Archiv für den Monat Oktober 2021

EM 2021 – das Fußballevent stand bevor, Corona war sofort vergessen: eine Bilanz

„Die UEFA ist für den Tod von vielen Menschen verantwortlich.“, so SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Doch trifft Kritik wie diese auf fruchtbaren Boden? Natürlich nicht. Dass die Disziplin bei der Einhaltung der Vorschriften zur Bekämpfung der Pandemie in den vergangenen Monaten nun mit dem Zulassen von Zuschauern im Stadion belohnt wurde, ist nachvollziehbar und ein Schritt zurück zur Normalität.

Der von einer breiten Menge der Bevölkerung geforderte Mut, die Stadien zu öffnen, hat sich gelohnt. Doch Mut wird schnell zu Übermut und aus den 14.000 Zuschauern in München werden fast 45.000, die sich beim Achtelfinale zwischen Deutschland und England im Wembley-Stadion vergnügen und dies, anders als vermutet, nicht mit, sondern oftmals ohne Masken und Abstand tun.

Das Viertelfinale zwischen der Schweiz und Italien findet im Corona-Hotspot St. Petersburg statt und Premierminister Boris Johnson lässt sich feiern, weil er den Briten Fußball und Spaß zurückgibt. England steht im Finale und 60.000 Zuschauer sitzen im Stadion, Maskenpflicht ist selbstredend Fehlanzeige. Alles wäre schön und gut, wenn das Virus beim Fußball eine Ausnahme machen würde. Leider Gottes ist dies aber nicht der Fall. Und obwohl natürlich, wie immer, alle gleich sein sollen, gibt es für den Fußball Ausnahmen. Während die Olympischen Spiele in Tokio in diesem Jahr von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt und mit leeren Stadien stattfinden, droht die UEFA der Stadt München bereits vor der EM die Spiele zu verlegen, falls die Bayerische Staatsregierung keine Zuschauer im Stadium zulassen sollte. Dies alles sei „absolut verantwortungslos“, so Seehofer und „bedenklich“ laut Olaf Scholz. Und die nun wieder rasant gestiegenen Zahlen positiver Coronafälle gaben den Politikern in diesem Fall recht. Neun Fans werden nach dem Spiel Dänemark gegen Belgien als infiziert gemeldet. Fünf weitere in der darauffolgenden Partie gegen Russland. Nach einem weiteren Spiel in St. Petersburg berichtet allein die finnische Behörde von mindestens 300 weiteren Infizierten. Die russische Metropole meldet nach den Spielen Schwedens gegen Polen und die Slowakei einen Höchstwert an Corona-Toten. Stoppt Staatschef Wladimir Putin die Ausrichtung von EM-Spielen in St. Petersburg daraufhin? Leider nein, die Durchführung der Spiele mit Zuschauern in den Stadien wird weiterhin verteidigt. Zur Krönung des Ganzen stecken sich etwa 1.300 der schottischen Fans bereits am zweiten Spieltag in London an. Und dennoch machte die UEFA keinerlei Anstalten den Spielplan zu ändern oder Spiele zu verlegen.

Ganz im Gegenteil, mit ihrer Drohung, London das Endspiel zu entziehen, wird bewusst ein Umdenken zu mehr Lockerungen in Wembley provoziert. Die Union der Europäischen Fußballverbände versteht sich jedoch darin, jede Verantwortung auf die lokalen Behörden zu übertragen und zieht sich damit gekonnt aus der Affäre. Was ursprünglich in ganz Europa für Begeisterung und positive Schlagzeilen sorgen sollte, schlägt zu positiven Tests sowie Missgunst in Politik und Bevölkerung um. Europa befindet sich offensichtlich im Zwiespalt. Auf der einen Seite schlagen die Herzen aller Fußballfans höher, als nach einem Jahr mit Geisterspielen wieder die Tribünen beben. Auf der anderen Seite sind die Lockerungen im Zuge der EM verantwortungsloser, als es die meisten zu träumen wagten und die Folgen größer als vorab vermutet. Es haben sich Tausende infiziert, die jetzt wiederum weitere Tausende infizieren. Allein bis Ende Juni berichtete die ECDC von über 2.500 Corona-Ansteckungen, die direkt in Verbindung mit der Fußball-EM stehen. Die UEFA ist während des ganzen Turniers vollkommen uneinsichtig, schiebt die steigenden Zahlen auf die Pubs aber keinesfalls auf den Fußball, da sich laut UEFA-Präsident Ceferin „alle Teams hochprofessionell verhalten“ und sie „auch in den Stadien sehr strikt“ seien. Die Aussage, dass sich die Menschen bei den Spielen infiziert hätten, sei laut Ceferin beweislos und enttäuschend.

