Archiv für den Monat November 2021

Podcast: Mittwoch

Freundschaft an der Grenze? Deutsch-polnische Beziehungen auf dem Prüfstand BR24 Reportage

Wie ist es heute um die deutsch-polnische Freundschaft bestellt? Auf Regierungsebene sind die Beziehungen auf einem Tiefpunkt. "Wir erleben eine neue Eiszeit", urteilen Diplomaten. Doch im Grenzgebiet, rechts und links der Oder, sind die Menschen – gegen alle Widerstände – mittlerweile eng zusammengerückt. Vieles läuft grenzüberschreitend, ob beim Vereinsleben, in der Schule oder bei der medizinischen Versorgung. Allerdings: Einige Warschauer Großprojekte stören die gute Nachbarschaft und stellen die grenzüberschreitende Freundschaft auf die Probe.

Podcast: Montag

UMWELT UND POLITIK – Von rauchenden Schloten zum Klimagesetz Alles Geschichte – Der History-Podcast

1971 ist ein Schlüsseljahr für die Umweltpolitik in beiden Teilen Deutschlands: Im Westen formuliert die Bundesregierung unter Willy Brandt erstmals ein Umweltprogramm, im Osten finden die ersten Wochen der sozialistischen Landeskultur statt. Aber während dieser Elan im Osten sehr bald zum Erliegen kommt und Umweltdaten unter Verschluss bleiben, gibt es im Westen immer neue Grenzwerte und Gesetze. (BR 2021)

Leben in einer Diktatur und Sehnsucht nach Freiheit – Flucht aus der DDR: TEIL 1

ein Interview von Juliette Domgall, Q12

Tunnel, Treppe, Sonnenlicht, Schritte, Sonne

Vor 60 Jahren, in der Nacht zum 13. August 1961, ließ die DDR die Mauer errichten, die den Weg von West nach Ost versperren sollte. Deutschland wurde in zwei Hälften geteilt. Bis zum Mauerbau 1961 flohen ca. 2,8 Millionen Menschen nach der Gründung der DDR 1949 in die BRD. Nachdem die Berliner Mauer gebaut war, war die Flucht nur noch unter großen Gefahren und hohem Risiko möglich. Tausende DDR-Bürger entschieden sich trotzdem dazu, zu fliehen. Hunderte ließen dabei ihr Leben, wurden von Grenzsoldaten erschossen oder starben beim Fluchtversuch. Der BMW-Mitarbeiter L. Bräuer, heute wohnhaft in der Nähe von Landshut, entschied sich für den Weg der waghalsigen Flucht in den Westen und galt damit als sogenannter „Grenzverletzer“. Im Folgenden werdet ihr von Herrn Bräuer alles über den Traum in den Westen zu gehen, über den Plan eines Fluchtversuchs, bis hin zum Abschied von seinen damaligen Mitmenschen erfahren. Ein Gespräch über das Leben in der DDR, Freiheitssuche und folgenreiche Lebensentscheidungen.

Herr Bräuer, wie war Ihre persönliche Situation bis zum Zeitpunkt Ihrer Flucht aus der DDR in die BRD?

Ich war damals 18 Jahre alt, war ledig, hatte also keine Freundin und war gerade dabei meine Lehre zu machen. Die politische Situation war angespannt und von der Öffnung der Grenzen war ebenfalls keine Spur. Ich hatte damals einen Onkel, der im Westen gewohnt hatte. Von ihm wurden wir einige Male besucht, wodurch ich auch immer mal wieder was von der Freiheit mitbekommen habe, die ja in der BRD ausgelebt werden konnte.

Haben Sie schon immer davon geträumt, in den Westen zu gehen?

Ja. Der Traum hat sich ca. mit 16 Jahren bei mir gefestigt. Wir hatten in der Schule politischen Unterricht, was mir persönlich nicht wirklich gefallen hat, da ich ja wie gesagt durch die Besuche von meinem Onkel die Welt noch ein bisschen anders kennenlernen durfte, als er zum Beispiel von seinen Spanienurlauben erzählte. Bei uns in der DDR war die Freiheit sehr eingeschränkt. Man hatte nur verschiedene Ostblockstaaten besuchen dürfen. Was viele nicht mehr wissen, es gab damals ja sogenannte Intershops, in denen man dann als Kind drinstand und es Westspielzeug, Haribo, Kassetten, generell einfach bestimmte Waren zu kaufen gab, die es im Osten nie oder nur ganz selten gab. Da haben sich dann schon gewisse Kinderträume entwickelt. Und wie gesagt, mit 16 Jahren, mit der politischen Situation, dann gewisse Dinge niemals sehen oder haben zu können, niemals in Spanien gewesen zu sein, das waren einfach Punkte, mit denen ich unzufrieden war. Schließlich ist dadurch dann eben der Gedanke gereift, okay, ich mache meine Lehre jetzt so gut wie möglich zu Ende und danach möchte ich die erste bestmögliche Chance nutzen und aus der DDR flüchten. Dabei habe ich aber immer für mich gesagt, ich werde mein Leben nicht direkt aufs Spiel setzen. Deutsch-Deutsche Grenze wäre für mich also nie in Frage gekommen, weil dort ja wirklich scharf geschossen wurde. Da habe ich lieber auf eine andere Möglichkeit gewartet.

