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Zucker – Dieses weiße Pulver, das abhängig macht

Weltweit sind beinahe zwei Milliarden Menschen übergewichtig. Die WHO empfiehlt, höchstens zehn Prozent des täglichen Energiebedarfs durch Zucker zu decken. Das entspricht etwa 50 Gramm, zehn Teelöffeln oder 14 Stücken Würfelzucker pro Tag. In Deutschland wird diese Richtlinie jedoch deutlich überschritten. Laut der Nationalen Verzehrstudie II nehmen Männer durchschnittlich 13 Prozent ihrer täglichen Kalorien in der Form von Zucker zu sich, bei Frauen sind es 13,9 Prozent und der DONALD-Studie zufolge sind es bei Kindern sogar 16,3 Prozent.

Grundsätzlich ist die Aufnahme von Zucker nicht automatisch schlecht, da der menschliche Körper eine beständige Versorgung mit Traubenzucker (Glucose) benötigt, um funktionieren zu können, denn dieser stellt den Brennstoff für die Energiegewinnung in den Zellen dar. Deshalb sollte man eine Unterzuckerung vermeiden, denn eine solche kann, vor allem, wenn sie länger anhält, zu verheerenden Folgeerscheinungen, wie diversen Krankheiten, führen. Man sollte darauf achten, einen Mindestzuckergehalt von 80 bis 100 Milligramm Zucker in 100 Milliliter Blut aufrecht zu erhalten.

Man kann zwischen verschiedenen Arten von Zucker unterscheiden, die im Körper jedoch alle zu Glucose abgebaut werden können. Zum einen gibt es die natürlichen Formen von Zucker, wie beispielsweise Stärke oder Fruchtzucker, die man zusammen mit Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen, die den Glucosefluss bremsen, einnimmt, wodurch die Glucose langsamer ins Blut übergeht.

Zum anderen existiert der industriell hergestellte Haushaltszucker, den die meisten Menschen meinen, wenn sie von „Zucker“ sprechen. Dieser wird in der Regel in höheren Mengen mit kaum Begleitstoffen eingenommen, wodurch der Blutzuckerspiegel schnell ansteigt und letztendlich viel Energie frei wird. Dadurch wird man vorübergehend leistungsfähiger und glücklicher. Allerdings ist nach der übermäßigen Einnahme dieses Zuckers der Blutzuckerspiegel schnell erschöpft, da die Glucose nicht gleichmäßig verwertet wird, wie es bei den natürlichen Zuckerquellen der Fall ist. Dadurch stellen sich Zustände wie Energielosigkeit und Müdigkeit bei dem Konsumenten ein. Im Folgenden ist mit „Zucker“ dieser Haushaltszucker gemeint.

Für den übermäßigen Verzehr von Zucker gibt es verschiedene Gründe. Einerseits ist der Mensch durch seine Vorfahren darauf gepolt, Zucker zu bevorzugen, da etwas Süßes Energie liefert und in der Natur selten giftig ist. Andererseits kann der Verzehr bestimmter Zuckermengen genetisch bedingt sein oder aus Essgewohnheiten resultieren. Hinzu kommt, dass viele Kinder dahin trainiert werden, etwas Süßes als Belohnung zu verorten. Es gibt aber auch Abläufe im Körper, die eine Entwicklung von Zuckersucht begünstigen: Um den Zucker zu den Zellen transportieren zu können, um Energie freizusetzen, benötigt der Körper Insulin. Wenn viel Zucker auf einmal zur Verfügung steht, wird auch entsprechend viel Insulin ausgeschüttet. Dieses Hormon hat aber auch die Funktion, die Bildung von Serotonin, einem Glückshormon, zu aktivieren. Auch der Dopaminspiegel wird durch den Verzehr von Zucker erhöht. Dadurch werden die Belohnungs- und Lustzentren im Gehirn gesteuert. Deshalb nehmen viele Menschen übermäßig viel Zucker zu sich, um ihren Glückszustand aufrecht zu erhalten. Das Problem ist, dass bei einem langfristigen Verzehr von Zucker der Dopaminspiegel wieder gesenkt wird, was zu dem Verlangen nach immer mehr Zucker führt. Somit wird der Zucker mit anderen Drogen vergleichbar.

