegration/antisemitismus.html https://www.lpb-bw.de/reichspogromnacht#c13981 https://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37945/was-heisst-antisemitismus https://gymnasium.seligenthal.de/827/articles/1037 Ehm, Matthias: Abitur Skript Geschichte Gymnasium Bayern. Stark Verlag GmbH, 2020

Die Notbremse

eine Glosse

Auto, Mechaniker, Hände, Schrott, Alte, Kautschuk, Rad

Da rattert der Politikexpress auf holprigen Schienen durch das Tal der Verzweiflung und vorne streiten sich die Zugführer, ob man nun bremsen oder Gas geben soll. Ja, ganz ehrlich, so hätte man sich wahrscheinlich gefühlt, wenn man unsere Gesellschaft in einen Zug stecken und aus dem Fenster schauen würde. Und wenn dann jeder einzelne Waggon noch seinen eigenen Zugführer hat, tja, dann wird es kompliziert und es kommt zu Verspätungen. Gott sei Dank gilt der Föderalismus nicht bei der Bahn, aber Verspätungen dürfen wir uns in dieser Pandemie nun wirklich nicht erlauben. Seit über einem Jahr wird dieses Land augenscheinlich nur von Wirtschaftsverbänden und Virologen regiert, die unsere Politiker vor sich hertreiben. Deren Kreativität erschöpfte sich in Zusammenstellung ausgefallener Wortungetüme wie „Virusvarianten-Gebiet“ und „Hochinzidenzgebiet“, mit denen ihnen der 1. Platz als Unwort des Jahres zweifelsohne sicher wäre.

Aber leider hat dieses Land offenbar seine ganze Kreativität in Wortspiele verpulvert. Dabei blieb die Impfstoffversorgung leider auf der Strecke. Wenn wir jetzt ein reiches Land wären, welches 200 Millionen in Bürgerkriegsländer pumpt oder sämtliche Freibäder in Albanien sanieren würde, ich wäre echt schockiert, dass man kein Geld zum Schutz seiner eigenen Bevölkerung ausgeben möchte.

Gott sei Dank haben wir aber Frau von der Leyen und ihre EU-Kommission. Die achtet auf unser knappes Geld und verhandelt hart um jeden Cent und jede Impfdose. Da wird kein Geld sinnlos verschleudert.

Jedoch gibt es in dieser Welt anscheinend keine Fairness und manche Länder glauben einfach, sich mit viel Geld alles kaufen zu können … zum Beispiel genug Impfstoff für ihre eigene Bevölkerung. Eine beispiellose Dreistigkeit!

Jedenfalls haben wir gegenüber diesen egoistischen und nur an sich denkenden Ländern eines voraus. Nein, kein Impfstoff oder einen Plan zur Weg aus der Krise. Nein. Herz! Jawohl, wir, die Europäer, sind unseren Nachbarn moralisch weit voraus. Wir teilen nämlich den wenigen Impfstoff, den man uns übrig gelassen hat und der noch nicht einmal für uns reicht mit anderen Ländern. Die ewigen Nörgler und EU-Skeptiker nennen das Idiotie. Ich hingegen sage, damit rettet man zwar kein europäisches Leben, ganz im Gegenteil, aber wir können uns moralisch erhaben fühlen.

Hand aufs Herz, was uns bis jetzt vor einer völligen Katastrophe bewahrt hat, ist das kaltblütige Handeln einzelner Politiker gewesen. Da wurde das menschliche Leben zum alleinigen Gut erklärt, das es zu schützen galt. Auch auf Kosten der Wirtschaft. Man war fast geneigt, den schwarz-roten Landesfürsten abzukaufen, dass ihnen das Wohl der Bevölkerung über alles geht. Wäre da unglücklicherweise nicht dieser unselige Termin im September.

Es wird der Eindruck erweckt, die Pandemie und das Leben der Bevölkerung scheint auf einmal gar nicht mehr so wichtig zu sein. Es wird gelockert, wo es nur geht. Zu den tollen (Un-)Wortspielen kommen jetzt noch neue Zahlenspiele hinzu. Wo letztes Jahr noch die 50 und die 100 unabdingbare Hürden zum Schutz des Lebens waren, so sind es jetzt wissenschaftlich fundierte Zahlen wie 165 und 200.

Wäre man boshaft, könnte man annehmen, je näher der mögliche Machtverlust rückt, je mehr tut man alles, um dies zu verhindern.

Das erinnert doch ein wenig an das Mittelalter, da führte der Weg auf den Thron auch über Menschenleben. Oder wenn wir bei unserem Beispiel mit dem Zug bleiben wollen, dann sollten wir vielleicht im September die „Notbremse“ unseres Zuges ziehen und dafür sorgen, dass ein anderer Zugführer von Berlin aus weiterfährt, der dann vielleicht weiß, wann er bremsen oder Gas geben soll.