Insgesamt war die EM dieses Jahres sicherlich vor allem für die Fußballfans ein Zeichen der Hoffnung, dennoch war die Art und Weise, wie sie abgehalten wurde, riskant, wenn nicht gerade töricht. Das volle Ausmaß der Schäden wird sich im Laufe der nächsten Wochen zeigen, doch schon jetzt verbreitet sich die Delta-Variante rasant in großen Teilen Europas. Mitschuld des Turniers? Umstritten, aber wahrscheinlich.

https://www.t-online.de/sport/fussball/id_90367908/em-2021-die-europameisterschaft-wird-zur-virus-drehscheibe-kritik-waechst.html

https://www.stern.de/gesundheit/em-2021–sorge-vor-steigenden-corona-zahlen-nach-em-spielen-30597794.html

https://www.fr.de/sport/fussball/em-2021-corona-uefa-praesident-ceferin-infektionen-fans-zuschauer-wembley-stadion-90853835.html

https://www.swr.de/sport/mehr-sport/olympia/meinung-em-mit-zuschauern-olympia-ohne-zuschauer-100.html

Historische Wahlen in Deutschland

Am 26.09.2021 wurde in Deutschland eine neue Regierung gewählt. Auch hier am Gymnasium Seligenthal haben die Schülerinnen und Schüler ab der achten Klasse bei der Juniorwahl abstimmen dürfen. Doch wie funktioniert das denn jetzt alles? Was sind die aktuellen Koalitionsaussichten, einige Wochen nach der Wahl?

Gerade finden Sondierungsgespräche statt, bei denen verschiedene Parteien, die gemeinsam eine Mehrheit im Parlament erreichen können, miteinander diskutieren und prüfen, ob eine gemeinsame Regierung überhaupt möglich wäre. Da wir diese Legislaturperiode 735 Sitze im Parlament haben, benötigen die Parteien insgesamt 368 Abgeordnete, um eine Mehrheit zu bilden.

Sollten sich die Parteien bei ihren Sondierungen einig werden, kann es mit den Koalitions- oder auch Regierungsverhandlungen weitergehen, an deren Ende ein gemeinsames Regierungsprogramm steht. Dieses Programm soll bestmöglich die Regierungsversprechen aller beteiligten Parteien berücksichtigen, was natürlich aufgrund von teils ganz unterschiedlichen Positionen schwer bis unmöglich ist. Darum müssen alle regierungsinteressierten Parteien oft zurückstecken oder einige ihrer Wahlversprechen komplett streichen. Kompromisse sind also das A und O einer funktionierenden Regierung. Das erarbeitete Programm fungiert dann in den kommenden vier Jahren bis zur nächsten Wahl als eine Art Leitfaden der Regierung.

Aktuell findet man ja in der Politikrubrik einer jeden Zeitung hierzulande Ausdrücke wie Ampel- oder Jamaika-Koalition, welche auf die Farben der beteiligten Parteien dieser Koalitionsmöglichkeiten anspielen: Bei der Ampel-Koalition wären das Rot für die SPD, Gelb für die FDP und Grün für, natürlich, die Grünen. Die jamaikanische Flagge enthält die Farben Schwarz, Grün und Gelb, also wäre hier die Union, bestehend aus CDU und CSU, anstatt der SPD in der Regierung.

Derzeit sieht alles nach einer Ampel-Koalition aus.

