Archiv für den Tag 14. Januar 2024

Zucker – Dieses weiße Pulver, das abhängig macht

Weltweit sind beinahe zwei Milliarden Menschen übergewichtig. Die WHO empfiehlt, höchstens zehn Prozent des täglichen Energiebedarfs durch Zucker zu decken. Das entspricht etwa 50 Gramm, zehn Teelöffeln oder 14 Stücken Würfelzucker pro Tag. In Deutschland wird diese Richtlinie jedoch deutlich überschritten. Laut der Nationalen Verzehrstudie II nehmen Männer durchschnittlich 13 Prozent ihrer täglichen Kalorien in der Form von Zucker zu sich, bei Frauen sind es 13,9 Prozent und der DONALD-Studie zufolge sind es bei Kindern sogar 16,3 Prozent.

Grundsätzlich ist die Aufnahme von Zucker nicht automatisch schlecht, da der menschliche Körper eine beständige Versorgung mit Traubenzucker (Glucose) benötigt, um funktionieren zu können, denn dieser stellt den Brennstoff für die Energiegewinnung in den Zellen dar. Deshalb sollte man eine Unterzuckerung vermeiden, denn eine solche kann, vor allem, wenn sie länger anhält, zu verheerenden Folgeerscheinungen, wie diversen Krankheiten, führen. Man sollte darauf achten, einen Mindestzuckergehalt von 80 bis 100 Milligramm Zucker in 100 Milliliter Blut aufrecht zu erhalten.

Man kann zwischen verschiedenen Arten von Zucker unterscheiden, die im Körper jedoch alle zu Glucose abgebaut werden können. Zum einen gibt es die natürlichen Formen von Zucker, wie beispielsweise Stärke oder Fruchtzucker, die man zusammen mit Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen, die den Glucosefluss bremsen, einnimmt, wodurch die Glucose langsamer ins Blut übergeht.

Zum anderen existiert der industriell hergestellte Haushaltszucker, den die meisten Menschen meinen, wenn sie von „Zucker“ sprechen. Dieser wird in der Regel in höheren Mengen mit kaum Begleitstoffen eingenommen, wodurch der Blutzuckerspiegel schnell ansteigt und letztendlich viel Energie frei wird. Dadurch wird man vorübergehend leistungsfähiger und glücklicher. Allerdings ist nach der übermäßigen Einnahme dieses Zuckers der Blutzuckerspiegel schnell erschöpft, da die Glucose nicht gleichmäßig verwertet wird, wie es bei den natürlichen Zuckerquellen der Fall ist. Dadurch stellen sich Zustände wie Energielosigkeit und Müdigkeit bei dem Konsumenten ein. Im Folgenden ist mit „Zucker“ dieser Haushaltszucker gemeint.

Für den übermäßigen Verzehr von Zucker gibt es verschiedene Gründe. Einerseits ist der Mensch durch seine Vorfahren darauf gepolt, Zucker zu bevorzugen, da etwas Süßes Energie liefert und in der Natur selten giftig ist. Andererseits kann der Verzehr bestimmter Zuckermengen genetisch bedingt sein oder aus Essgewohnheiten resultieren. Hinzu kommt, dass viele Kinder dahin trainiert werden, etwas Süßes als Belohnung zu verorten. Es gibt aber auch Abläufe im Körper, die eine Entwicklung von Zuckersucht begünstigen: Um den Zucker zu den Zellen transportieren zu können, um Energie freizusetzen, benötigt der Körper Insulin. Wenn viel Zucker auf einmal zur Verfügung steht, wird auch entsprechend viel Insulin ausgeschüttet. Dieses Hormon hat aber auch die Funktion, die Bildung von Serotonin, einem Glückshormon, zu aktivieren. Auch der Dopaminspiegel wird durch den Verzehr von Zucker erhöht. Dadurch werden die Belohnungs- und Lustzentren im Gehirn gesteuert. Deshalb nehmen viele Menschen übermäßig viel Zucker zu sich, um ihren Glückszustand aufrecht zu erhalten. Das Problem ist, dass bei einem langfristigen Verzehr von Zucker der Dopaminspiegel wieder gesenkt wird, was zu dem Verlangen nach immer mehr Zucker führt. Somit wird der Zucker mit anderen Drogen vergleichbar.

