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Die Brückenklasse – Integrationsförderung am Gymnasium Seligenthal

„Den zu uns flüchtenden Kindern und Jugendlichen wollen wir möglichst viel Normalität und dann auch einen Schulbesuch ermöglichen, der ihnen ein Gefühl der Sicherheit zurückgibt und das Ankommen erleichtert.“ Dies sagte die nordrhein-westfälische Bildungsministerin Yvonne Gebauer im März 2022 über die flüchtenden Kinder aus der Ukraine. 

Dass durch den aktuellen Krieg viel Hilfe für Migranten angeboten werden muss und vor allem auch die Bildung einen sehr wichtigen Teil davon darstellt, ist äußerst wichtig zu beachten. 

Am Gymnasium Seligenthal ist diese Art von Unterstützung – nicht erst seit Beginn des Ukrainekriegs – in Form der Brückenklasse vorhanden. Die Brückenklasse, die seit dem Schuljahr 2015/16 bereits ein fester Teil unserer Schule ist, stellt eine sehr wichtige Einrichtung dar, die jedes Jahr vielen Schülern die Eingewöhnung in Landshut erleichtert.

Im folgenden Interview beschreibt Frau Kaufmann die wichtigsten Informationen und ihre eigenen Erfahrungen als Lehrerin der Brückenklasse.

Was war die grundlegende Idee, die zur Einführung der Brückenklasse geführt hat?

Frau Kaufmann: „Es ist eine Notwendigkeit, weil immer mehr Kinder aus Gründen der Wirtschaftsmigration zu uns kommen, da die Familien aufgrund der Arbeit der Eltern nach Deutschland ziehen. Außerdem sind seit 2015 und vor allem auch jetzt viele Flüchtlinge hier, aktuell zum Beispiel wegen des Ukrainekrieges. Dabei ist es definitiv auch sehr wichtig, die Kinder zu beschulen.

Natürlich gibt es auch Familien, die hierherziehen, weil sie Angehörige in Landshut haben, aber die meisten kommen wirklich aufgrund der Wirtschaftsmigration, der Kriege oder grundsätzlich einer schwierigen politischen Situation in den Herkunftsländern.“

Wie viele Schüler sind pro Jahr ca. in der Brückenklasse?

Frau Kaufmann: „Das System ist mittlerweile relativ komplex. Wir haben nicht nur eine Brückenklasse, sondern momentan drei verschiedene. Wir starten immer im September mit einer, in der sich aktuell 15 Schüler und Schülerinnen befinden. Die zweite Brückenklasse startet im Februar, in der im Moment acht Kinder beschult werden. Die Brückenklassenschüler, die im ersten Jahr beschult werden, kommen im darauffolgenden Jahr in eine Anschlussklasse; in dieser sind es zurzeit auch ungefähr 15 Schüler. Es sind also immer relativ kleine Gruppen, weil man dadurch viel intensiver arbeiten kann. 

Pro Jahr werden ca. 35 Kinder neu in die Brückenklasse aufgenommen.

Es gibt für jede der drei Brückenklassen eine Klassenleitung bzw. meistens zwei Lehrerinnen, die sich die Klassen aufteilen. Wir haben die Brückenklasse 1, die momentan von Frau Enzinger und Frau Lauter-Lange betreut wird, die Brückenklasse 2, die ich dieses Jahr alleine leite und die Brückenklasse 3, die nach dem ersten Jahr noch weiter beschult wird. Diese wird im Moment von Frau Enzinger, Herr Mantel, Frau Neumaier und mir betreut.“

Wie ist der Unterricht aufgebaut, gibt es bestimmte Vorgaben bzw. Lehrpläne?

Frau Kaufmann: „Es gibt tatsächlich einen Lehrplan und ein Lehrwerk an der Schule, wir haben aber immer wieder festgestellt, dass diese nicht immer ausreichen, um die Kinder relativ schnell auf ein hohes Niveau zu bringen. Das heißt, wir orientieren uns zwar an den Vorgaben, haben darüber hinaus aber auch vieles selbst entwickelt und aus verschiedenen Quellen Lernblätter zusammengestellt.

