Archiv der Kategorie: Gruppen und Gruppenprozesse

Die zunehmende Radikalität der Sprache

Wenn man Reden hört, in denen Menschen als „Ungeziefer“ bezeichnet werden, die man „ausrotten“ werde, dann formen sich direkt Gedanken über den deutschen Nationalsozialismus. Damals wurden diese Worte benutzt, um anderen Menschen, vor allem Juden, ihre Menschlichkeit zu nehmen, um ihnen sämtliche Würde und Rechte abzusprechen und sie letzten Endes in großer Zahl grausam zu ermorden. Schon zu dieser Zeit wurde die Sprache als Waffe benutzt, um die Menschen an eine radikale, menschenverachtende Sprache zu gewöhnen und damit schlimme Verbrechen weniger schrecklich klingen zu lassen. Diese Strategie funktionierte damals zum entsetzlichen Leid Vieler und sie wird heutzutage wiederentdeckt.

Die Worte vom Anfang dieses Artikels stammen aus einer Rede des ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten Donald Trumps auf einer seiner Wahlkampfveranstaltungen im November 2023. Als „auszurottendes Ungeziefer“ bezeichnet er „Marxisten, Faschisten und linksradikale Gangster“, welche laut ihm „lügen, stehlen und bei Wahlen betrügen“. Und als wäre das nicht schon schockierend genug, sagte er in einem Interview, dass Immigranten „das Blut unseres Landes vergiften“. Mit solchen Ausdrücken ahme er eindeutig die Sprache von Diktatoren wie Hitler und Mussolini nach, merkt Joe Biden, der amtierende Präsident der USA, an. Zudem stellt Trump sich als Befreier von all den genannten autoritären Strömungen dar, wie es schon Mussolini zu seiner Zeit tat und sich letztendlich selbst zum Diktator erhob. Man fragt sich, wie es immer noch so viele Amerikaner gibt, welche voller Überzeugung auf der Seite Trumps stehen. Eine seiner Strategien, um das zu befeuern, ist die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft. Diese ist heute wohl stärker als je zuvor in die beiden Lager der Demokraten und der Republikaner geteilt. Eine Annäherung ist kaum möglich und eine große Zahl von Trumps Unterstützern steht fest hinter seinen falschen Behauptungen, wie der des Wahlbetrugs der Demokraten im Jahr 2020. Ein richtiger, faktenbasierter Diskurs wird unmöglich, da die Aussagen der Gegenseite einfach als Lügen abgestempelt werden. Man blickt mit bange auf die nächsten Präsidentschaftswahlen, bei denen sich zeigen wird, ob Trumps Strategie der Spaltung für ihn aufgeht.

Und in Deutschland? Auch hier gibt es Tendenzen in der politischen Rhetorik, welche eindeutig auf extremes rechtes Gedankengut verweisen. Ganz prominent und in den Wahlen einen Aufwärtstrend aufweisend, ist die Alternative für Deutschland (AfD). Diese in einigen Bundesländern schon als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei verwendet zwar, von Ausnahmen abgesehen, eine abgeschwächte Rhetorik – dennoch radikalisieren sich ihre Forderungen vor allem in Bezug auf Migration und linke bzw. ökologisch angehauchte Meinungen und Parteien. Hier lässt sich ebenfalls das Prinzip der Spaltung einer Gesellschaft und das Schüren von Angst vor Veränderungen durch rechtspopulistische Äußerungen feststellen.

Auf der gesamten Welt wurde und wird die Sprache zunehmend missbraucht, um zu polarisieren und zu radikalisieren. Es wird zudem die Grenze zwischen Meinungen und Fakten verwischt. Die Bedeutung (selbst-)reflektierter Gedankengänge ist somit enorm. Es wäre besser, würde man sich zuerst auch außerhalb der eigenen „Bubble“ informieren und hinterfragen, ob das, was einem vom Nachbarn erzählt wurde, wirklich wahr bzw. ob es auf eine bestimmte Situation hin anwendbar ist. Auf diese Weise könnte man Vorurteilen und extremen Gedanken wenigstens ein wenig entgegenwirken. Außerdem stehen auch vor allem Politiker in der Verantwortung, sich von radikalen Parteien klar zu distanzieren und einen sachlichen Diskurs im Sinne der ganzen Bevölkerung zu führen, anstatt sich emotionalen, populistischen Aussagen hinzugeben oder sie zu dulden.

Quellen:

https://www.br.de/nachrichten/bayern/afd-neue-radikalitaet-der-sprache,TWsKkSQ

https://www.fr.de/politik/praesident-usa-nazi-rhetorik-gouverneur-illinois-trump-wahl-zr-92685445.html

https://www.spiegel.de/ausland/donald-trump-nennt-politische-gegner-ungeziefer-kritiker-ziehen-hitler-vergleich-a-0682126d-bcdd-48cd-89c9-e71a0df0aba4

https://www.washingtonpost.com/politics/2023/11/12/trump-rally-vermin-political-opponents/

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2023-12/afd-in-sachsen-als-gesichert-rechtsextrem-eingestuft

Doppelmoral*in

Bitte folgendes Bild einfügen:

Liebe Leserinnen und Leser, Leserinnen/Leser, Leser(innen), LeserInnen, Leser*innen oder doch einfach nur Leser? Bei den vielen, unterschiedlichen Möglichkeiten des Genderns kann man schon mal schnell den Überblick verlieren, jedoch steht hinter all diesen Formulierungen derselbe Gedanke: Ein Sprachgebrauch, welcher Männer und Frauen oder auch nicht-binäre Personen inkludiert. Genau so wie unsere Gesellschaft sich in einem ständigen Wandel befindet, so verändert sich auch unsere Sprache. Eine Gesellschaft, die versucht, geschlechtergerechter und toleranter zu werden und dies wörtlich auszudrücken, scheint zunächst niemandem schaden, sondern das Gegenteil erreichen zu wollen. Jedoch könnte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder wohl eine Bedrohung darin zu sehen, da er ein Verbot gegen das Gendern ankündigte.