Aus Wind werde Wasser

eine Film-Rezension

Windrad, Windmühle, Energie, Windkraft, Himmel, Umwelt

Ein Hoffnungsschimmer in Trockenzeit und Hungersnot: Ein dreizehnjähriger Junge im südostafrikanischen Malawi versucht mit einer erfinderischen Idee seine Familie und sein Dorf zu retten

Malawi ist ein kleiner Binnenstaat im Südosten Afrikas und zählt zu den zwanzig am wenigsten entwickelten Ländern der Welt (“Least Developed Countries“). Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut und auch das Bildungs- und Gesundheitssystem weisen erhebliche Defizite auf. Mangelndes Schulgeld, Armut, Hungersnot – all das wird in dem Regiedebüt von Chiwetel Ejiofor „Der Junge, der den Wind einfing“ auf emotionale, aber authentische Art in der bewegenden Geschichte von William Kamkwamba thematisiert.

Der Film ,,Der Junge, der den Wind einfing“ beruht auf einer wahren Begebenheit und basiert auf der gleichnamigen Autobiografie von William Kamkwamba. Der damals 13-jährige Junge lebt Anfang der 2000er Jahre zusammen mit seinen Eltern, seiner großen Schwester Annie und seiner kleinen Schwester in einem Dorf namens Wimbe im südostafrikanischen Malawi. Sein Vater Trywell (Chiwetel Ejiofor) ist – so wie die meisten in dem kleinen Dorf – Farmer. Auch wenn das Geld in der Familie knapp ist, möchte Trywell seinem Sohn ermöglichen, in die Schule zu gehen. Diese kann er jedoch schon nach einiger Zeit nicht mehr besuchen, da die Familie das Schulgeld nicht bezahlen kann.

Kurz darauf werden auch noch für Geld große Teile des Landes an die Tabak-Industrie verkauft. Diese lässt für den Anbau von Tabak Bäume fällen, die nun nicht mehr die Felder der Farmer vor Überschwemmungen schützen können. Nach starkem Regen folgt eine lange Dürre-Periode und die Erträge reichen nicht, um Williams Familie in der Trockenzeit zu ernähren. Es beginnt eine starke Hungersnot, die Menschen beginnen die Ernte von anderen Dorfeinwohnern zu stehlen und auch die Maßnahmen der Regierung, Getreide an die Bewohner zu verteilen, lindern die Not kaum.

Was könnte die Bewohner nun noch retten?

Der wissbegierige Hauptdarsteller William Kamkwamba (Maxwell Simba), der trotz des mangelnden Schulgeldes weiterhin heimlich die Schulbücherei besucht und sich selbst mit Naturwissenschaft und Elektronik beschäftigt, hat eine einfallsreiche Lösung:
Der Bau eines Windrads.
Durch die Stromerzeugung könnte eine Wasserpumpe angetrieben werden, die die Felder auch während der Dürre bewässern kann. Jedoch benötigt William für die Propeller das Fahrrad seines Vaters, das aber das Einzige ist, was ihm noch blieb und er es angesichts dessen auf keinen Fall hergeben möchte…

Die Geschichte des Teenagers William Kamkwamba wird überzeugend und mit großer Authentizität dargestellt, wobei auch der Drehort eine große Rolle spielt. Der Film wurde nämlich ausschließlich in dem kleinen Dorf Wimbe, in dem William aufgewachsen ist, und in dem Bezirk Kasungu in Malawi gedreht. Den größten Teil des Films nimmt die Schilderung der Lebensumstände von William ein. Diese wirkt aber nicht langweilig, sondern bringt dem Zuschauer mit Gefühl und beeindruckenden Aufnahmen von weiten Feldern und einfachen Häusern in Kasungu die Welt, in der William aufgewachsen ist, näher. Von mangelndem Geld für Bildung von William oder für den Besuch einer Universität seiner großen Schwester über eine Hungersnot und Kritik an der mangelnden Hilfe der Regierung kommt es schließlich mit gelungener Spannung zum Höhepunkt der Geschichte.

Eine geglückte Verbindung einer Erzählung der heldenhaften Geschichte eines dreizehnjährigen Jungen, der versucht, sein Dorf mit Holz, Elektroschrott, einem Fahrraddynamo und dem Fahrrad seines Vaters zu retten, mit einer informativen und zugleich berührenden Dokumentation der dort herrschenden Probleme und Lebensumstände.

Der Film „Der Junge, der den Wind einfing“ ist mit seiner überzeugenden und emotionalen Erzählweise der wahren Geschichte von William Kamkwamba sehr empfehlenswert.

