Archiv für den Monat Dezember 2023

Fachkräftemangel in Deutschland – Trotz Arbeitslosigkeit herrschen Engpässe auf dem Arbeitsmarkt

Deutschland steht vor einer Herausforderung: Trotz einer vorhandenen Arbeitslosigkeit lässt sich eine wachsende Lücke an hochqualifizierten Fachkräften erkennen. In bestimmten Branchen und Regionen können schon heute offene Stellen nicht mit geeigneten Fachkräften besetzt werden. Viele Unternehmen sind deshalb bereits akut von dem Mangel an Fachkräften betroffen.

Im Jahr 2022 hat der Personalengpass einen Höchststand erreicht, rund 630 000 Stellen konnten nicht besetzt werden. Jedoch wurden in Deutschland im selben Jahr durchschnittlich fast 2,5 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das scheint sich zu widersprechen: Wie kann es zu wenige Fachkräfte geben, wenn immer noch viele Menschen einen Job suchen?

Ein wesentlicher Faktor, der besonders in der Zukunft einen entscheidenden Einfluss auf den herrschenden Fachkräftemangel haben wird, ist die demografische Entwicklung. Wie andere Industriestaaten auch steht Deutschland vor weitreichenden demografischen Herausforderungen. Die Alterspyramide verändert durch niedrige Geburtenzahlen und steigende Lebenserwartung grundlegend ihre frühere Struktur. Folglich sieht sich Deutschland mit einer alternden Bevölkerung und einem schrumpfenden Arbeitskräftepotential konfrontiert. Die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit, die sogenannte Baby-Boomer-Generation, welche durch das Wirtschaftswachstum in den 50er- und 60er-Jahren hervorgerufen wurde, tritt in den Ruhestand, somit verlassen viele qualifizierte Arbeitskräfte den Arbeitsmarkt. Auch der Nachwuchs kann diese Lücke nicht immer ausreichend füllen. Denn Deutschland befindet sich aktuell in der vierten Phase des demografischen Übergangs, dort stabilisiert sich die Geburtenrate auf niedrigem Niveau. Die Sterberate lässt sich ebenfalls stabil auf niedrigem Niveau erkennen. Demnach herrscht in der Bundesrepublik ein langsames Bevölkerungswachstum. Dies führt zu einem Ungleichgewicht zwischen der Nachfrage nach Fachkräften und dem verfügbaren Angebot.

Eine weitere Ursache für den Fachkräftemangel ist die Diskrepanz zwischen den verfügbaren Arbeitskräften und den Anforderungen der Arbeitswelt. Oft passt das, was die Arbeitssuchenden können, nicht zu den Anforderungen der Unternehmen oder Firmen. Das Fehlen von spezifischen Fähigkeiten oder Qualifikationen kann die Fachkräftelücke verschärfen. Es ist daher wichtig, dass Bildungseinrichtungen eng mit der Wirtschaft zusammenarbeiten, denn nur so lässt sich sicherstellen, dass die Qualifizierung der Arbeitskräfte den aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes entspricht. Langfristig kann eine Qualifizierung den Mangel an gebildeten Fachkräften lindern. Somit werden die Arbeitsuchenden besser auf die Anforderungen, Erwartungen und Bedürfnisse der Unternehmen vorbereitet, wovon die gesamte Wirtschaft und der Arbeitsmarkt profitieren werden.

Zu den von Fachkräfteengpässen besonders betroffene Bereiche zählen unter anderem akademische Berufsgruppen in den Bereichen Medizin, Ingenieurwesen und Informationstechnologie, Gesundheitswesen und Handwerk. Aufgrund dieser branchenspezifischen Engpässe muss die duale Ausbildung in Deutschland gestärkt und angepasst werden. Diese Engpässe treten auf, wenn es in bestimmten Wirtschaftszweigen einen signifikanten Mangel an qualifizierenden Arbeitskräften gibt. Diese Problematik entsteht, wenn die Nachfrage nach bestimmten Fähigkeiten in einer Branche das Angebot an verfügbaren Fachkräften übersteigt. Ein Beispiel hierfür ist das Gesundheits- und Sozialwesen. Alten- und Krankenpfleger, Therapeuten und Sozialarbeiter werden aktuell und auch in Zukunft dringend benötigt. Der steigende Bedarf an Betreuungsdiensten verstärkt den Engpass. Erhebliche Auswirkungen auf die betroffenen Branchen sind zu erwarten, deshalb erfordern sie gezielte Maßnahmen, um die Ausbildung von Fachkräften in den betroffenen Bereichen zu fördern. Ziel ist es dabei, den Bedarf an Arbeitskräften zu decken.

Insgesamt ist der Fachkräftemangel in Deutschland trotz hoher Arbeitslosigkeit eine komplexe Herausforderung, die weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaft, Gesellschaft und die betroffenen Unternehmen und Einrichtungen hat. Die Bewältigung des Fachkräftemangels ist ein langfristiger Prozess, der eine Anpassung und Zusammenarbeit aller Beteiligten – von Bildungseinrichtungen über Unternehmen bis hin zu Politik – erfordert.

Quellen:

https://www.iwd.de/artikel/fachkraefteluecke-trotz-arbeitslosigkeit-wie-passt-das-zusammen-592877/https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/fachkraeftemangel-wirtschaft-hoechststand-100.htmlhttps://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/fachkraeftestrategie-2133284https://www.bmas.de/DE/Service/Presse/Pressemitteilungen/2022/fachkraeftegipfel-mehr-fachkraefte-fuer-deutschlands-zukunft.htmlhttps://studyflix.de/erdkunde/modell-des-demographischen-ubergangs-5395

Die Ukraine als Beitrittskandidat für die EU

Am Donnerstag, den 14. Dezember 2023, stimmte der Europäische Rat in Brüssel dem bereits am 8. November 2023 geäußerten Vorschlag der EU-Kommission, Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine aufzunehmen, zu. Dies soll vor allem ein klares außenpolitisches Zeichen der Solidarität mit der Ukraine sein und zugleich den Kampfeswillen der ukrainischen Bevölkerung gegen den Angriff Russlands stärken. Jedoch wurden bereits Bedenken bezüglich dieser vorerst nur symbolischen Verhandlungen geäußert.

