Alle Beiträge von Redaktion

Leben in einer Diktatur und Sehnsucht nach Freiheit – Flucht aus der DDR: TEIL 1

ein Interview von Juliette Domgall, Q12

Tunnel, Treppe, Sonnenlicht, Schritte, Sonne

Vor 60 Jahren, in der Nacht zum 13. August 1961, ließ die DDR die Mauer errichten, die den Weg von West nach Ost versperren sollte. Deutschland wurde in zwei Hälften geteilt. Bis zum Mauerbau 1961 flohen ca. 2,8 Millionen Menschen nach der Gründung der DDR 1949 in die BRD. Nachdem die Berliner Mauer gebaut war, war die Flucht nur noch unter großen Gefahren und hohem Risiko möglich. Tausende DDR-Bürger entschieden sich trotzdem dazu, zu fliehen. Hunderte ließen dabei ihr Leben, wurden von Grenzsoldaten erschossen oder starben beim Fluchtversuch. Der BMW-Mitarbeiter L. Bräuer, heute wohnhaft in der Nähe von Landshut, entschied sich für den Weg der waghalsigen Flucht in den Westen und galt damit als sogenannter „Grenzverletzer“. Im Folgenden werdet ihr von Herrn Bräuer alles über den Traum in den Westen zu gehen, über den Plan eines Fluchtversuchs, bis hin zum Abschied von seinen damaligen Mitmenschen erfahren. Ein Gespräch über das Leben in der DDR, Freiheitssuche und folgenreiche Lebensentscheidungen.

Herr Bräuer, wie war Ihre persönliche Situation bis zum Zeitpunkt Ihrer Flucht aus der DDR in die BRD?

Ich war damals 18 Jahre alt, war ledig, hatte also keine Freundin und war gerade dabei meine Lehre zu machen. Die politische Situation war angespannt und von der Öffnung der Grenzen war ebenfalls keine Spur. Ich hatte damals einen Onkel, der im Westen gewohnt hatte. Von ihm wurden wir einige Male besucht, wodurch ich auch immer mal wieder was von der Freiheit mitbekommen habe, die ja in der BRD ausgelebt werden konnte.

Haben Sie schon immer davon geträumt, in den Westen zu gehen?

Ja. Der Traum hat sich ca. mit 16 Jahren bei mir gefestigt. Wir hatten in der Schule politischen Unterricht, was mir persönlich nicht wirklich gefallen hat, da ich ja wie gesagt durch die Besuche von meinem Onkel die Welt noch ein bisschen anders kennenlernen durfte, als er zum Beispiel von seinen Spanienurlauben erzählte. Bei uns in der DDR war die Freiheit sehr eingeschränkt. Man hatte nur verschiedene Ostblockstaaten besuchen dürfen. Was viele nicht mehr wissen, es gab damals ja sogenannte Intershops, in denen man dann als Kind drinstand und es Westspielzeug, Haribo, Kassetten, generell einfach bestimmte Waren zu kaufen gab, die es im Osten nie oder nur ganz selten gab. Da haben sich dann schon gewisse Kinderträume entwickelt. Und wie gesagt, mit 16 Jahren, mit der politischen Situation, dann gewisse Dinge niemals sehen oder haben zu können, niemals in Spanien gewesen zu sein, das waren einfach Punkte, mit denen ich unzufrieden war. Schließlich ist dadurch dann eben der Gedanke gereift, okay, ich mache meine Lehre jetzt so gut wie möglich zu Ende und danach möchte ich die erste bestmögliche Chance nutzen und aus der DDR flüchten. Dabei habe ich aber immer für mich gesagt, ich werde mein Leben nicht direkt aufs Spiel setzen. Deutsch-Deutsche Grenze wäre für mich also nie in Frage gekommen, weil dort ja wirklich scharf geschossen wurde. Da habe ich lieber auf eine andere Möglichkeit gewartet.

Haben Sie auch Westpakete zugeschickt bekommen, die Ihre Sehnsucht in der BRD leben zu können letztendlich verstärkt haben?

Jedes Jahr zu Weihnachten haben wir von meinem Onkel aus Hamburg solch ein Paket zugesendet bekommen, in dem Sachen drin waren, die es im Osten nicht wirklich zu kaufen gab. Darunter war zum Beispiel Dosenananas oder Kaffee, der besonders gut geschmeckt und Waschpulver, was sehr gut gerochen hat. Da haben wir uns immer sehr drüber gefreut und natürlich auch wieder gemerkt, was man in der DDR nicht kaufen konnte.