Die Folgen einer Zuckersucht sind weitreichend. Wenn man regelmäßig zu viel Zucker isst, steigt nicht nur die Wahrscheinlichkeit von Karies, einer Fettleber und Übergewicht, sondern das Immunsystem wird geschwächt, wodurch der Mensch anfälliger für Infektionskrankheiten wird. Außerdem ist eine Irritation des Blutzuckers entzündungsfördernd. Das stellt eine Voraussetzung für chronische Krankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Rheuma und Depressionen, dar.

Zuckersucht liegt aber nicht ausschließlich in der Verantwortung der Konsumenten. Die Lebensmittelindustrie lässt dem Verbraucher kaum noch eine Möglichkeit, industriellem Zucker zu entkommen, denn die Lebensmittelkonzerne befinden sich im Wettbewerb zueinander und müssen deshalb versuchen, den Konsumenten für sich zu begeistern. Eine gängige Strategie hierbei ist, Zucker in Fertigprodukte zu mischen, wo er gar nicht vermutet wird, da er den Geschmack abrundet, als natürlicher Geschmacksverstärker fungiert, ein Konservierungsstoff ist und krosse Oberflächen schaffen kann. Damit werden die Lebensmittel für den Konsumenten attraktiver. Um die Beinhaltung von Zucker möglichst unkenntlich zu machen, wurden manipulative Methoden entwickelt. So versteckt er sich hinter zahlreichen Namen und oft befinden sich verschiedene Arten von Zucker in einem Produkt. Auf der Zutatenliste rückt er somit um einige Plätze nach hinten und ist bei einem schnellen Überfliegen dieser Liste nicht sofort präsent. Wenn man seinen Konsum von Zucker ein wenig reduzieren möchte, wäre es also ratsam, sich die verschiedenen Begriffe für Zucker anzusehen und die Zutatenlisten und Nährwerttabellen auf Fertigprodukten zu beachten.

Da die übermäßige Aufnahme von Zucker, wie bereits erklärt, negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen hat, trägt sie zur Überlastung des Gesundheitssystems bei. Wegen der Dringlichkeit dieses Problems hat die Bundesregierung die Lebensmittelhersteller bereits dazu aufgefordert, den Zuckergehalt zu verringern. Doch durch das Eingreifen diverser Lobbys wird die Beschließung von Gesetzen bezüglich des Zuckergehalts verhindert, da diese das Wirtschaftswachstum gefährden würden. Schließlich bringt der Vertrieb von zuckerhaltigen Produkten eine Menge Geld ein und es gibt für die Lebensmittelindustrie günstige Abmachungen bezüglich des Zuckerhandels. Zudem bringen erkrankte Menschen Ärzten und der Pharmazie keine geringen Summen an Geld ein.

Dennoch gehen andere Länder bereits politisch gegen die manipulativen Strategien der Lebensmittelkonzerne vor. Norwegen, Schweden, Irland und Großbritannien beispielsweise, verbieten die Werbung für Lebensmittel mit viel Zucker in Radio- und Fernsehprogrammen, deren Zielgruppe Kinder sind. Chile versteuert Produkte mit hohem Zuckergehalt höher und kennzeichnet sie mit Warnsymbolen.

Vielleicht siegt auch in Deutschland irgendwann die Sorge um das Wohl der Menschheit seitens der Politik über wirtschaftliche Eigeninteressen von Konzernen. Bis dahin hat es der Konsument in der Hand, wie viel er sich über seine Ernährung informiert und ob er darauf achtet. Lohnen würde sich das sicherlich, denn durch eine Ernährung, die den Bedürfnissen des Körpers entspricht, kann einer Menge Krankheiten vorgebeugt werden.