Im Mai des Jahres 2022, als der Ukraine-Krieg bereits begonnen hatte, äußerte der französische Präsident Emmanuel Macron noch, dass die Ukraine ein: „EU-Mitglied der Herzen“ sei, dass die Aufnahme in die EU aber noch Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte dauern würden. Jedoch veränderte der fortdauernde Krieg mit Russland einiges in Bezug auf die Diplomatie mit der Ukraine, weshalb nun Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine aufgenommen wurden. Dies stelle laut Charles Michel einen „historischen Moment“ dar, welcher vor allem die Glaubwürdigkeit und Stärke der EU zeigt. Auch von Bundeskanzler Olaf Scholz folgte deutlicher Zuspruch. Obwohl die Ukraine noch nicht alle Auflagen für den Beitritt erfülle, so wurden die Beitrittsverhandlungen von der EU-Kommission empfohlen, vor allem weil sich jene Reformmaßnahmen bereits in der Umsetzungsphase befinden. So sollen die Beitrittsverhandlungen erstmal als Symbol der Solidarität mit der Ukraine dienen. Bis die Ukraine ein vollwertiges Mitglied der EU werden würde, würden ohnehin noch viele Jahre vergehen, wie etwa der noch niederländische Regierungschef Mark Rutte äußerte.

Aber bereits jetzt gibt es schon Bedenken, wie es mit einer Aufnahme der Ukraine in die EU weitergehen würde. Vor allem, weil die Ukraine das ärmste Land Europas ist, weit hinter Bulgarien, dem ärmsten Land der EU. Viele befürchten, dass ein Ukraine-Beitritt deswegen Unsummen an Geld verschlingen wird und dass auch viele ärmere EU-Staaten, welche bis jetzt Hilfen aus dem EU-Fond erhalten haben, zu Zahlern werden würden, was sich somit negativ auf die Wohlstandsentwicklung dieser Länder auswirken würde. Vor allem aus dem Agrarfond der EU hätte die Ukraine so viel Ansprüche auf Subventionen wie kein anderes Land. Dies, so fürchten einige Experten, könnte wiederum zu einer Überlastung des gesamten Finanzhaushaltes der EU, aufgrund einer Überbeanspruchung der Geldbezüge, führen. Aber auch die allgegenwärtige Korruption in der Ukraine bereitet vielen noch Sorgen – noch dazu, weil diese sogar in die höchsten Regierungskreise vorgedrungen zu sein scheint.

Trotzdem hat nur der ungarische Regierungschef Viktor Orban sich gegen die Beitrittsverhandlungen ausgesprochen. Während der Abstimmung über diese war Orban deswegen auch im Raum nicht anwesend. Dieses Vorgehen war so mit Orban abgesprochen, da eine Enthaltung bei solchen Bestimmungen nicht vorgesehen ist. Aus diesem Grund sei der Rat der EU auch komplett beschlussfähig gewesen. Orban sprach nach der Abstimmung über die Beitrittsverhandlungen, von einer „völlig sinnlosen, irrationalen und falschen Entscheidung“, da die Ukraine laut ihm einige der Reformauflagen noch nicht vollumfänglich erfüllt.

Obwohl die Ukraine auch laut der EU nicht alle Auflagen erfüllt, so sei sie auf dem besten Weg dies zu tun. Auch der Ukraine-Krieg und das damit verbundene geopolitische Interesse, die Ukraine vor Russland zu schützen, stehen bei dieser symbolischen Entscheidung wohl im Vordergrund. Auch wenn Ungarn sowie andere Gruppierungen ihre Bedenken über die Beitrittsverhandlungen geäußert haben, werden diese viele Ukrainer in ihrer pro-europäischen Haltung bestärken und könnten so ein weiteres und stärkeres Zusammenwachsen Europas fördern.

Quellen:

EU eröffnet Beitrittsverhandlungen mit Ukraine und Moldau | tagesschau.de

EU-Gipfel: Warum ein Ukraine-Beitritt auch Risiken birgt | tagesschau.de

EU-Kommission für Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine | tagesschau.deHohe Erwartungen der Ukraine an den EU-Gipfel | tagesschau.de

Kinderarmut in Mexiko: Herausforderungen und Perspektiven

„Denen, die wirklich arm sind, muss man helfen.“ Mit diesen Worten von Martin Luther rückt die Realität der Kinderarmut in Mexiko in den Fokus. In einem Land von umfangreicher Kulturgeschichte und Vielfalt stehen diese Worte als Aufruf zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit den sozialen Herausforderungen und Bedrohungen. In Mexiko gilt dies insbesondere der jüngeren Generation.

Probleme wie Gewalt, Unterernährung, mangelnder Zugang zu Bildung und Versorgung der Gesundheit stellen eine drastische Bedrohung für die betroffenen Kinder dar. Höchste Priorität und Aufgabe ist es, die Kinderarmut zu überwinden und die sozialen Ungleichheiten auszugleichen.

Mexiko ist ein Land großer Diversität und Ungleichheiten. Das Schwellenland steht an 15. Stelle der größten Volkswirtschaften und übernimmt wichtige Aufgaben bei der Bewältigung weltweiter und regionaler Herausforderungen. Es wird als Schwellenland bezeichnet, da es sowohl reiche Ressourcen als auch wirtschaftliche Ungleichheiten hervorruft. Die Wirtschaft ist geprägt von Industrie, Landwirtschaft und Dienstleistungen. Zahlreiche Unternehmen nutzen die niedrigen Löhne für ihre Produktions- und Fertigungsstätten. Mexiko ist demnach ein bedeutender Exporteur von Elektronik, Fahrzeug- und Machinenbauteilen. Doch das Vermögen zwischen den Bevölkerungsgruppen ist äußerst ungleich verteilt.

Obwohl die Entwicklung im Norden und Zentrum des Landes vorangetrieben wurde, ist der Süden noch mit den sozialen und ökonomischen Schwierigkeiten eines Entwicklungslandes konfrontiert. Dort lebt der größte Teil der indigenen Bevölkerung, die immer noch wirtschaftlich und strukturell ausgegrenzt wird.

Geld allein macht zwar nicht glücklich, trägt aber entscheidend zum Lebensstandard bei. Armut, schlechte Bildungsmöglichkeiten, Korruption und Drogenhandel bestimmen in Mexiko den Alltag. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung im Süden Mexikos leidet unter diesen Bedrohungen. Vor allem die Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien bekommen diese Problemen drastisch zu spüren.