Netflix (2019), Länge 113 Minuten, FSK 12

Quellen:
Ejiofor, Chiwetel (2019): Der Junge, der den Wind einfing [Film], Großbritannien: BBC Films
https://www.bmz.de/de/laender/malawi
https://www.bmz.de/de/laender/malawi/soziale-situation-15216
https://worldpopulationreview.com/country-rankings/least-developed-countries
https://worldpopulationreview.com/country-rankings/poverty-rate-by-country

(K)eingewöhnungsphase

Schwierigkeiten von Teenagern bei der Rückkehr in die Schule

E-Learning, Online Meeting, Video Conference, Webinar

7:50 am Morgen, der Wecker klingelt. Um 8:00 beginnt der Online-Unterricht, aber es ist schwer aus dem Bett zu kommen, weil man die Nacht davor wieder bis 3 Uhr nachts Netflix „gebinged“ hat. Im Unterricht wird aber sowieso nicht wirklich aufgepasst, da die Kamera nicht an ist und niemand kontrollieren kann, was man macht. Also wird während der Mathe-Stunde gegessen, in Musik aufgeräumt und in Physik wird die Serie weiter geschaut. Nachmittags widmet man sich auch nicht den Hausaufgaben, sondern spielt Videospiele, macht schlicht und einfach ein Mittagsschläfchen oder beschäftigt sich irgendwie anderweitig, bis es nachts wieder Zeit wird, weiter Netflix zu „bingen“. Ein Teufelskreis für Schüler und deren Leistungen.

So sah der Alltag vieler Jugendlicher in den letzten sechs Monaten aus. Man hatte kaum Kontakt mit seinen Freunden und war größtenteils auf sich allein gestellt, auch was das Mitlernen im Unterricht betrifft, denn die Motivation für die vielen Aufgaben komplett alleine zu finden und auch konstant zu behalten, ist sehr schwierig. Der Bearbeitungsumfang dieser Aufgaben fiel nicht nur während des vormittäglichen Unterrichts, sondern auch nachmittags oft eher gering aus, da viele davon nicht kontrolliert wurden und – sind wir mal ehrlich: wer verliert gerne Zeit durch, von Schülerseite aus gesehen, unnötige Dinge? Hinzu kamen oft Verbindungsprobleme, die den Unterricht zusätzlich erschwerten.

Daher sank die Leistung und Konzentrationsfähigkeit sehr vieler Schüler im Laufe des Lockdowns erheblich. Diese Folgen zeigen sich auch nach wie vor bei denen, die sich schon zurück im Wechsel- oder Präsenzunterricht befinden. Für Klausuren und Tests zu lernen, die nach dem langen Ausfall sehr gehäuft anfallen, fällt den meisten definitiv nicht leicht. Fast kein Lehrer zeigt Rücksicht mit den Schülern, indem er einen Test oder eine Stegreifaufgabe weniger schreibt, sie wollen alles nachholen. Zwar gab es zumindest am Gymnasium Seligenthal eine zweiwöchige Eingewöhnungsphase, in der keine schriftlichen Leistungsnachweise stattfanden, jedoch half diese den Schülern nicht viel, denn mündliche Noten wurden trotzdem erhoben und in wenigsten Fächern wurde das, was im Distanzunterricht gelernt wurde, wiederholt, obwohl bei den Schülern offensichtliche Lücken entstanden sind. Einzuschätzen, wie viel man lernen muss und wie lang man dafür braucht, ist mittlerweile zu einer Challenge geworden und funktioniert hauptsächlich auf gut Glück. „Es war sehr schwer wieder reinzufinden, ich habe das Lernen komplett verlernt“, sagt Elisabeth P., Schülerin der Q11 eines Gymnasiums.

Trotz dieser Schwierigkeiten ist der Druck sehr hoch, da nach wie vor, zumindest am Gymnasium, alle Noten zum Abitur zählen. Gleichzeitig hat man momentan auch kaum Ausgleich zum Schulstress, da Freizeitaktivitäten wie Shoppen oder ins Kino gehen nicht möglich sind. Also liegen die Gedanken der Schüler fast ausschließlich bei der Schule, was auch häufig dazu führen kann, dass man sich so überanstrengt, dass dadurch auch eine eher schlechte Note entstehen kann.

Aber schlussendlich sind die Schüler doch froh, zurück in der Schule zu sein. Die Freunde wieder zu sehen und mehr außer Haus zu kommen. Alles Schritte zur Rückkehr in das normale Leben vor der Pandemie, das hoffentlich bald wieder ganz möglich sein wird.

Absurdes aus dem Corona-Jahr: eine Satire

Virus, Coronavirus, Corona, Covid-19, Covid

Wer, wie, wann und weshalb – das sind seit über einem Jahr die zentralen Fragen zu den Lockdown-Regeln. Es ist eine absurde Stimmung, die hier herrscht, oder? Seit Februar 2020 sitzen wir in unseren vier Wänden und vor unseren Rechnern und Handys. Wir halten uns an Regeln, die mir nichts, dir nichts bereits wenige Stunden später wieder hinfällig sein könnten. Und bei manchen davon kann man sich manchmal schon echt ein bisschen veräppelt vorkommen.

„Nein, ein Buch auf einer Bank lesen ist nicht erlaubt.“, twitterte die Polizei München am 07.04.2020. Für viele wirkte es fast wie ein Aprilscherz. Doch tatsächlich wurden Menschen von minutenlangem Aerosolausstoß im Sitzen durch Bußgelddrohungen abgehalten. Diese natürlich absolut gerecht durchsetzbare Regel war jedoch nicht das einzig Absurde, das die letzten 15 Monate die deutschen Newsportale überflutete und für alle möglichen Schlagzeilen sorgte.