Quellen:

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/ernaehrung/lebensmittel/zucker-uebersicht/zucker

https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Zucker-Gefaehrlich-fuer-die-Gesundheit,zucker133.html

https://www.deutschlandfunk.de/zucker-das-geschaeft-mit-dem-suessen-stoff-100.html

https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Zucker-Kinder-als-Zielgruppe-der-Lebensmittelindustrie,zucker672.html

Die zunehmende Radikalität der Sprache

Wenn man Reden hört, in denen Menschen als „Ungeziefer“ bezeichnet werden, die man „ausrotten“ werde, dann formen sich direkt Gedanken über den deutschen Nationalsozialismus. Damals wurden diese Worte benutzt, um anderen Menschen, vor allem Juden, ihre Menschlichkeit zu nehmen, um ihnen sämtliche Würde und Rechte abzusprechen und sie letzten Endes in großer Zahl grausam zu ermorden. Schon zu dieser Zeit wurde die Sprache als Waffe benutzt, um die Menschen an eine radikale, menschenverachtende Sprache zu gewöhnen und damit schlimme Verbrechen weniger schrecklich klingen zu lassen. Diese Strategie funktionierte damals zum entsetzlichen Leid Vieler und sie wird heutzutage wiederentdeckt.

Die Worte vom Anfang dieses Artikels stammen aus einer Rede des ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten Donald Trumps auf einer seiner Wahlkampfveranstaltungen im November 2023. Als „auszurottendes Ungeziefer“ bezeichnet er „Marxisten, Faschisten und linksradikale Gangster“, welche laut ihm „lügen, stehlen und bei Wahlen betrügen“. Und als wäre das nicht schon schockierend genug, sagte er in einem Interview, dass Immigranten „das Blut unseres Landes vergiften“. Mit solchen Ausdrücken ahme er eindeutig die Sprache von Diktatoren wie Hitler und Mussolini nach, merkt Joe Biden, der amtierende Präsident der USA, an. Zudem stellt Trump sich als Befreier von all den genannten autoritären Strömungen dar, wie es schon Mussolini zu seiner Zeit tat und sich letztendlich selbst zum Diktator erhob. Man fragt sich, wie es immer noch so viele Amerikaner gibt, welche voller Überzeugung auf der Seite Trumps stehen. Eine seiner Strategien, um das zu befeuern, ist die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft. Diese ist heute wohl stärker als je zuvor in die beiden Lager der Demokraten und der Republikaner geteilt. Eine Annäherung ist kaum möglich und eine große Zahl von Trumps Unterstützern steht fest hinter seinen falschen Behauptungen, wie der des Wahlbetrugs der Demokraten im Jahr 2020. Ein richtiger, faktenbasierter Diskurs wird unmöglich, da die Aussagen der Gegenseite einfach als Lügen abgestempelt werden. Man blickt mit bange auf die nächsten Präsidentschaftswahlen, bei denen sich zeigen wird, ob Trumps Strategie der Spaltung für ihn aufgeht.

Und in Deutschland? Auch hier gibt es Tendenzen in der politischen Rhetorik, welche eindeutig auf extremes rechtes Gedankengut verweisen. Ganz prominent und in den Wahlen einen Aufwärtstrend aufweisend, ist die Alternative für Deutschland (AfD). Diese in einigen Bundesländern schon als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei verwendet zwar, von Ausnahmen abgesehen, eine abgeschwächte Rhetorik – dennoch radikalisieren sich ihre Forderungen vor allem in Bezug auf Migration und linke bzw. ökologisch angehauchte Meinungen und Parteien. Hier lässt sich ebenfalls das Prinzip der Spaltung einer Gesellschaft und das Schüren von Angst vor Veränderungen durch rechtspopulistische Äußerungen feststellen.