In seiner Regierungserklärung am 5. Dezember 2023 sprach sich Markus Söder gegen verpflichtendes Gendern aus. Außer den Worten „Im Gegenteil, wir werden das Gendern in Schulen und Verwaltungen sogar untersagen, meine sehr verehrten Damen und Herren“ gab er jedoch keine genaueren Details bekannt. Diese müssten nämlich laut einem Sprecher noch „erarbeitet“ werden, was jedoch die Abgeordneten der CSU, der Freien Wähler und der AfD nicht zu stören schien, als sie auf Söders Ankündigung mit Applaus reagierten. Ebenso mag die absurde Widersprüchlichkeit, die in den Aussagen des Ministerpräsidenten mehrmals auftaucht, kein Problem zu sein. So bemängelt er zunächst an der Ampel-Bundesregierung, dass diese sich nicht ausreichend mit wichtigen Themen auseinandersetzt, welche die gesamte Bevölkerung betreffen. Laut Söder sind „all die Debatten“, die sich ums Gendern drehen, unwichtig. Ganz falsch liegt er hier nicht, schließlich gaben bei einer Umfrage von Infratest dimap für den WDR 62 Prozent der Befragten an, das Gendern sei ihnen weniger oder gar nicht wichtig. Man kann jedoch nicht leugnen, dass Söder die Diskussion um dieses Thema kritisiert und gleichzeitig selbst daran teilnimmt. Die bayerische Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze ging sogar so weit, Söders Verhalten als „Obsession für das Thema Gendern“ zu bezeichnen. Jedoch mal objektiv betrachtet, lässt sich sagen, dass das Thema den Ministerpräsidenten tatsächlich seit längerer Zeit beschäftigt, da es seit zwei Jahren in mehreren seiner Reden zur Sprache kommt. Am Anfang lag der Fokus aber darauf, sowohl die Pflicht zu gendern als auch feste Vorgaben dagegen zu vermeiden. Vor zwei Jahren meinte er auf Facebook: „Jede und jeder darf Sprache verwenden, wie sie und er will. (…) Bayern ist ein Freistaat und kein Belehrungsstaat.“. 2023 hieß es: „Jeder soll es persönlich halten, wie er es will!“ Erneut widerspricht Söder mit seinem Verbot seinem früheren Selbst. Dass er hier bei seiner Formulierung von der sogenannten Paarformel zum generischen Maskulinum wechselte, wird wohl kaum eine unbewusste Entscheidung gewesen sein.

Ob man meint, dass Söder mit seinem Verbot nur dem Rat für deutsche Rechtschreibung, welcher vorerst, der grammatischen Einfachheit wegen, eine Empfehlung des Genderns ablehnt, folgen möge oder dass er laut dem bayerischen Elternverband „in populistischer Art die geltende Rechtslage“ darstelle, muss jeder und jede für sich selbst entscheiden. Rein rechtlich gesehen könnten aber mit einem solchem Verbot, keine unverhältnismäßigen Strafen einhergehen. So wird wohl wie bisher weiterhin gelten, dass das Gendern bei Schülern nicht als Fehler gewertet werden darf, andererseits darf auch niemand zum Gendern gezwungen werden. Auf Kritik wie „Ein Verbot ohne Sanktionen hat allenfalls symbolischen Charakter.“ Vom Vorsitzenden des Elternverbandes, Martin Löwe, oder dass es nicht „notwendig und zielführend“ sei laut Micheal Schwägerl, Vorsitzender des Philologenverbandes, reagierte Söder defensiv. Letztlich wird aber auch der Staat die Entwicklung der Sprache nicht aufhalten können, denn wie wir außerhalb von Schulen und Verwaltungen sprechen, kann nicht vorgeschrieben werden.

Quellen:

https://www.br.de/nachrichten/bayern/soeder-und-das-gender-verbot-viel-wirbel-und-offene-fragen,TxeAevt

https://www.zeit.de/news/2023-12/05/bayern-soeder-kuendigt-gender-verbot-an

https://www.sueddeutsche.de/bayern/gendern-verbot-soeder-kritik-spaltung-schulen-1.6315242

https://www.sueddeutsche.de/bayern/gendern-bayern-verbot-soeder-schulen-kritik-lehrer-1.6316084

Fachkräftemangel in Deutschland – Trotz Arbeitslosigkeit herrschen Engpässe auf dem Arbeitsmarkt

Deutschland steht vor einer Herausforderung: Trotz einer vorhandenen Arbeitslosigkeit lässt sich eine wachsende Lücke an hochqualifizierten Fachkräften erkennen. In bestimmten Branchen und Regionen können schon heute offene Stellen nicht mit geeigneten Fachkräften besetzt werden. Viele Unternehmen sind deshalb bereits akut von dem Mangel an Fachkräften betroffen.

Im Jahr 2022 hat der Personalengpass einen Höchststand erreicht, rund 630 000 Stellen konnten nicht besetzt werden. Jedoch wurden in Deutschland im selben Jahr durchschnittlich fast 2,5 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das scheint sich zu widersprechen: Wie kann es zu wenige Fachkräfte geben, wenn immer noch viele Menschen einen Job suchen?

Ein wesentlicher Faktor, der besonders in der Zukunft einen entscheidenden Einfluss auf den herrschenden Fachkräftemangel haben wird, ist die demografische Entwicklung. Wie andere Industriestaaten auch steht Deutschland vor weitreichenden demografischen Herausforderungen. Die Alterspyramide verändert durch niedrige Geburtenzahlen und steigende Lebenserwartung grundlegend ihre frühere Struktur. Folglich sieht sich Deutschland mit einer alternden Bevölkerung und einem schrumpfenden Arbeitskräftepotential konfrontiert. Die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit, die sogenannte Baby-Boomer-Generation, welche durch das Wirtschaftswachstum in den 50er- und 60er-Jahren hervorgerufen wurde, tritt in den Ruhestand, somit verlassen viele qualifizierte Arbeitskräfte den Arbeitsmarkt. Auch der Nachwuchs kann diese Lücke nicht immer ausreichend füllen. Denn Deutschland befindet sich aktuell in der vierten Phase des demografischen Übergangs, dort stabilisiert sich die Geburtenrate auf niedrigem Niveau. Die Sterberate lässt sich ebenfalls stabil auf niedrigem Niveau erkennen. Demnach herrscht in der Bundesrepublik ein langsames Bevölkerungswachstum. Dies führt zu einem Ungleichgewicht zwischen der Nachfrage nach Fachkräften und dem verfügbaren Angebot.

