Archiv der Kategorie: Wirtschaftspolitik

Tiktok-Onlinehandel: neue Indizien für den Start eines eigenen (europaweiten) Onlineshops

Der Social-Media-Gigant TikTok steht Berichten zufolge vor einer Expansion. Die Plattform plant die Umsetzung eines eigenen europaweit zugänglichen Onlineshops. Dieser Schritt könnte Auswirkungen auf die gesamte E-Commerce-Branche Europas haben.

TikTok hat in Deutschland momentan rund 20 Million Nutzer, darunter befinden sich vor allem Jugendliche. Die Plattform besteht aus bearbeiteten und mit Sounds oder Filtern hinterlegten Kurzvideos. Sie dient hauptsächlich zur Unterhaltung.

Das chinesische Social-Media-Format dominiert aktuell Trends und Mode. Gleichzeitig ist es auch eine sehr erfolgreiche Werbeplattform, die von Influencern zur Vermarktung von Produkten verwendet wird. Nun steht die Theorie im Raum, der Konzern wolle einen eigenen Onlineshop starten, um Onlinehandel auf europäischer Basis zu betreiben.

Es gibt zahlreiche Indizien, die dafürsprechen. Beispielsweise existiert das Konzept bereits in einigen Ländern, denn das Unternehmen führt dort einen solchen Onlineshop. In den USA, Großbritannien und einzelnen asiatischen Ländern ist es Nutzern bereits möglich, direkt in der TikTok-App Einkäufe zu tätigen. Der Onlineshop trägt dort den Namen TikTok Shop und vereinfacht den gesamten Prozess. Konsumenten können somit auf direktem Weg in der TikTok-App einkaufen. Das Konzept funktioniert also und lässt sich somit theoretisch auf weitere Länder übertragen.

Ein weiterer Aspekt, der darauf schließen lässt, sind auch einige vor kurzem geschaltete Stellenanzeigen für TikTok-Mitarbeiter. In Amsterdam suchte der Konzern beispielsweise nach einem ,,Senior Fulfillment Solutions Manager“, in dessen Aufgabenfeld der Aufbau eines ,,Warenlager-Netzwerkes“ und ,,[…]die Planung und der Entwurf von Logistiklösungen für Großbritannien und die gesamte EU[…]“(https://omr.com/de/daily/tiktok-shop-europa) falle. Die Suche nach Mitarbeitern auf einer Position mit derartigen Qualifikationen ist in diesem Kontext auffällig. Schließlich erfordert die genannte Arbeitsstelle Kenntnisse, die auch beim Betrieb eines internationalen Onlineshops benötigt werden.

TikTok stellt aufgrund seiner bereits bestehenden Reichweite außerdem eine potenzielle Konkurrenz für andere Onlinehändler dar. Beispielsweise für die beiden Unternehmen Otto und Zalando, die beide vor kurzem noch Verluste verzeichneten. Auch die Tagesschau fragt sich, ob ,,[..] TikTok bald Europas Onlinehandel Konkurrenz [..]“(Startet TikTok bald einen eigenen Onlinehandel in Europa? | tagesschau.de) machen könnte. Falls der Konzern also tatsächlich seinen Onlinehandel in Zukunft in ganz Europa betreibt, könnte ihm sein Konzept hohe Gewinne einbringen und er könnte große Marktmacht erlangen. Vermutlich wird er sogar eine führende Kraft in der europäischen E-Commerce-Branche werden.

Was man jedoch nicht außer Acht lassen sollte, ist, dass diese Entwicklung auch negative Folgen mit sich bringen kann. Die Nutzerbasis der Plattform bildet die jüngere Generation. Sie wäre somit als Zielgruppe von TikTok Shop vorgesehen. Viele Jugendlichen sind jedoch nicht geübt im richtigen Umgang mit Geld. Durch den Einfluss der sozialen Medien und der Vielzahl an Trends könnte es zu mehreren unüberlegten Kaufhandlungen kommen, was sogar zu Verschuldung führen könnte. Jugendliche Nutzer wären dem also gewissermaßen ausgeliefert. 

Bisher wurden die Spekulationen über den Einstieg des Social-Media-Giganten in den europäischen Onlinehandel noch nicht offiziell bestätigt. Doch inoffiziell gab es bereits Andeutungen einzelner Mitarbeiter bezüglich der Expansion von TikTok Shop für Anfang 2024. Ob und in welchem Ausmaß der Konzern den europäischen Markt beeinflussen könnte, lässt sich momentan nur vermuten.    

