Archiv der Kategorie: Demokratie und Zusammenleben

Interview: Berlin der 80iger – (subkulturelle) Erinnerungen

Marie und ich lernten uns 2019 auf einer Demo in Friedrichshain kennen. Die Dame stolperte fluchend gegen meine Gruppe, irgendwie kamen wir mit der 60-Jährigen Gespräch. 2021 schrieben wir uns, ich fragte Marie nach ihrem Wohlergehen in der Pandemie. „Ick hab die Mauer überlebt, die Mauer und die Hausbesetzer und 35 Jahre Sozialdemokratie, da werd ick dit auch überleben“ antwortete sie prompt stoisch. Ich fragte nach und wurde wenig später auf den Maries Discordserver eingeladen, ein Anruf sei für sie entspannter, fügt sie hinzu. Später kommt auch Chris dazu, ein guter Freund und Mitbewohner von Marie. Die Erzählungen über ihre Jugendjahre erscheinen mir dabei sehr spannend, wobei die beiden vor allem über die ersten Jahre des Techno erzählen. Ihre Erlebnisse sollen hier ausschnittsweise geteilt werden.

Marie: „So wenig ich die Stadt heute auch mag, aus Frankfurt kam der Techno. Oder zumindest der Begriff. Ich meine, ein Musikladenbesitzer hatte elektronische Musik mal unter diesem Oberbegriff zusammengefasst. Dort fand dann auch sonntags der „Technoclub“ in der Disco „Nowhere“ statt. Man kannte den Laden, Menschen sind gern mal nur dafür nach Frankfurt gekommen. Wir waren damals dann auch mal da.“

Chris: „Das war damals aber eigentlich gar nicht so cool, die Musikrichtung zu hören. Wir waren eher so eine kleinere Subkultur.“

Wie sah die Lage denn in Berlin aus?

Marie: „Man muss differenzieren. In den 80ern war Westberlin einfach Gitarre. Da gab’s wenig Möglichkeiten zum Feiern, wenn du elektronische Musik hören wolltest. Und die fanden wir alle nicht gut. Frankfurt war da schon ein besserer Ort.“

Chris: „Aber irgendwann ist das schon auch nach Berlin rübergeschwappt. Aber die ersten Clubs, in denen elektronische Musik lief, waren gar keine Clubs, wenn man ehrlich ist. Das waren teilweise so heruntergekommene Etablissements…“

Marie: „Ich habe meine schöne Kleidung angezogen und die war dann einfach ganz dreckig und staubig, als ich zurückgekommen bin, so muss man das sehen.“

Chris: „Echt? Wo warst du denn feiern, wo ich nicht war?

Eine Zwischenfrage: Wie sah die Lage in Ostberlin denn aus?

Chris: „Wir hatten tatsächlich dahingehend recht wenig Kontakt vor der Wende. Nach der Wende…Menschen haben alles überströmt, was es damals an Shops und Clubs gab. Da haben wir dann schon auch viele neuen kennengelernt.“

Marie: „Ich erinnere mich nur noch, dass wir als Schulklasse mal in Ostberlin waren und wie die Krösusse unser gewechseltes Geld verpfeffert haben, da drüben konnte man damit viel mehr kaufen…“

Ich bemerke übrigens in euren Chats hier, dass ihr sowohl „Techno“ als auch „Tekkno“ und „Tekkkno“ schreibt. Hat das einen Grund?

Chris: „Das ist ein Meme, wie junge Menschen vielleicht sagen würden. Früher war das so ein kleiner Wettstreit mit den Ks in dem Namen. Umso mehr Ks, umso härter der Sound, so die Devise.“

Wo du schon junge Menschen erwähnst. Gibt es Unterschiede zwischen damals und heute, vor allem was das Feiern angeht?

Marie: „Welches Feiern?“

Chris: „Also was mir schon vor einigen Jahren aufgefallen ist, ist das Benutzen der Mobiltelefone. Aufnahmen von Konzerten zeigen junge Menschen meistens beim Filmen oder Ähnlichem. Das gab es bei uns nicht. Deshalb finde ich es gut, dass z. B. Clubs wie das KitKat hier in Berlin offiziell keine Handys dulden.“

Marie: „Aber das finde ich nicht nur schlecht. Ich als notorische Zuspätkommerin hatte immer das Problem, meine Gruppe nicht mehr gefunden zu haben. Die haben dann manchmal an einer Telefonzelle bei mir zu Hause angerufen und ich wiederum da dann auch, aber das eher in späteren Zeiten und meistens haben meine Leute das dann auch vergessen. Mit Handy fühle ich mich da schon wesentlich besser vernetzt und auch viel wohler.“

Vielen Dank für die Einblicke und das Gespräch, ihr beiden!

Kim Celin Seibert: „Schon in Seligenthal habe ich mich engagiert“

Büste von Willy Brandt, SPD, vierter Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland

Kim Celin Seibert ist die Bezirksvorsitzende der niederbayerischen Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD, kurz: Jusos. Die 23-Jährige beantwortet ausführlich meine Fragen zu ihrem Engagement und erzählt dabei, sie sei eine ehemalige Schülerin von Seligenthal. In gewisser Weise sei sie allerdings das „rote Schaf“ ihrer Familie, wie sie sich selbst bezeichnet. Denn in ihrer Verwandtschaft finden sich viele CSUler. Das ändert aber natürlich nichts daran, dass sie sich bei den Jusos äußerst wohl fühlt.