Auf der gesamten Welt wurde und wird die Sprache zunehmend missbraucht, um zu polarisieren und zu radikalisieren. Es wird zudem die Grenze zwischen Meinungen und Fakten verwischt. Die Bedeutung (selbst-)reflektierter Gedankengänge ist somit enorm. Es wäre besser, würde man sich zuerst auch außerhalb der eigenen „Bubble“ informieren und hinterfragen, ob das, was einem vom Nachbarn erzählt wurde, wirklich wahr bzw. ob es auf eine bestimmte Situation hin anwendbar ist. Auf diese Weise könnte man Vorurteilen und extremen Gedanken wenigstens ein wenig entgegenwirken. Außerdem stehen auch vor allem Politiker in der Verantwortung, sich von radikalen Parteien klar zu distanzieren und einen sachlichen Diskurs im Sinne der ganzen Bevölkerung zu führen, anstatt sich emotionalen, populistischen Aussagen hinzugeben oder sie zu dulden.

Quellen:

https://www.br.de/nachrichten/bayern/afd-neue-radikalitaet-der-sprache,TWsKkSQ

https://www.fr.de/politik/praesident-usa-nazi-rhetorik-gouverneur-illinois-trump-wahl-zr-92685445.html

https://www.spiegel.de/ausland/donald-trump-nennt-politische-gegner-ungeziefer-kritiker-ziehen-hitler-vergleich-a-0682126d-bcdd-48cd-89c9-e71a0df0aba4

https://www.washingtonpost.com/politics/2023/11/12/trump-rally-vermin-political-opponents/

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2023-12/afd-in-sachsen-als-gesichert-rechtsextrem-eingestuft

Tiktok-Onlinehandel: neue Indizien für den Start eines eigenen (europaweiten) Onlineshops

Der Social-Media-Gigant TikTok steht Berichten zufolge vor einer Expansion. Die Plattform plant die Umsetzung eines eigenen europaweit zugänglichen Onlineshops. Dieser Schritt könnte Auswirkungen auf die gesamte E-Commerce-Branche Europas haben.

TikTok hat in Deutschland momentan rund 20 Million Nutzer, darunter befinden sich vor allem Jugendliche. Die Plattform besteht aus bearbeiteten und mit Sounds oder Filtern hinterlegten Kurzvideos. Sie dient hauptsächlich zur Unterhaltung.

Das chinesische Social-Media-Format dominiert aktuell Trends und Mode. Gleichzeitig ist es auch eine sehr erfolgreiche Werbeplattform, die von Influencern zur Vermarktung von Produkten verwendet wird. Nun steht die Theorie im Raum, der Konzern wolle einen eigenen Onlineshop starten, um Onlinehandel auf europäischer Basis zu betreiben.

Es gibt zahlreiche Indizien, die dafürsprechen. Beispielsweise existiert das Konzept bereits in einigen Ländern, denn das Unternehmen führt dort einen solchen Onlineshop. In den USA, Großbritannien und einzelnen asiatischen Ländern ist es Nutzern bereits möglich, direkt in der TikTok-App Einkäufe zu tätigen. Der Onlineshop trägt dort den Namen TikTok Shop und vereinfacht den gesamten Prozess. Konsumenten können somit auf direktem Weg in der TikTok-App einkaufen. Das Konzept funktioniert also und lässt sich somit theoretisch auf weitere Länder übertragen.

Ein weiterer Aspekt, der darauf schließen lässt, sind auch einige vor kurzem geschaltete Stellenanzeigen für TikTok-Mitarbeiter. In Amsterdam suchte der Konzern beispielsweise nach einem ,,Senior Fulfillment Solutions Manager“, in dessen Aufgabenfeld der Aufbau eines ,,Warenlager-Netzwerkes“ und ,,[…]die Planung und der Entwurf von Logistiklösungen für Großbritannien und die gesamte EU[…]“(https://omr.com/de/daily/tiktok-shop-europa) falle. Die Suche nach Mitarbeitern auf einer Position mit derartigen Qualifikationen ist in diesem Kontext auffällig. Schließlich erfordert die genannte Arbeitsstelle Kenntnisse, die auch beim Betrieb eines internationalen Onlineshops benötigt werden.