Als sich vor weit über einem halben Jahr unsere Supermarktregale mit Adventskalendern und Plätzchen füllten, begann das bisher längste, ehrgeizigste Pandemiebekämpfungs-Großprojekt: Weihnachten retten. „Brav sein, dann kommt das Christkind!“, lautete das Motto. Die meisten gehorchten; blieben daheim oder besuchten ihre Familie unter Beachtung von Abstand und geöffneten Fenstern, teilweise bei Minusgraden. Doch nun sitzen wir dennoch hier, bräunen uns mit Eiskaffee in der Hand auf dem Balkon, radeln in luftigen Klamotten an unseren Lieblingsbadesee und demnächst streiten sich die Kommunen wieder um den diesjährigen Hitzerekord.

Und klar, nichts spricht gegen Vorsicht – es herrschte eine ganz neue Situation, man brauchte Zeit, sie zu analysieren, um dann anschließend das Risiko einschätzen und entsprechend reagieren zu können. Doch frustrierend kann es werden, wenn nach über einem Jahr noch die Frage in der Bevölkerung aufkommen muss, was man sich bei mancher Regelgebung gedacht hat.

Das Großartige ist ja wirklich, dass wir im Föderalismus leben – wundervoll! Gerade, was die Einschränkungen angeht, eine wirklich einfache Möglichkeit, den Verstand zu verlieren, wenn jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht. Erleichterung versprach vor etlichen Wochen bereits eine Vereinheitlichung, welche in Wirklichkeit gar keine war:

Durfte man im baden-württembergischen Teil des Allgäus auch zum Höhepunkt des Lockdowns legal mit den eigenen Familienmitgliedern wandern und picknicken gehen, riskierte man beim unsichtbaren Grenzübertritt ins benachbarte Bayern eine bußgeldpflichtige Ordnungswidrigkeit zu begehen.

Auch bei den Ausgangsbeschränkungen sah das Ganze vor nicht allzu langer Zeit noch immer nicht besser aus:

In Sachsen gilt also die Ausgangssperre von 22 bis 6 Uhr morgens, wenn die Inzidenz höher als 200 an fünf aufeinanderfolgenden Tagen liegt. Okay, soweit noch gut zu verstehen. In Hessen: von 21 bis 5 Uhr, wenn die Inzidenz mehr als 200 beträgt, aber nur an drei Tagen. Bitte, was? In Baden-Württemberg 20 bis 5 Uhr, in Thüringen 22 bis 5 Uhr, in Brandenburg darf man bereits ab 22 Uhr nicht mehr raus. Bis wann? Das stand für Wochen nicht auf der Website!

Auch einheitliche Inzidenzgrenzen existieren hier nicht überall: Und so bedeutet weiterhin eine 7-Tages-Inzidenzvon 110 in Sonneberg im Süden Thüringens etwas komplett Anderes als im zwei Kilometer entfernten Neustadt bei Coburg – denn in Bayern regiert Söder. Und wenn du dich um 23 Uhr nach dem Soulfood am Donnerstag-Abend bei GNTM also wieder an deine Neujahrsvorsätze erinnerst und die spontane Lust auf Joggen bekommst, dann drehst du besser vor der Grenze zu Neustadt wieder um, denn selbst bei identischer Inzidenz riskierst du plötzlich einen Bußgeldbescheid. Und sollte sich dein Partner ähnlich fühlen, so denkt bitte daran unterschiedliche Routen zu laufen – das Land möchte ja nicht, dass ihr euch beieinander ansteckt – darum existiert ja die entsprechende sinnvolle Regel!

Die allgegenwärtige Unübersichtlichkeit und Zersplitterung des rechtlichen Corona-Regelwerks fordert von den Bürgerinnen und Bürgern ein hohes Maß an Informationsverarbeitung und Aufmerksamkeit. Wenngleich eine bedingte Zentralisierung wünschenswert wäre, so kann man sich auch in solchen Krisenzeiten kaum anmaßen, unser föderalistisches System als radikal dualistisch anzuprangern: träge vielleicht, doch auch kompromiss- und kommunikationsbereit.

Experten sind sich inzwischen einig, dass die Maßnahmen wirken, wenn sie umgesetzt werden. Und das funktioniert am besten, wenn sie jeder versteht. Und gerade das fehlt zurzeit wohl vielen Menschen: der Durchblick bei diesem Dschungel an Ausnahmeregelungen, unnachvollziehbaren Absurditäten, den „Flickenteppich“ und die Haushaltsregelungen.

Nach einem Jahr Corona in unserem Leben findet es bereits ein Großteil der Bevölkerung nicht allzu viel verlangt, einheitliche und nachvollziehbare Regeln zu gestalten. Der Sinn in den unterschiedlichen Regelungen der Bundesländer war von Anfang an nicht zu finden und hat inzwischen noch abstrusere Formen angenommen, bei welchen man den Durchblick fast komplett verliert und sich hin und wieder fragen mag: Was machen die da oben unter der Glaskuppel eigentlich?!