Was war mit Ihrer Lehre, haben Sie diese vor der Flucht noch beenden können?

Ja, das war auch von Anfang an so geplant. Im Frühjahr 1989 fingen ja die Belagerungen der Botschaften von Tschechien und Ungarn durch DDR-Bürger an und im August dieses Jahres hatte ich dann meine Lehre beendet. Ich war dann sozusagen in meinem ersten Arbeitsmonat, hab dann 14 Tage gearbeitet und bin dann nach Ungarn in den “Urlaub” gefahren.

Wie ist es dann zu Ihrem Fluchtversuch gekommen?

Durch die Belagerung der Botschaften, ergab sich für mich die Chance, mein Leben nicht direkt riskieren zu müssen und über die ungarische Grenze flüchten zu können. In Sopron, in Ungarn, wurden im Frühjahr Hunderte über die Grenze nach Österreich rausgelassen, als diese geöffnet wurde. Das konnte ich dann glücklicherweise im Fernsehen mitverfolgen, da wir zu diesem Zeitpunkt erst ganz neu Westfernsehen bei uns in Dresden empfangen konnten. Im August wurde dann am Plattensee ein neues Lager für die Menschen, die flüchten wollten, aufgemacht und das war dann auch mein erster Zufluchtsort, den ich mir vorgenommen hatte. Dort wollte ich erstmal hin und dann weiterschauen, dass ich von da aus über die grüne Grenze komme, oder ob sich noch andere Möglichkeiten ergeben, zu flüchten, was ja schlussendlich dann auch der Fall war.

Wie war der Abschied von Ihren Mitmenschen, bevor Sie Ihren Plan in die Tat umsetzten?

Von Freunden konnte ich mich nicht offiziell verabschieden. Das war gar nicht möglich. Hätte ich meinen Fluchtgedanken geäußert, dann wäre die Stasi vor meiner Tür gestanden und hätte mich abgeholt und weggesperrt. Ich erinnere mich noch an eine Feier, wo ich mich im Prinzip innerlich von meinen Freunden verabschiedet habe. Für mich war das sozusagen die Abschiedsfeier. Was mir natürlich ebenfalls schwergefallen ist, war der Abschied von meinen Eltern oder generell von meiner Familie im Osten. Das waren auch die einzigen Menschen, die von der geplanten Flucht wussten. An dem Morgen, an dem ich später dann wegfahren wollte, hat mein Vater auch mein Motorrad noch mit mir gemeinsam gepackt, bevor ich dann aufgebrochen bin. Das war schon sehr bewegend.

Was hatten Sie schließlich bei Ihrer Flucht dabei?

Ich hatte mir, wie gerade kurz erwähnt, noch ein Motorrad gekauft, eine TZ 250. Das war damals das größte Modell, was man kaufen konnte, damit ich auch ja ordentlich nach Ungarn fahren konnte. Sogar der Motor wurde noch umgebaut und überarbeitet. Das Motorrad war mir auch sehr wichtig und hatte zudem noch zwei Seitenkoffer, in denen ich dann Kleidung drin aufbewahrte. Ich hatte sozusagen nur das Nötigste mit und schließlich noch meinen Motorradhelm.

Mit einem Motorrad, einem Motorradhelm, ein paar Kleidungsstücken, nicht mehr und nicht weniger, machte sich der damals 18 jährige L. Bräuer auf den Weg. Ist dem ehemaligen DDR- Bürger schließlich die Flucht in die Bundesrepublik gelungen? Gab es vielleicht Komplikationen oder womöglich sogar Konsequenzen aufgrund des Fluchtversuchs? Im zweiten Teil der Geschichte unseres Zeitzeugen erfahrt ihr alles über seinen Fluchtversuch, wie leicht man dabei sein Leben aufs Spiel setzte und die Zeit danach!

NEU: Podcasts der Woche

Als digitale Schule erweitern wir unser Angebot ständig. Wir freuen uns, euch ab sofort wöchentlich tolle Podcasts zu gesellschaftspolitischen Themenbereichen anbieten zu können. Sie stammen allesamt aus dem Programm des BR (Bayerischer Rundfunk).