Die Folgen einer Zuckersucht sind weitreichend. Wenn man regelmäßig zu viel Zucker isst, steigt nicht nur die Wahrscheinlichkeit von Karies, einer Fettleber und Übergewicht, sondern das Immunsystem wird geschwächt, wodurch der Mensch anfälliger für Infektionskrankheiten wird. Außerdem ist eine Irritation des Blutzuckers entzündungsfördernd. Das stellt eine Voraussetzung für chronische Krankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Rheuma und Depressionen, dar.

Zuckersucht liegt aber nicht ausschließlich in der Verantwortung der Konsumenten. Die Lebensmittelindustrie lässt dem Verbraucher kaum noch eine Möglichkeit, industriellem Zucker zu entkommen, denn die Lebensmittelkonzerne befinden sich im Wettbewerb zueinander und müssen deshalb versuchen, den Konsumenten für sich zu begeistern. Eine gängige Strategie hierbei ist, Zucker in Fertigprodukte zu mischen, wo er gar nicht vermutet wird, da er den Geschmack abrundet, als natürlicher Geschmacksverstärker fungiert, ein Konservierungsstoff ist und krosse Oberflächen schaffen kann. Damit werden die Lebensmittel für den Konsumenten attraktiver. Um die Beinhaltung von Zucker möglichst unkenntlich zu machen, wurden manipulative Methoden entwickelt. So versteckt er sich hinter zahlreichen Namen und oft befinden sich verschiedene Arten von Zucker in einem Produkt. Auf der Zutatenliste rückt er somit um einige Plätze nach hinten und ist bei einem schnellen Überfliegen dieser Liste nicht sofort präsent. Wenn man seinen Konsum von Zucker ein wenig reduzieren möchte, wäre es also ratsam, sich die verschiedenen Begriffe für Zucker anzusehen und die Zutatenlisten und Nährwerttabellen auf Fertigprodukten zu beachten.

Da die übermäßige Aufnahme von Zucker, wie bereits erklärt, negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen hat, trägt sie zur Überlastung des Gesundheitssystems bei. Wegen der Dringlichkeit dieses Problems hat die Bundesregierung die Lebensmittelhersteller bereits dazu aufgefordert, den Zuckergehalt zu verringern. Doch durch das Eingreifen diverser Lobbys wird die Beschließung von Gesetzen bezüglich des Zuckergehalts verhindert, da diese das Wirtschaftswachstum gefährden würden. Schließlich bringt der Vertrieb von zuckerhaltigen Produkten eine Menge Geld ein und es gibt für die Lebensmittelindustrie günstige Abmachungen bezüglich des Zuckerhandels. Zudem bringen erkrankte Menschen Ärzten und der Pharmazie keine geringen Summen an Geld ein.

Dennoch gehen andere Länder bereits politisch gegen die manipulativen Strategien der Lebensmittelkonzerne vor. Norwegen, Schweden, Irland und Großbritannien beispielsweise, verbieten die Werbung für Lebensmittel mit viel Zucker in Radio- und Fernsehprogrammen, deren Zielgruppe Kinder sind. Chile versteuert Produkte mit hohem Zuckergehalt höher und kennzeichnet sie mit Warnsymbolen.

Vielleicht siegt auch in Deutschland irgendwann die Sorge um das Wohl der Menschheit seitens der Politik über wirtschaftliche Eigeninteressen von Konzernen. Bis dahin hat es der Konsument in der Hand, wie viel er sich über seine Ernährung informiert und ob er darauf achtet. Lohnen würde sich das sicherlich, denn durch eine Ernährung, die den Bedürfnissen des Körpers entspricht, kann einer Menge Krankheiten vorgebeugt werden.