Eine weitere Ursache für den Fachkräftemangel ist die Diskrepanz zwischen den verfügbaren Arbeitskräften und den Anforderungen der Arbeitswelt. Oft passt das, was die Arbeitssuchenden können, nicht zu den Anforderungen der Unternehmen oder Firmen. Das Fehlen von spezifischen Fähigkeiten oder Qualifikationen kann die Fachkräftelücke verschärfen. Es ist daher wichtig, dass Bildungseinrichtungen eng mit der Wirtschaft zusammenarbeiten, denn nur so lässt sich sicherstellen, dass die Qualifizierung der Arbeitskräfte den aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes entspricht. Langfristig kann eine Qualifizierung den Mangel an gebildeten Fachkräften lindern. Somit werden die Arbeitsuchenden besser auf die Anforderungen, Erwartungen und Bedürfnisse der Unternehmen vorbereitet, wovon die gesamte Wirtschaft und der Arbeitsmarkt profitieren werden.

Zu den von Fachkräfteengpässen besonders betroffene Bereiche zählen unter anderem akademische Berufsgruppen in den Bereichen Medizin, Ingenieurwesen und Informationstechnologie, Gesundheitswesen und Handwerk. Aufgrund dieser branchenspezifischen Engpässe muss die duale Ausbildung in Deutschland gestärkt und angepasst werden. Diese Engpässe treten auf, wenn es in bestimmten Wirtschaftszweigen einen signifikanten Mangel an qualifizierenden Arbeitskräften gibt. Diese Problematik entsteht, wenn die Nachfrage nach bestimmten Fähigkeiten in einer Branche das Angebot an verfügbaren Fachkräften übersteigt. Ein Beispiel hierfür ist das Gesundheits- und Sozialwesen. Alten- und Krankenpfleger, Therapeuten und Sozialarbeiter werden aktuell und auch in Zukunft dringend benötigt. Der steigende Bedarf an Betreuungsdiensten verstärkt den Engpass. Erhebliche Auswirkungen auf die betroffenen Branchen sind zu erwarten, deshalb erfordern sie gezielte Maßnahmen, um die Ausbildung von Fachkräften in den betroffenen Bereichen zu fördern. Ziel ist es dabei, den Bedarf an Arbeitskräften zu decken.

Insgesamt ist der Fachkräftemangel in Deutschland trotz hoher Arbeitslosigkeit eine komplexe Herausforderung, die weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaft, Gesellschaft und die betroffenen Unternehmen und Einrichtungen hat. Die Bewältigung des Fachkräftemangels ist ein langfristiger Prozess, der eine Anpassung und Zusammenarbeit aller Beteiligten – von Bildungseinrichtungen über Unternehmen bis hin zu Politik – erfordert.

Quellen:

https://www.iwd.de/artikel/fachkraefteluecke-trotz-arbeitslosigkeit-wie-passt-das-zusammen-592877/https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/fachkraeftemangel-wirtschaft-hoechststand-100.htmlhttps://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/fachkraeftestrategie-2133284https://www.bmas.de/DE/Service/Presse/Pressemitteilungen/2022/fachkraeftegipfel-mehr-fachkraefte-fuer-deutschlands-zukunft.htmlhttps://studyflix.de/erdkunde/modell-des-demographischen-ubergangs-5395

Sexismus in der Musikindustrie

„There is a different vocabulary for men and women in the music industry, right? […] A man does something, it’s strategic; a woman does the same thing, it‘s calculated. A man is allowed to react; a woman can only overreact.“ – Taylor Swift

Symbolbild: Frauen in der Musikindustrie begehren gegen Sexismus und Ausgrenzung auf

Mit dieser Aussage Taylor Swifts in einem Interview 2019 versuchte die amerikanische Sängerin den Unterschied aufzuzeigen, der nach wie vor im benutzten Vokabular für Frauen und Männer in der Musikindustrie herrscht. Während eine Handlung eines Mannes also strategisch ist, ist dieselbe Handlung einer Frau kalkuliert. Männer dürfen reagieren, Frauen können nur überreagieren. 

Sie bekam auf diese Aussage hin sowohl viel Zustimmung als auch viel Kritik. Auf der einen Seite befanden es viele als einen sehr wichtigen Schritt, um den täglichen Sexismus häufiger und offener anzusprechen und gemeinsam dagegen zu wirken. Auf der anderen Seite waren jedoch auch einige Menschen der Meinung, sie hätte damit überreagiert, denn es sei mittlerweile in der Musikbranche so gut wie kein Sexismus mehr vorhanden.  

Sexismus wird als eine Art Diskriminierung definiert. „Es ist die Benachteiligung, Abwertung, Verletzung und Unterdrückung einer Person oder einer Gruppe aufgrund des Geschlechts.“ Durch einige feministische Bewegungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten erhielt das Thema Sexismus mehr Aufmerksamkeit und gilt nicht mehr als „Tabuthema“. 

In jedem Teil der Welt und der Arbeitsindustrie herrscht zu einem gewissen Maß Sexismus. Wie er sich äußert und wie stark er ausgeprägt ist, ist aber überall unterschiedlich. Am Beispiel der Musikindustrie lässt sich gut zeigen, dass der Sexismus, der nach wie vor in dieser Branche herrscht, vielen nicht bewusst ist. Man kann ihn jedoch vor allem an zwei Tatsachen festmachen. 

Zum einen wird die gesamte Branche überdurchschnittlich von Männern dominiert. Nur 22 % der bekannten Musiker und Musikerinnen und lediglich 3 % aller Produzenten und Produzentinnen von Popmusik sind Frauen. Außerdem wird die Musik von weiblichen Künstlerinnen nur wenig von Männern gehört; diese machen sich oft eher über diese „weibliche“ und „zu emotionale“ Musik lustig. In Genres wie Rock, Rap oder Country überwiegen die männlichen Künstler zudem deutlich. 