Quellen:

https://omr.com/de/daily/tiktok_shop_europa

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/digitales/tiktok-shop-ecommerce-100.html

https://webbrand.de/blog/artikel/tiktok-als-werbeplattform-nutzen

Fachkräftemangel in Deutschland – Trotz Arbeitslosigkeit herrschen Engpässe auf dem Arbeitsmarkt

Deutschland steht vor einer Herausforderung: Trotz einer vorhandenen Arbeitslosigkeit lässt sich eine wachsende Lücke an hochqualifizierten Fachkräften erkennen. In bestimmten Branchen und Regionen können schon heute offene Stellen nicht mit geeigneten Fachkräften besetzt werden. Viele Unternehmen sind deshalb bereits akut von dem Mangel an Fachkräften betroffen.

Im Jahr 2022 hat der Personalengpass einen Höchststand erreicht, rund 630 000 Stellen konnten nicht besetzt werden. Jedoch wurden in Deutschland im selben Jahr durchschnittlich fast 2,5 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das scheint sich zu widersprechen: Wie kann es zu wenige Fachkräfte geben, wenn immer noch viele Menschen einen Job suchen?

Ein wesentlicher Faktor, der besonders in der Zukunft einen entscheidenden Einfluss auf den herrschenden Fachkräftemangel haben wird, ist die demografische Entwicklung. Wie andere Industriestaaten auch steht Deutschland vor weitreichenden demografischen Herausforderungen. Die Alterspyramide verändert durch niedrige Geburtenzahlen und steigende Lebenserwartung grundlegend ihre frühere Struktur. Folglich sieht sich Deutschland mit einer alternden Bevölkerung und einem schrumpfenden Arbeitskräftepotential konfrontiert. Die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit, die sogenannte Baby-Boomer-Generation, welche durch das Wirtschaftswachstum in den 50er- und 60er-Jahren hervorgerufen wurde, tritt in den Ruhestand, somit verlassen viele qualifizierte Arbeitskräfte den Arbeitsmarkt. Auch der Nachwuchs kann diese Lücke nicht immer ausreichend füllen. Denn Deutschland befindet sich aktuell in der vierten Phase des demografischen Übergangs, dort stabilisiert sich die Geburtenrate auf niedrigem Niveau. Die Sterberate lässt sich ebenfalls stabil auf niedrigem Niveau erkennen. Demnach herrscht in der Bundesrepublik ein langsames Bevölkerungswachstum. Dies führt zu einem Ungleichgewicht zwischen der Nachfrage nach Fachkräften und dem verfügbaren Angebot.

Eine weitere Ursache für den Fachkräftemangel ist die Diskrepanz zwischen den verfügbaren Arbeitskräften und den Anforderungen der Arbeitswelt. Oft passt das, was die Arbeitssuchenden können, nicht zu den Anforderungen der Unternehmen oder Firmen. Das Fehlen von spezifischen Fähigkeiten oder Qualifikationen kann die Fachkräftelücke verschärfen. Es ist daher wichtig, dass Bildungseinrichtungen eng mit der Wirtschaft zusammenarbeiten, denn nur so lässt sich sicherstellen, dass die Qualifizierung der Arbeitskräfte den aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes entspricht. Langfristig kann eine Qualifizierung den Mangel an gebildeten Fachkräften lindern. Somit werden die Arbeitsuchenden besser auf die Anforderungen, Erwartungen und Bedürfnisse der Unternehmen vorbereitet, wovon die gesamte Wirtschaft und der Arbeitsmarkt profitieren werden.

Zu den von Fachkräfteengpässen besonders betroffene Bereiche zählen unter anderem akademische Berufsgruppen in den Bereichen Medizin, Ingenieurwesen und Informationstechnologie, Gesundheitswesen und Handwerk. Aufgrund dieser branchenspezifischen Engpässe muss die duale Ausbildung in Deutschland gestärkt und angepasst werden. Diese Engpässe treten auf, wenn es in bestimmten Wirtschaftszweigen einen signifikanten Mangel an qualifizierenden Arbeitskräften gibt. Diese Problematik entsteht, wenn die Nachfrage nach bestimmten Fähigkeiten in einer Branche das Angebot an verfügbaren Fachkräften übersteigt. Ein Beispiel hierfür ist das Gesundheits- und Sozialwesen. Alten- und Krankenpfleger, Therapeuten und Sozialarbeiter werden aktuell und auch in Zukunft dringend benötigt. Der steigende Bedarf an Betreuungsdiensten verstärkt den Engpass. Erhebliche Auswirkungen auf die betroffenen Branchen sind zu erwarten, deshalb erfordern sie gezielte Maßnahmen, um die Ausbildung von Fachkräften in den betroffenen Bereichen zu fördern. Ziel ist es dabei, den Bedarf an Arbeitskräften zu decken.