Es bleibt fast nur zu hoffen, dass möglichst schnell jedem ein Impfangebot gemacht wird, die Inzidenzen in Folge sinken und die Beschränkungen dann bald wieder wegfallen – denn dies scheint wahrscheinlicher als eine Vereinheitlichung der Maßnahmen.


QUELLEN:
Ein Jahr Corona – Lisa Feller | Ladies Night
https://www.br.de/mediathek/video/satire-rueckblick-absurdes-aus-dem-corona-jahr-av:5fd8ebe0e449b70013923b84
Corona und das Grundgesetz – Satire | Die Mathias Richling Show
Dummheit der Viren – Sarah Bosetti – WDR
Die Stimmung kippt – Korruption, Osterruhe und Frau Merkel | Bosetti will reden
So verwirrend sind die neuen Corona-Regeln | Noch Nicht Schicht
https://www.daserste.de/unterhaltung/comedy-satire/extra-3/videosextern/corona-regeln-flickenteppich-deutschland-100.html
Corona-Regeln | schönblöd
Tommi Schmitt erklärt den After-Corona-Knigge | Studio Schmitt
Click to access baymbl-2020-768.pdf
https://www.br.de/radio/bayern1/ausgangsbeschraenkungen-gassi100.html
https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/corona-bundeslaender-1745198
https://www.ndr.de/kultur/Die-Vor-und-Nachteile-des-Foederalismus-in-Corona-Zeiten,foederalismus104.html‘
https://www.bpb.de/apuz/314343/foederalismus-in-der-corona-krise#fr-footnode1
https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/die-rettung-von-weihnachten-ein-fragwuerdiges-projekt-in-der-corona-pandemie-100.html


Ende der Impfpriorisierung

Jens Spahn macht Hoffnungen

Berlin. In einem Beschlussentwurf des Bundes mit den Gesundheitsministern der Länder soll die Impfpriorisierung bundesweit in Deutschland aufgehoben werden. Jens Spahn, der Bundesgesundheitsminister, verkündet, dass am 07. Juni die Impfpriorisierung wegfällt. So könne man allen impfwilligen Bürgerinnen ein Impfangebot ermöglichen.

Aufgrund der Impfpriorisierung hatten viele Menschen, vor allem Jugendliche, nicht die Chance, sich impfen zu lassen. Doch der Vorschlag des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn macht Hoffnung! Denn die Impfpriorisierung wird am 07. Juni in allen Arztpraxen und Impfzentren aufgehoben.

Doch was bedeutet das für uns als Bürger?

Ab dem 07. Juni gibt es keine Reihenfolge mehr, die festlegt, wer wann geimpft wird, wie man es bisher gewohnt war. Schon bereits geplante Impfungen im Rahmen der Impfpriorisierung bleiben natürlich weiterhin bestehen. Ab diesem Zeitpunkt hat jeder Impfwillige die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, insofern er mindestens 16 Jahre alt ist. Man versucht hier Gerechtigkeit zu schaffen und allen Bürgerinnen ab 16 Jahren ein Impfangebot zu ermöglichen.

Dennoch warnt Jens Spahn vor zur großen Hoffnung, denn nicht jeder wird bereits im Juni seine Erstimpfung erhalten können, da die Anzahl der möglichen Impfungen von der Liefermenge abhängig sei.

Stand 18.05.2021, 18:15 Uhr

Quellen:

https://www.rheinpfalz.de/lokal/pfalz-ticker_artikel,-spahn-schl%C3%A4gt-ende-der-impf-priorisierung-ab-7-juni-vor-_arid,5204655.html

https://www.tagesschau.de/inland/spahn-impfpriorisierung-ende-101.html

NACHHOLPROGRAMM FÜR SCHÜLER GEPLANT

Reichen 1,5 Milliarden Euro Unterstützung?                                                                         

Aufgrund der Corona-Pandemie und des Lockdowns schlägt die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) ein bundesweites Nachholprogramm für Schüler vor, die aufgrund der langen Schulschließung mit erheblichen schulischen Defiziten zu kämpfen haben. Hierfür sollen 1,5 Milliarden Euro bereitgestellt werden, jedoch rechnet der Lehrerverband mit einer deutlich höheren Summe.

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) benötigen rund 1,5 Millionen Schüler dieses Angebot aufgrund der erheblichen schulischen Defizite, geschuldet der Corona Pandemie. Somit bräuchte jeder Schüler rund 100 Stunden Förderbedarf, weshalb der Lehrerverband mit einer Summe von zwei Milliarden Euro rechnet. Mit einer bundesweiten Unterstützung möchte Anja Karliczek die Lernrückstände ausgleichen. Sie geht davon aus, dass spätestens bis zum nächsten Schuljahr Förderangebote dieser Art zur Verfügung stehen. Hierbei handelt es sich vor allem um die Fächer Mathematik, Deutsch und sogar die erste Fremdsprache. Es soll sich also hauptsächlich auf die Kernfächer beziehen. Ziel ist es, den „versäumten Schulstoff“ der in kurzer Zeit wieder aufzuarbeiten.