Haben Sie auch Westpakete zugeschickt bekommen, die Ihre Sehnsucht in der BRD leben zu können letztendlich verstärkt haben?

Jedes Jahr zu Weihnachten haben wir von meinem Onkel aus Hamburg solch ein Paket zugesendet bekommen, in dem Sachen drin waren, die es im Osten nicht wirklich zu kaufen gab. Darunter war zum Beispiel Dosenananas oder Kaffee, der besonders gut geschmeckt und Waschpulver, was sehr gut gerochen hat. Da haben wir uns immer sehr drüber gefreut und natürlich auch wieder gemerkt, was man in der DDR nicht kaufen konnte.

Was war mit Ihrer Lehre, haben Sie diese vor der Flucht noch beenden können?

Ja, das war auch von Anfang an so geplant. Im Frühjahr 1989 fingen ja die Belagerungen der Botschaften von Tschechien und Ungarn durch DDR-Bürger an und im August dieses Jahres hatte ich dann meine Lehre beendet. Ich war dann sozusagen in meinem ersten Arbeitsmonat, hab dann 14 Tage gearbeitet und bin dann nach Ungarn in den “Urlaub” gefahren.

Wie ist es dann zu Ihrem Fluchtversuch gekommen?

Durch die Belagerung der Botschaften, ergab sich für mich die Chance, mein Leben nicht direkt riskieren zu müssen und über die ungarische Grenze flüchten zu können. In Sopron, in Ungarn, wurden im Frühjahr Hunderte über die Grenze nach Österreich rausgelassen, als diese geöffnet wurde. Das konnte ich dann glücklicherweise im Fernsehen mitverfolgen, da wir zu diesem Zeitpunkt erst ganz neu Westfernsehen bei uns in Dresden empfangen konnten. Im August wurde dann am Plattensee ein neues Lager für die Menschen, die flüchten wollten, aufgemacht und das war dann auch mein erster Zufluchtsort, den ich mir vorgenommen hatte. Dort wollte ich erstmal hin und dann weiterschauen, dass ich von da aus über die grüne Grenze komme, oder ob sich noch andere Möglichkeiten ergeben, zu flüchten, was ja schlussendlich dann auch der Fall war.

Wie war der Abschied von Ihren Mitmenschen, bevor Sie Ihren Plan in die Tat umsetzten?

Von Freunden konnte ich mich nicht offiziell verabschieden. Das war gar nicht möglich. Hätte ich meinen Fluchtgedanken geäußert, dann wäre die Stasi vor meiner Tür gestanden und hätte mich abgeholt und weggesperrt. Ich erinnere mich noch an eine Feier, wo ich mich im Prinzip innerlich von meinen Freunden verabschiedet habe. Für mich war das sozusagen die Abschiedsfeier. Was mir natürlich ebenfalls schwergefallen ist, war der Abschied von meinen Eltern oder generell von meiner Familie im Osten. Das waren auch die einzigen Menschen, die von der geplanten Flucht wussten. An dem Morgen, an dem ich später dann wegfahren wollte, hat mein Vater auch mein Motorrad noch mit mir gemeinsam gepackt, bevor ich dann aufgebrochen bin. Das war schon sehr bewegend.

Was hatten Sie schließlich bei Ihrer Flucht dabei?

Ich hatte mir, wie gerade kurz erwähnt, noch ein Motorrad gekauft, eine TZ 250. Das war damals das größte Modell, was man kaufen konnte, damit ich auch ja ordentlich nach Ungarn fahren konnte. Sogar der Motor wurde noch umgebaut und überarbeitet. Das Motorrad war mir auch sehr wichtig und hatte zudem noch zwei Seitenkoffer, in denen ich dann Kleidung drin aufbewahrte. Ich hatte sozusagen nur das Nötigste mit und schließlich noch meinen Motorradhelm.

Mit einem Motorrad, einem Motorradhelm, ein paar Kleidungsstücken, nicht mehr und nicht weniger, machte sich der damals 18 jährige L. Bräuer auf den Weg. Ist dem ehemaligen DDR- Bürger schließlich die Flucht in die Bundesrepublik gelungen? Gab es vielleicht Komplikationen oder womöglich sogar Konsequenzen aufgrund des Fluchtversuchs? Im zweiten Teil der Geschichte unseres Zeitzeugen erfahrt ihr alles über seinen Fluchtversuch, wie leicht man dabei sein Leben aufs Spiel setzte und die Zeit danach!