Insgesamt ist der Fachkräftemangel in Deutschland trotz hoher Arbeitslosigkeit eine komplexe Herausforderung, die weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaft, Gesellschaft und die betroffenen Unternehmen und Einrichtungen hat. Die Bewältigung des Fachkräftemangels ist ein langfristiger Prozess, der eine Anpassung und Zusammenarbeit aller Beteiligten – von Bildungseinrichtungen über Unternehmen bis hin zu Politik – erfordert.

Quellen:

https://www.iwd.de/artikel/fachkraefteluecke-trotz-arbeitslosigkeit-wie-passt-das-zusammen-592877/https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/fachkraeftemangel-wirtschaft-hoechststand-100.htmlhttps://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/fachkraeftestrategie-2133284https://www.bmas.de/DE/Service/Presse/Pressemitteilungen/2022/fachkraeftegipfel-mehr-fachkraefte-fuer-deutschlands-zukunft.htmlhttps://studyflix.de/erdkunde/modell-des-demographischen-ubergangs-5395

Chinas Einfluss wächst – eine Gefahr für Deutschland?

Als Ende Januar 2023 ein riesiger Ballon im US-amerikanischen Luftraum entdeckt, und nach dem Abschuss klar wurde, dass es tatsächlich ein chinesisches Spionagewerkzeug war, gab es vor allem in den USA, aber auch in anderen Teilen der Welt, schockierte Reaktionen.

Selbst in den Tagen danach wurden überall auf dem amerikanischen Kontinent ähnliche Flugobjekte gesichtet. Logischerweise findet man es gruselig oder zumindest beunruhigend, wenn Spionage in einem so offensichtlichen Weg betrieben wird, und man fragt sich, warum so etwas überhaupt passiert.

Das Ironische an dieser Tatsache ist aber doch, dass weltweit über 1,5 Milliarden und in Deutschland mehrere Millionen Menschen die chinesische Internet-Plattform TikTok des Konzerns ByteDance nutzen. Diese lenkt aber anscheinend durch die vielen unterhaltsamen, teilweise lustigen oder süßen Videos mit Suchtpotential, davon ab, dass sie nicht gerade für ihren ausgezeichneten Datenschutz bekannt ist, im Gegenteil. Tatsächlich wurde für die Browser-Version Tiktoks von der französischen Datenschutzaufsichtsbehörde CNIL ein Bußgeld in Höhe von fünf Millionen Euro wegen des Verstoßes gegen die in Frankreich geltenden Datenschutzgesetze gefordert.  In den USA, die ohnehin ziemlich misstrauisch gegenüber China und von dort stammenden Produkten und Firmen sind, hat man für Abgeordnete des Kongresses die Nutzung der App verboten. In Deutschland geht man mit solchen Maßnahmen eher zögerlich um, vermutlich auch wegen der Befürchtung, den wichtigen asiatischen Handelspartner zu verschrecken. Das Verbot der Plattform durch ein spezielles Gesetz wurde in Deutschland durch Digitalminister Volker Wissing ausgeschlossen.

Interessanterweise hält aber ein großer Teil der Deutschen China für eine Bedrohung der Sicherheit in der Welt, laut einem ARD-Deutschlandtrend vom 3.11.2022. Das hat, neben den oben genannten, sicher noch andere Ursachen. Ganz offensichtliche Erweiterungen des chinesischen Einflusses werden von den europäischen Staaten sowie der EU gebilligt und sogar gefördert. So fing der „Ausverkauf“ europäischer Häfen an, als 2016 der griechische Hafen Piräus aufgrund der miserablen Finanzlage des griechischen Staates an chinesische Investoren wie Cosco praktisch verscherbelt wurde. Auch einige Terminals oder Anteile von Hafenbetreibern der größten Häfen in Europa, wie beispielsweise Rotterdam und Antwerpen, wurden veräußert.

