Alle Beiträge von Julian Zehntner

Die Ukraine als Beitrittskandidat für die EU

Am Donnerstag, den 14. Dezember 2023, stimmte der Europäische Rat in Brüssel dem bereits am 8. November 2023 geäußerten Vorschlag der EU-Kommission, Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine aufzunehmen, zu. Dies soll vor allem ein klares außenpolitisches Zeichen der Solidarität mit der Ukraine sein und zugleich den Kampfeswillen der ukrainischen Bevölkerung gegen den Angriff Russlands stärken. Jedoch wurden bereits Bedenken bezüglich dieser vorerst nur symbolischen Verhandlungen geäußert.

Im Mai des Jahres 2022, als der Ukraine-Krieg bereits begonnen hatte, äußerte der französische Präsident Emmanuel Macron noch, dass die Ukraine ein: „EU-Mitglied der Herzen“ sei, dass die Aufnahme in die EU aber noch Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte dauern würden. Jedoch veränderte der fortdauernde Krieg mit Russland einiges in Bezug auf die Diplomatie mit der Ukraine, weshalb nun Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine aufgenommen wurden. Dies stelle laut Charles Michel einen „historischen Moment“ dar, welcher vor allem die Glaubwürdigkeit und Stärke der EU zeigt. Auch von Bundeskanzler Olaf Scholz folgte deutlicher Zuspruch. Obwohl die Ukraine noch nicht alle Auflagen für den Beitritt erfülle, so wurden die Beitrittsverhandlungen von der EU-Kommission empfohlen, vor allem weil sich jene Reformmaßnahmen bereits in der Umsetzungsphase befinden. So sollen die Beitrittsverhandlungen erstmal als Symbol der Solidarität mit der Ukraine dienen. Bis die Ukraine ein vollwertiges Mitglied der EU werden würde, würden ohnehin noch viele Jahre vergehen, wie etwa der noch niederländische Regierungschef Mark Rutte äußerte.

Aber bereits jetzt gibt es schon Bedenken, wie es mit einer Aufnahme der Ukraine in die EU weitergehen würde. Vor allem, weil die Ukraine das ärmste Land Europas ist, weit hinter Bulgarien, dem ärmsten Land der EU. Viele befürchten, dass ein Ukraine-Beitritt deswegen Unsummen an Geld verschlingen wird und dass auch viele ärmere EU-Staaten, welche bis jetzt Hilfen aus dem EU-Fond erhalten haben, zu Zahlern werden würden, was sich somit negativ auf die Wohlstandsentwicklung dieser Länder auswirken würde. Vor allem aus dem Agrarfond der EU hätte die Ukraine so viel Ansprüche auf Subventionen wie kein anderes Land. Dies, so fürchten einige Experten, könnte wiederum zu einer Überlastung des gesamten Finanzhaushaltes der EU, aufgrund einer Überbeanspruchung der Geldbezüge, führen. Aber auch die allgegenwärtige Korruption in der Ukraine bereitet vielen noch Sorgen – noch dazu, weil diese sogar in die höchsten Regierungskreise vorgedrungen zu sein scheint.

Trotzdem hat nur der ungarische Regierungschef Viktor Orban sich gegen die Beitrittsverhandlungen ausgesprochen. Während der Abstimmung über diese war Orban deswegen auch im Raum nicht anwesend. Dieses Vorgehen war so mit Orban abgesprochen, da eine Enthaltung bei solchen Bestimmungen nicht vorgesehen ist. Aus diesem Grund sei der Rat der EU auch komplett beschlussfähig gewesen. Orban sprach nach der Abstimmung über die Beitrittsverhandlungen, von einer „völlig sinnlosen, irrationalen und falschen Entscheidung“, da die Ukraine laut ihm einige der Reformauflagen noch nicht vollumfänglich erfüllt.

Obwohl die Ukraine auch laut der EU nicht alle Auflagen erfüllt, so sei sie auf dem besten Weg dies zu tun. Auch der Ukraine-Krieg und das damit verbundene geopolitische Interesse, die Ukraine vor Russland zu schützen, stehen bei dieser symbolischen Entscheidung wohl im Vordergrund. Auch wenn Ungarn sowie andere Gruppierungen ihre Bedenken über die Beitrittsverhandlungen geäußert haben, werden diese viele Ukrainer in ihrer pro-europäischen Haltung bestärken und könnten so ein weiteres und stärkeres Zusammenwachsen Europas fördern.