Die weit verbreitete Armut ist mitunter die Hauptursache für den mangelnden Zugang zu angemessener Bildung, Gesundheitsvorsorge und Ernährung. Durch die Armut kommt es häufig zu einer Unterernährung, wovon Kinder, die auf dem Land in armen Verhältnissen aufwachsen, betroffen sind. Diese ernsthafte Dimension wird aufgrund finanzieller Einschränkung durch den begrenzten Zugang zu ausreichend nahrhafter Nahrung und Wasser beeinflusst. Darüber hinaus kann die Unterernährung durch die mangelnde Gesundheitsversorgung verschärft werden. Dies führt zu körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen der Entwicklung der Kinder.

Besorgniserregend ist neben der Gefährdung der Gesundheit aufgrund der Armut auch die Gewalt gegen Kinder. Mehr als die Hälfte der Kinder sind Opfer häuslicher Gewalt, dies spiegelt die problematischen Lebensbedingungen vieler Kinder in den armen Regionen Mexikos wider. Denn Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien sind oft die ersten, die die Auswirkungen dieser Herausforderungen zu spüren bekommen. Der Kampf der Familien mit den grundlegenden Bedürfnissen hat eine Vernachlässigung der Kinder und Missbrauch in Form von körperlichen Bestrafungen oder psychischen Ausgrenzungen durch Bezugspersonen zufolge. Zudem werden Straßenkinder oftmals Opfer von Gewalt durch ihre Arbeitgeber oder auch durch Menschenhändler. Ausbeutung und Kinderarbeit ist die Realität in Mexiko, die nicht zu verharmlosen ist.

Um den schlechten Lebensbedingungen der Kinder entgegenzuwirken, gibt es verschiedene Organisationen, die sich weltweit gegen Kinderarbeit und für eine bessere Zukunft der betroffenen Kinder einsetzen.

UNICEF ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (United Nations Children’s Fund). Dieses Programm konzentriert sich primär auf das Wohlergehen von Kindern weltweit, es ist in über 190 Ländern im Einsatz und hilft, dass Kinder die Möglichkeit zur Bildung und Versorgung erlagen. Die Organisation finanziert sich durch freiwillige Beiträge und Spenden von Unternehmen oder Privatpersonen. Damit haben sie die Möglichkeit, beispielsweise Brunnen, Schulen oder Gesundheitsstationen auszubauen und somit die Kinder und Familien zu entlasten.

Quellen:

https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/-/bericht-migration-zentralamerika-mexiko/277394

https://www.unicef.de/informieren/ueber-uns/unicef-einfach-erklaert

https://www.tdh.de/was-wir-tun/projekte/mittelamerika/mexiko/

Die Brückenklasse – Integrationsförderung am Gymnasium Seligenthal

„Den zu uns flüchtenden Kindern und Jugendlichen wollen wir möglichst viel Normalität und dann auch einen Schulbesuch ermöglichen, der ihnen ein Gefühl der Sicherheit zurückgibt und das Ankommen erleichtert.“ Dies sagte die nordrhein-westfälische Bildungsministerin Yvonne Gebauer im März 2022 über die flüchtenden Kinder aus der Ukraine. 

Dass durch den aktuellen Krieg viel Hilfe für Migranten angeboten werden muss und vor allem auch die Bildung einen sehr wichtigen Teil davon darstellt, ist äußerst wichtig zu beachten. 

Am Gymnasium Seligenthal ist diese Art von Unterstützung – nicht erst seit Beginn des Ukrainekriegs – in Form der Brückenklasse vorhanden. Die Brückenklasse, die seit dem Schuljahr 2015/16 bereits ein fester Teil unserer Schule ist, stellt eine sehr wichtige Einrichtung dar, die jedes Jahr vielen Schülern die Eingewöhnung in Landshut erleichtert.

Im folgenden Interview beschreibt Frau Kaufmann die wichtigsten Informationen und ihre eigenen Erfahrungen als Lehrerin der Brückenklasse.

Was war die grundlegende Idee, die zur Einführung der Brückenklasse geführt hat?

Frau Kaufmann: „Es ist eine Notwendigkeit, weil immer mehr Kinder aus Gründen der Wirtschaftsmigration zu uns kommen, da die Familien aufgrund der Arbeit der Eltern nach Deutschland ziehen. Außerdem sind seit 2015 und vor allem auch jetzt viele Flüchtlinge hier, aktuell zum Beispiel wegen des Ukrainekrieges. Dabei ist es definitiv auch sehr wichtig, die Kinder zu beschulen.

Natürlich gibt es auch Familien, die hierherziehen, weil sie Angehörige in Landshut haben, aber die meisten kommen wirklich aufgrund der Wirtschaftsmigration, der Kriege oder grundsätzlich einer schwierigen politischen Situation in den Herkunftsländern.“

Wie viele Schüler sind pro Jahr ca. in der Brückenklasse?

Frau Kaufmann: „Das System ist mittlerweile relativ komplex. Wir haben nicht nur eine Brückenklasse, sondern momentan drei verschiedene. Wir starten immer im September mit einer, in der sich aktuell 15 Schüler und Schülerinnen befinden. Die zweite Brückenklasse startet im Februar, in der im Moment acht Kinder beschult werden. Die Brückenklassenschüler, die im ersten Jahr beschult werden, kommen im darauffolgenden Jahr in eine Anschlussklasse; in dieser sind es zurzeit auch ungefähr 15 Schüler. Es sind also immer relativ kleine Gruppen, weil man dadurch viel intensiver arbeiten kann. 

Pro Jahr werden ca. 35 Kinder neu in die Brückenklasse aufgenommen.

Es gibt für jede der drei Brückenklassen eine Klassenleitung bzw. meistens zwei Lehrerinnen, die sich die Klassen aufteilen. Wir haben die Brückenklasse 1, die momentan von Frau Enzinger und Frau Lauter-Lange betreut wird, die Brückenklasse 2, die ich dieses Jahr alleine leite und die Brückenklasse 3, die nach dem ersten Jahr noch weiter beschult wird. Diese wird im Moment von Frau Enzinger, Herr Mantel, Frau Neumaier und mir betreut.“

Wie ist der Unterricht aufgebaut, gibt es bestimmte Vorgaben bzw. Lehrpläne?

Frau Kaufmann: „Es gibt tatsächlich einen Lehrplan und ein Lehrwerk an der Schule, wir haben aber immer wieder festgestellt, dass diese nicht immer ausreichen, um die Kinder relativ schnell auf ein hohes Niveau zu bringen. Das heißt, wir orientieren uns zwar an den Vorgaben, haben darüber hinaus aber auch vieles selbst entwickelt und aus verschiedenen Quellen Lernblätter zusammengestellt.