Zudem hat die Abhängigkeit Deutschlands in mehreren Bereichen zugenommen, auch allgemein im Handel mit China. Denn das Handelsdefizit Deutschlands 2022 mit China beträgt aufgrund des großen Unterschieds der Wachstumsraten von Import und Export rund 84 Milliarden Euro, was eine Verdopplung zum Vorjahr darstellt. Zudem kommen im Moment 95 Prozent der Solarzellen, welche Deutschland für den Ausbau von Solarenergie und somit für die Energiewende braucht, aus der Volksrepublik. Wegen der mittlerweile beendeten Null-Covid-Strategie Chinas gab es vergangenes Jahr immer wieder Lieferengpässe, was zu Produktionsstopps bei den hiesigen Produzenten von Solaranlagen führte. Das zeigt, welche Macht China über die deutsche Wirtschaft ausüben könnte. Sowohl die Politik als auch die Firmen, welche sich oftmals aus Kostengründen auf eine einzige Produktquelle verlassen, scheinen also nicht wirklich etwas aus dem Desaster der Gasabhängigkeit Deutschlands von Russland gelernt haben. 

China wird immer einflussreicher und erlaubt es sich nun auch mehr oder weniger offensichtlich, mit dieser Macht zu agieren. Auch aus der Erfahrung mit anderen autoritären Staaten sowie der Geschichte sollte man auf eine gewisse Vorsicht im Umgang mit neuen Großmächten setzen.

Globales Miteinander für das Klima

Schon im Sommer stand die Idee der Gründung eines „Klimaclubs” im Raum. Im Dezember hat sich die Gruppe der G7 auf Vorschlag von Bundeskanzler Olaf Scholz darauf geeinigt. Die Intention bezieht sich auf einen klimafreundlichen Umbau der Industrie und die Bekämpfung der Erderwärmung. Eine offene Zusammenarbeit aller interessierten Staaten und Länder steht im Mittelpunkt dieses Vorhabens.

Die Staats- und Regierungschefs der G7 haben einen internationalen Club im Kampf gegen globale Erwärmung gegründet, teilte Bundeskanzler Olaf Scholz mit. Seit dem G7–Gipfel im Juni 2022 in Elmau wurde intensiv an diesem Plan gearbeitet und sich letztendlich auf eine erste Satzung geeinigt.

Das Ziel der Initiative ist, eine schnelle und ambitionierte Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu unterstützen und die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, dies unterstreicht Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Damit soll ein wichtiger Beitrag zur Erreichung globaler Klimaziele geleistet werden. Außerdem sollen klimafreundliche Grundstoffe wie grüner Stahl, der mit Solar- oder Windkraft hergestellt wird, schneller auf den Markt gebracht und deren Chancen international verbessert werden.

Der Klimaclub steht für eine offene Zusammenarbeit aller Staaten, die sich mit diesen Interessen identifizieren. Scholz betonte, der Zusammenschluss soll keine G7–Initiative sein, sondern global breit getragen werden. Die G7–Länder wollen den ärmeren Staaten mit Energiepartnerschaften beim Wandel hin zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft helfen.

Aktuell liegt der größte Fokus auf China, denn die Volksrepublik stößt weltweit rein mengenmäßig am meisten klimaschädliche Treibhausgase aus. Die USA und Indien tragen außerdem einen großen Beitrag des CO2-Ausstoßes in der Industrie bei. Die G7 müssen sich zusammengenommen für ein Fünftel der Emissionen verantworten.

Quellenangaben

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/g7-klimaclub-103.html https://www.sueddeutsche.de/politik/scholz-g7-klima-1.5714287 https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/gemeinsame-pressemitteilung-von-bundeskanzleramt-und-bundesministerium-fuer-wirtschaft-und-klimaschutz-g7-gruendet-klimaclub-2153296

Aus Wind werde Wasser

eine Film-Rezension

Windrad, Windmühle, Energie, Windkraft, Himmel, Umwelt

Ein Hoffnungsschimmer in Trockenzeit und Hungersnot: Ein dreizehnjähriger Junge im südostafrikanischen Malawi versucht mit einer erfinderischen Idee seine Familie und sein Dorf zu retten

Malawi ist ein kleiner Binnenstaat im Südosten Afrikas und zählt zu den zwanzig am wenigsten entwickelten Ländern der Welt (“Least Developed Countries“). Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut und auch das Bildungs- und Gesundheitssystem weisen erhebliche Defizite auf. Mangelndes Schulgeld, Armut, Hungersnot – all das wird in dem Regiedebüt von Chiwetel Ejiofor „Der Junge, der den Wind einfing“ auf emotionale, aber authentische Art in der bewegenden Geschichte von William Kamkwamba thematisiert.