Wer darf dieses Angebot nutzen?

Dieses sogenannte Nachholprogramm soll laut Karliczek zum neuen Schuljahr angeboten werden und sich vor allem auf die Kernfächer beziehen. Ob jeder Schüler dieses Angebot auskosten darf, ist noch unklar. Trotzdem steht fest, dass Schüler, welche dem Wechsel (Übertritt in eine weiterführende Schule oder den Wechsel zur Ausbildung) bevorstehen, die Zielgruppe seien.    

Starke Kritik am Nachholprogramm

Kritisiert wird, dass das Nachholprogramm erst Anfang Herbst starten soll, also zum neuen Schuljahr. Viele sind nämlich der Meinung, dass die Lernrückstände sofort aufgeholt werden müssen und verstehen den späten Anfang des Programms nicht. Sie sind der Meinung, dass die Politik jetzt handeln müsse, um den Bildungsstand der Schüler zu halten und um noch größere Lernrückstände zu vermeiden.

Quellen:

https://www.tagesschau.de/inland/corona-nachhilfe-101.html

https://www.iwkoeln.de/

https://www.sovd.de/aktuelles/meldung/nachholprogramm-fuer-schuelerinnen-muss-umgehend-starten

BlackRock – der unbekannte Riese

Viele Menschen kennen sicherlich das Märchen von Aladdin und dem Flaschengeist, der ihm drei Wünsche erfüllt, ihn zum Prinzen macht und zu Reichtum verhilft. Wagt man sich nun von der Märchenwelt in die Realität, genauer gesagt in die Finanzbranche, und wirft einen Blick auf die aktuellsten Entwicklungen, wird man früher oder später auf eine Computersoftware stoßen, die als Namensvetter des arabischen Prinzen bekannt ist.

Das sogenannte Aladdin-Programm. Sie wissen über das Aladdin-Programm Bescheid? Dann sind Sie wohl besser informiert als ein Großteil der Bevölkerung. Unglücklicherweise wissen nur sehr wenige Menschen etwas über das Aladdin-Programm, obwohl es unser Leben und die Welt tagtäglich beeinflusst und der Firma, die es entwickelt hat, ungeheure Macht verleiht. Das Unternehmen, um das es sich handelt, trägt den Namen BlackRock.

Bei BlackRock handelt es sich um einen US-amerikanischen Finanzdienstleister. Mit einem verwalteten Vermögen von über sechs Billionen Dollar ist BlackRock der größte Vermögensverwalter der Welt. Doch was macht eine Vermögensverwaltung überhaupt? Einfach gesagt ist die Aufgabe eines Vermögensverwalters, aus Geld noch mehr Geld zu machen. Privatleute, Unternehmen oder Staaten übergeben ihr Geld an eine Vermögensverwaltung und erlauben ihnen das Geld in Aktien, Anleihen oder Immobilien zu investieren. Doch wieso wird gerade BlackRock so viel Geld anvertraut?

Der Grund dafür ist das bereits oben erwähnte Aladdin-Programm. Bei Aladdin, kurz für Asset, Liability, Debt and Derivative Investment Network, handelt es sich um eine spezielle Computersoftware, die durch die Analyse von millionenfachen Daten Auskunft über die Entwicklung des Finanzmarktes geben kann. Beispielsweise kann Aladdin voraussagen, wie sich eine Dürre in Afrika, ein Krieg im Nahen Osten oder die Aussage eines Regierungschefs auf den weltweiten Finanz- und Kapitalmarkt auswirken kann und prognostiziert den Wertverlauf von Aktienfonds. Dass das Aladdin- Programm sehr gut funktioniert und BlackRock einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschafft, beweist der enorme Erfolg von BlackRock in den letzten Jahren.

Doch in letzter Zeit wächst auch die Kritik am größten Vermögensverwalter der Welt. Die Journalistin Heike Buchter skizziert in ihrem Buch „Blackrock – Eine heimliche Weltmacht greift nach unserem Geld“ einen Finanzdienstleister mit Monopolstellung, der die gesamte Wirtschaft beherrscht. Diese Einschätzung scheint übertrieben zu sein, nichtsdestotrotz besitzt BlackRock eine enorme Macht auf dem Finanzmarkt. Fakt ist, dass BlackRock weltweit an den größten Unternehmen beteiligt ist und beispielsweise in Deutschland an allen 30 Dax-Unternehmen Anteile besitzt. Der Vermögensverwalter verfügt also in allen wirtschaftlichen Bereichen Stimmrechte und kann somit aktiv über den Kurs der wichtigsten Unternehmen und somit über den Kurs der Weltwirtschaft mitbestimmen. Für unser tägliches Leben wirkt sich dies u.a. auf die Höhe der Immobilien- oder Lebensmittelpreise, die Zahl der Arbeitslosen und letztendlich wie zufrieden jeder Einzelne von uns ist aus.