Der Unterricht ist so aufgebaut, dass es manchmal schon ziemliche Phasen des Paukens sind. Relativ schnell ein hohes Niveau zu erreichen, erfordert von den Kindern oft viel Disziplin. Das Deutschlernen erfolgt zwar sehr schnell, ist für die Schüler trotzdem oft sehr hart.“

Wie wird vorgegangen, wenn neue Schüler hinzukommen?

Frau Kaufmann: „Die meisten Schüler kommen in die Klasse, die im September startet. Die später kommenden Kinder stoßen dann im Laufe des Jahres, entweder in diese oder in eine andere, bereits laufende Brückenklasse, hinzu. — Hierbei wird darauf geachtet, wie gut die Deutschkenntnisse bereits sind und wo der Schüler am besten hineinpasst. Am wichtigsten ist dann die Unterstützung der Paten und der Klassenleitung. Diese Unterstützung ist hier eben besonders wichtig, weil es für Schüler, die während des Schuljahres hinzukommen, sehr schwierig sein kann, sich an das neue Umfeld zu gewöhnen.“

Wie funktioniert die Verständigung mit Schülern, die kein Englisch sprechen?

Frau Kaufmann: „Manchmal läuft die Verständigung wirklich mit Händen und Füßen ab und ganz oft übersetzen die Mitschüler. Dazu wird dann meistens auch noch etwas an die Tafel gemalt oder im Internet oder einem Bildwörterbuch ein Bild gesucht.“

Wie läuft die Eingliederung in die regulären Klassen ab?

Frau Kaufmann: „Das Patensystem ist hierbei sehr wichtig, es sind immer zwei Paten pro Brückenkind. Natürlich ist aber auch die Unterstützung der anderen Mitschüler bedeutsam. Vor allem am Anfang ist es zum Beispiel wichtig, die Brückenklassenschüler abzuholen, ihnen die wichtigsten Orte auf dem Schulgelände zu zeigen und ihnen bestimmte Dinge zu erklären, wie beispielsweise das Ausleihen der Schulbücher. Man merkt hier auch oft, wenn die Paten sich viel um das Brückenkind kümmern, weil diese dann meist sehr schnell gut integriert sind.

Eine große Herausforderung stellen die Fachbegriffe in den einzelnen Fächern dar. Manche Schüler führen dazu eine Art Vokabelheft, in dem sie die neuen Wörter notieren; manchmal läuft die Kommunikation auch gut auf Englisch ab. Die Kinder dürfen aber auch ihre Handys im Unterricht als Übersetzungshilfe benutzen. Natürlich hat man bei neuen und komplizierten Wörtern trotzdem immer eine Hürde.“

Ist die Idee der „Brückenklasse“ mittlerweile grundsätzlich weiterverbreitet?

Frau Kaufmann: „Es gibt an den Mittelschulen z. B. die Übergangsklassen für zugewanderte Kinder und mittlerweile auch an den staatlichen weiterführenden Schulen sog. Brückenklassen aufgrund des Ukraine-Kriegs.

Es ist sehr wichtig, sich um diese Kinder anzunehmen und ihnen Bildung zu ermöglichen.“

Macht es sich im Unterricht teilweise auch bemerkbar, wenn die Kinder sehr schlimme Ereignisse miterlebt haben? 

Frau Kaufmann: „Man ist natürlich den Schülern gegenüber sensibler, wenn man die Familiengeschichte kennt und eine Familie beispielsweise aus Kharkiv fliehen musste. Es ist aber von Kind zu Kind total unterschiedlich, wie sie mit der gesamten Situation umgehen.“

Was war Ihre eigene Motivation dafür, Deutsch als Zweitsprache zu studieren?

Frau Kaufmann: „Ich bin während meines Germanistik-Studiums auf ein Projekt aufmerksam geworden, in dem Studenten einmal wöchentlich an einer Schule Migrantenkindern Deutsch beigebracht haben. Nachdem ich das dann zweimal gemacht habe, habe ich mit meinem DaZ-Studium begonnen, weil mir diese Art von Unterricht sehr viel Spaß gemacht hat.“

Vielen Dank, Frau Kaufmann, für Ihre Hilfe und Zeit! 

Quellen:

https://www.tagesschau.de/inland/kultusministerkonferenz-fluechtlinge-ukraine-101.html

Oldschool revived?

Der „alte, weiße Mann“ hält zu sehr fest an seinen konservativen Werten, beklagt die Jugend von heute. Es bedarf einer liberaleren Einstellung im 21. Jahrhundert – oder etwa nicht? Dieses klischeehafte Bild von Jung und Alt scheint nicht wirklich wahr zu sein, vor allem wenn es um die politische Orientierung in den einzelnen Altersgruppen geht. Bei den Landtagswahlen in Bayern am 08.10.2023 hat die CSU zwar gewonnen, jedoch scheint es mit der AfD als drittstärkste Kraft eine immer stärkere Ausrichtung der Wähler nach rechts zu geben, darunter auch von vielen jüngeren Menschen. Dass es sich hiermit um eine Entwicklung handelt, mit der man nicht zufrieden sein kann, ist wohl unbestreitbar.

Nach dem amtlichen Endergebnis bekam die CSU also 37 Prozent der Stimmen, die freien Wähler 15,8 Prozent, die AfD 14,6 Prozent, die Grünen 14,4 Prozent, die SPD 8,4 Prozent und die FDP 5,1 Prozent. Auch wenn laut Markus Söder der Freistaat „Stabilität“ gewählt hat, so ist das neue Bestergebnis der Rechtspopulisten kaum zu übersehen und nicht etwas, was so schnell in den Hintergrund geraten sollte, vor allem im Hinblick auf die nächsten Wahlen. Hubert Aiwanger meinte außerdem, die Freien Wähler hätten „zu gewissem Teil auch verhindert, dass noch mehr Wähler nach rechts gehen“, jedoch stellt sich die Frage, wie sehr sie dazu noch in Zukunft fähig sein werden. Es steht fest, dass die jungen Menschen von heute die Zukunft unserer Gesellschaft bilden werden. Erschreckend ist deshalb, dass der Zuwachs der AfD vor allem in der Gruppe der unter 30-Jährigen im Vergleich zur Wahl von 2018 am stärksten war und nicht bei den Älteren, die überwiegend für die CSU stimmten.