Zudem wäre auch die sogenannte GroKo eine Möglichkeit, also ein Zusammenschluss der SPD und der Union. Jedoch wurde diese Regierung bereits mehrfach vom Kanzlerkandidaten der SPD, Olaf Scholz, ausgeschlossen. Auch die Wählerinnen und Wähler scheinen sich keine erneute GroKo zu wünschen, so sehr wie die Unionsparteien abgestürzt sind bei dieser Wahl: 2013 noch bei 41,5%, wurde die ehemalige „Volkspartei“ (‚ehemalige Volkspartei‘, da es Zeiten gab, in denen die Union über 50% der Stimmen erhielt) dieses Jahr mit einem historischen Tief von 24,1% abgestraft. Auch eine Koalition mit der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“, kurz AfD, schließen alle anderen Parteien aus.

Vielleicht erinnert sich manch einer hier noch an das Zitat „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren“ von Christian Lindner, als die FDP sich 2017 aus den Sondierungen mit der Union und den Grünen zurückzog, da sich nach der Auffassung der Parteispitze keine Vertrauensbasis oder gemeinsame Ideen für die Modernisierung Deutschlands finden ließen. Vielleicht bereut die FDP es inzwischen etwas, damals ausgestiegen zu sein, denn sie ist der Union inhaltlich sehr viel näher als der SPD oder den Grünen. Doch dieses Jahr stellt die Ampel-Koalition eine ernstzunehmende Konkurrenz gegenüber der Jamaika-Koalition dar, um nicht zu sagen: zu 99,99% bekommen wir für diese Legislaturperiode eine Rot-Gelb-Grüne Regierung, wie es sie in Rheinland-Pfalz aktuell gibt und auf Länderebene zuvor schon mehrfach gab.

Die Union zog sich diesen Herbst erstmals in der Geschichte unserer Bundesrepublik von einem Regierungsanspruch zurück, stand aber zur Verfügung, sollten sich Rot, Gelb und Grün nicht einigen können. Doch genau das war nun wohl möglich. Somit ist die Union ziemlich sicher in der Opposition.

Die Motivation schien bei allen Ampel-Beteiligten weitaus größer: „Scheitern ist eigentlich keine Option“ sagte Robert Habeck (Die Grünen). Auch wird diese Bundesregierung mit die letzte sein, die noch wirklich aktiv der Klimakrise entgegenwirken kann – also handelte es sich um eine historisch wirklich sehr relevante Wahl, welche über unser aller Zukunft entscheiden wird. Deutschland bekannte sich 2015 im Pariser Klimaabkommen zum 1,5°-Ziel und sollte daher schleunigst beginnen, Methan- und CO₂-Emissionen zu minimieren oder zumindest den Grundstein dafür legen. Doch Klimaschutz ist nur ein Punkt, der für das Regierungsprogramm ausdiskutiert werden muss.

Also, was kam raus bei den Sondierungen?

  • Einkommens-, Unternehmens- und Mehrwertsteuern sollen nicht erhöht werden
  • Der Mindestlohn soll auf 12€ pro Stunde angehoben werden
  • Ausstieg aus der Kohleverstromung soll bis möglicherweise 2030 umgesetzt werden
  • Ausbau der erneuerbaren Energien soll „drastisch“ beschleunigt werden
  • „Alle geeigneten Dachflächen“ sollen künftig für Solarstromerzeugung genutzt werden (Bei gewerblichen Neubauten verpflichtend, bei privaten soll es die Regel werden)
  • Es soll kein generelles Tempolimit auf Autobahnen kommen
  • Hartz IV soll durch ein sog. „Bürgergeld“ ersetzt werden
  • Das System der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung soll erhalten bleiben
  • Mindestrentenniveau und Renteneintrittsalter sollen gleich bleiben
  • Kinderrechte sollen im Grundgesetz verankert werden
  • Das Wahlalter für die Wahlen zum Deutschen Bundestag und Europäischen Parlament soll auf 16 Jahre gesenkt werden
  • Unsere Verwaltung soll „agiler“ werden – die Verfahrensdauer soll mindestens halbiert werden

Man beachte hierbei, dass die eigentlichen Koalitionsverhandlungen von SPD, FDP und den Grünen gerade erst beginnen und sich die Parteien auch noch anderweitig einigen könnten, wenn es jetzt ernst wird.