TikTok stellt aufgrund seiner bereits bestehenden Reichweite außerdem eine potenzielle Konkurrenz für andere Onlinehändler dar. Beispielsweise für die beiden Unternehmen Otto und Zalando, die beide vor kurzem noch Verluste verzeichneten. Auch die Tagesschau fragt sich, ob ,,[..] TikTok bald Europas Onlinehandel Konkurrenz [..]“(Startet TikTok bald einen eigenen Onlinehandel in Europa? | tagesschau.de) machen könnte. Falls der Konzern also tatsächlich seinen Onlinehandel in Zukunft in ganz Europa betreibt, könnte ihm sein Konzept hohe Gewinne einbringen und er könnte große Marktmacht erlangen. Vermutlich wird er sogar eine führende Kraft in der europäischen E-Commerce-Branche werden.

Was man jedoch nicht außer Acht lassen sollte, ist, dass diese Entwicklung auch negative Folgen mit sich bringen kann. Die Nutzerbasis der Plattform bildet die jüngere Generation. Sie wäre somit als Zielgruppe von TikTok Shop vorgesehen. Viele Jugendlichen sind jedoch nicht geübt im richtigen Umgang mit Geld. Durch den Einfluss der sozialen Medien und der Vielzahl an Trends könnte es zu mehreren unüberlegten Kaufhandlungen kommen, was sogar zu Verschuldung führen könnte. Jugendliche Nutzer wären dem also gewissermaßen ausgeliefert. 

Bisher wurden die Spekulationen über den Einstieg des Social-Media-Giganten in den europäischen Onlinehandel noch nicht offiziell bestätigt. Doch inoffiziell gab es bereits Andeutungen einzelner Mitarbeiter bezüglich der Expansion von TikTok Shop für Anfang 2024. Ob und in welchem Ausmaß der Konzern den europäischen Markt beeinflussen könnte, lässt sich momentan nur vermuten.    

Quellen:

https://omr.com/de/daily/tiktok_shop_europa

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/digitales/tiktok-shop-ecommerce-100.html

https://webbrand.de/blog/artikel/tiktok-als-werbeplattform-nutzen

Ein Paukenschlag zu Weihnachten – Revolution im Vatikan

Am Montag, den 18.12.2023, wurde nach jahrelanger Diskussion ein von vielen als fast schon revolutionärer Schritt der katholischen Kirche begangen. Man könnte auch sagen, dass ein neuer Meilenstein gelegt wurde. Das römische Dikasterium für die Glaubenslehre hat eine Erklärung (fiducia supplicans = das flehende Vertrauen) veröffentlicht, in der es unehelichen homosexuellen Paaren in Zukunft erlaubt sein soll, im katholischen Glauben und auch in der Kirche gesegnet werden zu können. Der mehrseitige Text ist insgesamt in 45 Absätze unterteilt.

Damit diese Regelung grundsätzlich gelten kann, wird die Segnung für homosexuelle Paare klar von dem eigentlichen Sakrament der Ehe getrennt. Dieses „Ritual“, wie es oft genannt wird, darf nämlich nicht einer Eheschließung ähneln. Eine Eheschließung kann weiterhin nur zwischen Mann und Frau stattfinden. Dazu kommt, dass die Segnung für homosexuelle Paare nicht in Form eines Gottesdienstes stattfinden darf, da diese Segnung nicht dem Schöpfungsplan Gottes entspricht. Nach der katholischen Lehre der Ehe ist diese „ausschließliche, dauerhafte und unauflösliche Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau, die von Natur aus offen ist für die Zeugung von Kindern“ der Maßstab, um das Sakrament der Ehe eingehen zu können.

„Die Segnungen können als eines der am weitesten verbreiteten und sich ständig weiterentwickelnden Sakramentalien betrachtet werden“, heißt es mitunter in dem Schreiben. Sie schaffen es, dass der Mensch der Gegenwart Gottes in sämtlichen Situationen im Leben begegnen kann.