Doch woran liegt das? Zum Einen liegt das Wahlverhalten der Jüngeren daran, dass diese noch keine langjährige Bindung an eine bestimmte Partei entwickelt und somit auch noch keine Präferenzen haben. Ihr Wahlverhalten scheint impulsiver, wenn nicht sogar radikaler, da sie rascher, zugleich aber auch feinfühliger, auf dringende Probleme eingehen wollen. Zum anderen beschäftigten sie aber auch die Themen, die auch die anderen Altersgruppen zu einem Kreuz bei der AfD bewegt haben. Die Partei konnte mit den Punkten Zuwanderung, Asyl- und Flüchtlingspolitik, wirtschaftlicher Entwicklung und innerer Sicherheit die Wähler überzeugen. Letztlich spielt auch die Unzufriedenheit der Bürger mit der Ampelkoalition der AfD in die Karten, da man versucht der Bundesregierung einen „Denkzettel“ zu verpassen. Die Annahme, dass junge Wähler überwiegend für die liberalen Grünen stimmen, ist also längst nicht mehr zutreffend. Schließlich waren Grüne und AfD bei den unter 30-Jährigen fast gleichauf. Im Punkt Migrations- und Flüchtlingspolitik scheinen die Grünen wohl zu liberal zu sein und 2023 erachtet nur noch ein Drittel der Bürger, dass sie bei ihrem Hauptthema, der Klimafrage, am kompetentesten seien, wobei es 2018 noch zwei Drittel waren.

Es hat sich demnach im Vergleich zu den letzten Landtagswahlen so Einiges verändert. Jedoch sollte man die jungen Wähler, welche in ihrem Wahlverhalten noch nicht fest verankert sind, optimistisch betrachten. Sie können in ihrer Meinung noch umgestimmt werden, abhängig davon, wie die anderen Parteien planen, gegen die AfD zu steuern. Aiwangers oft als populistisch kritisierter Kommunikationsstil oder auch Söders frühere „Asyltourismus“-Rhetorik, sind wohl eher gescheiterte Versuche, AfD-Sympathisanten anzulocken. Die Stimmen, die bei den bayerischen Landtagswahlen an die AfD verloren gegangen sind –  110.000 bei der CSU, 60.000 bei den Freien Wählern – sind ein klares Indiz dafür, dass in Zukunft andere Methoden der Überzeugung nötig sein werden, wenn man verhindern will, dass sich die junge Wählerschaft immer weiter nach rechts ausrichtet.

Quellen:

https://www.br.de/nachrichten/bayern/bayern-wahl-2023-hochrechnungen-sitzverteilung-ergebnisse,Ts5XPi9

https://www.br.de/nachrichten/bayern/landtagswahl-bayern-2023-spitzenkandidaten-soeder-kontrahenten,TivcMHc

https://www.br.de/nachrichten/bayern/landtagswahl-bayern-wer-waehlte-wen-waehlerwanderung-hochburgen,TqZoIrF

https://www.tagesschau.de/analyse-landtagswahl-bayern-102.html

https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/landtagswahl-bayern-110.html

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1417307/umfrage/wahlverhalten-landtagswahl-in-bayern-nach-alter/

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/landtagswahlen-die-afd-zieht-zunehmend-junge-waehler-an/29434892.html

https://www.fr.de/politik/hessen-wahl-bayern-landtagswahl-freie-waehler-afd-gruene-aiwanger-cdu-csu-zr-92567219.html

Reich sein, ohne reich zu sein

„Am reichsten ist der, der am wenigsten braucht.“ – Seneca

In einem deutschen Haushalt befinden sich durchschnittlich 10.000 Gegenstände1. Diese Information lässt auf eine Auffassung von Reichtum in der heutigen Zeit schließen, die von dem obenstehenden Zitat abweicht. Doch in den letzten Jahren hat sich ein Trend entwickelt, der wieder auf Senecas Ansicht zusteuert: Minimalismus.

Vor etwa 150 Jahren hat sich Deutschland in der Zeit der Industrialisierung befunden, in der eine Klassengesellschaft vorgeherrscht hat. Damals sind sich die Bourgeoisie, die reichen Besitzer der Produktionsmittel, und die verarmten Proletarier, die von den Fabrikherren abhängig gewesen sind, gegenübergestanden. Zu dieser Zeit hat Distinktionskonsum, also der Konsum, welcher die Zur-Schau-Stellung von Reichtum und Status zum Ziel hat, eine große Rolle in der Bourgeoisie gespielt. Die Arbeiter, welche größtenteils nahe am Hungertod gestanden sind und sich den minimalsten Wohnraum mit anderen Familien geteilt haben, haben somit Reichtum und auch materiellen Besitz als etwas Erstrebenswertes aufgefasst, da sie es mit dem Ende von Hunger und Leid und somit dem Erlangen von Glück assoziiert haben.

In der freien Marktwirtschaft, bei der das Angebot durch die Nachfrage diktiert wird, wird von dieser Assoziation gebrauch gemacht, um den Markt anzukurbeln. In etlichen Werbeanzeigen wird der Konsum des beworbenen Produktes direkt oder indirekt in Verbindung mit Glück und Freude gebracht, weil sich danach viele Menschen sehnen, und das ist teilweise keine leere Versprechung, da durch die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin eine kurzzeitige Zufriedenheit nach einer Kaufhandlung eintritt2. Deshalb kann Konsum als Kompensationstechnik verwendet werden. Jedoch hängt Glück nicht nur von externen Einflüssen ab. Langfristiges Glück kommt von innen. Und so entsteht ein Teufelskreis. Man konsumiert, um glücklich zu werden und wenn der Dopaminschub abgeklungen ist, konsumiert man das nächste, um wieder das Gefühl von Freude zu verspüren. Man jagt sozusagen eine Illusion.