Wir alle wünschen uns eine kooperative und handlungsfähige Regierung in unserem Land, die sich auch mal traut, wichtige Zukunftsthemen anzupacken, unser Deutschland weiterzuentwickeln und so ein progressives und zeitgemäßes Land zu schaffen, in dem wir alle gut und gerne leben. Werden wir es also mit unserer neuen Regierung schaffen, diese vielen, neuen Schritte in unsere Zukunft zu meistern? Wir alle können nur hoffen und gespannt auf die richtigen Koalitionsergebnisse warten, welche durchaus viel über die angestrebte Zukunft unseres Landes verraten werden.

Quellen:

https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/bundestagswahlen/340992/sitzverteilung

https://www.bundestag.de/parlament/wahlen/ergebnisse_seit1949-244692

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bundestagswahl-2021-wie-viele-sitze-braucht-man-fuer-eine-mehrheit.89276df6-e925-4011-b063-6800e039cff6.html

https://www.welt.de/politik/article170761256/Es-ist-besser-nicht-zu-regieren-als-falsch-zu-regieren.html

https://www.faz.net/aktuell/politik/bundestagswahl/ampel-koalition-spd-gruene-und-fdp-nach-erster-sondierung-positiv-17580706.html

https://www.deutschlandfunk.de/nach-der-bundestagswahl-2021-welche-koalitionen-sind-denkbar.2897.de.html?dram:article_id=502404

https://www.bundesrat.de/DE/bundesrat/verteilung/verteilung-node.html

https://www1.wdr.de/nachrichten/bundestagswahl-2021/faq-begriffe-wahl-100.html

https://www.tagesschau.de/inland/sondierungspapier-105.html

Aquakultur: Vor- und Nachteile

Heutzutage wird viel mehr Fisch verzehrt, als eigentlich in den Meeren und Seen vorhanden ist. Aquakulturen in den Meeren und Seen sind der Grund, warum der hohe Fischkonsum überhaupt möglich ist. Aquakulturen scheinen die Lösung zu sein, um die hohe Nachfrage nach Fisch abzudecken, dennoch ergeben sich neben gewissen Vorteilen auch negative Folgen, vor allem für uns als Menschen, für die Umwelt und aber auch für die im Wasser lebenden Organismen. Fest steht, dass schon mehr als die Hälfte aller Fischprodukte, die weltweit verzehrt werden, aus Aquakulturen stammen.

Doch was versteht man eigentlich unter Aquakulturen? Unter Aquakulturen oder auch Aquafarming versteht man die systematische Zucht und den Fang von Fischen, Meeresfrüchten, Krebsen und Algen in Süß- oder Meerwasser. Dennoch gibt es einen großen Unterschied verglichen mit dem herkömmlichen, klassischen Fischfang. Denn beim klassischen Fischfang werden die Fische aus öffentlichen Gewässern gefangen bzw. gefischt, wohingegen sich bei Aquafarming die einzelnen Fischarten in getrennten Netzgehegen befinden und dort systematische gezüchtet, gefüttert und abschließend „gefangen“ werden. Dieser Vorgang findet im Meer, in Buchten oder in Wassertanks statt. Die gezüchteten Fische sind demnach einem Besitzer zugeordnet und können sich nur in ihrem Netzgehege aufhalten, anders als bei Fischen, die auf herkömmliche Weise gefischt werden.

Auf den ersten Blick scheint Aquafarming die Lösung für Überfischung zu sein, denn Aquafarming soll der Überfischung entgegenwirken, denn der Fisch wird nicht mehr dem natürlichen Kreislauf (aus Meeren, Seen etc.), sondern dem geschlossenen Kreislaufsystem (Fische aus den Netzgehegen) entnommen. Doch genau das Gegenteil trifft ein, denn die gezüchteten Fische bekommen mitunter täglich Fisch als Nahrung. Als Beispiel: Für ein Kilo Lachs müssten mehrere Kilo wildgefangener Fische verfüttert werden. Die Folge ist, dass dadurch die Überfischung nur noch mehr vorangetrieben wird.