Der Unterricht ist so aufgebaut, dass es manchmal schon ziemliche Phasen des Paukens sind. Relativ schnell ein hohes Niveau zu erreichen, erfordert von den Kindern oft viel Disziplin. Das Deutschlernen erfolgt zwar sehr schnell, ist für die Schüler trotzdem oft sehr hart.“

Wie wird vorgegangen, wenn neue Schüler hinzukommen?

Frau Kaufmann: „Die meisten Schüler kommen in die Klasse, die im September startet. Die später kommenden Kinder stoßen dann im Laufe des Jahres, entweder in diese oder in eine andere, bereits laufende Brückenklasse, hinzu. — Hierbei wird darauf geachtet, wie gut die Deutschkenntnisse bereits sind und wo der Schüler am besten hineinpasst. Am wichtigsten ist dann die Unterstützung der Paten und der Klassenleitung. Diese Unterstützung ist hier eben besonders wichtig, weil es für Schüler, die während des Schuljahres hinzukommen, sehr schwierig sein kann, sich an das neue Umfeld zu gewöhnen.“

Wie funktioniert die Verständigung mit Schülern, die kein Englisch sprechen?

Frau Kaufmann: „Manchmal läuft die Verständigung wirklich mit Händen und Füßen ab und ganz oft übersetzen die Mitschüler. Dazu wird dann meistens auch noch etwas an die Tafel gemalt oder im Internet oder einem Bildwörterbuch ein Bild gesucht.“

Wie läuft die Eingliederung in die regulären Klassen ab?

Frau Kaufmann: „Das Patensystem ist hierbei sehr wichtig, es sind immer zwei Paten pro Brückenkind. Natürlich ist aber auch die Unterstützung der anderen Mitschüler bedeutsam. Vor allem am Anfang ist es zum Beispiel wichtig, die Brückenklassenschüler abzuholen, ihnen die wichtigsten Orte auf dem Schulgelände zu zeigen und ihnen bestimmte Dinge zu erklären, wie beispielsweise das Ausleihen der Schulbücher. Man merkt hier auch oft, wenn die Paten sich viel um das Brückenkind kümmern, weil diese dann meist sehr schnell gut integriert sind.

Eine große Herausforderung stellen die Fachbegriffe in den einzelnen Fächern dar. Manche Schüler führen dazu eine Art Vokabelheft, in dem sie die neuen Wörter notieren; manchmal läuft die Kommunikation auch gut auf Englisch ab. Die Kinder dürfen aber auch ihre Handys im Unterricht als Übersetzungshilfe benutzen. Natürlich hat man bei neuen und komplizierten Wörtern trotzdem immer eine Hürde.“

Ist die Idee der „Brückenklasse“ mittlerweile grundsätzlich weiterverbreitet?

Frau Kaufmann: „Es gibt an den Mittelschulen z. B. die Übergangsklassen für zugewanderte Kinder und mittlerweile auch an den staatlichen weiterführenden Schulen sog. Brückenklassen aufgrund des Ukraine-Kriegs.

Es ist sehr wichtig, sich um diese Kinder anzunehmen und ihnen Bildung zu ermöglichen.“

Macht es sich im Unterricht teilweise auch bemerkbar, wenn die Kinder sehr schlimme Ereignisse miterlebt haben? 

Frau Kaufmann: „Man ist natürlich den Schülern gegenüber sensibler, wenn man die Familiengeschichte kennt und eine Familie beispielsweise aus Kharkiv fliehen musste. Es ist aber von Kind zu Kind total unterschiedlich, wie sie mit der gesamten Situation umgehen.“

Was war Ihre eigene Motivation dafür, Deutsch als Zweitsprache zu studieren?

Frau Kaufmann: „Ich bin während meines Germanistik-Studiums auf ein Projekt aufmerksam geworden, in dem Studenten einmal wöchentlich an einer Schule Migrantenkindern Deutsch beigebracht haben. Nachdem ich das dann zweimal gemacht habe, habe ich mit meinem DaZ-Studium begonnen, weil mir diese Art von Unterricht sehr viel Spaß gemacht hat.“

Vielen Dank, Frau Kaufmann, für Ihre Hilfe und Zeit! 