Quellen:

EU eröffnet Beitrittsverhandlungen mit Ukraine und Moldau | tagesschau.de

EU-Gipfel: Warum ein Ukraine-Beitritt auch Risiken birgt | tagesschau.de

EU-Kommission für Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine | tagesschau.deHohe Erwartungen der Ukraine an den EU-Gipfel | tagesschau.de

Der Hamas-Angriff auf Israel vom 07.10.2023

Am Samstagmorgen, den 07.10.2023, kam es vom Gaza-Streifen aus zu einem Großangriff der Terrororganisation Hamas, auf das Nachbarland Israel. Dieser äußerte sich in Raketenbeschuss und einem bewaffneten Angriff der Hamas-Milizen. Nun hat sich die Lage zu einem weiteren Krieg zwischen der Terrororganisation und Israel zugespitzt.

Der Angriff kam für viele Israelis und die Regierung unerwartet. Die Militäroperation der Hamas begann mit dem Abschuss tausender Raketen am frühen Samstagmorgen auf israelische Städte und zivile Ziele, so etwa in Tel-Aviv. Des Weiteren begann die radikal-islamische Hamas, neben den Luftangriffen, auch mit einer Bodenoffensive und überwand den streng bewachten Grenzzaun Israels, zum Gaza-Streifen. Nachdem die Terroristen in israelisches Grenzgebiet eingedrungen waren, kam es zu Geiselnahmen an Israelis und an Zivilisten ausländischer Staatsangehörigkeit, darunter auch an Deutschen. Die meisten dieser Geiseln wurden in den Gaza-Streifen verschleppt und Berichten zufolge wurden zahlreiche Gewalttaten gegen diese verübt, was ein Verstoß gegen internationales Recht darstellt. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte bereits Vergeltungsschläge gegen die Hamas an, weshalb er die Zivilbevölkerung des Gaza-Streifen zur Flucht aufrief. Ziel des geplanten israelischen Gegenangriffs sei die Zerstörung militärischer und administrativer Einrichtungen, um einen erneuten Angriff der Hamas in naher Zukunft zu verhindern. Gleichzeit stellte Israel die Stromversorgung in den Gaza-Streifen ein sowie den Import von Gütern in die Region.

Der Plan der Hamas ist derselbe wie schon seit ihrer Gründung im Jahr 1987, die Zerstörung Israels, sowie die Errichtung eines islamischen Staats Palästina, auf israelischem Staatsgebiet. Zuerst trat die Hamas als humanitäre Organisation im Gaza-Streifen auf, was ihr große Popularität in der verarmten Bevölkerung der Region einbrachte und schließlich zu ihrem Wahlsieg im Jahr 2006 führte. Nachdem Wahlsieg der islamistischen Hamas verschärfte sich jedoch die Situation mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und der dort führenden säkularen Fatah Fraktion. Dies führte dazu, dass die Hamas 2007 gewaltsam die Kontrolle im Gaza-Streifen an sich riss. Daraufhin führte sie in den folgenden Jahren immer wieder Kriege gegen Israel, weshalb die Hamas in vielen westlichen Staaten auch als Terrororganisation eingestuft wird. Der bisher letzte Krieg ereignete sich im Jahr 2021. Nun distanziert sich die säkulare Fatah Fraktion der PLO, unter dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, von den Taten der Hamas. Die PLO, welche sich als einzig legitime Vertretung Palästinas sieht, sowie die palästinensische Bevölkerung, stehen laut Abbas, für einen friedlichen Widerstand gegen die israelische Besatzung, weshalb die Taten der Hamas nicht das palästinensische Volk repräsentieren.