Zum anderen kann man in etlichen Liedtexten, vor allem im amerikanischen Rap, von Sängern wie bspw. Travis Scott oder Kanye West sexistische Bemerkungen oder sogar Beleidigungen finden. Dass solche Aussagen in der heutigen Zeit in der Musik vermittelt werden, die schließlich einen wichtigen Teil unserer Kultur darstellt und jeden im alltäglichen Leben begleitet, wirkt genau dem entgegen, was so viele erreichen wollen: eine Gleichberechtigung und gleicher Respekt gegenüber allen Menschen.

Im Gegensatz zu den negativen Entwicklungen sprechen gerade in den Jahren kurz vor, während und nun auch nach der Corona-Pandemie immer mehr bekannte Personen dieses Problem an. 

Sowohl in ihrer eigenen Dokumentation „Miss Americana“ als auch in einigen ihrer Lieder macht Taylor Swift Sexismus und andere Probleme, die damit in Verbindung stehen, zu einem wichtigen Thema. Als einflussreiche Popsängerin und Vorbild vieler junger Menschen versucht sie ihre Reichweite unter anderem zu nutzen, um mehr auf dieses Thema aufmerksam zu machen. 

Neben Taylor Swift teilen auch viele andere Sängerinnen wie bspw. Selena Gomez, Miley Cyrus oder Lady Gaga offen in Interviews, Reden oder auch Liedern ihre eigenen Erfahrungen, Einstellungen und Bitten mit.

Einer der bekanntesten Songs von Taylor Swift, der sich mit diesem Thema beschäftigt, ist „The Man“. Sie stellt darin dar, dass es für Frauen in der Musikindustrie grundsätzlich härter ist, viel zu erreichen; sie müssen also wesentlich mehr Arbeit leisten als Männer, um den gleichen Erfolg zu erzielen. Beispielsweise in den Lyrics „I’m so sick of running as fast as I can/ Wondering if I’d get there quicker if I was a man“ beschreibt sie genau dieses Problem. 

Offensichtlich herrscht also nach wie vor viel Sexismus in der Musikindustrie. Diesem kann jedoch, wie es schon jetzt getan wird, entgegengewirkt werden, indem dieses Thema noch offener angesprochen wird. 

Quellen:

Internet:

https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-in-einfacher-sprache/331402/sexismus/

https://oldtimemusic.com/the-meaning-behind-the-song-the-man-by-taylor-swift/

https://www.cnbc.com/2019/08/08/taylor-swift-says-this-was-the-moment-she-woke-up-to-sexism-in-the-music-industry.html

Ehrenamtliche Tätigkeiten – eine Win-Win Situation?

ein Interview

 „Bayern lebt vom ehrenamtlichen Engagement. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft,“ 1 propagierte die bayerische Sozialministerin Emilia Müller am 13. März 2018.

Das persönliche Engagement von Menschen in Bayern über 14 Jahren (ca. 5,2 Millionen Bürger/innen) wird durch die gelebte Solidarität als „Kitt der Gesellschaft“ bezeichnet. Besonders das Ehrenamt im Bereich Sport bietet generationsübergreifende Möglichkeiten zum gemeinsamen Dialog und ein breitgefächertes Betätigungsfeld. Drei Trainer, tätig im Sportbereich mit Kindern und Jugendlichen, beschreiben im Folgenden ihre Erfahrungen und langjährige Arbeit in ihrem Ehrenamt:

Wie bist du dazu gekommen, dich ehrenamtlich im Jugendbereich zu engagieren und wie würdest du deine Tätigkeit beschreiben?

Christoph: „Auf Anfrage der Vereinsführung als Papa eines Spielers bin ich dazu gekommen, das Training zu machen. Aktuell bin ich Co-Trainer im Fußball. Ich unterstütze mein Team im Training und bei der Spielvorbereitung und coache vor, während und nach dem Spiel. Zu meinen Aufgaben gehört außerdem die Organisation des Teams.“

Welche besonderen Fähigkeiten und Voraussetzungen benötigt man, um dieses Ehrenamt speziell mit Kindern und Jugendlichen auszuüben?

Markus: „Neben der „Liebe“ zum Sport und zur Bewegung ist sicherlich eine ordentliche Prise Empathie hilfreich, um mit den Kindern mehrmals in der Woche zu arbeiten. Grundsätzlich ist unser Anspruch im Verein, dass die Kinder lächelnd zum Training kommen und auch wieder lächelnd gehen, sprich – sie sollen aus eigenem Antrieb gerne zum Sport kommen und Freude an der Bewegung und am wahrscheinlich schönsten Mannschaftssport der Welt haben. Insofern müssen – soweit möglich – die Kinder da abgeholt werden, wo sie aktuell stehen und individuell gefördert werden. Empathie hilft zu erkennen, wo die Kinder sportlich aber auch mental stehen.“

Bist du der Ansicht, dass dein Engagement auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen einen Einfluss hat, wenn ja, welchen?

Markus: „Zu erkennen, dass man als Trainer/ Übungsleiter einer Gruppe eine absolute Vorbildfunktion einnimmt, dauert eine Weile. Durch die ständige Rückkopplung am Platz bei den Kindern, aber auch aus Gesprächen mit den Eltern, ergibt sich dies aber dann Stück für Stück. Als Trainer ist man ein „Anker“ außerhalb der Schule und weg von zu Hause, der den Kindern Halt geben kann, aber auch Fähigkeiten vermitteln kann, die im Mannschaftssport unabdingbar sind, z. B. Zusammenhalt, sich Einfinden in einer bestimmten Rolle, Akzeptanz und Respekt, wenn’s mal nicht so läuft, aus gemeinsamen „Niederlagen“ zu lernen und wieder anzupacken, was für das spätere Leben und auch im Beruf extrem hilfreich ist.“

Wie hat sich der Bereich des Ehrenamtes im Kinder- und Jugendbereich seit deinem Einstieg verändert, und wie lange übst du dieses schon aus?