Was viele Menschen nicht wissen, ist, dass übermäßiger Besitz und die damit einhergehende Unordnung auch negative Auswirkungen auf die Psyche haben kann. Während manche Menschen bei Unordnung ein kreatives Hoch erleben, wird bei anderen die Denkleistung eingeschränkt. Die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, kann durch die Ablenkung, die Unordnung darstellt, bei ihnen sinken. Hinzu kommt, dass beispielsweise ein unordentliches Schlafzimmer den Schlaf stören kann, und es ist bewiesen, dass man in einer unordentlichen Umgebung öfter zu Süßigkeiten greift, als in einer ordentlichen Umgebung. Zudem steigt bei Frauen der Cortisolspiegel und damit auch Stress3. Außerdem wird beobachtet, dass in Gegenden, in denen viele Menschen leben, die einen hohen finanziellen Wohlstand haben, die Lebenszufriedenheit entgegen aller Annahmen nicht immer weiter wächst, sondern die Wahrscheinlichkeit vom Erleben von Stress, Depressionen, Burnout und Orientierungslosigkeit steigt4. Das alles kann von der Reizüberflutung des Gehirns stammen, das mit der Verarbeitung von all den Genüssen, mit denen es ständig konfrontiert wird, überfordert ist.

Wie kann man dem also entgegenwirken?

Für einige lautet die Antwort ganz einfach: Minimalismus. Das ist eine Lebensweise, bei der man den Besitz auf das Nötigste reduziert und den Fokus auf das Wesentliche rückt. Einige bringen diese Lebensweise auch mit Freiheit in Verbindung, da man ohne materiellen Ballast lebt. Jedoch sieht Minimalismus nicht für alle, die ihn praktizieren, gleich aus. Manche geben sich damit zufrieden, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen, und kommen mit nur 100 Besitzgegenständen aus, andere besitzen alles, was nötig ist, um ein für sie komfortables Leben zu führen, in dem sie diversen Hobbies nachgehen und Freude daran haben, ihre 20 Sommerkleider mit dreißig Paar Schuhen zu stylen. Der gemeinsame Nenner für Minimalisten ist wahrscheinlich, dass sie die Gegenstände, die sie nicht benötigen, aus ihrem Leben verbannen. Das fällt jedoch vielen schwer, da oft eine emotionale Bindung zu Besitztümern vorherrscht, zumal sich einige Menschen durch ihren Besitz zumindest teilweise definieren. Eine Methode, diese Schwierigkeit zu überwinden, ist beispielsweise, die Dinge, die man seit einem halben Jahr nicht mehr benutzt hat, zwischenzulagern, und wenn man sie nicht vermisst, sich endgültig von ihnen zu verabschieden. Und danach sollte man sich natürlich keine neuen, trendbedingten Dinge anschaffen, die nach einen Monat nicht mehr angeschaut werden.

Und wie kommt man jetzt, wo das illusorische Glück, das Konsum verspricht, beseitigt ist, zu echtem Glück? Wie bereits erwähnt, kommt wahres Glück von innen. Das ist auch die einzige und sicherste Möglichkeit, in einem zufriedenen Zustand zu bleiben, denn äußere Einflüsse sind ständig im Wandel. Um es freizulegen, bedarf es allerdings ein wenig Arbeit mit sich selbst. Es gibt etliche Methoden zur Persönlichkeitsentwicklung, für die sich jeder individuell entscheiden kann. Beispiele dafür sind Hobbies entdecken und ihnen nachgehen, Tagebuch schreiben, sich mit Freunden treffen oder sogar Therapie. Der wichtigste Schritt ist aber, sich selbst kennenzulernen und auf seine Bedürfnisse zu achten, damit man nicht von äußeren Faktoren für Glück abhängig ist. Und vielleicht wird man dann langfristig reich, so, wie Seneca das gemeint hat.

Quellen:

  1. Vgl. https://www.dieklimawette.de/news-challenges/detail/weniger-ist-mehr-challenge#:~:text=W%C3%A4hrend%20ein%20durchschnittlicher%20Haushalt%20in,10.000%20Gegenst%C3%A4nde%20(statistisches%20Bundesamt)
  2. Vgl. https://www.sueddeutsche.de/wissen/kaufen-sucht-gehirn-dopamin-1.4222443#:~:text=Nach%20jedem%20Einkauf%20wird%20im,Dopamin%20ausgesch%C3%BCttet%2C%20die%20k%C3%B6rpereigne%20Gl%C3%BCcksdroge.&text=Der%20Mensch%20mag%20sich%20aus,Einkaufen%20im%20Internet%20so%20gef%C3%A4hrlich
  3. Vgl. https://corinna-rose.de/blog/unordnung-studien#:~:text=Unordnung%20sch%C3%BCttet%20bei%20Frauen%20Stresshormone,Unordnung%20um%20sie%20herum%20herrscht
  4. Vgl. https://www.deutschlandfunkkultur.de/anders-leben-freiheit-durch-weniger-konsum-100.html

Sexismus in der Musikindustrie

„There is a different vocabulary for men and women in the music industry, right? […] A man does something, it’s strategic; a woman does the same thing, it‘s calculated. A man is allowed to react; a woman can only overreact.“ – Taylor Swift

Symbolbild: Frauen in der Musikindustrie begehren gegen Sexismus und Ausgrenzung auf

Mit dieser Aussage Taylor Swifts in einem Interview 2019 versuchte die amerikanische Sängerin den Unterschied aufzuzeigen, der nach wie vor im benutzten Vokabular für Frauen und Männer in der Musikindustrie herrscht. Während eine Handlung eines Mannes also strategisch ist, ist dieselbe Handlung einer Frau kalkuliert. Männer dürfen reagieren, Frauen können nur überreagieren. 

Sie bekam auf diese Aussage hin sowohl viel Zustimmung als auch viel Kritik. Auf der einen Seite befanden es viele als einen sehr wichtigen Schritt, um den täglichen Sexismus häufiger und offener anzusprechen und gemeinsam dagegen zu wirken. Auf der anderen Seite waren jedoch auch einige Menschen der Meinung, sie hätte damit überreagiert, denn es sei mittlerweile in der Musikbranche so gut wie kein Sexismus mehr vorhanden.  

Sexismus wird als eine Art Diskriminierung definiert. „Es ist die Benachteiligung, Abwertung, Verletzung und Unterdrückung einer Person oder einer Gruppe aufgrund des Geschlechts.“ Durch einige feministische Bewegungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten erhielt das Thema Sexismus mehr Aufmerksamkeit und gilt nicht mehr als „Tabuthema“. 

In jedem Teil der Welt und der Arbeitsindustrie herrscht zu einem gewissen Maß Sexismus. Wie er sich äußert und wie stark er ausgeprägt ist, ist aber überall unterschiedlich. Am Beispiel der Musikindustrie lässt sich gut zeigen, dass der Sexismus, der nach wie vor in dieser Branche herrscht, vielen nicht bewusst ist. Man kann ihn jedoch vor allem an zwei Tatsachen festmachen. 