NEUANFÄNGE – Weimar, Republik der Erwartungen Alles Geschichte – Der History-Podcast

Der Krieg war aus, die ehemaligen Eliten entmachtet oder zumindest geschwächt. Hoffnungen auf eine moderne Gesellschaft blühten auf, Sehnsüchte nach Neuanfang. In der Weimarer Republik wurde der Mensch neu gedacht. Linke und rechte Utopien prallten dabei aufeinander.

Gift im System – Fragwürdige Pestizidzulassungen in der EU Aufgedeckt – der investigative Podcast

Wie gut schützt uns die EU vor Gefahren durch Pestizide? Mit einer Datenanalyse haben wir herausgefunden, wie Behörden Risikobewertungen der Industrie übernehmen. So können Stoffe auf den Markt kommen, deren Sicherheit unklar ist.

Juniorwahl in Seligenthal: Früh übt sich, was ein mündiger Wähler werden will!

Wie immer, wenn in Bayern, Deutschland oder Europa Wahlen anstehen, wurde auch in diesem spannenden Wahljahr 2021 in Seligenthal wieder eine Juniorwahl durchgeführt.

Mit echten Wahlzetteln und Wahlunterlagen ausgerüstet, durften die Schüler am Freitag vor der Bundestagswahl bereits in der Schule probehalber ihre beiden Kreuze setzen. So bekamen sie die Möglichkeit, schonmal für den großen Tag zu üben, wenn sie dann mit Erreichen der Volljährigkeit „in echt“ an die Urne treten dürfen und ihre Stimme wirklich zählt – ein sehr wertvoller Beitrag zur Demokratieerziehung und eine tolle Möglichkeit für die Schüler, die auch begeistert angenommen wurde.

Für die Durchführung der Wahl war diesmal die Klasse 10c des Sozialwissenschaftlichen Zweiges (siehe Bild) verantwortlich, die ihre Aufgabe (von der Vorbereitung bis hin zur Auszählung) mit Bravour gemeistert hat. Ihre Lehrkraft Frau Grüner stand ihr dabei unterstützend zur Seite.

Oberbürgermeister Alexander Putz zu Besuch am Gymnasium

Am 29.01.2020 war Herr Oberbürgermeister Alexander Putz im Rahmen der Aktion „Tag der freien Schulen – Politiker schenken eine Unterrichtsstunde“ in der Klasse 10d des Gymnasiums Seligenthal zu Gast. Der Besuch zielte v.a. auch darauf ab, den Jugendlichen die Kommunalpolitik näher zu bringen und aus erster Hand (auch privat) hinter die Kulissen blicken zu lassen.

Schulleiterin, Frau Oberstudiendirektorin Ursula Weger, nahm den hohen Besuch in Empfang und stellte in einer kurzen Eröffnungsrede den besonderen Wert der Demokratie heraus. Ein (politisches) Denken in „schwarz-weiß“ sei keinesfalls zielführend und bilde auch nicht die Realität ab. Man müsse sich auch immer im Bewusstsein halten, dass gerade populistische Parteien, die vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme anböten, eine Gefahr für die Demokratie sein können. Umso wichtiger sei es, informiert zu sein, um gesellschaftliche und politische Sachverhalte auch entsprechend einordnen zu können.

Im sich anschließenden Vortrag von Herrn Putz, dem ein angeregtes Gespräch mit vielen Fragen seitens der Schülerinnen und Schüler folgte, ging es aber nicht nur um rein Politisches. Besonders interessierte die Klasse auch das Arbeitspensum und die Lieblingsthemen des Kommunalpolitikers, der nicht selten 70 – 80 Stunden pro Woche arbeite, wobei man laut Herrn Putz nicht alles, was das Berufsfeld des Oberbürgermeisters mitbringe, z. B. Abendveranstaltungen, als Arbeit ansehen sollte. Authentisch und äußerst schülernah äußerte sich Herr Putz auch zu persönlichen Dingen, wie die Vereinbarkeit von Familie und „Arbeit“. Hierbei sei es seiner Ansicht nach besonders für junge Menschen in der Politik schwierig, eine Balance zwischen Privatleben und dienstlicher Verpflichtung zu finden. Von entscheidender Bedeutung sei für den Repräsentanten unserer Stadt die Zukunftsfähigkeit der Schulen bzw. der ganzen Bildungsinfrastruktur. Zu seinen Lieblingsaufgaben gehöre demnach auch der Besuch an den Schulen selbst. Daneben sei es aber ebenso wichtig, innerhalb der Politik mit Weggefährten, auch mit solchen, die ggf. eine andere Meinung vertreten, beständig zu diskutieren und sie ernst zu nehmen.