Thomas: „Ich habe angefangen, als mein Sohn sechs Jahre war, das heißt, ich mache das jetzt seit 15 Jahren. Ich hatte ein Jahr eine kurze Unterbrechung, aber ansonsten mache ich das jetzt seit 15 Jahren ehrenamtlich. Ich glaube, dass sich gar nicht so viel verändert hat, also zumindest nicht, was ich jetzt sportlich mache. Ansonsten glaube ich, hat sich verändert, dass es im Ehrenamt schwieriger geworden ist, Leute zu finden, die sich engagieren. Man hat immer wieder die gleichen Leute, die sich engagieren. Also ich stelle fest, dass die Leute, die im Beruf auch engagiert sind, da Verantwortung übernehmen und das dann auch im Privaten, in einem Ehrenamt machen. Bei den Kindern haben sich vielleicht die Kinder ein bisschen verändert. Klar, es sind ganz andere Voraussetzungen heutzutage, als sie es vor 15 Jahren waren, auch die Formulare sind schon etwas mehr geworden, z. B. auch speziell durch Corona und auch davor schon, was man alles ausfüllen muss. Der Papierkram ist vielleicht ein bisschen mehr geworden, aber eigentlich nichts, was sich jetzt speziell im Ehrenamt verändert hat. Es ist eigentlich die allgemeine Veränderung, wie man es sonst auch überall anders antrifft, in den Schulen, in der freien Wirtschaft oder sonst irgendwo. Diese Veränderungen schlagen sich auch natürlich überall auf das Ehrenamt durch, aber ansonsten nichts Spezielles, denke ich, aus meiner Sicht.“

Woraus ziehst du deine Motivation, eine so wichtige Aufgabe ohne Bezahlung zu leisten?

Christoph: „Fußball ist eine der schönsten Sportarten. Kindern und Jugendlichen den Spaß und die Kenntnisse dazu zu vermitteln, „Soziale Arbeit“ zu leisten und in einer starken Gemeinschaft als Verein zusammenzustehen. Wenn ein Spieler später etwas kann, was jetzt noch nicht funktioniert, weil er gezeigt bekommt, wie es besser geht, ist das doch ein schönes Ziel.“

Herzlichen Dank für euer soziales Engagement und die Beantwortung meiner Fragen!

https://www.bayern.de/sozialministerin-mueller-neue-zukunftsstiftung-ehrenamt-bayern-staerkt-das-ehrenamtliche-engagement-in-bayern-buergerschaftliches-engagement/ 1

https://www.stmi.bayern.de/sug/engagement/index.php

https://www.stmi.bayern.de/sug/ehrungen/sportundgesellschaft/index.php

https://www.bayern.de/sozialministerin-emilia-mueller-ehrenamt-und-buergerschaftliches-engagement-sind-der-kitt-unserer-gesellschaft-buergerschaftliches-engagement/

Interview: Berlin der 80iger – (subkulturelle) Erinnerungen

Marie und ich lernten uns 2019 auf einer Demo in Friedrichshain kennen. Die Dame stolperte fluchend gegen meine Gruppe, irgendwie kamen wir mit der 60-Jährigen Gespräch. 2021 schrieben wir uns, ich fragte Marie nach ihrem Wohlergehen in der Pandemie. „Ick hab die Mauer überlebt, die Mauer und die Hausbesetzer und 35 Jahre Sozialdemokratie, da werd ick dit auch überleben“ antwortete sie prompt stoisch. Ich fragte nach und wurde wenig später auf den Maries Discordserver eingeladen, ein Anruf sei für sie entspannter, fügt sie hinzu. Später kommt auch Chris dazu, ein guter Freund und Mitbewohner von Marie. Die Erzählungen über ihre Jugendjahre erscheinen mir dabei sehr spannend, wobei die beiden vor allem über die ersten Jahre des Techno erzählen. Ihre Erlebnisse sollen hier ausschnittsweise geteilt werden.

Marie: „So wenig ich die Stadt heute auch mag, aus Frankfurt kam der Techno. Oder zumindest der Begriff. Ich meine, ein Musikladenbesitzer hatte elektronische Musik mal unter diesem Oberbegriff zusammengefasst. Dort fand dann auch sonntags der „Technoclub“ in der Disco „Nowhere“ statt. Man kannte den Laden, Menschen sind gern mal nur dafür nach Frankfurt gekommen. Wir waren damals dann auch mal da.“

Chris: „Das war damals aber eigentlich gar nicht so cool, die Musikrichtung zu hören. Wir waren eher so eine kleinere Subkultur.“

Wie sah die Lage denn in Berlin aus?

Marie: „Man muss differenzieren. In den 80ern war Westberlin einfach Gitarre. Da gab’s wenig Möglichkeiten zum Feiern, wenn du elektronische Musik hören wolltest. Und die fanden wir alle nicht gut. Frankfurt war da schon ein besserer Ort.“

Chris: „Aber irgendwann ist das schon auch nach Berlin rübergeschwappt. Aber die ersten Clubs, in denen elektronische Musik lief, waren gar keine Clubs, wenn man ehrlich ist. Das waren teilweise so heruntergekommene Etablissements…“

Marie: „Ich habe meine schöne Kleidung angezogen und die war dann einfach ganz dreckig und staubig, als ich zurückgekommen bin, so muss man das sehen.“

Chris: „Echt? Wo warst du denn feiern, wo ich nicht war?

Eine Zwischenfrage: Wie sah die Lage in Ostberlin denn aus?

Chris: „Wir hatten tatsächlich dahingehend recht wenig Kontakt vor der Wende. Nach der Wende…Menschen haben alles überströmt, was es damals an Shops und Clubs gab. Da haben wir dann schon auch viele neuen kennengelernt.“

Marie: „Ich erinnere mich nur noch, dass wir als Schulklasse mal in Ostberlin waren und wie die Krösusse unser gewechseltes Geld verpfeffert haben, da drüben konnte man damit viel mehr kaufen…“

Ich bemerke übrigens in euren Chats hier, dass ihr sowohl „Techno“ als auch „Tekkno“ und „Tekkkno“ schreibt. Hat das einen Grund?