Liebe Kim, wie ging es denn nach deiner Schulzeit weiter, was brachte dich schließlich zu deinem politischen Engagement?

„Schon in Seligenthal habe ich mich engagiert, ich war gerne Klassensprecherin und in der SMV aktiv. Jetzt studiere ich an der Universität in Passau, wo ich gerade meinen Master in Staatswissenschaften und Erziehungswissenschaften abschließe. Zu den dort regelmäßig stattfindenden Treffen der SPD wurde ich erstmals von einem Freund mitgebracht. Nach meiner Beteiligung in der SMV habe ich dann auch nicht abgelehnt, als ich gefragt wurde, ob ich die Senatorin des Parlaments der Uni werden will. Wirkliches Parteimitglied wurde ich aber erst zur vorletzten Bundestagswahl während der Wahlkampfperiode.“

Was hat dich denn dazu gebracht, dich für die SPD zu entscheiden?

„Mir sind Punkte wie soziale Gerechtigkeit und die Gleichberechtigung der Geschlechter, und auch Bildungspolitik, ziemlich wichtig. Außerdem liegt mir der Antifaschismus, den die SPD von Geburt an verkörperte, sehr am Herzen. Abgesehen davon ist es die Besonderheit der SPD, eine geschlossene Partei zu sein, die sehr viele Meinungen vereint. Schüler*innen und 60-Jährige, Lehrer*innen und Auszubildende, sie alle beteiligen sich am regen Diskurs. Aber eine Mitgliedschaft in einer Partei ist wie eine Ehe. Es gibt immer wieder kleinere Reibereien bei Punkten, zu denen man nicht zustimmt, aber im Großen und Ganzen fühlt es sich trotzdem richtig an.“

Bemerkt man diese oder andere Besonderheiten auch bei den Jusos?

„Definitiv. Ich finde, dass bei uns immer ein sehr tolerantes und diskussionsoffenes Klima herrscht. Dadurch hat man viel Spaß miteinander. Bei uns trifft man auf sehr linksstehende Menschen, aber auch auf eher konservative Seeheimer*innen1. Unsere Vernetzungen bestehen zudem nicht nur auf Kommunalebene, sondern reichen bis in die Bundesebene.“

Du hast vorher den Wahlkampf erwähnt. Wie läuft dieser ab und was macht man außerdem bei den Jusos?

„Wahlkampf läuft bei uns immer Hand in Hand mit der SPD ab. Für die Jusos gibt es z. B. eigene Programmhefte und Sticker, und auch Kandidat*innen aus unseren Reihen, die wir besonders unterstützen. Ansonsten geht es in erster Linie um Inhaltliches: Wir diskutieren über neue Anträge aus unseren Reihen, um unsere Standpunkte auszuarbeiten. Zudem laden wir Politiker*innen ein, treffen uns auf Stammtischen oder nehmen an kulturellen Programmen teil. Dabei haben wir immer Spaß.“

Was ist dir für die Zukunft besonders wichtig?

„Mir persönlich ist es ein Anliegen, die Gleichberechtigung aller Geschlechter, und auch ein ansatzweise gleiches Bildungssystem im ganzen Bund umzusetzen. Aber auch das politische Engagement von jungen Menschen für die Zukunft ist sehr wichtig, unabhängig davon, in welcher Form denn genau. Und das gern von Schüler*innen auf Seligenthal!“

Vielen Dank für deine Zeit, Kim!

1 Ein Zusammenschluss innerhalb der SPD, der zumeist als rechter oder konservativer Flügel der SPD-Fraktion bezeichnet wird. – Anm. d. Verf.

Familientradition – Landshuts Krippen am Christkindlmarkt

Eine Familientradition von drei Generationen

Das Schnitzen, speziell von Krippen, hat in Peter Huppmanns Familie Tradition. Jährlich stellt Peter Huppmann seine Weihnachtskrippe am Landshuter Christkindlmarkt zur Schau. Eine große Hilfe ist ihm seine Frau Charlotte Huppmann, die ihm hilft, die Schnitzfiguren einzukleiden.

Zur Tradition

Peter Huppmann wuchs mit Krippen auf, bereits sein Großvater ging der Schnitzerei nach. Auch sein Vater Eduard Huppmann fertigte Holzfiguren an. Da sich dieser nicht mehr mit der „gewöhnlichen“ Anfertigung der Figuren zufriedengab, stellte er ab sofort die Körpergelenke nicht mehr aus Draht, sondern in Holzgelenken (Kugelgelenken) her. Die Gelenke sind nun mit hölzernen Kugeln verbunden, dies ermöglicht den Figuren Flexibilität in ihrer Verwendung, da sie nun nahezu jede Position vom Stehen bis zum Sitzen einnehmen können. Außerdem kann eine Figur durch Wechseln seiner Kleider von einem Hirten zu beispielsweise einem der zwölf Jünger Jesu verwandelt werden. Trotzdem besteht die Schnitzfigur vollständig aus Holz, auch die Kugelgelenke. Eduard Huppmann stellte jährlich seine Weihnachtskrippe aus Figuren und Tieren in München für die Theatinerkirche St. Joseph, St. Lorenz und St. Helena zur Schau. Er schaffte es sogar Menschen aus Italien, England und den USA mit seinen Werken zu beeindrucken.