Auch ganz private Einblicke gewährte Alexander Putz, indem er beispielsweise verriet, dass seine eigene Bibliothek neun Meter lang sei. Der darüber hinaus vielseitig interessierte Oberbürgermeister, der von Beruf auch Bauingenieur ist, könne sich für viele Dinge begeistern, so auch für Sport, Literatur und Musik.

Am Ende des kurzweiligen, sehr informativen Zusammentreffens motivierte und bestärkte Herr Putz die Schülerinnen und Schüler (die übrigens nur eine Sache bedauerten, nämlich dass die Zeit zu kurz gewesen sei), das einzusetzen, was jeder gut könne. Deshalb gelte es, nicht nur an den Schwächen, sondern vor allem auch an den eigenen Stärken zu arbeiten. Würden nämlich alle ständig nur ihre Schwächen ausmerzen, wären am Ende alle gleich.

Frau Ursula Weger bedankte sich bei Herrn Alexander Putz für den gewinnbringenden und spannenden Vortrag, für den er trotz seiner vielfältigen Verpflichtungen Zeit gefunden habe. Der Besuch wird allen in guter Erinnerung (und hoffentlich nicht der letzte) bleiben.

Eindrücke zur Wanderausstellung „Bayerischer Landtag“ in Seligenthal – Teil II

Der Bayerische Landtag, seine Gremien & Co.

Ein Gastbeitrag von Katharina Huber, Klasse 10a

Die Eröffnung der Wanderausstellung des Bayerischen Landtages, die am Gymnasium Seligenthal vom 13. bis 17. Januar 2020 zu sehen war, stellte einen passenden Anstoß für mich dar, mir die Frage zu stellen, wie unser Freistaat Bayern eigentlich aufgebaut ist.

Die Vorgabe dazu gibt die Verfassung  des Freistaates Bayern selbst, und zwar in Artikel 3 Abs. 1 und Artikel 5 mit den Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und der Gewaltenteilung. Gewaltenteilung ist eine der wesentlichen Voraussetzungen eines Rechtsstaates und bedeutet Gewaltentrennung und damit die Aufteilung der Staatsaufgaben in drei Teile.

Die Gesetzgebende Gewalt, die sog. Legislative steht nur dem Souverän, also dem Volk, bzw. seinem gewählten Vertreter, also dem Bayerischen Landtag, zu. Die vollziehende Gewalt, die Exekutive liegt in den Händen der Staatsregierung, und die Judikative, die richterliche Gewalt, wird durch die Gerichte ausgeübt. Oberstes Gericht im Freistaat Bayern ist, wie in Artikel 60 der Verfassung des Freistaates Bayern vorgegeben, der Verfassungsgerichtshof.

Durch die Gewaltenteilung wird primär das Ziel verfolgt, eine zu große Machtkonzentration bei einem einzelnen Staatsorgan zu vermeiden und dadurch Freiheit und Gleichheit zu sichern. Der Freistaat Bayern ist also auf den drei Säulen Exekutive, Legislative und Judikative aufgebaut.

Theoretisch ist den meisten Schülern klar, wie die Exekutive und die Judikative funktionieren, für die Legislative – also den Bayerischen Landtag – gilt dies, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, oftmals nicht.

Um die Tätigkeiten und die Organisation des Landtags zu regeln, hat sich dieser eine Geschäftsordnung gegeben, in der verschiedene Aufgaben an bestimmte Organe und Gremien zugewiesen werden. Die Organe bzw. Gremien sind die Landtagspräsidentin, das Landtagspräsidium, das Plenum, die Ausschüsse, die Fraktionen und der Ältestenrat.

Die zugehörige Stele in der Ausstellung in Seligenthal informierte übersichtlich und kurzweilig über den organisatorischen Aufbau des Landtags.