Der Film ,,Der Junge, der den Wind einfing“ beruht auf einer wahren Begebenheit und basiert auf der gleichnamigen Autobiografie von William Kamkwamba. Der damals 13-jährige Junge lebt Anfang der 2000er Jahre zusammen mit seinen Eltern, seiner großen Schwester Annie und seiner kleinen Schwester in einem Dorf namens Wimbe im südostafrikanischen Malawi. Sein Vater Trywell (Chiwetel Ejiofor) ist – so wie die meisten in dem kleinen Dorf – Farmer. Auch wenn das Geld in der Familie knapp ist, möchte Trywell seinem Sohn ermöglichen, in die Schule zu gehen. Diese kann er jedoch schon nach einiger Zeit nicht mehr besuchen, da die Familie das Schulgeld nicht bezahlen kann.

Kurz darauf werden auch noch für Geld große Teile des Landes an die Tabak-Industrie verkauft. Diese lässt für den Anbau von Tabak Bäume fällen, die nun nicht mehr die Felder der Farmer vor Überschwemmungen schützen können. Nach starkem Regen folgt eine lange Dürre-Periode und die Erträge reichen nicht, um Williams Familie in der Trockenzeit zu ernähren. Es beginnt eine starke Hungersnot, die Menschen beginnen die Ernte von anderen Dorfeinwohnern zu stehlen und auch die Maßnahmen der Regierung, Getreide an die Bewohner zu verteilen, lindern die Not kaum.

Was könnte die Bewohner nun noch retten?

Der wissbegierige Hauptdarsteller William Kamkwamba (Maxwell Simba), der trotz des mangelnden Schulgeldes weiterhin heimlich die Schulbücherei besucht und sich selbst mit Naturwissenschaft und Elektronik beschäftigt, hat eine einfallsreiche Lösung:
Der Bau eines Windrads.
Durch die Stromerzeugung könnte eine Wasserpumpe angetrieben werden, die die Felder auch während der Dürre bewässern kann. Jedoch benötigt William für die Propeller das Fahrrad seines Vaters, das aber das Einzige ist, was ihm noch blieb und er es angesichts dessen auf keinen Fall hergeben möchte…

Die Geschichte des Teenagers William Kamkwamba wird überzeugend und mit großer Authentizität dargestellt, wobei auch der Drehort eine große Rolle spielt. Der Film wurde nämlich ausschließlich in dem kleinen Dorf Wimbe, in dem William aufgewachsen ist, und in dem Bezirk Kasungu in Malawi gedreht. Den größten Teil des Films nimmt die Schilderung der Lebensumstände von William ein. Diese wirkt aber nicht langweilig, sondern bringt dem Zuschauer mit Gefühl und beeindruckenden Aufnahmen von weiten Feldern und einfachen Häusern in Kasungu die Welt, in der William aufgewachsen ist, näher. Von mangelndem Geld für Bildung von William oder für den Besuch einer Universität seiner großen Schwester über eine Hungersnot und Kritik an der mangelnden Hilfe der Regierung kommt es schließlich mit gelungener Spannung zum Höhepunkt der Geschichte.

Eine geglückte Verbindung einer Erzählung der heldenhaften Geschichte eines dreizehnjährigen Jungen, der versucht, sein Dorf mit Holz, Elektroschrott, einem Fahrraddynamo und dem Fahrrad seines Vaters zu retten, mit einer informativen und zugleich berührenden Dokumentation der dort herrschenden Probleme und Lebensumstände.

Der Film „Der Junge, der den Wind einfing“ ist mit seiner überzeugenden und emotionalen Erzählweise der wahren Geschichte von William Kamkwamba sehr empfehlenswert.