So stieg auch Peter Huppmann in die Fußstapfen seines Vaters und übernahm vor ca. 30 Jahren die Werkzeuge seines Vaters und schnitzt seitdem leidenschaftlich an Krippenfiguren und Tieren. Zurzeit ist Peter Huppmann der einzige Krippenhersteller, der für seine Anfertigung von Krippenfiguren noch Kugelgelenke verwendet und nach altbayerischer Krippentradition arbeitet. Außerdem stellt er jährlich dem Christkindlmarkt in Landshut seine Weihnachtskrippe zur Verfügung und verbringt dabei mehrere Stunden, um seine Krippe aufzubauen. Zudem werden seine Krippen an verschiedenen Orten ausgestellt.

Für das Ankleiden der Holzfiguren ist Peter Huppmanns Frau zuständig. Charlotte Huppmann fertigt die Kleider mit Hand und nach Maß. So wird jede Figur von ihr allein angekleidet.

Peter Huppmann vor einer seiner Krippen

Der Absturz der Linken

Mit 4,9% verpasste die Linke bei der vergangenen Bundestagswahl die 5%-Hürde und konnte nur aufgrund der Grundmandatsklausel in den deutschen Bundestag einziehen. In der Bundestagswahl 2017 erzielte die Linke noch ein Ergebnis von beinahe 10%. Woher kommt dieser Abstieg?

Ein wesentlicher Grund für das vergleichsweise schlechte Abschneiden der Linken ist die wenig vorhandene Präsenz im Wahlkampf. Ohne realistische Chancen den Kanzler zu stellen flog die Linke im Vergleich zu den anderen Parteien unter dem Radar der Öffentlichkeit. Lediglich in Talkshows kamen die Spitzenkandidatinnen der Linken, vermehrt Jasmin Wissler, zu Wort.

Ein weiterer Grund ist, dass viele Stammwähler der Linken ihre Stimme aus taktischen Gründen an die SPD und die Grünen vergeben haben, in der Hoffnung, eine Regierungsbeteiligung der Union zu verhindern. Das würde zumindest einen Teil der 900.000 Linken-Wähler erklären, die von den Linken zur SPD abwanderten.

Der vielleicht wohl schwerwiegendste Grund für die verlorenen Prozentpunkte ist der Image- und Strukturwandel, der sich in den letzten vier Jahren in der Linkspartei vollzogen hat. Im Jahr 2021 veröffentlichte die ehemalige Parteispitze der Linkspartei Sahra Wagenknecht das Buch „Die Selbstgerechten“, in dem sie die in der Umgangssprache als „Linksliberalismus“ bezeichnete politische Richtung kritisiert und anprangert. Links zu sein stehe mittlerweile nicht mehr für soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte und Gleichheit sondern eher für einen Lifestyle, bei dem Links-Sein zum guten Ton dazugehöre und anderen Meinung mit übergesunder Skepsis betrachtet werden. Die Linken sind in den vergangenen Jahren leider eine Plattform für eine kleine Minderheit innerhalb der politischen Linken geworden, die ihre Meinung als moralisch vollkommen und unfehlbar ansieht.

Seit 2019 ist Wagenknecht, die sogar in konservativen Kreisen weitgehend geschätzt wurde und für eine gemäßigte linke Meinung stand, nicht mehr Parteispitze der Linken. Wagenknecht fiel internen Machtkämpfen zum Opfer. Diese Machtkämpfe destabilisierten die Partei für einen längeren Zeitraum.

Nach Wagenknechts Rücktritt von der Parteispitze wurden Katja Kipping und Bernd Riexinger zur neuen Parteidoppelspitze gewählt. Doch wieder gab es Unruhen in der Partei. Es kam vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen der Doppelspitze und den übrigen Parteimitgliedern, insbesondere den Fraktionsvorsitzenden – Querelen, die die Partei gerade im Wahljahr nicht brauchen konnte.

Seit Februar 2021 sind Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow die Doppelspitze der Linken. Ein Problem, das medial voll ausgenutzt wurde, war Wisslers Mitgliedschaft in der vom Verfassungsschutz beobachteten Netzwerk „Marx21“, aus dem sie sich im September 2020 zurückzog. Das macht Wissler natürlich nicht zu einer Extremistin oder gar einer schlechten Politikerin, doch in vielen Medien war sie nun die „Trotzkistin“. Es war ein weiterer Rückschlag im Wahlkampf der Linken, den Wissler im Wahlkampf nicht ausbügeln konnte. Ganz im Gegenteil, sie fiel in Talkshows durch die Idee auf, die NATO müsse reformiert werden und gegebenenfalls durch ein neues Verteidigungsbündnis ersetzt werden. Eine These, die in der Öffentlichkeit schnell als „antiwestlich“ und als Angriff auf die westlichen Werte gewertet wurde. Wissler war eindeutig eine unglückliche Figur im Wahlkampf und fügte der Partei am Ende wahrscheinlich ungewollt mehr Schaden zu, als sie Nutzen brachte.