Die wesentlichen Aufgaben der Landtagspräsidentin, zur Zeit Frau MdL (Mitglied des Landtags) Ilse Aigner sind die Leitung der Sitzungen der Vollversammlung und die Repräsentation des Parlaments nach außen, während das Landtagspräsidium im Wesentlichen ein Beratungs- und Beschlussorgan in Verwaltungsangelegenheiten des Landtags ist. So bereitet es z. B. den Haushaltsplan des Landtags vor.

Daneben hat der Landtag 14 ständige Ausschüsse für die Dauer der 18. Wahlperiode von 2018 bis 2023 eingesetzt. Dazu gehören unter anderem die Ausschüsse für Haushalt, Verfassung, Inneres, Wirtschaft, Wissenschaft und Europa. Abgeordnete aller im Landtag vertretenen Parteien sind jeweils entsprechend der Kräfteverhältnisse des Bayerischen Landtages in den Ausschüssen vertreten. Die Bildung von Ausschüssen ist insbesondere deshalb sinnvoll, weil sich so nicht jeder Abgeordnete Detailkenntnisse in allen Sachfragen aneignen muss und dafür Spezialist in den jeweiligen Angelegenheiten werden kann, die sein Ausschuss behandelt.

Außer in der Vollversammlung (Plenum), der die Besprechung und Abstimmung über Gesetzesvorlagen obliegt, und den ständigen Ausschüssen, arbeiten die Abgeordneten des Landtags in weiteren Gremien, deren Arbeitsbereiche über die Beratung von konkreten Gesetzesvorhaben oder Petitionen hinausgehen. So können zum Teil unter Einbeziehung von Sachverständigen und oft auch zeitlich begrenzt komplexe Sachfragen bearbeitet und Beratungen des Plenums vorbereitet werden, was im sog. Ältestenrat stattfindet – oder bestimmte Fragen untersucht werden (sog. Untersuchungsausschüsse).

Die Fraktionen sind mit eigenen Rechten und Pflichten ausgestattete Vereinigungen im Bayerischen Landtag, zu denen sich Mitglieder des Bayerischen Landtags zusammenschließen. Derzeit sind im Bayerischen Landtag Fraktionen der CSU, Bündnis 90/Die Grünen, Freie Wähler, SPD, FDP und AfD vertreten.

Auf einen Blick standen den Besuchern der Ausstellung auch Kurzprofile zu einzelnen Politikern zur Verfügung.

Abschließend möchte ich betonen, wie gut mir die Ausstellung gefallen hat und wie interessant ich sie gefunden habe. Am Eröffungstag war ich anwesend und bekam die Chance, mich mit einigen Landshuter Politikern, darunter Helmut Radlmeier, zu unterhalten. Sie beantworteten mir, sehr aufgeschlossen, viele Fragen zu ihrem wichtigen Beruf.

Eindrücke zur Wanderausstellung „Bayerischer Landtag“ in Seligenthal – Teil I

Das Maximilianeum in München ist der Sitz des Bayerischen Landtags.

 

Am Ende doch sehr interessant

Ein Gastbeitrag von Elisabeth Rieger, Klasse 10a

Als wir in der  Klasse  erfuhren, dass wir nächste Woche eine Doppelstunde Mathe verpassen sollten, waren wir natürlich alle  hellauf begeistert. Diese Begeisterung legte sich allerdings  wieder, sobald der Grund dafür bekannt gemacht wurde: Die Wanderausstellung „Der Bayerische Landtag auf Tour“ sollte besichtigt werden. Sofort hörte man im ganzen Klassenzimmer: „Da geht’s um Politik.“ – „Das interessiert mich doch eh nicht!“ – „Und was hat das mit uns zu tun?“ Erstaunlich viel, wie wir bald merken sollten!

Langweilige Reden zum Auftakt? Von wegen!

Aber ich greife vor, denn zunächst sollten wir ein paar Reden über uns ergehen lassen. Als besonders langweilig wurden von uns die Reden der anwesenden Politiker erwartet. Diese Einschätzung stellte sich als völlig falsch dar.  Die Reden waren erstaunlich publikumsnah und unterhaltsam. Auch dass die Politiker noch etwas länger blieben, stellte sich als Glücksfall heraus, denn wir, also gerade auch die Schüler/innen, wurden dazu angehalten, einfach mal ein Gespräch mit ihnen zu starten. Diese Gelegenheit haben wir  fleißig genutzt und durch diese Konversationen wurde   deutlich, dass Politiker Menschen wie du und ich sind, mit eigenen Ansichten, aber auch offen für andere Meinungen, mit denen man sich ganz normal unterhalten kann.