Mit den Worten: „Auf diese Weise wird jeder Bruder und jede Schwester spüren können, dass sie in der Kirche immer Pilger, immer Bettler, immer geliebt und trotz allem immer gesegnet sind“, endet das Schreiben aus dem Vatikan.

Wichtig hierbei ist auch die Rolle des Papstes, der die Erklärung selbst mitunterzeichnet hat, und somit auch als eine Äußerung seinerseits zu dieser Thematik gesehen werden kann. Ihm ist wichtig, dass niemand ausgeschlossen wird und die katholische Kirche eine Kirche für alle ist, und sich nach außen hin öffnet.

Obwohl es die letzten Jahre immer wieder Grundsatzdiskussionen um dieses brenzlige Thema gab, und der Vatikan noch im Februar 2021 mitteilte, dass Segnungen homosexueller Paare in der katholischen Kirche nicht möglich wären, hat sich nun einiges geändert. Die Kirchenvertreter und Bischöfe in Deutschland haben die Erlaubnis für die Segnungen auf jeden Fall begrüßt. Vereinzelt wurden solche Segnungen von Geistlichen in Deutschland bereits in der Vergangenheit ausgeführt und somit befürwortet.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Vatikan dieser Thematik gegenüber in Zukunft positionieren wird, und ob noch weitere Barrieren für Homosexuelle eingerissen werden können. Dennoch muss man heute schon anerkennen, dass der von der katholischen Kirche getätigte „Meilenstein“ für viele homosexuelle Paare jetzt schon ein großer Schritt ist in Richtung Öffnung und Veränderung. Die Aussage von Papst Franziskus aus seinem Pontifikat im Jahr 2013: „Wenn jemand homosexuell ist und guten Willens nach Gott sucht, wer bin ich darüber zu urteilen“, lässt einen auf jeden Fall positiv in die Zukunft schauen.

https://press.vatican.va/content/salastampa/it/bollettino/pubblico/2023/12/18/0901/01963.html#DE

https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/vatikan-segnung-priester-homosexuelle-paare-100.html

https://www.spiegel.de/panorama/katholische-kirche-papst-franziskus-erlaubt-segnung-unverheirateter-und-homosexueller-paare-a-43a26761-31c0-42ed-8bb2-2504aef7575e

https://www.tagesschau.de/ausland/katholische-kirche-segnung-homosexuelle-100.html

https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/katholische-kirche-kurswechsel-im-vatikan/ar-AA1lGRE3

https://www.katholisch.de/artikel/49659-bischoefe-begruessen-vatikan-erklaerung-zur-segnung-homosexueller-paare

Doppelmoral*in

Bitte folgendes Bild einfügen:

Liebe Leserinnen und Leser, Leserinnen/Leser, Leser(innen), LeserInnen, Leser*innen oder doch einfach nur Leser? Bei den vielen, unterschiedlichen Möglichkeiten des Genderns kann man schon mal schnell den Überblick verlieren, jedoch steht hinter all diesen Formulierungen derselbe Gedanke: Ein Sprachgebrauch, welcher Männer und Frauen oder auch nicht-binäre Personen inkludiert. Genau so wie unsere Gesellschaft sich in einem ständigen Wandel befindet, so verändert sich auch unsere Sprache. Eine Gesellschaft, die versucht, geschlechtergerechter und toleranter zu werden und dies wörtlich auszudrücken, scheint zunächst niemandem schaden, sondern das Gegenteil erreichen zu wollen. Jedoch könnte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder wohl eine Bedrohung darin zu sehen, da er ein Verbot gegen das Gendern ankündigte.