Eine Kombination aus Machtkämpfen, Imageverlust und unglücklichen Fehltritten brachten die Linkspartei schließlich an den Rand einer politischen Katastrophe. Die Zukunft der Partei hängt auch davon ab, wie gut sie auf die Kritik eingehen kann.

Juniorwahl in Seligenthal: Früh übt sich, was ein mündiger Wähler werden will!

Wie immer, wenn in Bayern, Deutschland oder Europa Wahlen anstehen, wurde auch in diesem spannenden Wahljahr 2021 in Seligenthal wieder eine Juniorwahl durchgeführt.

Mit echten Wahlzetteln und Wahlunterlagen ausgerüstet, durften die Schüler am Freitag vor der Bundestagswahl bereits in der Schule probehalber ihre beiden Kreuze setzen. So bekamen sie die Möglichkeit, schonmal für den großen Tag zu üben, wenn sie dann mit Erreichen der Volljährigkeit „in echt“ an die Urne treten dürfen und ihre Stimme wirklich zählt – ein sehr wertvoller Beitrag zur Demokratieerziehung und eine tolle Möglichkeit für die Schüler, die auch begeistert angenommen wurde.

Für die Durchführung der Wahl war diesmal die Klasse 10c des Sozialwissenschaftlichen Zweiges (siehe Bild) verantwortlich, die ihre Aufgabe (von der Vorbereitung bis hin zur Auszählung) mit Bravour gemeistert hat. Ihre Lehrkraft Frau Grüner stand ihr dabei unterstützend zur Seite.

Johannes Alfery: „Unsere politischen Ideen sind sicher nicht veraltet“

Johannes Alfery ist der stellvertretende Kreisvorsitzende der Jungen Union Landshut, der lokalen Jugendorganisation der Christlich-Sozialen Union, kurz CSU. Unter anderem hat er die Schüler Union in Landshut mitgegründet. Die politische Arbeit passt zu dem 23-Jährigen, der sich gern vollauf einbringt, seine Meinung offen ausspricht und dabei extrovertiert und aufgeschlossen wirkt. Ein Gespräch mit dem Jurastudenten, in dem wir mehr über ihn und seine Jugendorganisation erfahren.

Lieber Johannes, was brachte dich denn überhaupt zur Jungen Union?

Johannes Alfery: „Bei mir war es damals so, dass ich mit 15 oft im Skatepark unterwegs war. Der Asphalt dort war leider sehr schlecht. Das hat mich irgendwann so geärgert, dass ich mich dazu entschlossen habe, daran selbst etwas zu ändern. In der Jungen Union fand ich dabei für mich am meisten Bezug auf die Lokalpolitik. Dort habe ich direkt viele Bekanntschaften gemacht und einige neue Freunde gefunden. Klar, der Asphalt des Skateparks wurde daraufhin nicht sofort erneuert. Allerdings verstand ich schnell die Zusammenhänge dahinter, warum Politik eben doch manchmal etwas mehr Zeit braucht. Und die politische Arbeit gefiel mir auf Anhieb.“

Wie genau sieht die politische Betätigung denn bei euch aus?

Johannes: „Wir setzen uns für vielfältige kommunale Themen ein. Das kann man sich so vorstellen, dass wir über eine lokalpolitische Thematik diskutieren, die an uns herangetragen wurde oder die uns dank verschiedener Medien zu Ohren kam. Wenn es dazu einen Konsens gibt, schreiben wir beispielsweise eine Pressemitteilung und setzen uns für gewisse Punkte ein. Aber das hört sich jetzt so ernst an, natürlich haben wir zusammen auch sehr viel Spaß. Dafür eignen sich unsere Stammtische, Veranstaltungen und auch die jährlich stattfindende politische Bildungsreise optimal.“

Macht ihr eigentlich auch Wahlkampf, und was ist das Besondere daran?

Johannes: „Daran kann man sich ebenfalls beteiligen. Man trifft dabei auf ungefilterte Reaktionen und Meinungen der Bürger, vor allem der Haustürwahlkampf ist besonders interessant. Einige haben ihre eigenen Ansichten und wollen uns diese erläutern. Da kann es schon mal zu philosophischen Diskussionen oder totaler Abneigung kommen. Aber auch hier gilt: Mit dem richtigen Team ist Wahlkampf sehr angenehm!“

Apropos richtiges Team. Gibt es etwas, das euch als Landshuter Parteijugend einzigartig macht?

Johannes: „Dadurch, dass zu der kommunalen Politik relativ viele Stadträte der CSU beitragen, haben wir einen kurzen Weg zur Stadtpolitik. Ansonsten haben wir einen hohen Frauenanteil und bunt gemischte Meinungen vorzuweisen. Rege Diskussionen sind außerdem ausdrücklich erlaubt und das Miteinander kommt niemals zu kurz.“

Das, was du erzählst, passt so gar nicht zu den typischen Klischees über die CSU, wie zum Beispiel das doch recht hohe Durchschnittsalter von 60 Jahren und der niedrige Frauenanteil von 21 %. Kann eine alte Partei wie diese attraktiv für junge Menschen wie dich bleiben?