NEU: Podcasts der Woche

Als digitale Schule erweitern wir unser Angebot ständig. Wir freuen uns, euch ab sofort wöchentlich tolle Podcasts zu gesellschaftspolitischen Themenbereichen anbieten zu können. Sie stammen allesamt aus dem Programm des BR (Bayerischer Rundfunk).

NEUANFÄNGE – Weimar, Republik der Erwartungen Alles Geschichte – Der History-Podcast

Der Krieg war aus, die ehemaligen Eliten entmachtet oder zumindest geschwächt. Hoffnungen auf eine moderne Gesellschaft blühten auf, Sehnsüchte nach Neuanfang. In der Weimarer Republik wurde der Mensch neu gedacht. Linke und rechte Utopien prallten dabei aufeinander.

Gift im System – Fragwürdige Pestizidzulassungen in der EU Aufgedeckt – der investigative Podcast

Wie gut schützt uns die EU vor Gefahren durch Pestizide? Mit einer Datenanalyse haben wir herausgefunden, wie Behörden Risikobewertungen der Industrie übernehmen. So können Stoffe auf den Markt kommen, deren Sicherheit unklar ist.

Afghanistan: Eine Strategie des Scheiterns

ein Kommentar

Soldier, Military, Uniform, Armed, Combat-Ready, Battle

Seit 2001 herrscht die neueste Phase des Konflikts in Afghanistan, die von der Intervention des Westens, namentlich den USA und seinen Verbündeten, geprägt ist.  Eine Wendung in dem Konflikt ist der durchgeführte Abzug der westlichen Truppen. Der Westen macht sich aus dem Staub und hinterlässt einen noch kaputteren Staat, als den, in dem er 2001 intervenierte. Die Tragödie Afghanistan ist im Grunde eine Chronik des Scheiterns des Westens, mit schlimmen Folgen.

Nach dem Sturz der Taliban-Regierung in Afghanistan im Jahr 2001 durch Truppen des Westens sah es so aus als wäre der Konflikt zu Ende. Der Westen ernannte einen neuen Präsidenten namens Hamid Karzai. Karzai, ein erbitterter Gegner der Taliban und Unterstützer des Westens transformierte Afghanistan in kurzer Zeit zu einem der korruptesten Länder der Welt und etablierte ein System der Vetternwirtschaft. Die Korruption hatte schwerwiegende Folgen für Afghanistan, denn so kam von den vielen Milliarden Euro an Hilfsgeldern nur ein Bruchteil dem Land und seiner Bevölkerung zugute. Das Meiste versickerte in den Taschen von korrupten Politikern, was den Westen, der Afghanistan Menschenrechte und Demokratie versprach, nicht gut aussehen ließ.

Die versprochene, aber nicht eintretende Verbesserung der Lebensbedingungen, gerade auf dem Land, sowie die Offensichtlichkeit, dass es sich bei der afghanischen Regierung um eine „Marionettenregierung“ des Westens handelte, in Kombination mit der Kooperation der westlichen Länder mit afghanischen Warlords, die in der Vergangenheit durch Kriegsverbrechen auffielen (beispielsweise Abdul Dostum), ließ die Stimmung der afghanischen Landbevölkerung umschwenken, was sich die Taliban durch Propaganda und „Volksnähe“ zunutze machten. Immer mehr Afghanen begannen die ausländischen Soldaten als Invasoren anzusehen und die Taliban wurden stärker. Hinzu kam, dass sich der Westen mit Warlords zusammentat und in hohe Machtpositionen setzte, die den Afghanen durch Kriegsverbrechen und Korruption bekannt waren. Diese Entscheidungen ließen das Projekt Afghanistan scheitern, bevor es überhaupt in Gang kam.

Außerdem ist Afghanistan einer der größten Drogenproduzenten der Welt. Ein nicht unerheblicher Teil der afghanischen Landbevölkerung lebt vom Anbau von Mohn oder Opiaten. Die Antidrogenpolitik des Westens nahm den Menschen ihre Existenzgrundlage und ließ viele auf die Seite der Taliban wechseln. Doch trotz all dieser Punkte gab es stets auch noch viel Unterstützung für die „Ausländer“, denn die Taliban waren vielerorts aufgrund ihrer Brutalität verhasst. Hinzu kommt, dass die Luftschläge des Westens nicht selten zivile Ziele trafen beziehungsweise zivile Opfer miteinkalkuliert wurden. Der Erfolgszug der Taliban auf dem Land ist also nicht nur ein Produkt der Ideologien oder des in den ländlichen Regionen oftmals vorherrschenden fundamentalen Islam, sondern auch den Existenzängsten von Teilen der afghanischen Landbevölkerung geschuldet, die auf den Anbau von Opiaten angewiesen ist.