Zum einen wird die gesamte Branche überdurchschnittlich von Männern dominiert. Nur 22 % der bekannten Musiker und Musikerinnen und lediglich 3 % aller Produzenten und Produzentinnen von Popmusik sind Frauen. Außerdem wird die Musik von weiblichen Künstlerinnen nur wenig von Männern gehört; diese machen sich oft eher über diese „weibliche“ und „zu emotionale“ Musik lustig. In Genres wie Rock, Rap oder Country überwiegen die männlichen Künstler zudem deutlich. 

Zum anderen kann man in etlichen Liedtexten, vor allem im amerikanischen Rap, von Sängern wie bspw. Travis Scott oder Kanye West sexistische Bemerkungen oder sogar Beleidigungen finden. Dass solche Aussagen in der heutigen Zeit in der Musik vermittelt werden, die schließlich einen wichtigen Teil unserer Kultur darstellt und jeden im alltäglichen Leben begleitet, wirkt genau dem entgegen, was so viele erreichen wollen: eine Gleichberechtigung und gleicher Respekt gegenüber allen Menschen.

Im Gegensatz zu den negativen Entwicklungen sprechen gerade in den Jahren kurz vor, während und nun auch nach der Corona-Pandemie immer mehr bekannte Personen dieses Problem an. 

Sowohl in ihrer eigenen Dokumentation „Miss Americana“ als auch in einigen ihrer Lieder macht Taylor Swift Sexismus und andere Probleme, die damit in Verbindung stehen, zu einem wichtigen Thema. Als einflussreiche Popsängerin und Vorbild vieler junger Menschen versucht sie ihre Reichweite unter anderem zu nutzen, um mehr auf dieses Thema aufmerksam zu machen. 

Neben Taylor Swift teilen auch viele andere Sängerinnen wie bspw. Selena Gomez, Miley Cyrus oder Lady Gaga offen in Interviews, Reden oder auch Liedern ihre eigenen Erfahrungen, Einstellungen und Bitten mit.

Einer der bekanntesten Songs von Taylor Swift, der sich mit diesem Thema beschäftigt, ist „The Man“. Sie stellt darin dar, dass es für Frauen in der Musikindustrie grundsätzlich härter ist, viel zu erreichen; sie müssen also wesentlich mehr Arbeit leisten als Männer, um den gleichen Erfolg zu erzielen. Beispielsweise in den Lyrics „I’m so sick of running as fast as I can/ Wondering if I’d get there quicker if I was a man“ beschreibt sie genau dieses Problem. 

Offensichtlich herrscht also nach wie vor viel Sexismus in der Musikindustrie. Diesem kann jedoch, wie es schon jetzt getan wird, entgegengewirkt werden, indem dieses Thema noch offener angesprochen wird. 

Quellen:

Internet:

https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-in-einfacher-sprache/331402/sexismus/

https://oldtimemusic.com/the-meaning-behind-the-song-the-man-by-taylor-swift/

https://www.cnbc.com/2019/08/08/taylor-swift-says-this-was-the-moment-she-woke-up-to-sexism-in-the-music-industry.html

Bahn oder Autobahn – die neuen Verkehrsreformen der Ampel

Jahrzehntelang wurde unter von der CDU geführten Regierungen die Deutsche Bahn und ihr Schienennetz „kaputtgespart“, während zeitgleich immer mehr und immer breitere Straßen und Autobahnen gebaut wurden. Dadurch entstanden etliche Probleme bei der Bahn, welche sich über die Jahre noch weiter verschärften. Marode Schienen, fehlendes Personal wegen schlechter Arbeitsbedingungen und ein immenser Investitionsstau, was Reparatur und Erweiterung der Schieneninfrastruktur betrifft. Die Regierungsparteien der Ampel haben sich im Oktober 2023 für ein Gesetz geeinigt, welches die Bahn wieder auf den richtigen Kurs bringen und somit einen Trend, weg von der Nutzung des Autos und hin zum umweltfreundlicheren Zug, herbeiführen soll.

In diesem Gesetz, welches schon im Frühjahr 2023  zwischen den Grünen, der FDP und der SPD zu langen Verhandlungen aber keinem richtigen Ergebnis führte, soll nun den Ausbau und die Sanierung der Bahnstrecken beschleunigen. Das haben die Ampel-Parteien sich zwar schon im Koalitionsvertrag 2021 vorgenommen, aber durch die unterschiedlichen Meinungen, was die Schwerpunktsetzung betrifft, wurde die Fertigstellung eines solchen Gesetzes um einige Monate verzögert. Während die Grünen hauptsächlich die Schiene fördern wollen, besteht im Besonderen die FDP noch auf den Ausbau etlicher Straßen. Auch wenn sich Bundestagsabgeordneter Detlef Müller (SPD) zufrieden mit dem, laut ihm „sehr guten Gesetz“ gibt, wird das Ergebnis vor allem von Umweltverbänden wie dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und Greenpeace angeprangert. Diese bemängeln, dass auch Autobahnen durch den Beschluss mehr und schneller ausgebaut werden.

Doch auch die Aspekte des Gesetzes, welche dem Klima zugute kommen sollen, darf man nicht unbeachtet lassen. Ein großer Teil der über 40 Milliarden Euro, welche bis 2027 laut Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) zusätzlich in die Schiene investiert werden sollen, werden wohl durch die LKW-Maut finanziert. Diese soll durch einen CO2-Aufschlag erhöht werden und somit zusätzlich dazu beitragen, dass die verantwortlichen Unternehmen auf  klimafreundlichere Fahrzeuge umsteigen. Das kommt dem Entschluss entgegen, den der Rat der EU am 16.10.23 beschloss. Darin streben sie an, bis 2030 45 Prozent und bis 2040 90 Prozent der CO2-Emissionen von Bussen und LKW senken. Außerdem sollen an Autobahnen grenzende Flächen für die Stromerzeugung mit Solarmodulen genutzt werden. Ein weiterer Aspekt des Gesetzes ist, dass städtebaulich in Zukunft mehr auf Fuß- und Radwege geachtet werden soll, um die Bürger mehr zum Umstieg vom Auto auf diese klimafreundlicheren Fortbewegungsmethoden zu bewegen.