Johannes: „Unsere politischen Ideen sind sicher nicht veraltet, nur weil das Durchschnittsalter etwas höher ist. Mich persönlich verbinden die Ansätze und die Grundwerte hinter unserer Politik. Bei den allermeisten Veranstaltungen hier bemerkt man das zudem nicht. Außerdem: Landshuter Lokalpolitiker der CSU sind im Schnitt wesentlich jünger und auch die Frauenquote von fast 50 % im lokalen CSU-Kreisvorstand widerspricht den Klischees. Das durchschnittliche Alter der Jungen Union beläuft sich auf circa 24 Jahre. Wer Mitglied bei uns wird, tritt natürlich nicht automatisch der CSU bei.“

Möchtest du den Leserinnen und Lesern des „Pieper“ noch etwas mit auf den Weg geben?

Johannes: „Bitte beschwert euch nicht nur, sondern engagiert euch und setzt euch dafür ein, dass eure Kritikpunkte gehört werden. Es mag einige große Missstände geben, aber genau deshalb ist politischer Einsatz so wichtig. Man kann dadurch im Kleinen etwas verändern und dafür muss man weder ein Politikwissenschaftler sein noch besonders viel Zeit mitbringen. Je mehr Menschen man in einer Jugendorganisation hat, desto mehr ist diese ein Querschnitt der Gesellschaft. Euer Engagement ist also unfassbar wichtig!“

Eine klare Message! Vielen Dank für das Gespräch.

Wie „schwul“ ist das denn?

ein Kommentar

„Nein, das ziehe ich nicht an. Das sieht schwul aus.“

„Der Typ ist so ein Schwuchtel.“

„Ne. Mache ich nicht. Ist ja voll schwul.“

Solche Sätze hört man leider immer häufiger auf den Straßen oder in dem eigenen sozialen Umfeld. Vor allem bei jüngeren Schülern scheinen diese Formulierungen beliebt zu sein. Erst gestern ist ein Junge, nicht älter als zwölf, an mir vorbeigelaufen und hat mir laut „schwul, schwul, schwul“ zugerufen, ohne einen Hintergedanken zu verschwenden, was das, was er da sagt, eigentlich bedeutet. Natürlich bin ich sehr verwirrt gewesen, da ich anfangs nicht realisiert habe, dass er mich, ein Mädchen, meint. Warum ist schwul als Schimpfwort in unserer Gesellschaft so verbreitet? Ich beschäftige mich mit dieser Frage schon lange, zumal ich „schwul“ in einem negativen Kontext auch in meinem Kontaktkreis ein paar Mal gehört habe. Wenn ich es dann anspreche, sagt man, ich solle mich nicht so anstellen, ich sei ein Spießer oder es werden einfach nur die Augen verdreht. Ich allerdings finde, es ist ein Fehler, das Wort „schwul“ als Schimpfwort zu verwenden und ein Problem, das angesprochen werden muss.

Die britische Journalistin Amy Ashenden hat eine Dokumentation mit dem Titel „The Gay Word“ gedreht, in der sie unter anderem Straßenumfragen durchgeführt hat und dabei wissen wollte, ob das Wort „gay“, also „schwul“, in einem negativen Sinne gebräuchlich ist und warum. Viele der Befragten meinten, sie benutzen Ausdrücke wie „Das ist ja schwul“, denken dabei aber nicht an Schwule oder sind homophob. Ich denke, die meisten Jugendlichen meinen es nicht auf eine homophobe Weise und denken wahrscheinlich auch gar nicht an schwule Leute, genau wie die Teenager in der Umfrage, aber genau das ist das Problem. Wenn man das Wort „schwul“ konstant in Verbindung mit etwas Schlechtem oder Falschem hört, fängt man möglicherweise an zu denken, es ist wirklich etwas Schlechtes oder Falsches. Gerade bei Leuten, die nicht viel Erfahrung mit diesem Thema haben oder Schwierigkeiten ihre Sexualität herauszufinden, kann das schwerwiegende Folgen haben. Nehmen wir als Beispiel einen 14-jährigen Jungen, der sich seiner Sexualität nicht ganz sicher ist und sich vielleicht zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt. Welche Botschaft bekommt nun dieser Junge, wenn alles, was uncool ist oder nervt, als „schwul“ gilt? Er bekommt die Botschaft, mit ihm stimmt etwas nicht oder schwul zu sein ist etwas, für das man sich schämen müsste.