Quellen:

https://www.tagesschau.de/inland/kultusministerkonferenz-fluechtlinge-ukraine-101.html

Sexismus in der Musikindustrie

„There is a different vocabulary for men and women in the music industry, right? […] A man does something, it’s strategic; a woman does the same thing, it‘s calculated. A man is allowed to react; a woman can only overreact.“ – Taylor Swift

Symbolbild: Frauen in der Musikindustrie begehren gegen Sexismus und Ausgrenzung auf

Mit dieser Aussage Taylor Swifts in einem Interview 2019 versuchte die amerikanische Sängerin den Unterschied aufzuzeigen, der nach wie vor im benutzten Vokabular für Frauen und Männer in der Musikindustrie herrscht. Während eine Handlung eines Mannes also strategisch ist, ist dieselbe Handlung einer Frau kalkuliert. Männer dürfen reagieren, Frauen können nur überreagieren. 

Sie bekam auf diese Aussage hin sowohl viel Zustimmung als auch viel Kritik. Auf der einen Seite befanden es viele als einen sehr wichtigen Schritt, um den täglichen Sexismus häufiger und offener anzusprechen und gemeinsam dagegen zu wirken. Auf der anderen Seite waren jedoch auch einige Menschen der Meinung, sie hätte damit überreagiert, denn es sei mittlerweile in der Musikbranche so gut wie kein Sexismus mehr vorhanden.  

Sexismus wird als eine Art Diskriminierung definiert. „Es ist die Benachteiligung, Abwertung, Verletzung und Unterdrückung einer Person oder einer Gruppe aufgrund des Geschlechts.“ Durch einige feministische Bewegungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten erhielt das Thema Sexismus mehr Aufmerksamkeit und gilt nicht mehr als „Tabuthema“. 

In jedem Teil der Welt und der Arbeitsindustrie herrscht zu einem gewissen Maß Sexismus. Wie er sich äußert und wie stark er ausgeprägt ist, ist aber überall unterschiedlich. Am Beispiel der Musikindustrie lässt sich gut zeigen, dass der Sexismus, der nach wie vor in dieser Branche herrscht, vielen nicht bewusst ist. Man kann ihn jedoch vor allem an zwei Tatsachen festmachen. 

Zum einen wird die gesamte Branche überdurchschnittlich von Männern dominiert. Nur 22 % der bekannten Musiker und Musikerinnen und lediglich 3 % aller Produzenten und Produzentinnen von Popmusik sind Frauen. Außerdem wird die Musik von weiblichen Künstlerinnen nur wenig von Männern gehört; diese machen sich oft eher über diese „weibliche“ und „zu emotionale“ Musik lustig. In Genres wie Rock, Rap oder Country überwiegen die männlichen Künstler zudem deutlich. 

Zum anderen kann man in etlichen Liedtexten, vor allem im amerikanischen Rap, von Sängern wie bspw. Travis Scott oder Kanye West sexistische Bemerkungen oder sogar Beleidigungen finden. Dass solche Aussagen in der heutigen Zeit in der Musik vermittelt werden, die schließlich einen wichtigen Teil unserer Kultur darstellt und jeden im alltäglichen Leben begleitet, wirkt genau dem entgegen, was so viele erreichen wollen: eine Gleichberechtigung und gleicher Respekt gegenüber allen Menschen.

Im Gegensatz zu den negativen Entwicklungen sprechen gerade in den Jahren kurz vor, während und nun auch nach der Corona-Pandemie immer mehr bekannte Personen dieses Problem an. 

Sowohl in ihrer eigenen Dokumentation „Miss Americana“ als auch in einigen ihrer Lieder macht Taylor Swift Sexismus und andere Probleme, die damit in Verbindung stehen, zu einem wichtigen Thema. Als einflussreiche Popsängerin und Vorbild vieler junger Menschen versucht sie ihre Reichweite unter anderem zu nutzen, um mehr auf dieses Thema aufmerksam zu machen. 

Neben Taylor Swift teilen auch viele andere Sängerinnen wie bspw. Selena Gomez, Miley Cyrus oder Lady Gaga offen in Interviews, Reden oder auch Liedern ihre eigenen Erfahrungen, Einstellungen und Bitten mit.

