
ein Interview
„Bayern lebt vom ehrenamtlichen Engagement. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft,“ 1 propagierte die bayerische Sozialministerin Emilia Müller am 13. März 2018.
Das persönliche Engagement von Menschen in Bayern über 14 Jahren (ca. 5,2 Millionen Bürger/innen) wird durch die gelebte Solidarität als „Kitt der Gesellschaft“ bezeichnet. Besonders das Ehrenamt im Bereich Sport bietet generationsübergreifende Möglichkeiten zum gemeinsamen Dialog und ein breitgefächertes Betätigungsfeld. Drei Trainer, tätig im Sportbereich mit Kindern und Jugendlichen, beschreiben im Folgenden ihre Erfahrungen und langjährige Arbeit in ihrem Ehrenamt:
Wie bist du dazu gekommen, dich ehrenamtlich im Jugendbereich zu engagieren und wie würdest du deine Tätigkeit beschreiben?
Christoph: „Auf Anfrage der Vereinsführung als Papa eines Spielers bin ich dazu gekommen, das Training zu machen. Aktuell bin ich Co-Trainer im Fußball. Ich unterstütze mein Team im Training und bei der Spielvorbereitung und coache vor, während und nach dem Spiel. Zu meinen Aufgaben gehört außerdem die Organisation des Teams.“
Welche besonderen Fähigkeiten und Voraussetzungen benötigt man, um dieses Ehrenamt speziell mit Kindern und Jugendlichen auszuüben?
Markus: „Neben der „Liebe“ zum Sport und zur Bewegung ist sicherlich eine ordentliche Prise Empathie hilfreich, um mit den Kindern mehrmals in der Woche zu arbeiten. Grundsätzlich ist unser Anspruch im Verein, dass die Kinder lächelnd zum Training kommen und auch wieder lächelnd gehen, sprich – sie sollen aus eigenem Antrieb gerne zum Sport kommen und Freude an der Bewegung und am wahrscheinlich schönsten Mannschaftssport der Welt haben. Insofern müssen – soweit möglich – die Kinder da abgeholt werden, wo sie aktuell stehen und individuell gefördert werden. Empathie hilft zu erkennen, wo die Kinder sportlich aber auch mental stehen.“
Bist du der Ansicht, dass dein Engagement auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen einen Einfluss hat, wenn ja, welchen?
Markus: „Zu erkennen, dass man als Trainer/ Übungsleiter einer Gruppe eine absolute Vorbildfunktion einnimmt, dauert eine Weile. Durch die ständige Rückkopplung am Platz bei den Kindern, aber auch aus Gesprächen mit den Eltern, ergibt sich dies aber dann Stück für Stück. Als Trainer ist man ein „Anker“ außerhalb der Schule und weg von zu Hause, der den Kindern Halt geben kann, aber auch Fähigkeiten vermitteln kann, die im Mannschaftssport unabdingbar sind, z. B. Zusammenhalt, sich Einfinden in einer bestimmten Rolle, Akzeptanz und Respekt, wenn’s mal nicht so läuft, aus gemeinsamen „Niederlagen“ zu lernen und wieder anzupacken, was für das spätere Leben und auch im Beruf extrem hilfreich ist.“
Wie hat sich der Bereich des Ehrenamtes im Kinder- und Jugendbereich seit deinem Einstieg verändert, und wie lange übst du dieses schon aus?
Thomas: „Ich habe angefangen, als mein Sohn sechs Jahre war, das heißt, ich mache das jetzt seit 15 Jahren. Ich hatte ein Jahr eine kurze Unterbrechung, aber ansonsten mache ich das jetzt seit 15 Jahren ehrenamtlich. Ich glaube, dass sich gar nicht so viel verändert hat, also zumindest nicht, was ich jetzt sportlich mache. Ansonsten glaube ich, hat sich verändert, dass es im Ehrenamt schwieriger geworden ist, Leute zu finden, die sich engagieren. Man hat immer wieder die gleichen Leute, die sich engagieren. Also ich stelle fest, dass die Leute, die im Beruf auch engagiert sind, da Verantwortung übernehmen und das dann auch im Privaten, in einem Ehrenamt machen. Bei den Kindern haben sich vielleicht die Kinder ein bisschen verändert. Klar, es sind ganz andere Voraussetzungen heutzutage, als sie es vor 15 Jahren waren, auch die Formulare sind schon etwas mehr geworden, z. B. auch speziell durch Corona und auch davor schon, was man alles ausfüllen muss. Der Papierkram ist vielleicht ein bisschen mehr geworden, aber eigentlich nichts, was sich jetzt speziell im Ehrenamt verändert hat. Es ist eigentlich die allgemeine Veränderung, wie man es sonst auch überall anders antrifft, in den Schulen, in der freien Wirtschaft oder sonst irgendwo. Diese Veränderungen schlagen sich auch natürlich überall auf das Ehrenamt durch, aber ansonsten nichts Spezielles, denke ich, aus meiner Sicht.“
Woraus ziehst du deine Motivation, eine so wichtige Aufgabe ohne Bezahlung zu leisten?
Christoph: „Fußball ist eine der schönsten Sportarten. Kindern und Jugendlichen den Spaß und die Kenntnisse dazu zu vermitteln, „Soziale Arbeit“ zu leisten und in einer starken Gemeinschaft als Verein zusammenzustehen. Wenn ein Spieler später etwas kann, was jetzt noch nicht funktioniert, weil er gezeigt bekommt, wie es besser geht, ist das doch ein schönes Ziel.“
Herzlichen Dank für euer soziales Engagement und die Beantwortung meiner Fragen!
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