Ein weiteres großes Problem ist das Abwasser. Wie bei allen Massentierhaltungen fallen auch bei Aquakulturen Kot und Urin in großen Mengen an. Zusammen mit den Medikamentenrückständen, die bei der Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten zum Einsatz kommen und wieder ausgeschieden werden (vgl. Parasiten), sammeln sich diese im Abwasser. Am Ende gelangen diese Rückstände in das Meer oder den See. Außerdem können die gezüchteten Fische dem Netzgehege auch entkommen oder ausbrechen; so werden sie auf längere Zeit gesehen die Wildfische vertreiben. Zudem benötigen Aquakulturfarmen enorm viel Platz, weshalb sie auch den Wildfischen deren Lebensraum streitig machen.

Dennoch bietet Aquafarming einige Vorteile, denn dadurch, dass die Fische Medikamente verabreicht bekommen, kann man gewährleisten, dass diese frei von Parasiten sind, was für uns Menschen sehr vorteilhaft ist. Dies ist letztlich bei Wildfischen nicht vollends zu garantieren, da sie nicht mit Medikamenten behandelt werden. Auch die Qualität und der Geschmack sollen bei Fischen, die aus Aquakulturen stammen, laut Stiftung Warentest besser sein. Außerdem ist Aquafarming auch umweltfreundlicher, da der Fisch, der in Europa verkauft wird, meist aus Norwegen stammt. Somit ist der Transportweg (zumindest innerhalb Europas) kürzer als der der Fische, die vom Nordpazifik kommen oder zuerst nach Asien zum Filetieren gebracht werden.

Abschließend lässt sich sagen: Aquakulturen machen es möglich, die hohe Nachfrage nach Fisch abzudecken. Trotzdem sollte man vor allem beim Fischkauf auf das Naturland-Siegel oder das Bioland-Siegel achten, falls man nicht gänzlich auf Fisch verzichten möchte. Denn diese Siegel fordern hohe Standards und gewährleisten, dass der gekaufte Fisch aus Tierwohl-Aquakulturen stammt und keinen „überfischten Fisch“ darstellt.

Quellen:

https://www.deutschlandfunk.de/aquakultur-fisch-fuer-acht-milliarden.740.de.html?dram:article_id=494983

https://www.transgen.de/tiere/2826.fisch-aquakultur-zucht-genomeediting.html

https://www.test.de/Zuchtlachs-und-Wildlachs-im-Test-4469517-0/

Reiseleiterin Roswitha Schlesinger

Extreme Wetterlagen bedrohen die USA

San Francisco/Washington. Seit Wochen wüten extreme Waldbrände im Westen der USA sowie in in Kanada. Die größte Bedrohung stellte dabei enorme Hitzewellen dar.

Bis zu 54 °C betrugen die Temperaturen im Death Valley, Kalifornien, im kanadischen Ort Lytton wurden 49,6 °C gemessen, was die bisherige Höchsttemperatur in Kanada übertraf. Die Hitze führte bereits zu mehreren Waldbränden, die schon früher als sonst begannen, und auch ländliche Gemeinden wie Lytton blieben von den Flammen nicht verschont. In den vergangenen Wochen meldeten die Notaufnahmen der betroffenen Gebiete zahlreiche hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle und es besteht nach wie vor eine Gefahr für mehr als 30 Millionen Menschen. Der Nationale Wetterdienst sprach für fast ganz Kalifornien und einen Großteil Nevadas die höchste Warnstufe aus. Zudem werden durch die Hitze auch einige Arten, vorwiegend Muscheln, Seesterne und grundsätzlich Meerestiere durch den aufgeheizten Sand bedroht und die Waldbrände zerstörten Lebensraum für Flora und Fauna.