Einer der bekanntesten Songs von Taylor Swift, der sich mit diesem Thema beschäftigt, ist „The Man“. Sie stellt darin dar, dass es für Frauen in der Musikindustrie grundsätzlich härter ist, viel zu erreichen; sie müssen also wesentlich mehr Arbeit leisten als Männer, um den gleichen Erfolg zu erzielen. Beispielsweise in den Lyrics „I’m so sick of running as fast as I can/ Wondering if I’d get there quicker if I was a man“ beschreibt sie genau dieses Problem. 

Offensichtlich herrscht also nach wie vor viel Sexismus in der Musikindustrie. Diesem kann jedoch, wie es schon jetzt getan wird, entgegengewirkt werden, indem dieses Thema noch offener angesprochen wird. 

Quellen:

Internet:

https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-in-einfacher-sprache/331402/sexismus/

https://oldtimemusic.com/the-meaning-behind-the-song-the-man-by-taylor-swift/

https://www.cnbc.com/2019/08/08/taylor-swift-says-this-was-the-moment-she-woke-up-to-sexism-in-the-music-industry.html

Die Monarchie im Vereinigten Königreich – ein veraltetes System?

Im September letzten Jahres erreichte die Welt die Nachricht zum Tod der britischen Queen Elizabeth II. Mit siebzig Jahren Regierungszeit war sie die am zweitlängsten regierende Monarchin aller Zeiten, deren Tod Millionen von Menschen erschütterte. Doch nicht alle Briten trauerten um ihre Queen. Schon vor deren Tod, aber noch verstärkter seit diesem Ereignis kommt die Frage, ob die britische Monarchie abgeschafft werden sollte, immer häufiger auf. Nach der Krönung von Charles, dem Sohn der Queen, soll dieser Frage nun Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Die britische Regierung ist eine sogenannte „parlamentarische Monarchie“. Das bedeutet, dass sie zwar noch einen regierenden Monarchen, also einen König bzw. eine Königin besitzt, aber trotzdem von einem Parlament regiert wird. Das Parlament in Großbritannien besteht aus dem House of Commons (=Abgeordnetenhaus), dem House of Lords (=Oberhaus) und dem Königshaus. Im vergangenen Jahrhundert verlor der Monarch immer mehr an Bedeutung und nimmt heute eher eine Rolle der Repräsentation ein, ähnlich wie der Bundespräsident in Deutschland. Die Hauptaufgaben des heute regierenden King Charles sind bspw. die Aufforderung zur Regierungsbildung an die Partei, die bei einer Parlamentswahl gewonnen hat. Außerdem eröffnet er ein neues Parlament und löst dieses vor einer Neuwahl auf. Er bestätigt zudem Gesetzesentwürfe und kann bei Verfassungskrisen eingreifen. Vor allem unter der Regierung von Queen Elizabeth war ihre Rolle als unparteiische Vertraute des Premierministers sehr bedeutend. Sie plante wöchentliche Treffen mit ihm, um bei Problemen Hilfe leisten zu können und einen genaueren Einblick in die politischen Geschehnisse zu bekommen. Des Weiteren ist der Monarch dafür zuständig, Bürger für besondere Verdienste zum Ritter zu schlagen und stellt das Oberhaupt der anglikanischen Kirche dar, kann also in Absprache mit dem Kirchengremium Bischöfe ernennen.

Die Tradition und Geschichte der britischen Monarchie reicht weit zurück. Schon im 9. Jahrhundert wurde sie eingeführt, hat sich jedoch im Laufe der Zeit stark verändert. Die erste große Reform fand im Jahr 1215 statt. In der sogenannten „Magna Carta Liberatum“ wurden, aufgrund von Aufständen, mehr Rechte und politische Mitsprache für den Adel festgelegt und somit die Macht des damals herrschenden Kings John eingeschränkt. In der „Glorious Revolution“ von 1688/89 fand ein weiterer Kampf gegen die Monarchie statt, bei der gefordert wurde, dass das Parlament mehr Rechte bekommt und somit die Macht des Monarchen immer mehr eingeschränkt wird. Durch das Verfassungspapier, das 1689 festgelegt wurde, die „Bill of Rights“, wurden diese Rechte festgelegt und Großbritannien zu einer konstitutionellen Monarchie ernannt.