Israel erhält währenddessen auf internationaler Ebene viel Unterstützung. Die USA sowie die meisten Staaten der Nato und EU haben Israel bereits ihre Solidarität zu gesagt, so auch Deutschland. Laut ihnen habe Israel nun das Recht, sich gegen diese terroristischen Angriffe zu verteidigen und Vergeltungsschläge gegen die Hamas auszuüben. Olf Scholz reiste bereits am 17.10 nach Israel, dazu sagte er auf einer Pressekonferenz in Tirana: „Es ist mir wichtig, die Solidarität mit Israel auch ganz praktisch mit meinem Besuch zum Ausdruck zu bringen.“ Bei seinem Israelbesuch wurde vor allem über die Sicherheitslage und die mögliche Beschränkung des Konflikts auf den Gazastreifen sowie über humanitäre Hilfe gesprochen. Des Weiteren sicherte Scholz umfassende Unterstützung für die Lieferung aller benötigen Waffen zu und eine Hilfe für Israel in der Krisendiplomatie sowie in der Verständigung mit den anderen Staaten im Nahen-Osten. Während die meisten Islamischen Staaten wie etwa die Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien oder Qatar sich für eine Beilegung des Konflikts stark machen, begrüßt man im Iran hingegen den Hamas-Angriff und beglückwünscht die Terroristen zu ihrem Erfolg. Auch die vom Iran unterstützte, im Libanon tätige, islamistische Terrororganisation Hisbollah, begrüßt die Situation im Gaza-Streifen.

Israel befindet sich laut Netanyahu nun im Krieg. Dieser Krieg gefährdet nicht nur die Stabilität in der Region, sondern auch die kritische humanitäre Lage im Gaza-Streifen. Die einzige Lösung um den Frieden zu wahren und den Konflikt sowie das Leid der Zivilbevölkerung, schnellst möglich zu beenden, ist ein Waffenstillstand zwischen der Hamas und Israel, welcher jedoch nun in weite Ferne gerückt ist.

Quellen:

Scholz plant offenbar Reise nach Israel | tagesschau.de

Palästinenserpräsident Abbas distanziert sich von Hamas-Taten | tagesschau.de

Scholz zu Angriffen aus Gaza: „Deutschland steht an Israels Seite“ | tagesschau.de

Liveblog zu Nahost: ++ Netanyahu kündigt Rache für Hamas-Angriffe an ++ | tagesschau.de

Eskalation in Nahost: Was ist die Hamas? | tagesschau.de

Hamas-Überfall: Hunderte Tote nach Angriffen auf Israel | tagesschau.de

Der Fall Hans-Georg Maaßen

Nach Jahre langen und wiederkehrenden innerparteilichen Konflikten in der Christlich Demokratischen Union (CDU) um den ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen (CDU), dessen Äußerungen sich in ihrem Sprachgut dem Völkischen und Antisemitischen annähern, ist eine Entscheidung gefallen. Denn Maaßen wurde ein Ultimatum gestellt, die Partei bis zum Sonntag den 5.2.2023 freiwillig zu verlassen, sonst drohe ihm ein Parteiausschlussverfahren.

Schon seit dem Jahr 2018 ist die Person Hans-Georg Maaßen nicht unumstritten. Als es in jenem Jahr zu heftigen Ausschreitungen in Chemnitz durch Rechtsradikale kam, bestritt Maaßen diese Konflikte und zweifelte sie in ihrer Gefahr an. Aufgrund seines Handelns musste er schließlich auch den Posten als Verfassungsschutzpräsident räumen. Des Weiteren wird dem heute 60-Jährigen vorgeworfen die Beobachtung der in Teilen rechtsextremen AfD, durch den Verfassungsschutz, während seiner Amtszeit, massiv gebremst zu haben. Daraufhin trat Maaßen auch der rechtskonservativen Werte Union bei, welche sich als Basis Bewegung der CDU für konservativere Werte versteht, jedoch von der Partei nicht als solche anerkannt wird. Ende Januar wurde Maaßen schließlich auch mit einer großen Mehrheit zum Vorsitzenden der Werte Union gewählt.