Wir können doch eh nichts ändern – oder doch?

Das alles ist ja gut und schön, aber wir waren immer noch nicht überzeugt, warum wir uns das jetzt hier ansehen sollten. Das Wichtigste wissen wir ja eh schon und wir können ja eh nichts ändern. Diese beiden Annahmen sollten sich (ebenfalls) als vollkommen falsch herausstellen. Wir, eine musische bzw. sprachliche Klasse, hatten ganz eindeutig zu wenig Ahnung von Politik und dem Land Bayern im Allgemeinen. Aber genau deshalb sind wir ja zu der Ausstellung gegangen. Auch der zweiten Aussage, dass wir doch eh nichts ändern können, kann ich jetzt nicht mehr zustimmen, denn wir können etwas ändern! Jeder von uns! Das lässt sich allein schon gut an dem Weg erkennen, den ein Gesetz gehen muss, bis es Gültigkeit erlangt. Da gibt es zunächst den ganz „normalen“ Weg durch das Parlament. Hierbei wird eine Gesetzesvorlage in den Landtag eingebracht. Dies kann durch jedes Mitglied des Bayerischen Landtags geschehen. Und wer wählt den Landtag? Ganz richtig, wir, das Volk! Also haben wir hierbei Mitspracherechte, wenn allerdings auch nur indirekt.

Die Schüler/innen konnten als kleinen Ansporn ein Quiz bearbeiten.

Geht Wählen!

Aber deshalb ist es auch so wichtig, dass wir alle wählen gehen – damit wir an diesem Entscheidungsprozess indirekt teilhaben können. Aber weiter im Text, diese Gesetzesvorlage wird nun erstmals in einer Vollversammlung gelesen. Falls sie hier nicht abgelehnt wird, geht sie weiter in die Ausschüsse, die sich den Gesetzentwurf genau anschauen und darüber beraten. Mit der Beschlussempfehlung der Ausschüsse geht die Vorlage wieder zurück in die Vollversammlung, wo es zu einer zweiten, in schwierigen Fällen sogar dritten Lesung kommt. Daraufhin gibt es die finale Abstimmung. Wurde damit das neue Gesetz beschlossen, muss es nur noch vom Ministerpräsidenten unterzeichnet werden und ist damit fertig, der Öffentlichkeit im Gesetz- und Verordnungsblatt präsentiert zu werden.

Auch wir können mitbestimmen!

Es gibt aber auch noch einen zweiten Weg, wie ein Gesetz erlassen werden kann, und diesmal geht es ganz direkt über die Bürger, nämlich über ein Volksbegehren und Volksentscheid. Dafür benötigt man allerdings schon allein für den Antrag eines Volksbegehrens 25.000 Unterschriften. Für das eigentliche Volksbegehren müssen dann mind. 10 % der Bevölkerung, also ungefähr 950.000 Bürger, unterschreiben. Durch dieses Volksbegehren wird der Gesetzesantrag im Landtag eingereicht, der dazu eine Stellungnahme veröffentlicht. Daraufhin darf der Landtag dann über den Gesetzesantrag abstimmen. Wird dieses Gesetz angenommen, erfolgt dasselbe Prozedere wie bei einer „normalen“ Gesetzgebung durch den Landtag. Wenn das Gesetz allerdings nicht angenommen wird, geht es weiter zum Volksentscheid. Wenn dabei die Mehrheit der Abstimmenden „Ja“ und nicht „Nein“ ankreuzt, gilt das Gesetz  als angenommen. Über den Weg eines Volksentscheids kann sogar die Verfassung geändert werden, allerdings müssen dann mind. 25 % der Bevölkerung für „Ja“ stimmen.

Alle Informationen werden über ansprechende, elektrische Stellwende vermittelt. Viele Flyer und die Verfassung gab es noch umsonst dazu.

Abschließend kann man also feststellen, dass in Bayern Politik nur mit und durch die  Bürgerinnen und Bürger funktioniert. Deshalb ist es auch so wichtig, dass es solche Ausstellungen gibt, damit sich junge Leute für Politik begeistern, so wie wir uns von der Vorstellung begeistern haben lassen, dass wir alle Politik machen dürfen, können und sollen.