Netflix (2019), Länge 113 Minuten, FSK 12

Quellen:
Ejiofor, Chiwetel (2019): Der Junge, der den Wind einfing [Film], Großbritannien: BBC Films
https://www.bmz.de/de/laender/malawi
https://www.bmz.de/de/laender/malawi/soziale-situation-15216
https://worldpopulationreview.com/country-rankings/least-developed-countries
https://worldpopulationreview.com/country-rankings/poverty-rate-by-country

BlackRock – der unbekannte Riese

Viele Menschen kennen sicherlich das Märchen von Aladdin und dem Flaschengeist, der ihm drei Wünsche erfüllt, ihn zum Prinzen macht und zu Reichtum verhilft. Wagt man sich nun von der Märchenwelt in die Realität, genauer gesagt in die Finanzbranche, und wirft einen Blick auf die aktuellsten Entwicklungen, wird man früher oder später auf eine Computersoftware stoßen, die als Namensvetter des arabischen Prinzen bekannt ist.

Das sogenannte Aladdin-Programm. Sie wissen über das Aladdin-Programm Bescheid? Dann sind Sie wohl besser informiert als ein Großteil der Bevölkerung. Unglücklicherweise wissen nur sehr wenige Menschen etwas über das Aladdin-Programm, obwohl es unser Leben und die Welt tagtäglich beeinflusst und der Firma, die es entwickelt hat, ungeheure Macht verleiht. Das Unternehmen, um das es sich handelt, trägt den Namen BlackRock.

Bei BlackRock handelt es sich um einen US-amerikanischen Finanzdienstleister. Mit einem verwalteten Vermögen von über sechs Billionen Dollar ist BlackRock der größte Vermögensverwalter der Welt. Doch was macht eine Vermögensverwaltung überhaupt? Einfach gesagt ist die Aufgabe eines Vermögensverwalters, aus Geld noch mehr Geld zu machen. Privatleute, Unternehmen oder Staaten übergeben ihr Geld an eine Vermögensverwaltung und erlauben ihnen das Geld in Aktien, Anleihen oder Immobilien zu investieren. Doch wieso wird gerade BlackRock so viel Geld anvertraut?

Der Grund dafür ist das bereits oben erwähnte Aladdin-Programm. Bei Aladdin, kurz für Asset, Liability, Debt and Derivative Investment Network, handelt es sich um eine spezielle Computersoftware, die durch die Analyse von millionenfachen Daten Auskunft über die Entwicklung des Finanzmarktes geben kann. Beispielsweise kann Aladdin voraussagen, wie sich eine Dürre in Afrika, ein Krieg im Nahen Osten oder die Aussage eines Regierungschefs auf den weltweiten Finanz- und Kapitalmarkt auswirken kann und prognostiziert den Wertverlauf von Aktienfonds. Dass das Aladdin- Programm sehr gut funktioniert und BlackRock einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschafft, beweist der enorme Erfolg von BlackRock in den letzten Jahren.

Doch in letzter Zeit wächst auch die Kritik am größten Vermögensverwalter der Welt. Die Journalistin Heike Buchter skizziert in ihrem Buch „Blackrock – Eine heimliche Weltmacht greift nach unserem Geld“ einen Finanzdienstleister mit Monopolstellung, der die gesamte Wirtschaft beherrscht. Diese Einschätzung scheint übertrieben zu sein, nichtsdestotrotz besitzt BlackRock eine enorme Macht auf dem Finanzmarkt. Fakt ist, dass BlackRock weltweit an den größten Unternehmen beteiligt ist und beispielsweise in Deutschland an allen 30 Dax-Unternehmen Anteile besitzt. Der Vermögensverwalter verfügt also in allen wirtschaftlichen Bereichen Stimmrechte und kann somit aktiv über den Kurs der wichtigsten Unternehmen und somit über den Kurs der Weltwirtschaft mitbestimmen. Für unser tägliches Leben wirkt sich dies u.a. auf die Höhe der Immobilien- oder Lebensmittelpreise, die Zahl der Arbeitslosen und letztendlich wie zufrieden jeder Einzelne von uns ist aus.

In Zukunft wird man sehen müssen, welche Rolle BlackRock bei wichtigen Fragen wie Klimaschutz, der Euro-Krise oder den Immobilienpreisen spielt und ob sie ihrer großen Verantwortung gerecht werden.

 Quellen:

https://orange.handelsblatt.com/artikel/54128

https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/blackrock-wie-blackrock-die-konzerne-kontrolliert/21126514.html

https://www.businessinsider.de/wirtschaft/eine-doku-beleuchtet-die-unheimliche-macht-von-blackrock-2019-9/

https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/blackrock-die-angst-vor-dem-schwarzen-riesen-a-1052320.html

https://youtu.be/boBWNWkf8kk