Laut Aussagen von Friedrich Merz, Vorsitzender der CDU, befanden sich die Äußerung Maaßens bis jetzt noch immer gerade so unter der Grenze für aktives parteischädigendes Verhalten. Diese Grenzen hat er jedoch nun für die Meisten in einem Interview mit einem rechtsgerichteten Internetportal deutlich überschritten. Dort sprach Maaßen von einem ‘‘eliminatorischem Rassismus gegen Weiße‘‘ sowie von einer ‘‘rot-grünen Rassenlehre‘‘, welche laut ihm in der Bundesrepublik vorherrschen. Diese Aussagen sollen letztendlich zu einem geplanten Schlussstrich hinter den Fall Hans-Georg Maaßen führen. Denn die CDU unter Friedrich Merz will sich nun deutlich stärker politisch von rechts abgrenzen. Aus diesem Grund wurde Maaßen, mit Zustimmung des CDU-Präsidiums, durch den CDU-Generalsekretär Mario Czaja, zum freiwilligen Austritt aus der Partei bis Sonntagmittag den 5.2.2023 aufgerufen. Sollte Maaßen dieser Forderung nicht nachkommen drohe ihm ein Parteiausschluss verfahren. Als Grund für dieses Vorgehen lies das CDU-Präsidium verlauten: „Für seine Äußerungen und das damit zum Ausdruck gebrachte Gedankengut ist in unserer Partei kein Platz.“. Auch der Vorsitzende des Landesverbands der CDU in Thüringen habe Hans-Georg Maaßen aufgefordert die Partei zeitnahe zu verlassen. Doch trotz jeder Kritik hält Maaßen an seinen Äußerungen fest, er spricht von einer „pauschalen Verunglimpfung“ seiner Person und weist darauf hin, dass was er gesagt habe „…ist nicht rassistisch, sondern das, was viele Menschen im Land denken.“, so der ehemalige Verfassungsschutzpräsident.

Ob Maaßen nun freiwillig aus der CDU austritt bleibt weiterhin offen, jedoch kündigte er bereits an, die Schriften seiner Partei an ihn, welche ihn zum Parteiaustritt auffordern, von seinen Anwälten prüfen zulassen, da laut ihm die Kriterien für ein Ausschlussverfahren seiner Person nicht gegeben sind. Das Verfahren des Parteiausschlusses eines Mitglieds ist im Grundgesetz genaustens geregelt um Willkür bei diesem Vorgang zu vermeiden und um die Meinungsvielfalt innerhalb einer Partei zu wahren. Deshalb lautet der einzige Grund für Parteiausschlussverfahren wie folgt: „Ein Mitglied kann nur dann aus der Partei ausgeschlossen werden, wenn es vorsätzlich gegen die Satzung oder erheblich gegen Grundsätze oder Ordnung der Partei verstößt und ihr damit schweren Schaden zufügt.“. Diese Grenze ist jedoch schwer festsetzbar. Deshalb führen Parteiausschlussverfahren meist zu langwierigen Prozessen welche über Jahre hin andauern können. Ein Beispiel wäre der ehemaliger Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), welcher erst 2020 nach drei Parteiordnungsverfahren aus der SPD ausgeschlossen wurde.

Sollte Maaßen sich nun wie vermutlich nicht für einen freiwilligen Austritt aus der CDU entscheiden, würde es zu einem Parteiausschlussverfahren kommen, dessen langwieriger Prozess könnte die Volkspartei in ihrer Handlungsfähigkeit gegenüber anderen politischen Themen enorm einschränken. Des Weiteren könnte Maaßen sich als Märtyrer darstellen, dies würde ihm im Gegenzug eine Bühne für seine politische Agenda liefern, genau der Fall den die CDU eigentlich verhindern wollte.

Quellen:

Maaßen und die CDU: Warum ein Parteiausschluss nie einfach ist | tagesschau.de

Partei setzt ihm Frist : CDU-Präsidium fordert Maaßen zum Austritt auf | tagesschau.de

Möglicher Parteiausschluss: CDU wendet sich gegen Maaßen | tagesschau.de

Fall Maaßen: Riskante Bewährungsprobe für die Merz-CDU | tagesschau.de

Ex-Verfassungsschutzchef: Maaßen neuer Chef der Werteunion | tagesschau.de

Der EU-Korruptionsskandal

Am Freitagabend den 9.12.2022 gelang es der belgischen Polizei, nach Monaten langer Arbeit, ein Korruptionsnetzwerk im Europaparlament aufzudecken. Die Beteiligten Personen sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft, darunter auch die griechische sozialdemokratische Vizepräsidentin des Europaparlamentes Eva Kaili.