Quellen:

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/ernaehrung/lebensmittel/zucker-uebersicht/zucker

https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Zucker-Gefaehrlich-fuer-die-Gesundheit,zucker133.html

https://www.deutschlandfunk.de/zucker-das-geschaeft-mit-dem-suessen-stoff-100.html

https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Zucker-Kinder-als-Zielgruppe-der-Lebensmittelindustrie,zucker672.html

Reich sein, ohne reich zu sein

„Am reichsten ist der, der am wenigsten braucht.“ – Seneca

In einem deutschen Haushalt befinden sich durchschnittlich 10.000 Gegenstände1. Diese Information lässt auf eine Auffassung von Reichtum in der heutigen Zeit schließen, die von dem obenstehenden Zitat abweicht. Doch in den letzten Jahren hat sich ein Trend entwickelt, der wieder auf Senecas Ansicht zusteuert: Minimalismus.

Vor etwa 150 Jahren hat sich Deutschland in der Zeit der Industrialisierung befunden, in der eine Klassengesellschaft vorgeherrscht hat. Damals sind sich die Bourgeoisie, die reichen Besitzer der Produktionsmittel, und die verarmten Proletarier, die von den Fabrikherren abhängig gewesen sind, gegenübergestanden. Zu dieser Zeit hat Distinktionskonsum, also der Konsum, welcher die Zur-Schau-Stellung von Reichtum und Status zum Ziel hat, eine große Rolle in der Bourgeoisie gespielt. Die Arbeiter, welche größtenteils nahe am Hungertod gestanden sind und sich den minimalsten Wohnraum mit anderen Familien geteilt haben, haben somit Reichtum und auch materiellen Besitz als etwas Erstrebenswertes aufgefasst, da sie es mit dem Ende von Hunger und Leid und somit dem Erlangen von Glück assoziiert haben.

In der freien Marktwirtschaft, bei der das Angebot durch die Nachfrage diktiert wird, wird von dieser Assoziation gebrauch gemacht, um den Markt anzukurbeln. In etlichen Werbeanzeigen wird der Konsum des beworbenen Produktes direkt oder indirekt in Verbindung mit Glück und Freude gebracht, weil sich danach viele Menschen sehnen, und das ist teilweise keine leere Versprechung, da durch die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin eine kurzzeitige Zufriedenheit nach einer Kaufhandlung eintritt2. Deshalb kann Konsum als Kompensationstechnik verwendet werden. Jedoch hängt Glück nicht nur von externen Einflüssen ab. Langfristiges Glück kommt von innen. Und so entsteht ein Teufelskreis. Man konsumiert, um glücklich zu werden und wenn der Dopaminschub abgeklungen ist, konsumiert man das nächste, um wieder das Gefühl von Freude zu verspüren. Man jagt sozusagen eine Illusion.

Was viele Menschen nicht wissen, ist, dass übermäßiger Besitz und die damit einhergehende Unordnung auch negative Auswirkungen auf die Psyche haben kann. Während manche Menschen bei Unordnung ein kreatives Hoch erleben, wird bei anderen die Denkleistung eingeschränkt. Die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, kann durch die Ablenkung, die Unordnung darstellt, bei ihnen sinken. Hinzu kommt, dass beispielsweise ein unordentliches Schlafzimmer den Schlaf stören kann, und es ist bewiesen, dass man in einer unordentlichen Umgebung öfter zu Süßigkeiten greift, als in einer ordentlichen Umgebung. Zudem steigt bei Frauen der Cortisolspiegel und damit auch Stress3. Außerdem wird beobachtet, dass in Gegenden, in denen viele Menschen leben, die einen hohen finanziellen Wohlstand haben, die Lebenszufriedenheit entgegen aller Annahmen nicht immer weiter wächst, sondern die Wahrscheinlichkeit vom Erleben von Stress, Depressionen, Burnout und Orientierungslosigkeit steigt4. Das alles kann von der Reizüberflutung des Gehirns stammen, das mit der Verarbeitung von all den Genüssen, mit denen es ständig konfrontiert wird, überfordert ist.