Die Auswirkungen dieser Hitzewelle, die für den bisher heißesten Juni in den USA sorgte, werden sich noch für längere Zeit zeigen und Probleme für die vielen Bewohner der betroffenen Gebiete darstellen.

Quellen:

https://www.stern.de/panorama/wetter-extreme-hitze-im-westen-der-usa-30610854.html

https://www.zeit.de/news/2021-07/26/wetterextreme-plagen-die-usa?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

Sexismus im Sport – Der Kampf um Anerkennung

150€ pro Spielerin – das ist der Betrag, den das norwegische Beachhandball-Team der Frauen bezahlen soll. Der Grund? Verstoß gegen eine der Regeln: „Spielerinnen müssen Bikini-Hosen tragen, die der angehängten Abbildung entsprechen. Sie müssen körperbetont geschnitten sein, mit einem hohen Beinausschnitt. Die Seitenbreite darf höchstens 10 cm betragen.“

Die norwegischen Sportlerinnen verstießen beim Spiel um Platz drei in der EM gegen Spanien im Juli 2021 bewusst gegen diese Kleiderordnung, indem sie Shorts trugen, so wie ihre männlichen Kollegen auch. Die Männer sind nach den Regeln der IHF (Internationalen Handball Föderation) sogar verpflichtet, Shorts zu tragen, welche „mindestens zehn Zentimeter über dem Knie enden“. Es gibt also eher eine Regelung für eine minimale Deckung, welche in direktem Kontrast zu der verpflichtenden Maximale Bedeckung bei Frauen steht. Folglich argumentieren viele nun, dass die Hose wohl nicht die Spielqualität der Sportler:innen beeinflusst, sondern nur ein ästhetischer Faktor diesen Regelungen zugrunde liegen kann. Die EHF (Europäische Handball Federation) bezeichnet die Shorts der Sportlerinnen als „unangemessen“.

Dass viele Sportlerinnen ihre knappen Outfits als unpraktisch oder sogar erniedrigend empfinden, ist jedoch leider kein Phänomen, dass beim Beachhandball Halt macht: Auch in anderen Sportarten, wie beispielsweise dem Turnen, beschweren sich Frauen immer häufiger über die unfaire Kleiderordnung und die daraus resultierenden Gefühle. „Turnen ist natürlich auch eine ästhetische Sportart, aber ich finde, es ist trotzdem nochmal ein Unterschied zwischen Ästhetik und etwas Sexualisiertem […]. Auch wenn ich etwas poste, […] kommt dann oft als Reaktion, gerade eben von Männern, was sie geil oder toll oder heiß finden. Ich versuch das zu ignorieren, ich lösch die Nachrichten meistens auch und wenn’s mir zu viel ist, dann blockiere ich auch den Nutzer und möchte damit auch eigentlich nichts zu tun haben, weil ich meine Sportart präsentieren will und nicht meinen Körper.“, so die Turnerin Elisabeth Seitz gegenüber dem SWR.

Dass im Sport Frauen eine weniger große Rolle spielen als Männer und die Leistungen von Frauen oft grundsätzlich herabgewürdigt wird, fällt schnell auf. Vor allem in männerdominierten Sportarten ist dieses Phänomen des Öfteren zu beobachten. In den letzten Monaten hörte man manchmal, die Engländer hätten es seit 1966 nicht mehr in ein Finale der EM oder WM geschafft, was für die Männer durchaus stimmt, das Frauenteam jedoch völlig außer Acht lässt: Erst bei der Europameisterschaft der Frauen 2009 standen die Engländischen Frauen zuletzt in einer Finalrunde, so auch 1984.

Nun hier ein kleiner Selbsttest: bisher wurden 12 Frauenfußball-EM ausgetragen. Wie oft gewannen die Deutschen Frauen? Ich wage zu behaupten, die meisten, wenn nicht fast alle von uns, müssten raten. Einmal? Zweimal? Sogar dreimal? Die Antwort überrascht: Ganze acht Mal ging unsere deutsche Frauen-Fußballnationalmannschaft als Siegerteam aus der EM hervor. Eine Fehleinschätzung kann zeigen: Erfolg garantiert nicht gleich öffentliche Anerkennung, sondern ist im Sport auch geschlechtsabhängig.