Die belgische Polizei hatte schon lange Zeit den Verdacht, dass Mitarbeiter des Europaparlaments in einen Korruptionsskandal verwickelt sind. Am Freitagabend wurde dies nun bestätigt und das Ausmaß waren größer als zuerst angenommen; rund 1.5 Million Euro an Bargeld wurde beschlagnahmt und auch Parlamentsvize Kaili ist in diesen Skandal involviert. Normalerweise wäre sie aufgrund ihrer Immunität vor der Strafverfolgung der Polizei geschützt gewesen, da man sie jedoch auf frischer Tat ertappte, war jene Immunität ungültig. Als Folge dessen wurden sämtliche Vermögen der 44-Jährigen von der griechischen Regierung eingefroren, ihre Partei, die PASOK-Partei, ließ sie bereits am selben Freitag ausschließen und Kaili wurde von der Maltesischen Parlamentspräsidenten Roberta Metsola am darauffolgenden Wochenende von ihren Pflichten entbunden, bis Kaili schließlich am 13.12.2022 vom Europaparlament mit nur einer Gegenstimme abgewählt wurde. Die Staatsanwaltschaft wirft den in Haft genommen, wie auch Kaili, Korruption, Geldwäsche, Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie Einflussnahmen durch das Ausland vor. Kaili sowie ihr Anwalt weisen hingegen die an sie herangetragenen Vorwürfe zurück.

Laut Angaben der Ermittler hängen diese Einflussnahmen auf das Europaparlament und deren Entscheidungsträgern mit dem Golfstaat Katar zusammen. Von dort aus sollen auch die zahlreichen Geldsummen geflossen sein. Kaili war Teil einer Delegation, welche die Beziehungen zu den Golfstaaten ausbauen sollte, jedoch wurde zunehmend auffälliger, dass Sie sich für Katar übermäßig einsetzte, trotz der zahlreichen Vorwürfe an den Staat, Menschenrechte zu missachten. Katar hingegen weist die Vorwürfe deutlich zurück, so gibt das katarische Außenministerium zu verlauten, dass „jede Verbindung der katarischen Regierung mit den berichteten Vorwürfen grundlos und gravierend uninformiert [sei]“. Des Weiteren gibt das katarische Außenministerium bekannt, dass sich das Emirat an die vorgegebenen internationalen Gesetze und Regeln halte. Auch andere Staaten wie etwa Marokko und dessen Geheimdienst werden verdächtigt, bei Abgeordneten des Europäischen Parlaments zugunsten von Katar und Marokko, gegen Bezahlung, politisch interveniert zu haben.

Nun will das EU-Parlament beschließen, wie man zukünftig mit Korruption umgehen soll und vor allem wie sich Bestechung vermeiden lässt. Parlamentspräsidentin Metsola kündigte bereits einen Plan für umfassende Reformen an. Obwohl das EU-Parlament bereits strengere Lobbyvorschriften, wie ein Lobbyregister, besitzt und Treffen mit Lobbyvertretern angekündigt werden müssen, sollen die Regeln noch einmal verschärft werden. Zu diesen Verschärfungen zählen unter anderem Vermögenserklärungen über Nebeneinkünfte und Finanzierungen sowie das Verbot jeglicher Finanzierung von Abgeordneten und Fraktionen von außen und die Aufzeichnung von Gesprächen mit Ländervertretern, deren Land kein Mitglied der Europäischen Union ist. Auch die Ethikkommission, welche lange Zeit mit Abgeordneten besetzt war, wodurch sich die EU selbst kontrolliert hat, soll durch unabhängige Fachleute von außen geprüft werden, um sicherzustellen, dass geltende Regeln eingehalten werden.

Die Aufarbeitung des Korruptionsskandals wird noch länger andauern, jedoch ist der angerichtete Schaden enorm, denn er stellt laut vieler Parlamentarier einen Angriff auf die Demokratie und die Lebensweise in Europa dar. Aufgrund dieser Tatsache will das Europaparlament trotzdem geschlossen auftreten, vor allem soll dieser Konflikt nicht zwischen den jeweiligen Fraktionen ausgetragen werden, damit populistischen und extremen Parteien es nicht ermöglicht wird, von dieser Krise zu profitieren.

Korruptionsverdacht in der EU: Was kommt da noch? | tagesschau.de

EU-Korruptionsskandal: Fast 1,5 Millionen Euro beschlagnahmt | tagesschau.de

Korruptionsverdacht: EU-Parlament setzt Vizepräsidentin Kaili ab | tagesschau.de

EU-Korruptionsskandal : Kaili und Katar – was bislang bekannt ist | tagesschau.de