Was ich auch oft höre, wenn ich Leute auf ihre nicht passende Formulierung anspreche, ist die Antwort „Ja, das sagt man halt so…“ Tatsächlich benutzen viele Menschen, vor allem Teenager, das Wort „schwul“ abwertend, weil sie in einem Umfeld aufwachsen, indem es schlichtweg normal ist, was einige der jungen Erwachsenen bei der Umfrage ebenfalls als Begründung angegeben haben. Klar, wenn es jeder um dich herum sagt, wird der eigenen Sprachgebrauch natürlich beeinflusst. Insbesondere unter gleichaltrigen Jugendlichen ist das der Fall. Ich persönlich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass die eigenen Eltern oder Großeltern „schwul“ als eine Beleidigung benutzen würden. Auch in der Dokumentation waren die älteren Befragten vielmehr verwundert, warum „schwul“ überhaupt in einem abwertenden Kontext verwendet wird, da ihnen das nie in den Sinn gekommen wäre. Ein älterer Herr meinte: „‘Gay‘ means happy and beautiful. It should have no other meaning.” (dt: “’Schwul’ bedeutet ‚glücklich‘ und ‚wundervoll‘. Es sollte keine andere Bedeutung haben.“)

Dieser Dokumentarfilm wurde damals in Großbritannien gedreht, wo das Wort „gay“ früher noch eine ganz andere Bedeutung hatte, wie dieser Herr klargemacht hat. Das Problem des Missbrauchs dieses Wortes ist gegenwärtig nicht nur bei uns in Deutschland präsent, sondern auch global.

Trotzdem gibt es meiner Meinung nach Wege etwas dagegen zu tun. Da die Schule eine der Hauptinstanzen ist, wo Jugendliche zusammenkommen und sich hier auch sprachlich beeinflussen lassen können, sollte man schon dort anfangen, Kinder über die LGBTQ-Gemeinschaft aufzuklären. Wenn man offen darüber redet und Lehrer es öfter thematisieren, wird sich ein stärkeres Bewusstsein und eine Akzeptanz über sexuelle Vielfalt entwickeln. Einfach schon in der Schule Konversationen über die Identität oder Beziehungen anzuregen, wäre bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Zwar nur ein kleiner, aber immerhin besser als gar keiner. Denn wenn man nichts tut, wird auch „schwul“ leider weiterhin für viele ein Schimpfwort bleiben.

Die Notbremse

eine Glosse

Auto, Mechaniker, Hände, Schrott, Alte, Kautschuk, Rad

Da rattert der Politikexpress auf holprigen Schienen durch das Tal der Verzweiflung und vorne streiten sich die Zugführer, ob man nun bremsen oder Gas geben soll. Ja, ganz ehrlich, so hätte man sich wahrscheinlich gefühlt, wenn man unsere Gesellschaft in einen Zug stecken und aus dem Fenster schauen würde. Und wenn dann jeder einzelne Waggon noch seinen eigenen Zugführer hat, tja, dann wird es kompliziert und es kommt zu Verspätungen. Gott sei Dank gilt der Föderalismus nicht bei der Bahn, aber Verspätungen dürfen wir uns in dieser Pandemie nun wirklich nicht erlauben. Seit über einem Jahr wird dieses Land augenscheinlich nur von Wirtschaftsverbänden und Virologen regiert, die unsere Politiker vor sich hertreiben. Deren Kreativität erschöpfte sich in Zusammenstellung ausgefallener Wortungetüme wie „Virusvarianten-Gebiet“ und „Hochinzidenzgebiet“, mit denen ihnen der 1. Platz als Unwort des Jahres zweifelsohne sicher wäre.

Aber leider hat dieses Land offenbar seine ganze Kreativität in Wortspiele verpulvert. Dabei blieb die Impfstoffversorgung leider auf der Strecke. Wenn wir jetzt ein reiches Land wären, welches 200 Millionen in Bürgerkriegsländer pumpt oder sämtliche Freibäder in Albanien sanieren würde, ich wäre echt schockiert, dass man kein Geld zum Schutz seiner eigenen Bevölkerung ausgeben möchte.

Gott sei Dank haben wir aber Frau von der Leyen und ihre EU-Kommission. Die achtet auf unser knappes Geld und verhandelt hart um jeden Cent und jede Impfdose. Da wird kein Geld sinnlos verschleudert.

Jedoch gibt es in dieser Welt anscheinend keine Fairness und manche Länder glauben einfach, sich mit viel Geld alles kaufen zu können … zum Beispiel genug Impfstoff für ihre eigene Bevölkerung. Eine beispiellose Dreistigkeit!

Jedenfalls haben wir gegenüber diesen egoistischen und nur an sich denkenden Ländern eines voraus. Nein, kein Impfstoff oder einen Plan zur Weg aus der Krise. Nein. Herz! Jawohl, wir, die Europäer, sind unseren Nachbarn moralisch weit voraus. Wir teilen nämlich den wenigen Impfstoff, den man uns übrig gelassen hat und der noch nicht einmal für uns reicht mit anderen Ländern. Die ewigen Nörgler und EU-Skeptiker nennen das Idiotie. Ich hingegen sage, damit rettet man zwar kein europäisches Leben, ganz im Gegenteil, aber wir können uns moralisch erhaben fühlen.

Hand aufs Herz, was uns bis jetzt vor einer völligen Katastrophe bewahrt hat, ist das kaltblütige Handeln einzelner Politiker gewesen. Da wurde das menschliche Leben zum alleinigen Gut erklärt, das es zu schützen galt. Auch auf Kosten der Wirtschaft. Man war fast geneigt, den schwarz-roten Landesfürsten abzukaufen, dass ihnen das Wohl der Bevölkerung über alles geht. Wäre da unglücklicherweise nicht dieser unselige Termin im September.