Das Debakel in Afghanistan offenbart erneut, nach der Besetzung des Iraks bis ins Jahr 2011, dass die Koalition aus den USA, Australien und einem Großteil der europäischen Staaten nicht in der Lage ist, die Regionen, in denen sie operiert, zu befrieden in der Lage sind. Es ist ein Rückschlag, der die geopolitische Karte im Nahen und Mittleren Osten verändern wird, mit unabsehbaren Folgen.  

Quellen:

Ulbricht Tilgner, 2020, Krieg im Orient: Das Scheitern des Westens, Rowohlt Verlag GmbH

Michael Lüders, 2015, Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet, C.H.Beck

Euer Aktivismus nervt

Ein Kommentar

Social, Social Networks, Social Network Service

Das Internet ermöglicht eine völlig neue Dimension der Berichterstattung und Informationsbeschaffung. Das Internet ist ein Ort, an dem jeder hochladen und sagen kann, was er möchte, was zweifelsfrei ein positiver Aspekt sein kann. Doch gerade wenn es um heikle politische Themen geht, kann diese neue Art der Informationsbeschaffung gerade in den sozialen Netzwerken negative Begleiterscheinungen hervorrufen. Das Internet ist nämlich auch oberflächlich und durch die Algorithmen der sozialen Netzwerke sehr einseitig, was gerade, wenn es um Informationsbeschaffung geht, sehr gefährlich werden kann.

Als Beispiel für diese negativen Begleiterscheinungen nehme ich in diesem Artikel den „Nahostkonflikt“ zwischen Israel und Palästina. Im Mai eskalierte der Konflikt erneut. Es gab tote Zivilisten, Zerstörung und Leid. Binnen weniger Stunden war das Internet überflutet von Videos aus den betroffenen Regionen. Die Hashtags „Free Palestine“ und „Pray for Israel“ „trendeten“ auf Twitter. Das Problem war nun, das viele Menschen ihren Beitrag leisten wollten und leisteten und Videos mit den oben genannten Hashtags verbreiteten. Zwar fand man unter diesen Hashtags auch oft fundierte Videos, in denen der Konflikt erklärt wurde, doch die überwiegende Mehrheit der Videos war populistisch, äußerst oberflächlich und meistens fand in ihnen auch ein starkes Schwarz-Weiß-Denken statt. Es dauerte nicht lange, da war man als Internetnutzer fast schon gezwungen, für eine Seite Partei zu ergreifen. Es kam zu einer Atmosphäre die der eines Fußballstadions glich, in der Fans ein Team nahezu blind anfeuern. Hinzu kommt, dass viele sozialen Netzwerke auf Kurzvideos oder Kurznachrichten ausgerichtet sind, was es wiederum unmöglich macht, einen derart komplexen Konflikt angemessen zu erklären. Die sozialen Netzwerke boten den idealen Nährboden für selbsternannte „Internet-Aktivisten“, die Stimmung machten und die moralisch und politische Unfehlbarkeit der eigenen Seite predigten.

Genau das ist ein Problem, welches nicht unterschätzt werden darf. Der Nahostkonflikt ist derart komplex und vielschichtig, dass er, wenn überhaupt, nur durch Diskurs gelöst werden kann. Beide Konfliktparteien müssten zueinanderfinden und zusammen an einer Lösung arbeiten. Und nicht nur die jeweiligen Regierungschefs, sondern auch wir hier in Deutschland. Das Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern in Deutschland darf nicht durch die Hetze und blinde Weiterverbreitung oberflächlicher und einseitiger Informationen und der daraus resultierenden Frontenbildung gefährdet werden. Was soll überhaupt das Ziel einer online „Anti-Israel-Kampagne“ oder einer „Anti-Palästina-Kampagne“ sein? Sollte man sich nicht immer beide Meinungen anhören und vor allem das fundiert erarbeiten, was vor sich geht, und dabei gleichzeitig jedem zugestehen, sich seine eigene Meinung bilden zu dürfen?

Das Internet bietet unzählige Möglichkeiten, auf Themen aufmerksam zu machen ohne Partei zu ergreifen. Die Macht des Internets kann dafür genutzt werden, eine Lösung zu finden, zu Solidarität aufzurufen und ein gemeinsames Miteinander zu fördern. Doch viele „Internet-Aktivisten“ sind wohl der Meinung, mit allen Mitteln Leute für die eigene Sache zu gewinnen, auch wenn es nicht zur Problemlösung, sondern im Gegenteil, zur Problemverschärfung beiträgt.