Auch im Boxen geht es vielen Frauen nicht anders: die Glorifizierung, wie sie bei Männern oft erfolgt, bleibt aus. Nadine Apetz, eine deutsche Amateurboxerin, mehrfach ausgezeichnet auf internationaler Ebene, erzählt dem SWR von einem Erlebnis. Bei einer Boxveranstaltung mit internationalen Gästen wurde für die Männer abends eine ganze Großveranstaltung hochgezogen, „in einer tollen Halle, mit Einlaufmusik und Nebel, Lichtern und Zuschauern“. Doch die Frauen mussten ihre Kämpfe vormittags ohne Zuschauer in einer kleinen Sporthalle nebenan führen.

Selbst statistisch fällt der Sexismus auf, es sind also nicht nur Einzelfälle: Bei einer Umfrage von SWR gaben über 700 Spitzensportlerinnen in Deutschland ihre Stimme ab und gaben mehrheitlich an, mehr als ein Mann leisten zu müssen, um ähnliche gesellschaftliche Anerkennung zu bekommen. Jede dritte Frau gab an, Sexismus im Sport erfahren zu haben, sich aber nicht bei Verantwortlichen zu beschweren. Als Grund wurden hier vor allem Machtlosigkeit und Angst genannt; so wurden in der Vergangenheit bereits ‚unbequeme‘ Sportlerinnen aussortiert.

Rückendeckung erhielten nun zumindest die norwegischen Frauen von ihrem Landesverband, der am Dienstag (20.07.2021) bei Facebook ein Foto der Mannschaft postete und dazu schrieb: „Wir sind super stolz auf diese Mädchen, die während der EM im Beachhandball ihre Stimme erhoben und deutlich gemacht haben: GENUG IST GENUG! Der Norwegische Handballverband steht hinter Euch und unterstützt Euch. Wir werden weiterhin gemeinsam dafür kämpfen, dass das internationale Regelwerk zur Bekleidung geändert wird, damit alle Spielerinnen in der Kleidung spielen dürfen, in der sie sich wohlfühlen.“

Zudem kündigte der Verband an, die von der EHF drohende Geldstrafe in Höhe von 1500€ bezahlen zu wollen.

Quellen:

https://www.tagesschau.de/sport/sportschau/sexismus-sport-101.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Handballf%C3%B6deration

https://sport.sky.de/artikel/beachhandball-news-norwegen-muss-geldstrafe-wegen-zu-langer-hosen-zahlen/12359541/34240

https://www.focus.de/sport/mehrsport/shorts-statt-bikini-hoeschen-norwegische-beachhandballerinnen-kassieren-unglaubliche-geldstrafe_id_13513805.html

https://www.sportschau.de/handball/swr-knappe-kleidung-und-nackte-haut-warum-sich-sportlerinnen-andere-outfits-wuenschen-story100.html

https://rp-online.de/sport/handball/lange-hose-statt-bikini-geldstrafe-fuer-norwegens-beach-handballerinnen_aid-61656391

https://www.welt.de/sport/article232623281/Handball-EM-Keine-Bikini-Hoeschen-getragen-Strafe-fuer-Norwegens-Team.html

https://www.stern.de/sport/beachhandball-frauen-wollen-in-shorts-spielen—verband-besteht-auf-knappe-slips-30621848.html

https://www.swr.de/sport/frauen-im-sport/sexismus-im-leistungssport-100.html

https://www.berliner-zeitung.de/sport-leidenschaft/starker-auftritt-gegen-maenner-regeln-wer-hat-hier-die-hosen-an-beachhandball-em-sexismus-kleiderstreit-katinka-haltvik-li.172031?pid=true

https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Europameisterschaft_der_Frauen

https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Europameisterschaft

https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Weltmeisterschaft_der_Frauen

https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Weltmeisterschafthttps://beacheuro.eurohandball.com/news/en/disciplinary-commission-imposes-a-fine-for-improper-clothing/