In seiner Regierungserklärung am 5. Dezember 2023 sprach sich Markus Söder gegen verpflichtendes Gendern aus. Außer den Worten „Im Gegenteil, wir werden das Gendern in Schulen und Verwaltungen sogar untersagen, meine sehr verehrten Damen und Herren“ gab er jedoch keine genaueren Details bekannt. Diese müssten nämlich laut einem Sprecher noch „erarbeitet“ werden, was jedoch die Abgeordneten der CSU, der Freien Wähler und der AfD nicht zu stören schien, als sie auf Söders Ankündigung mit Applaus reagierten. Ebenso mag die absurde Widersprüchlichkeit, die in den Aussagen des Ministerpräsidenten mehrmals auftaucht, kein Problem zu sein. So bemängelt er zunächst an der Ampel-Bundesregierung, dass diese sich nicht ausreichend mit wichtigen Themen auseinandersetzt, welche die gesamte Bevölkerung betreffen. Laut Söder sind „all die Debatten“, die sich ums Gendern drehen, unwichtig. Ganz falsch liegt er hier nicht, schließlich gaben bei einer Umfrage von Infratest dimap für den WDR 62 Prozent der Befragten an, das Gendern sei ihnen weniger oder gar nicht wichtig. Man kann jedoch nicht leugnen, dass Söder die Diskussion um dieses Thema kritisiert und gleichzeitig selbst daran teilnimmt. Die bayerische Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze ging sogar so weit, Söders Verhalten als „Obsession für das Thema Gendern“ zu bezeichnen. Jedoch mal objektiv betrachtet, lässt sich sagen, dass das Thema den Ministerpräsidenten tatsächlich seit längerer Zeit beschäftigt, da es seit zwei Jahren in mehreren seiner Reden zur Sprache kommt. Am Anfang lag der Fokus aber darauf, sowohl die Pflicht zu gendern als auch feste Vorgaben dagegen zu vermeiden. Vor zwei Jahren meinte er auf Facebook: „Jede und jeder darf Sprache verwenden, wie sie und er will. (…) Bayern ist ein Freistaat und kein Belehrungsstaat.“. 2023 hieß es: „Jeder soll es persönlich halten, wie er es will!“ Erneut widerspricht Söder mit seinem Verbot seinem früheren Selbst. Dass er hier bei seiner Formulierung von der sogenannten Paarformel zum generischen Maskulinum wechselte, wird wohl kaum eine unbewusste Entscheidung gewesen sein.

Ob man meint, dass Söder mit seinem Verbot nur dem Rat für deutsche Rechtschreibung, welcher vorerst, der grammatischen Einfachheit wegen, eine Empfehlung des Genderns ablehnt, folgen möge oder dass er laut dem bayerischen Elternverband „in populistischer Art die geltende Rechtslage“ darstelle, muss jeder und jede für sich selbst entscheiden. Rein rechtlich gesehen könnten aber mit einem solchem Verbot, keine unverhältnismäßigen Strafen einhergehen. So wird wohl wie bisher weiterhin gelten, dass das Gendern bei Schülern nicht als Fehler gewertet werden darf, andererseits darf auch niemand zum Gendern gezwungen werden. Auf Kritik wie „Ein Verbot ohne Sanktionen hat allenfalls symbolischen Charakter.“ Vom Vorsitzenden des Elternverbandes, Martin Löwe, oder dass es nicht „notwendig und zielführend“ sei laut Micheal Schwägerl, Vorsitzender des Philologenverbandes, reagierte Söder defensiv. Letztlich wird aber auch der Staat die Entwicklung der Sprache nicht aufhalten können, denn wie wir außerhalb von Schulen und Verwaltungen sprechen, kann nicht vorgeschrieben werden.

Quellen:

https://www.br.de/nachrichten/bayern/soeder-und-das-gender-verbot-viel-wirbel-und-offene-fragen,TxeAevt

https://www.zeit.de/news/2023-12/05/bayern-soeder-kuendigt-gender-verbot-an

https://www.sueddeutsche.de/bayern/gendern-verbot-soeder-kritik-spaltung-schulen-1.6315242

https://www.sueddeutsche.de/bayern/gendern-bayern-verbot-soeder-schulen-kritik-lehrer-1.6316084