Chris: „Das ist ein Meme, wie junge Menschen vielleicht sagen würden. Früher war das so ein kleiner Wettstreit mit den Ks in dem Namen. Umso mehr Ks, umso härter der Sound, so die Devise.“

Wo du schon junge Menschen erwähnst. Gibt es Unterschiede zwischen damals und heute, vor allem was das Feiern angeht?

Marie: „Welches Feiern?“

Chris: „Also was mir schon vor einigen Jahren aufgefallen ist, ist das Benutzen der Mobiltelefone. Aufnahmen von Konzerten zeigen junge Menschen meistens beim Filmen oder Ähnlichem. Das gab es bei uns nicht. Deshalb finde ich es gut, dass z. B. Clubs wie das KitKat hier in Berlin offiziell keine Handys dulden.“

Marie: „Aber das finde ich nicht nur schlecht. Ich als notorische Zuspätkommerin hatte immer das Problem, meine Gruppe nicht mehr gefunden zu haben. Die haben dann manchmal an einer Telefonzelle bei mir zu Hause angerufen und ich wiederum da dann auch, aber das eher in späteren Zeiten und meistens haben meine Leute das dann auch vergessen. Mit Handy fühle ich mich da schon wesentlich besser vernetzt und auch viel wohler.“

Vielen Dank für die Einblicke und das Gespräch, ihr beiden!

Sexismus im Sport – Der Kampf um Anerkennung

150€ pro Spielerin – das ist der Betrag, den das norwegische Beachhandball-Team der Frauen bezahlen soll. Der Grund? Verstoß gegen eine der Regeln: „Spielerinnen müssen Bikini-Hosen tragen, die der angehängten Abbildung entsprechen. Sie müssen körperbetont geschnitten sein, mit einem hohen Beinausschnitt. Die Seitenbreite darf höchstens 10 cm betragen.“

Die norwegischen Sportlerinnen verstießen beim Spiel um Platz drei in der EM gegen Spanien im Juli 2021 bewusst gegen diese Kleiderordnung, indem sie Shorts trugen, so wie ihre männlichen Kollegen auch. Die Männer sind nach den Regeln der IHF (Internationalen Handball Föderation) sogar verpflichtet, Shorts zu tragen, welche „mindestens zehn Zentimeter über dem Knie enden“. Es gibt also eher eine Regelung für eine minimale Deckung, welche in direktem Kontrast zu der verpflichtenden Maximale Bedeckung bei Frauen steht. Folglich argumentieren viele nun, dass die Hose wohl nicht die Spielqualität der Sportler:innen beeinflusst, sondern nur ein ästhetischer Faktor diesen Regelungen zugrunde liegen kann. Die EHF (Europäische Handball Federation) bezeichnet die Shorts der Sportlerinnen als „unangemessen“.

Dass viele Sportlerinnen ihre knappen Outfits als unpraktisch oder sogar erniedrigend empfinden, ist jedoch leider kein Phänomen, dass beim Beachhandball Halt macht: Auch in anderen Sportarten, wie beispielsweise dem Turnen, beschweren sich Frauen immer häufiger über die unfaire Kleiderordnung und die daraus resultierenden Gefühle. „Turnen ist natürlich auch eine ästhetische Sportart, aber ich finde, es ist trotzdem nochmal ein Unterschied zwischen Ästhetik und etwas Sexualisiertem […]. Auch wenn ich etwas poste, […] kommt dann oft als Reaktion, gerade eben von Männern, was sie geil oder toll oder heiß finden. Ich versuch das zu ignorieren, ich lösch die Nachrichten meistens auch und wenn’s mir zu viel ist, dann blockiere ich auch den Nutzer und möchte damit auch eigentlich nichts zu tun haben, weil ich meine Sportart präsentieren will und nicht meinen Körper.“, so die Turnerin Elisabeth Seitz gegenüber dem SWR.

Dass im Sport Frauen eine weniger große Rolle spielen als Männer und die Leistungen von Frauen oft grundsätzlich herabgewürdigt wird, fällt schnell auf. Vor allem in männerdominierten Sportarten ist dieses Phänomen des Öfteren zu beobachten. In den letzten Monaten hörte man manchmal, die Engländer hätten es seit 1966 nicht mehr in ein Finale der EM oder WM geschafft, was für die Männer durchaus stimmt, das Frauenteam jedoch völlig außer Acht lässt: Erst bei der Europameisterschaft der Frauen 2009 standen die Engländischen Frauen zuletzt in einer Finalrunde, so auch 1984.

Nun hier ein kleiner Selbsttest: bisher wurden 12 Frauenfußball-EM ausgetragen. Wie oft gewannen die Deutschen Frauen? Ich wage zu behaupten, die meisten, wenn nicht fast alle von uns, müssten raten. Einmal? Zweimal? Sogar dreimal? Die Antwort überrascht: Ganze acht Mal ging unsere deutsche Frauen-Fußballnationalmannschaft als Siegerteam aus der EM hervor. Eine Fehleinschätzung kann zeigen: Erfolg garantiert nicht gleich öffentliche Anerkennung, sondern ist im Sport auch geschlechtsabhängig.

Auch im Boxen geht es vielen Frauen nicht anders: die Glorifizierung, wie sie bei Männern oft erfolgt, bleibt aus. Nadine Apetz, eine deutsche Amateurboxerin, mehrfach ausgezeichnet auf internationaler Ebene, erzählt dem SWR von einem Erlebnis. Bei einer Boxveranstaltung mit internationalen Gästen wurde für die Männer abends eine ganze Großveranstaltung hochgezogen, „in einer tollen Halle, mit Einlaufmusik und Nebel, Lichtern und Zuschauern“. Doch die Frauen mussten ihre Kämpfe vormittags ohne Zuschauer in einer kleinen Sporthalle nebenan führen.