In Zukunft wird man sehen müssen, welche Rolle BlackRock bei wichtigen Fragen wie Klimaschutz, der Euro-Krise oder den Immobilienpreisen spielt und ob sie ihrer großen Verantwortung gerecht werden.

 Quellen:

https://orange.handelsblatt.com/artikel/54128

https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/blackrock-wie-blackrock-die-konzerne-kontrolliert/21126514.html

https://www.businessinsider.de/wirtschaft/eine-doku-beleuchtet-die-unheimliche-macht-von-blackrock-2019-9/

https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/blackrock-die-angst-vor-dem-schwarzen-riesen-a-1052320.html

https://youtu.be/boBWNWkf8kk

Oberbürgermeister Alexander Putz zu Besuch am Gymnasium

Am 29.01.2020 war Herr Oberbürgermeister Alexander Putz im Rahmen der Aktion „Tag der freien Schulen – Politiker schenken eine Unterrichtsstunde“ in der Klasse 10d des Gymnasiums Seligenthal zu Gast. Der Besuch zielte v.a. auch darauf ab, den Jugendlichen die Kommunalpolitik näher zu bringen und aus erster Hand (auch privat) hinter die Kulissen blicken zu lassen.

Schulleiterin, Frau Oberstudiendirektorin Ursula Weger, nahm den hohen Besuch in Empfang und stellte in einer kurzen Eröffnungsrede den besonderen Wert der Demokratie heraus. Ein (politisches) Denken in „schwarz-weiß“ sei keinesfalls zielführend und bilde auch nicht die Realität ab. Man müsse sich auch immer im Bewusstsein halten, dass gerade populistische Parteien, die vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme anböten, eine Gefahr für die Demokratie sein können. Umso wichtiger sei es, informiert zu sein, um gesellschaftliche und politische Sachverhalte auch entsprechend einordnen zu können.

Im sich anschließenden Vortrag von Herrn Putz, dem ein angeregtes Gespräch mit vielen Fragen seitens der Schülerinnen und Schüler folgte, ging es aber nicht nur um rein Politisches. Besonders interessierte die Klasse auch das Arbeitspensum und die Lieblingsthemen des Kommunalpolitikers, der nicht selten 70 – 80 Stunden pro Woche arbeite, wobei man laut Herrn Putz nicht alles, was das Berufsfeld des Oberbürgermeisters mitbringe, z. B. Abendveranstaltungen, als Arbeit ansehen sollte. Authentisch und äußerst schülernah äußerte sich Herr Putz auch zu persönlichen Dingen, wie die Vereinbarkeit von Familie und „Arbeit“. Hierbei sei es seiner Ansicht nach besonders für junge Menschen in der Politik schwierig, eine Balance zwischen Privatleben und dienstlicher Verpflichtung zu finden. Von entscheidender Bedeutung sei für den Repräsentanten unserer Stadt die Zukunftsfähigkeit der Schulen bzw. der ganzen Bildungsinfrastruktur. Zu seinen Lieblingsaufgaben gehöre demnach auch der Besuch an den Schulen selbst. Daneben sei es aber ebenso wichtig, innerhalb der Politik mit Weggefährten, auch mit solchen, die ggf. eine andere Meinung vertreten, beständig zu diskutieren und sie ernst zu nehmen.

Auch ganz private Einblicke gewährte Alexander Putz, indem er beispielsweise verriet, dass seine eigene Bibliothek neun Meter lang sei. Der darüber hinaus vielseitig interessierte Oberbürgermeister, der von Beruf auch Bauingenieur ist, könne sich für viele Dinge begeistern, so auch für Sport, Literatur und Musik.

Am Ende des kurzweiligen, sehr informativen Zusammentreffens motivierte und bestärkte Herr Putz die Schülerinnen und Schüler (die übrigens nur eine Sache bedauerten, nämlich dass die Zeit zu kurz gewesen sei), das einzusetzen, was jeder gut könne. Deshalb gelte es, nicht nur an den Schwächen, sondern vor allem auch an den eigenen Stärken zu arbeiten. Würden nämlich alle ständig nur ihre Schwächen ausmerzen, wären am Ende alle gleich.

Frau Ursula Weger bedankte sich bei Herrn Alexander Putz für den gewinnbringenden und spannenden Vortrag, für den er trotz seiner vielfältigen Verpflichtungen Zeit gefunden habe. Der Besuch wird allen in guter Erinnerung (und hoffentlich nicht der letzte) bleiben.

Eindrücke zur Wanderausstellung „Bayerischer Landtag“ in Seligenthal – Teil II

Der Bayerische Landtag, seine Gremien & Co.

Ein Gastbeitrag von Katharina Huber, Klasse 10a

Die Eröffnung der Wanderausstellung des Bayerischen Landtages, die am Gymnasium Seligenthal vom 13. bis 17. Januar 2020 zu sehen war, stellte einen passenden Anstoß für mich dar, mir die Frage zu stellen, wie unser Freistaat Bayern eigentlich aufgebaut ist.