Abschließend lässt sich feststellen: Der Klimaschutz bleibt für uns alle wichtig. Auch wenn aktuelle Themen wie die Flüchtlingspolitik von den Deutschen im Moment als drängender angesehen werden, bleibt der Klimawandel ein Problem, gegen das etwas unternommen werden muss. Durch Maßnahmen wie diese werden nicht nur Umwelt und Klima, Fußgänger und Radfahrer sondern alle Bürger profitieren. Letztendlich wird sämtlicher Verkehr auf der Schiene gefördert. So könnte die Bahn zu einer echten Alternative zu Auto und Flugzeug werden, da nicht jeder dritte Zug zu spät kommt oder teilweise sogar ausfällt. Reisen könnte durch ein gutes Schienennetz viel angenehmer werden, sowohl wenn man mit dem Zug fährt als auch wenn man das Auto nutzt, da mehr LKW durch Güterzüge ersetzt und somit die Straßen leerer werden. Natürlich werden durch so ein Gesetz nicht einfach alle Probleme wie durch Zauberhand gelöst, dennoch ist es ein Schritt in die richtige Richtung.

Quellen:

https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/ampel-verkehrsreformen-100.html

https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/bundestag-planungsbeschleunigung-100.html

https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/ampelkoalition-verkehr-101.html

https://www.tagesschau.de/ausland/eu-co2-ausstss-lkw-busse-100.html

https://www.br.de/nachrichten/bayern/marode-bahn-infrastruktur-in-bayern-gruende-fuer-die-probleme,ThQaCMw

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1062780/umfrage/umfrage-zu-den-wichtigsten-problemen-in-deutschland/

Sebastian Fitzek – oder wie ein Arztbesuch einen Star des deutschen Psychothrillers hervorbrachte

„Als die halbe Stunde verstrichen war, wusste er, dass er seine Tochter nie wiedersehen würde.“

So beginnt das Krimi-Debüt von Sebastian Fitzek „Die Therapie“, dass er im Jahr 2006 veröffentlichte. Es folgten weitere Werke wie beispielsweise „Der Augensammler“ (2010) oder „Der Insasse“ (2018). Auf der offiziellen Internetseite des Autors sind unter der Kategorie „Alle Werke“ bereits 39 Bücher aufgelistet, darunter auch sein neuer Psychothriller „Die Einladung“, der ab Ende Oktober 2023 gelesen werden kann, und von den Fans schon mit großer Spannung erwartet wird.

Sebastian Fitzek ist 1971 in Berlin geboren. Aktuell ist er der erfolgreichste deutsche Autor im Genre Psychothriller. Er wurde bereits mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Seine Leidenschaft für Thriller entwickelte sich bereits in seiner Kindheit, als er mit seinem Freund Ender FSK-18-Videos ansah, die dieser aus der Wohnung seines Vaters geschmuggelt hatte. Bis zu seinem 15. Lebensjahr träumte Fitzek davon, Tennisprofi zu werden. Ein weiterer Traumberuf des jungen Sebastian war es Rockstar zu werden, doch auch dieser Wunsch erfüllte sich nicht. Als er merkte, dass auch das Studium der Tiermedizin nicht seinen Vorstellungen entsprach, wechselte er zu Jura und absolvierte das erste Staatsexamen mit anschließendem Doktor im Urheberrecht. Anschließend machte er beim Radiosender 104.6 ein Volontariat und bekam drei Jahre später ein Angebot als Chefredakteur beim Berliner Rundfunk. Fitzeks erste Bücher waren Sachbücher, die er während seiner Zeit als Chefredakteur beim Radio schrieb. Die Idee seinen ersten Thriller zu schreiben fiel Fitzek im Jahr 2000 ein, als er im Wartezimmer eines Arztes auf seine damalige Freundin wartete. Dabei schossen ihm folgende Fragen durch den Kopf: „Was, wenn meine Freundin nie wieder aus dem Praxiszimmer herauskommt? Was, wenn mir alle sagen, sie wäre dort gar nicht erst hineingegangen?“ Mit genau dieser Szene beginnt sein erster Thriller „Die Therapie“. Das Buch handelt von dem Verschwinden eines kleinen Mädchens aus dem Behandlungszimmer ihres Arztes, wobei ihrem Vater gesagt wird, sie hätte dieses nie betreten.

In seinen Thrillern verarbeitet Fitzek Themen und Erlebnisse aus seinem Alltag, von denen er inspiriert wird. Kuriose Situationen, die bei Klassentreffen, Elternabenden oder im Kindergarten seiner Kinder passieren, werden unter anderem zu Szenen in seinen Werken. Fitzeks Bücher, die mittlerweile in vierundzwanzig Sprachen übersetzt werden, sind immer zu Bestsellern aufgestiegen.

Neben seinen Thrillern und den anfangs verfassten Sachbüchern gibt es auch noch Bücher aus einem weiteren Genre. Bei dem Roman „Elternabend“ beschreibt Fitzek dies bereits auf der Titelseite: „Kein Thriller (Auch wenn der Titel nach Horror klingt).“ Im Jahr 2017 brachte der Autor auch ein Kinderbuch namens „Pupsi und Stinki“ auf den Markt. Zu seinen weiteren Werken zählt auch der 2019 veröffentlichte Roman „Fische, die auf Bäume klettern. Ein Kompass für das große Abenteuer namens Leben.“

Der Thrillerautor wird oft gefragt, bei welchem seiner Werke man am besten einsteigen sollte. Er selbst beschreibt seine Bücher als unterschiedlich und vielfältig. Der Leser sollte also danach gehen, was den jeweiligen Vorlieben entspricht, da es sich bei Fitzeks literarischen Erzählungen in der Regel um Einzelgeschichten handelt. Anstatt nur den Klappentext zu lesen, rät er den Lesern vielmehr sich mit den ersten Kapiteln zu beschäftigen, um sich ein besseres Bild von der folgenden Geschichte machen zu können. Mit seinen spannend schaurigen Geschichten wird es Fitzek sicherlich mit seinem neuen Thriller erneut gelingen, seine Fans von seinen Fähigkeiten als „Meister des Grauens“ zu überzeugen und in seinen Bann zu ziehen.  

Quellen

https://www.kino.de/artikel/reihenfolge-der-sebastian-fitzek-buecher–83g4f4cw7x

https://www.stern.de/kultur/sebastian-fitzek-ist-autor-und-meister-des-grauens-33926082.html