Es wird der Eindruck erweckt, die Pandemie und das Leben der Bevölkerung scheint auf einmal gar nicht mehr so wichtig zu sein. Es wird gelockert, wo es nur geht. Zu den tollen (Un-)Wortspielen kommen jetzt noch neue Zahlenspiele hinzu. Wo letztes Jahr noch die 50 und die 100 unabdingbare Hürden zum Schutz des Lebens waren, so sind es jetzt wissenschaftlich fundierte Zahlen wie 165 und 200.

Wäre man boshaft, könnte man annehmen, je näher der mögliche Machtverlust rückt, je mehr tut man alles, um dies zu verhindern.

Das erinnert doch ein wenig an das Mittelalter, da führte der Weg auf den Thron auch über Menschenleben. Oder wenn wir bei unserem Beispiel mit dem Zug bleiben wollen, dann sollten wir vielleicht im September die „Notbremse“ unseres Zuges ziehen und dafür sorgen, dass ein anderer Zugführer von Berlin aus weiterfährt, der dann vielleicht weiß, wann er bremsen oder Gas geben soll.

Oberbürgermeister Alexander Putz zu Besuch am Gymnasium

Am 29.01.2020 war Herr Oberbürgermeister Alexander Putz im Rahmen der Aktion „Tag der freien Schulen – Politiker schenken eine Unterrichtsstunde“ in der Klasse 10d des Gymnasiums Seligenthal zu Gast. Der Besuch zielte v.a. auch darauf ab, den Jugendlichen die Kommunalpolitik näher zu bringen und aus erster Hand (auch privat) hinter die Kulissen blicken zu lassen.

Schulleiterin, Frau Oberstudiendirektorin Ursula Weger, nahm den hohen Besuch in Empfang und stellte in einer kurzen Eröffnungsrede den besonderen Wert der Demokratie heraus. Ein (politisches) Denken in „schwarz-weiß“ sei keinesfalls zielführend und bilde auch nicht die Realität ab. Man müsse sich auch immer im Bewusstsein halten, dass gerade populistische Parteien, die vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme anböten, eine Gefahr für die Demokratie sein können. Umso wichtiger sei es, informiert zu sein, um gesellschaftliche und politische Sachverhalte auch entsprechend einordnen zu können.

Im sich anschließenden Vortrag von Herrn Putz, dem ein angeregtes Gespräch mit vielen Fragen seitens der Schülerinnen und Schüler folgte, ging es aber nicht nur um rein Politisches. Besonders interessierte die Klasse auch das Arbeitspensum und die Lieblingsthemen des Kommunalpolitikers, der nicht selten 70 – 80 Stunden pro Woche arbeite, wobei man laut Herrn Putz nicht alles, was das Berufsfeld des Oberbürgermeisters mitbringe, z. B. Abendveranstaltungen, als Arbeit ansehen sollte. Authentisch und äußerst schülernah äußerte sich Herr Putz auch zu persönlichen Dingen, wie die Vereinbarkeit von Familie und „Arbeit“. Hierbei sei es seiner Ansicht nach besonders für junge Menschen in der Politik schwierig, eine Balance zwischen Privatleben und dienstlicher Verpflichtung zu finden. Von entscheidender Bedeutung sei für den Repräsentanten unserer Stadt die Zukunftsfähigkeit der Schulen bzw. der ganzen Bildungsinfrastruktur. Zu seinen Lieblingsaufgaben gehöre demnach auch der Besuch an den Schulen selbst. Daneben sei es aber ebenso wichtig, innerhalb der Politik mit Weggefährten, auch mit solchen, die ggf. eine andere Meinung vertreten, beständig zu diskutieren und sie ernst zu nehmen.

Auch ganz private Einblicke gewährte Alexander Putz, indem er beispielsweise verriet, dass seine eigene Bibliothek neun Meter lang sei. Der darüber hinaus vielseitig interessierte Oberbürgermeister, der von Beruf auch Bauingenieur ist, könne sich für viele Dinge begeistern, so auch für Sport, Literatur und Musik.

Am Ende des kurzweiligen, sehr informativen Zusammentreffens motivierte und bestärkte Herr Putz die Schülerinnen und Schüler (die übrigens nur eine Sache bedauerten, nämlich dass die Zeit zu kurz gewesen sei), das einzusetzen, was jeder gut könne. Deshalb gelte es, nicht nur an den Schwächen, sondern vor allem auch an den eigenen Stärken zu arbeiten. Würden nämlich alle ständig nur ihre Schwächen ausmerzen, wären am Ende alle gleich.

Frau Ursula Weger bedankte sich bei Herrn Alexander Putz für den gewinnbringenden und spannenden Vortrag, für den er trotz seiner vielfältigen Verpflichtungen Zeit gefunden habe. Der Besuch wird allen in guter Erinnerung (und hoffentlich nicht der letzte) bleiben.

Eindrücke zur Wanderausstellung „Bayerischer Landtag“ in Seligenthal – Teil II

Der Bayerische Landtag, seine Gremien & Co.