Wie kann man dem also entgegenwirken?

Für einige lautet die Antwort ganz einfach: Minimalismus. Das ist eine Lebensweise, bei der man den Besitz auf das Nötigste reduziert und den Fokus auf das Wesentliche rückt. Einige bringen diese Lebensweise auch mit Freiheit in Verbindung, da man ohne materiellen Ballast lebt. Jedoch sieht Minimalismus nicht für alle, die ihn praktizieren, gleich aus. Manche geben sich damit zufrieden, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen, und kommen mit nur 100 Besitzgegenständen aus, andere besitzen alles, was nötig ist, um ein für sie komfortables Leben zu führen, in dem sie diversen Hobbies nachgehen und Freude daran haben, ihre 20 Sommerkleider mit dreißig Paar Schuhen zu stylen. Der gemeinsame Nenner für Minimalisten ist wahrscheinlich, dass sie die Gegenstände, die sie nicht benötigen, aus ihrem Leben verbannen. Das fällt jedoch vielen schwer, da oft eine emotionale Bindung zu Besitztümern vorherrscht, zumal sich einige Menschen durch ihren Besitz zumindest teilweise definieren. Eine Methode, diese Schwierigkeit zu überwinden, ist beispielsweise, die Dinge, die man seit einem halben Jahr nicht mehr benutzt hat, zwischenzulagern, und wenn man sie nicht vermisst, sich endgültig von ihnen zu verabschieden. Und danach sollte man sich natürlich keine neuen, trendbedingten Dinge anschaffen, die nach einen Monat nicht mehr angeschaut werden.

Und wie kommt man jetzt, wo das illusorische Glück, das Konsum verspricht, beseitigt ist, zu echtem Glück? Wie bereits erwähnt, kommt wahres Glück von innen. Das ist auch die einzige und sicherste Möglichkeit, in einem zufriedenen Zustand zu bleiben, denn äußere Einflüsse sind ständig im Wandel. Um es freizulegen, bedarf es allerdings ein wenig Arbeit mit sich selbst. Es gibt etliche Methoden zur Persönlichkeitsentwicklung, für die sich jeder individuell entscheiden kann. Beispiele dafür sind Hobbies entdecken und ihnen nachgehen, Tagebuch schreiben, sich mit Freunden treffen oder sogar Therapie. Der wichtigste Schritt ist aber, sich selbst kennenzulernen und auf seine Bedürfnisse zu achten, damit man nicht von äußeren Faktoren für Glück abhängig ist. Und vielleicht wird man dann langfristig reich, so, wie Seneca das gemeint hat.

Quellen:

  1. Vgl. https://www.dieklimawette.de/news-challenges/detail/weniger-ist-mehr-challenge#:~:text=W%C3%A4hrend%20ein%20durchschnittlicher%20Haushalt%20in,10.000%20Gegenst%C3%A4nde%20(statistisches%20Bundesamt)
  2. Vgl. https://www.sueddeutsche.de/wissen/kaufen-sucht-gehirn-dopamin-1.4222443#:~:text=Nach%20jedem%20Einkauf%20wird%20im,Dopamin%20ausgesch%C3%BCttet%2C%20die%20k%C3%B6rpereigne%20Gl%C3%BCcksdroge.&text=Der%20Mensch%20mag%20sich%20aus,Einkaufen%20im%20Internet%20so%20gef%C3%A4hrlich
  3. Vgl. https://corinna-rose.de/blog/unordnung-studien#:~:text=Unordnung%20sch%C3%BCttet%20bei%20Frauen%20Stresshormone,Unordnung%20um%20sie%20herum%20herrscht
  4. Vgl. https://www.deutschlandfunkkultur.de/anders-leben-freiheit-durch-weniger-konsum-100.html

Spieglein, Spieglein an der Wand, was wird geschehen in diesem Land? – Kunst als Spiegel und schaffende Kraft der Gesellschaft

Am 14.05.2019 ist im Auktionshaus Sotheby´s in New York das Gemälde „Meules“ von Claude Monet, auf dem ein Heuhaufen zu sehen ist, für 98,8 Millionen Euro versteigert worden. Dabei beträgt der Materialwert des Bildes gerade einmal einen verschwindend kleinen Bruchteil dieser Summe. Was macht also Kunst, abgesehen vom Bekanntheitsgrad des Urhebers, für uns Menschen so interessant und wertvoll?