Selbst statistisch fällt der Sexismus auf, es sind also nicht nur Einzelfälle: Bei einer Umfrage von SWR gaben über 700 Spitzensportlerinnen in Deutschland ihre Stimme ab und gaben mehrheitlich an, mehr als ein Mann leisten zu müssen, um ähnliche gesellschaftliche Anerkennung zu bekommen. Jede dritte Frau gab an, Sexismus im Sport erfahren zu haben, sich aber nicht bei Verantwortlichen zu beschweren. Als Grund wurden hier vor allem Machtlosigkeit und Angst genannt; so wurden in der Vergangenheit bereits ‚unbequeme‘ Sportlerinnen aussortiert.

Rückendeckung erhielten nun zumindest die norwegischen Frauen von ihrem Landesverband, der am Dienstag (20.07.2021) bei Facebook ein Foto der Mannschaft postete und dazu schrieb: „Wir sind super stolz auf diese Mädchen, die während der EM im Beachhandball ihre Stimme erhoben und deutlich gemacht haben: GENUG IST GENUG! Der Norwegische Handballverband steht hinter Euch und unterstützt Euch. Wir werden weiterhin gemeinsam dafür kämpfen, dass das internationale Regelwerk zur Bekleidung geändert wird, damit alle Spielerinnen in der Kleidung spielen dürfen, in der sie sich wohlfühlen.“

Zudem kündigte der Verband an, die von der EHF drohende Geldstrafe in Höhe von 1500€ bezahlen zu wollen.

Quellen:

https://www.tagesschau.de/sport/sportschau/sexismus-sport-101.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Handballf%C3%B6deration

https://sport.sky.de/artikel/beachhandball-news-norwegen-muss-geldstrafe-wegen-zu-langer-hosen-zahlen/12359541/34240

https://www.focus.de/sport/mehrsport/shorts-statt-bikini-hoeschen-norwegische-beachhandballerinnen-kassieren-unglaubliche-geldstrafe_id_13513805.html

https://www.sportschau.de/handball/swr-knappe-kleidung-und-nackte-haut-warum-sich-sportlerinnen-andere-outfits-wuenschen-story100.html

https://rp-online.de/sport/handball/lange-hose-statt-bikini-geldstrafe-fuer-norwegens-beach-handballerinnen_aid-61656391

https://www.welt.de/sport/article232623281/Handball-EM-Keine-Bikini-Hoeschen-getragen-Strafe-fuer-Norwegens-Team.html

https://www.stern.de/sport/beachhandball-frauen-wollen-in-shorts-spielen—verband-besteht-auf-knappe-slips-30621848.html

https://www.swr.de/sport/frauen-im-sport/sexismus-im-leistungssport-100.html

https://www.berliner-zeitung.de/sport-leidenschaft/starker-auftritt-gegen-maenner-regeln-wer-hat-hier-die-hosen-an-beachhandball-em-sexismus-kleiderstreit-katinka-haltvik-li.172031?pid=true

https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Europameisterschaft_der_Frauen

https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Europameisterschaft

https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Weltmeisterschaft_der_Frauen

https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Weltmeisterschafthttps://beacheuro.eurohandball.com/news/en/disciplinary-commission-imposes-a-fine-for-improper-clothing/

Wie „schwul“ ist das denn?

ein Kommentar

„Nein, das ziehe ich nicht an. Das sieht schwul aus.“

„Der Typ ist so ein Schwuchtel.“

„Ne. Mache ich nicht. Ist ja voll schwul.“

Solche Sätze hört man leider immer häufiger auf den Straßen oder in dem eigenen sozialen Umfeld. Vor allem bei jüngeren Schülern scheinen diese Formulierungen beliebt zu sein. Erst gestern ist ein Junge, nicht älter als zwölf, an mir vorbeigelaufen und hat mir laut „schwul, schwul, schwul“ zugerufen, ohne einen Hintergedanken zu verschwenden, was das, was er da sagt, eigentlich bedeutet. Natürlich bin ich sehr verwirrt gewesen, da ich anfangs nicht realisiert habe, dass er mich, ein Mädchen, meint. Warum ist schwul als Schimpfwort in unserer Gesellschaft so verbreitet? Ich beschäftige mich mit dieser Frage schon lange, zumal ich „schwul“ in einem negativen Kontext auch in meinem Kontaktkreis ein paar Mal gehört habe. Wenn ich es dann anspreche, sagt man, ich solle mich nicht so anstellen, ich sei ein Spießer oder es werden einfach nur die Augen verdreht. Ich allerdings finde, es ist ein Fehler, das Wort „schwul“ als Schimpfwort zu verwenden und ein Problem, das angesprochen werden muss.

Die britische Journalistin Amy Ashenden hat eine Dokumentation mit dem Titel „The Gay Word“ gedreht, in der sie unter anderem Straßenumfragen durchgeführt hat und dabei wissen wollte, ob das Wort „gay“, also „schwul“, in einem negativen Sinne gebräuchlich ist und warum. Viele der Befragten meinten, sie benutzen Ausdrücke wie „Das ist ja schwul“, denken dabei aber nicht an Schwule oder sind homophob. Ich denke, die meisten Jugendlichen meinen es nicht auf eine homophobe Weise und denken wahrscheinlich auch gar nicht an schwule Leute, genau wie die Teenager in der Umfrage, aber genau das ist das Problem. Wenn man das Wort „schwul“ konstant in Verbindung mit etwas Schlechtem oder Falschem hört, fängt man möglicherweise an zu denken, es ist wirklich etwas Schlechtes oder Falsches. Gerade bei Leuten, die nicht viel Erfahrung mit diesem Thema haben oder Schwierigkeiten ihre Sexualität herauszufinden, kann das schwerwiegende Folgen haben. Nehmen wir als Beispiel einen 14-jährigen Jungen, der sich seiner Sexualität nicht ganz sicher ist und sich vielleicht zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt. Welche Botschaft bekommt nun dieser Junge, wenn alles, was uncool ist oder nervt, als „schwul“ gilt? Er bekommt die Botschaft, mit ihm stimmt etwas nicht oder schwul zu sein ist etwas, für das man sich schämen müsste.