Die Vorgabe dazu gibt die Verfassung  des Freistaates Bayern selbst, und zwar in Artikel 3 Abs. 1 und Artikel 5 mit den Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und der Gewaltenteilung. Gewaltenteilung ist eine der wesentlichen Voraussetzungen eines Rechtsstaates und bedeutet Gewaltentrennung und damit die Aufteilung der Staatsaufgaben in drei Teile.

Die Gesetzgebende Gewalt, die sog. Legislative steht nur dem Souverän, also dem Volk, bzw. seinem gewählten Vertreter, also dem Bayerischen Landtag, zu. Die vollziehende Gewalt, die Exekutive liegt in den Händen der Staatsregierung, und die Judikative, die richterliche Gewalt, wird durch die Gerichte ausgeübt. Oberstes Gericht im Freistaat Bayern ist, wie in Artikel 60 der Verfassung des Freistaates Bayern vorgegeben, der Verfassungsgerichtshof.

Durch die Gewaltenteilung wird primär das Ziel verfolgt, eine zu große Machtkonzentration bei einem einzelnen Staatsorgan zu vermeiden und dadurch Freiheit und Gleichheit zu sichern. Der Freistaat Bayern ist also auf den drei Säulen Exekutive, Legislative und Judikative aufgebaut.

Theoretisch ist den meisten Schülern klar, wie die Exekutive und die Judikative funktionieren, für die Legislative – also den Bayerischen Landtag – gilt dies, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, oftmals nicht.

Um die Tätigkeiten und die Organisation des Landtags zu regeln, hat sich dieser eine Geschäftsordnung gegeben, in der verschiedene Aufgaben an bestimmte Organe und Gremien zugewiesen werden. Die Organe bzw. Gremien sind die Landtagspräsidentin, das Landtagspräsidium, das Plenum, die Ausschüsse, die Fraktionen und der Ältestenrat.

Die zugehörige Stele in der Ausstellung in Seligenthal informierte übersichtlich und kurzweilig über den organisatorischen Aufbau des Landtags.

Die wesentlichen Aufgaben der Landtagspräsidentin, zur Zeit Frau MdL (Mitglied des Landtags) Ilse Aigner sind die Leitung der Sitzungen der Vollversammlung und die Repräsentation des Parlaments nach außen, während das Landtagspräsidium im Wesentlichen ein Beratungs- und Beschlussorgan in Verwaltungsangelegenheiten des Landtags ist. So bereitet es z. B. den Haushaltsplan des Landtags vor.

Daneben hat der Landtag 14 ständige Ausschüsse für die Dauer der 18. Wahlperiode von 2018 bis 2023 eingesetzt. Dazu gehören unter anderem die Ausschüsse für Haushalt, Verfassung, Inneres, Wirtschaft, Wissenschaft und Europa. Abgeordnete aller im Landtag vertretenen Parteien sind jeweils entsprechend der Kräfteverhältnisse des Bayerischen Landtages in den Ausschüssen vertreten. Die Bildung von Ausschüssen ist insbesondere deshalb sinnvoll, weil sich so nicht jeder Abgeordnete Detailkenntnisse in allen Sachfragen aneignen muss und dafür Spezialist in den jeweiligen Angelegenheiten werden kann, die sein Ausschuss behandelt.

Außer in der Vollversammlung (Plenum), der die Besprechung und Abstimmung über Gesetzesvorlagen obliegt, und den ständigen Ausschüssen, arbeiten die Abgeordneten des Landtags in weiteren Gremien, deren Arbeitsbereiche über die Beratung von konkreten Gesetzesvorhaben oder Petitionen hinausgehen. So können zum Teil unter Einbeziehung von Sachverständigen und oft auch zeitlich begrenzt komplexe Sachfragen bearbeitet und Beratungen des Plenums vorbereitet werden, was im sog. Ältestenrat stattfindet – oder bestimmte Fragen untersucht werden (sog. Untersuchungsausschüsse).

Die Fraktionen sind mit eigenen Rechten und Pflichten ausgestattete Vereinigungen im Bayerischen Landtag, zu denen sich Mitglieder des Bayerischen Landtags zusammenschließen. Derzeit sind im Bayerischen Landtag Fraktionen der CSU, Bündnis 90/Die Grünen, Freie Wähler, SPD, FDP und AfD vertreten.

Auf einen Blick standen den Besuchern der Ausstellung auch Kurzprofile zu einzelnen Politikern zur Verfügung.

Abschließend möchte ich betonen, wie gut mir die Ausstellung gefallen hat und wie interessant ich sie gefunden habe. Am Eröffungstag war ich anwesend und bekam die Chance, mich mit einigen Landshuter Politikern, darunter Helmut Radlmeier, zu unterhalten. Sie beantworteten mir, sehr aufgeschlossen, viele Fragen zu ihrem wichtigen Beruf.