Das Vereinigte Königreich als solches existiert allerdings erst seit dem „Act of Union“, in dem 1707 England, Schottland und Wales gesetzlich vereinigt wurden. 1800 kam im „Union Act“ Irland mit dazu und so entstand letztendlich das „Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland“, aus dem im Laufe des 19. Jahrhunderts schließlich eine parlamentarische Monarchie wurde.

Diese Monarchie, wie sie heute existiert, steht immer mehr in der Kritik. Gegner des Königshauses berufen sich unter anderem auf die hohen Kosten, die durch die Monarchie verursacht werden. Die königliche Familie muss keine Steuern zahlen, wird durch staatliche Zuschüsse finanziert und bekommt zusätzlich staatliche Unterstützung für Polizeischutz bei Besuchen, offiziellen Veranstaltungen usw. Außerdem sprechen viele Bürger König Charles, der seit dem Tod seiner Mutter regiert und nun als das neue Oberhaupt gekrönt wurde, nur wenig Vertrauen zu, sie sehen ihn als zu unerfahren in seinem Amt an. Hinzu kommen die vielen Krisen, die mit der britischen Krone und ihrer Geschichte verbunden sind, wie bspw. der frühere Sklavenhandel und der damalige Umgang mit den Menschen in den britischen Kolonien, sowie die Skandale rund um die königliche Familie, unter anderem der Umgang mit der Ehe zwischen Prince Charles und Princess Diana, deren Tod oder auch das Verlassen des Königshauses von Prince Harry und seiner Frau Meghan Markle.

Andererseits gibt es natürlich auch Befürworter der Monarchie, die diese als bessere Repräsention des Landes und dessen Traditionen und Geschichte ansehen. Sie stellt eine Konstante dar, die auch bei Veränderungen in der Politik nicht verschwindet. Der Monarch ist zudem unparteiisch und es werden, trotz der hohen Ausgaben für die königliche Familie, viele Einnahmen alleine aufgrund des Tourismus gemacht, der zu einem großen Teil wegen der Monarchie existiert.

Die Frage, ob die Monarchie im Vereinigten Königreich wirklich abgeschafft werden sollte, ist insgesamt ein sehr komplexes Thema, das viele Menschen in Großbritannien beschäftigt und die Gesellschaft durchaus auch spaltet.

Quellen:

Internet:

https://www.tagesschau.de/queen-befugnisse-koenig-101.html

https://www.studysmarter.de/schule/englisch/landeskunde-englisch/british-monarchy/

https://www.royal.uk

https://www.dw.com/de/großbritannien-und-der-lange-schatten-der-sklaverei/a-53846760

Sophie Scholl und ihr Weg in den Widerstand

„Brave, herrliche junge Leute! Ihr sollt nicht umsonst gestorben, sollt nicht vergessen sein! … die ihr, als noch Nacht über Deutschland und Europa lag, wusstet und verkündet: `Es dämmert ein neuer Glaube an Freiheit und Ehre.´“ Dies sagte Thomas Mann über Sophie und ihren Bruder Hans Scholl in einer Radioansprache etwa vier Monate nach deren Tod. Noch heute sind sie vor allem unter dem Namen „Weiße Rose“ als eine der wichtigsten Widerstandsgruppen im Nationalsozialismus bekannt. Doch weniger bekannt ist, dass Sophie und ihre Geschwister dem Nationalsozialismus in ihren jüngeren Jahren alles andere als abgetan waren.

Sophie Scholl wurde am 09. Mai 1921 in Forchtenberg, Baden-Württemberg, als eine von sechs Kindern von Magdalena und Robert Scholl geboren. Schon früh war sie begeistert von den Einrichtungen der Nationalsozialisten und wurde im Jahr 1934 in die Jungmädelschaft aufgenommen. Ihre Eltern, die sehr liberale Einstellungen vertraten und dem nationalsozialistischen System abgeneigt waren, zeigten sich jedoch besorgt wegen der wachsenden Begeisterung ihrer Kinder für den Nationalsozialimus. Sie strebten von Anfang an eine Erziehung mit christlichen Werten an. In den Jugendorganisationen fühlten die Kinder sich eigenverantwortlich und wurden durch die Propaganda und Strategien des Regimes immer weiter aus ihren Familien herausgerissen. Auch die spätere Aufnahme in den BDM, den Bund deutscher Mädel, war für Sophie sehr bedeutend. Sie konnte mit Gleichaltrigen Zeit verbringen und genoss die gemeinsamen Ausflüge in die Natur voll und ganz. 