Was ich auch oft höre, wenn ich Leute auf ihre nicht passende Formulierung anspreche, ist die Antwort „Ja, das sagt man halt so…“ Tatsächlich benutzen viele Menschen, vor allem Teenager, das Wort „schwul“ abwertend, weil sie in einem Umfeld aufwachsen, indem es schlichtweg normal ist, was einige der jungen Erwachsenen bei der Umfrage ebenfalls als Begründung angegeben haben. Klar, wenn es jeder um dich herum sagt, wird der eigenen Sprachgebrauch natürlich beeinflusst. Insbesondere unter gleichaltrigen Jugendlichen ist das der Fall. Ich persönlich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass die eigenen Eltern oder Großeltern „schwul“ als eine Beleidigung benutzen würden. Auch in der Dokumentation waren die älteren Befragten vielmehr verwundert, warum „schwul“ überhaupt in einem abwertenden Kontext verwendet wird, da ihnen das nie in den Sinn gekommen wäre. Ein älterer Herr meinte: „‘Gay‘ means happy and beautiful. It should have no other meaning.” (dt: “’Schwul’ bedeutet ‚glücklich‘ und ‚wundervoll‘. Es sollte keine andere Bedeutung haben.“)

Dieser Dokumentarfilm wurde damals in Großbritannien gedreht, wo das Wort „gay“ früher noch eine ganz andere Bedeutung hatte, wie dieser Herr klargemacht hat. Das Problem des Missbrauchs dieses Wortes ist gegenwärtig nicht nur bei uns in Deutschland präsent, sondern auch global.

Trotzdem gibt es meiner Meinung nach Wege etwas dagegen zu tun. Da die Schule eine der Hauptinstanzen ist, wo Jugendliche zusammenkommen und sich hier auch sprachlich beeinflussen lassen können, sollte man schon dort anfangen, Kinder über die LGBTQ-Gemeinschaft aufzuklären. Wenn man offen darüber redet und Lehrer es öfter thematisieren, wird sich ein stärkeres Bewusstsein und eine Akzeptanz über sexuelle Vielfalt entwickeln. Einfach schon in der Schule Konversationen über die Identität oder Beziehungen anzuregen, wäre bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Zwar nur ein kleiner, aber immerhin besser als gar keiner. Denn wenn man nichts tut, wird auch „schwul“ leider weiterhin für viele ein Schimpfwort bleiben.

Kommentar: Kulturverlust oder Toleranzverlust?

„Die nehmen uns doch nur unsere Kultur.“ Diesen Satz hört man in der heutigen westlichen, globalisierten Welt immer häufiger, und besonders durch die aktuelle Flüchtlingsproblematik wird diese Aussage immer mehr in den Mittelpunkt vieler politischer oder alltäglicher Diskussionen gestellt. Doch inwiefern wird unsere Kultur uns wirklich „genommen“ oder gar „zerstört“?

Um diese Frage beantworten zu können, muss man sich erst darüber im Klaren sein, was alles in dem kurzen Wörtchen „Kultur“ steckt. Wenn man jetzt bei Google diesen Begriff eingibt, erscheint als Erstes diese Definition:

„Die Gesamtheit der geistigen, künstlerischen und wissenschaftlichen Leistungen, die ein Volk und/oder eine Epoche charakterisieren.“

Unter dieser Aussage kann man jedoch ziemlich viel verstehen und genau das ist der springende Punkt beim Thema „Kultur“. In diesem einen Wort sind so viele Aspekte einer Gemeinschaft inbegriffen, dass man nicht so schnell von einem „Kulturverlust“ ausgehen kann, wie es manche vielleicht tun, alleine schon deshalb, weil Kultur über Jahrhunderte, gar Jahrtausende gewachsen ist. Sprache, Traditionen, künstlerische Arbeiten, Essgewohnheiten, Wertevorstellungen,  der Umgang mit unseren Mitmenschen – das alles gehört mitunter zu unserer Kultur. Und nehmen uns in unserem Fall die aufgenommenen Flüchtlinge oder die zugezogenen Einwanderer dies wirklich weg?

Für diese Frage gibt es einen ganz simplen Gedankenansatz: Nur weil Menschen aus anderen Ländern einen Teil ihrer ganz eigenen Kultur mit nach Deutschland nehmen, bedeutet das noch lang nicht, dass dadurch etwas von der deutschen Kultur aufgegeben werden muss, geschweige denn, dass sie verdrängt oder unterwandert wird. Die Kulturvorstellung unseres Landes ist kein vollbepackter Koffer, aus dem man jedes Mal, wenn neue kulturelle Einflüsse in unser Land kommen, etwas von unserer eigenen Kultur herausnehmen muss, damit etwas anderes hineinpasst. Unsere (demokratische) Kulturvorstellung ist vielmehr ein breiter Horizont, der Jahr für Jahr in Frieden und Wohlstand erweitert wird und welcher durch viele verschiedene Aspekte bereichert oder ergänzt wird; sei es durch die Globalisierung, den technischen Fortschritt, die stetige Anpassung der Normen an die heutige Zeit oder die Migration. Dass (äußere) Einflüsse auf Kulturen / Gesellschaften nicht immer reibungslos ablaufen, steht außer Frage. Und gerade in Anbetracht negativer Effekte der Globalisierung oder des technischen Fortschritts ist ein kritischer Rundumblick nicht verwerflich, sondern auch sehr notwendig.

Laut ZEIT ONLINE hat sich 2016 die Zahl der fremdenfeindlichen Gewalttaten im Gegensatz zum Vorjahr verdoppelt. Angesichts dieser Entwicklung klingt die Angst vor einem Kulturverlust im Bezug auf Flüchtlinge oder Migranten für mich mehr nach einem Toleranzverlust gegenüber Menschen in Not sowie deren Kulturen. Die deutsche „Willkommenskultur“ wurde ein weltweit verbreiteter Begriff, welcher Aspekte wie Solidarität, Toleranz und Akzeptanz widerspiegelt bzw. widerspiegeln soll. Doch vielleicht ist genau diese Art von Kultur die einzige, die gerade verloren geht.