Ein Gastbeitrag von Katharina Huber, Klasse 10a

Die Eröffnung der Wanderausstellung des Bayerischen Landtages, die am Gymnasium Seligenthal vom 13. bis 17. Januar 2020 zu sehen war, stellte einen passenden Anstoß für mich dar, mir die Frage zu stellen, wie unser Freistaat Bayern eigentlich aufgebaut ist.

Die Vorgabe dazu gibt die Verfassung  des Freistaates Bayern selbst, und zwar in Artikel 3 Abs. 1 und Artikel 5 mit den Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und der Gewaltenteilung. Gewaltenteilung ist eine der wesentlichen Voraussetzungen eines Rechtsstaates und bedeutet Gewaltentrennung und damit die Aufteilung der Staatsaufgaben in drei Teile.

Die Gesetzgebende Gewalt, die sog. Legislative steht nur dem Souverän, also dem Volk, bzw. seinem gewählten Vertreter, also dem Bayerischen Landtag, zu. Die vollziehende Gewalt, die Exekutive liegt in den Händen der Staatsregierung, und die Judikative, die richterliche Gewalt, wird durch die Gerichte ausgeübt. Oberstes Gericht im Freistaat Bayern ist, wie in Artikel 60 der Verfassung des Freistaates Bayern vorgegeben, der Verfassungsgerichtshof.

Durch die Gewaltenteilung wird primär das Ziel verfolgt, eine zu große Machtkonzentration bei einem einzelnen Staatsorgan zu vermeiden und dadurch Freiheit und Gleichheit zu sichern. Der Freistaat Bayern ist also auf den drei Säulen Exekutive, Legislative und Judikative aufgebaut.

Theoretisch ist den meisten Schülern klar, wie die Exekutive und die Judikative funktionieren, für die Legislative – also den Bayerischen Landtag – gilt dies, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, oftmals nicht.

Um die Tätigkeiten und die Organisation des Landtags zu regeln, hat sich dieser eine Geschäftsordnung gegeben, in der verschiedene Aufgaben an bestimmte Organe und Gremien zugewiesen werden. Die Organe bzw. Gremien sind die Landtagspräsidentin, das Landtagspräsidium, das Plenum, die Ausschüsse, die Fraktionen und der Ältestenrat.

Die zugehörige Stele in der Ausstellung in Seligenthal informierte übersichtlich und kurzweilig über den organisatorischen Aufbau des Landtags.

Die wesentlichen Aufgaben der Landtagspräsidentin, zur Zeit Frau MdL (Mitglied des Landtags) Ilse Aigner sind die Leitung der Sitzungen der Vollversammlung und die Repräsentation des Parlaments nach außen, während das Landtagspräsidium im Wesentlichen ein Beratungs- und Beschlussorgan in Verwaltungsangelegenheiten des Landtags ist. So bereitet es z. B. den Haushaltsplan des Landtags vor.

Daneben hat der Landtag 14 ständige Ausschüsse für die Dauer der 18. Wahlperiode von 2018 bis 2023 eingesetzt. Dazu gehören unter anderem die Ausschüsse für Haushalt, Verfassung, Inneres, Wirtschaft, Wissenschaft und Europa. Abgeordnete aller im Landtag vertretenen Parteien sind jeweils entsprechend der Kräfteverhältnisse des Bayerischen Landtages in den Ausschüssen vertreten. Die Bildung von Ausschüssen ist insbesondere deshalb sinnvoll, weil sich so nicht jeder Abgeordnete Detailkenntnisse in allen Sachfragen aneignen muss und dafür Spezialist in den jeweiligen Angelegenheiten werden kann, die sein Ausschuss behandelt.

Außer in der Vollversammlung (Plenum), der die Besprechung und Abstimmung über Gesetzesvorlagen obliegt, und den ständigen Ausschüssen, arbeiten die Abgeordneten des Landtags in weiteren Gremien, deren Arbeitsbereiche über die Beratung von konkreten Gesetzesvorhaben oder Petitionen hinausgehen. So können zum Teil unter Einbeziehung von Sachverständigen und oft auch zeitlich begrenzt komplexe Sachfragen bearbeitet und Beratungen des Plenums vorbereitet werden, was im sog. Ältestenrat stattfindet – oder bestimmte Fragen untersucht werden (sog. Untersuchungsausschüsse).

Die Fraktionen sind mit eigenen Rechten und Pflichten ausgestattete Vereinigungen im Bayerischen Landtag, zu denen sich Mitglieder des Bayerischen Landtags zusammenschließen. Derzeit sind im Bayerischen Landtag Fraktionen der CSU, Bündnis 90/Die Grünen, Freie Wähler, SPD, FDP und AfD vertreten.

Auf einen Blick standen den Besuchern der Ausstellung auch Kurzprofile zu einzelnen Politikern zur Verfügung.

Abschließend möchte ich betonen, wie gut mir die Ausstellung gefallen hat und wie interessant ich sie gefunden habe. Am Eröffungstag war ich anwesend und bekam die Chance, mich mit einigen Landshuter Politikern, darunter Helmut Radlmeier, zu unterhalten. Sie beantworteten mir, sehr aufgeschlossen, viele Fragen zu ihrem wichtigen Beruf.