Bald zeigten sich allerdings einige Eigenschaften, die sie von den Einstellungen des NS-Regimes trennten, beispielsweise, dass Sophie bei den Treffen mit dem BDM am Lagerfeuer aus Büchern des Rainer Maria Rilke vorlas, was vom Regime verachtet wurde. Außerdem war Sophie schockiert von den Erzählungen ihres Freundes Fritz Hartnagel, der an der Front für Deutschland kämpfte und ihr in seinen Briefen von seinen grausamen Erlebnissen berichtete. Als dann auch noch Robert Scholl, Sophies Vater, wegen seiner kritischen Äußerungen über Hitler verhaftet wurde, erkannte Sophie endgültig ihre innere Abneigung gegen den Nationalsozialismus.

Ihr Bruder Hans Scholl, der in München Medizin studierte, wandte sich aufgrund seiner Zweifel ebenfalls vom Regime ab und gründete mit seinem Freund Alexander Schmorell die „Weiße Rose“, eine Gruppe Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Bald bestand der Kern der Organisation zudem aus Christoph Probst und Willi Graf sowie dem Professor Kurt Huber. Schon vor dem Beitritt Sophies zur „Weißen Rose“ fertigte die Gruppe vier verschiedene Flugblätter an, die zur Aufklärung über das nationalsozialistische Regime dienen sollten, und verteilten diese in ganz Deutschland. Nach Sophies Umzug nach München erfuhr sie, dass die „Weiße Rose“ unter anderem von ihrem eigenen Bruder geleitet wurde und wollte auch  sofort Teil der Organisation werden. Kurze Zeit später wurde sie nach ersten Zweifeln Hans` aufgenommen. Anfangs war die mittlerweile junge Frau für die Beschaffung von Material für die Anfertigung der Flugblätter zuständig, wie beispielsweise Tinte und Papier. Bald half Sophie jedoch auch aktiv mit und verteilte so am 18. Februar 1943 gemeinsam mit ihrem Bruder in der Münchener Universität um die 1700 Exemplare ihres sechsten Flugblattes. Als Sophie einen Stapel der Blätter von der Empore stoß, wurde sie von einem Angestellten ertappt. Daraufhin wurden sie und Hans verhaftet und nur wenige Tage später, zusammen mit Christoph Probst, am 22. Februar zum Tode verurteilt. Nach einem letzten Wiedersehen mit der Familie wurde Sophie noch ihr letzter Wunsch erfüllt: Sie rauchte mit ihren beiden Mitstreitern Hans und Christoph eine letzte Zigarre, bevor sie wenige Minuten später hingerichtet wurden.

Die Universität in München war die letzte „Wirkungsstätte“ Sophie Scholls.

Noch heute ist die „Weiße Rose“ eines der wichtigsten Symbole für den Widerstand gegen das menschenfeindliche Naziregime und kann vielen Menschen ein Vorbild sein, selbst für Gerechtigkeit und Frieden einzustehen. Denn die jungen Erwachsenen haben „geschrien, wo andere schwiegen“ („Die Weiße Rose“, Konstantin Wecker, dt. Liedermacher).

Weitere nützliche Informationen zum Thema „Sophie Scholl und Weiße Rose“ findet ihr im nachfolgenden Lernvideo:

Quellen:

Literatur

Barbara Beuys (2010): Sophie Scholl. Hanser-Verlag

Internet

https://www.geo.de/geolino/mensch/1651-rtkl-weltveraenderer-sophie-scholl

https://www.dw.com/de/sophie-scholl-nationalsozialismus-widerstand-im-zweiten-weltkrieg/a-57436371

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/widerstand-im-zweiten-weltkrieg/die-weisse-rose.html

https://www.spiegel.de/geschichte/weisse-rose-der-tod-von-sophie-und-hans-scholl-a-1193874.html