Der Duden liefert die folgende Definition des Kunstbegriffs: „schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialien oder mit den Mitteln der Sprache, der Töne in Auseinandersetzung mit Natur und Welt“. Dabei beinhaltet jedes Kunstwerk, ob gemalt, gesprochen, gesungen oder geschrieben, Aussagen und Informationen, deren Interpretation von der persönlichen Lebenslage des Publikums abhängt.

Kunst stellt einen zentralen Unterscheidungsaspekt zwischen Maschinen und Menschen, denen im Gegensatz zu Maschinen Kreativität innewohnt, dar. Für das Ausleben von Kreativität steht dem Menschen die ganze rechte Gehirnhälfte zur Verfügung. Das allein ist schon der Beweis dafür, dass Kunst für das Wohlergehen des Menschen notwendig ist. Schließlich wird sie nicht ohne Grund als Therapiemittel eingesetzt, denn sie ermöglicht den Ausdruck und die Verarbeitung von schwer zu äußernden Dingen, wie unfassbare Gefühle, Gedanken oder Erlebnisse. Somit werden sie als Kunstwerk zu einem greifbaren und informativen Objekt.

Die Funktionen von Kunst gehen aber weit über den persönlichen Nutzen hinaus und hierbei kommt ihr historischer Wert für die Gesellschaft ins Spiel.

Kunst ist eine Form der Reflexion und im Laufe der Geschichte ständig in Bewegung. Sie spiegelt soziale, politische oder landschaftliche Zustände zur Zeit ihrer Entstehung wider. Das kann entweder durch den offensichtlichen Inhalt eines Werkes geschehen, oder man kann Veränderungen in den Ausdrucksformen und Stilrichtungen über einen längeren Zeitraum feststellen, was oft auf eine gesellschaftliche Veränderung hinweist. Ein Beispiel hierfür ist das Individualporträt, das erst im späten Mittelalter aufgekommen ist. Zuvor waren die unterschiedlichen Menschen fast ausschließlich an verschiedenen Attributen, die ihnen oder ihrem Stand zugeschrieben wurden, erkennbar, oder eben nicht erkennbar. Das Portrait, das die individuellen Gesichtszüge zeigt, lässt eine gestiegene Wichtigkeit und Wertschätzung der individuellen Person vermuten.

Doch warum sagt Karl Marx: „Kunst ist nicht ein Spiegel, den man der Wirklichkeit vorhält, sondern ein Hammer, mit dem man sie gestaltet“?

Neben der eben beschriebenen repräsentativen Rolle hat Kunst auch eine aktive, gestalterische Rolle in der Gesellschaft und ein Künstler kann entweder bewusst oder unbewusst Einfluss auf die Menschen ausüben.

Wie bereits erwähnt, verfügt der Mensch über Kreativität, die ihn zum Künstler macht. Mit dieser Kreativität kann er innovative Ideen entwickeln, die er in seiner Kunst präsentiert. Dabei überschreitet der Künstler Grenzen, fordert und provoziert sein Publikum, wodurch Reibung erzeugt wird, was die Menschen wiederum zum Nachdenken anregt. Dies kann zusätzlich intensiviert werden, indem der Künstler seine Kunst auf eine bestimmte Zielgruppe zuschneidet, da er dadurch seine Botschaft auf eben diese zuschneiden kann.  Mit der Zeit kann sich das Bewusstsein und das Weltbild der Menschen verändern, was wiederum einen gesellschaftlichen Wandel mit sich zieht. Kunst kann als eine Leinwand, gefüllt mit unvertrauten Dingen, fungieren, deren Betrachtung beim Publikum eine jeweils individuelle Reaktion hervorruft, wie zum Beispiel die Bildung von Toleranz und Weltoffenheit.

Beim Einsetzen von Kunst als formendes Werkzeug ist das Publikum häufig empfänglich für die Botschaft, da es sich selten angegriffen oder in die Enge getrieben fühlt. Auf diese Weise gelingt es den Künstlern meist, ernste Themen oder Kritik anzusprechen, ohne auf Ablehnung zu stoßen. Ein gängiges Beispiel dafür ist der Bereich Satire. Hier adressieren die Performer oft gesellschaftliche Probleme auf unterhaltsame Weise. Das gibt dem Publikum die Wahl, das Problem einfach nur als Witz abzuschreiben und sich nicht bewusst weiter damit auseinanderzusetzen, aber dennoch kann das Unterbewusstsein die Aussage abspeichern und damit arbeiten. Die andere Möglichkeit ist die aktive Beschäftigung mit dem Problem. Aber egal, auf welchem Weg, der Künstler erzielt eine Bewusstseinsveränderung beim Publikum und auf diese Weise wird Kunst, als Werkzeug zum Fortschritt, zu einer aktiven Kraft.

Der immaterielle Wert von Kunstwerken übersteigt den materiellen also um das Vielfache, denn ein Bild ist eben nicht immer nur ein Bild und ein Lied ist nicht immer nur ein Lied. Jedes Werk verfügt über irgendeine Macht, da es etwas vermittelt und im Betrachter etwas hervorruft. Kunst bereichert unser Leben – nicht nur als Geldanlage – in vielen Bereichen, die uns gar nicht immer bewusst sind. Eines ist aber klar: Ohne Kunst wäre die Menschheit nicht dahin gelangt, wo sie heute ist.

Quellen:

https://www.grin.com/document/313125

https://www.deutschlandfunkkultur.de/kunst-kann-die-gesellschaft-veraendern-100.html

Was ist Kunst? Und wieso brauchen wir sie? Ein Interpretationsversuch

https://herrhausen-weiter-denken.de/artikel/eine-frage-der-kultur

Kunst als Spiegel der Gesellschaft

https://www.scinexx.de/businessnews/wie-kunst-die-psyche-beeinflusst/

35 Gründe für Kunst und Kultur

Goethe von heute: Die Poetry-Slam-Szene erleben

Victor Auburtin sagt: „Genaugenommen ist Dichten ein Naturvorgang; wie der Apfel auf dem Baum reift und wie das Ei aus der Henne kommt, so reift das Werk im Dichter, und so bewegt es sich aus ihm heraus.“

1986 hat der Dichter Marc Kelly Smith den sogenannten Poetry Slam in Chicago ins Leben gerufen und damit ist ein gesellschaftliches Event, an dem jedermann teilnehmen und zuhören kann, entstanden. Dabei handelt es sich um eine moderne Form der antiken und mittelalterlichen Dichter- und Rednerwettstreite. Mittlerweile finden sogar deutschsprachige Meisterschaften statt. Doch neben dieser „Dichterelite“, in die man sich erst durch diverse Qualifikationen hinaufarbeiten muss, finden auch Veranstaltungen im kleineren Rahmen statt, bei denen nicht weniger begabte Dichter auf der Bühne stehen, wie zum Beispiel der „SprechAkt“. Er findet alle paar Monate an einem Donnerstagabend in der alten Kaserne in Landshut statt. Dort kommen hauptsächlich junge Menschen zusammen, die sich auf einen unterhaltsamen und ungezwungenen Abend mit einem Glas Wein und allerlei Texten aus diversen Genres freuen.

Die Spielregeln

24.12.2022, 19.35 Uhr. Es geht los! Die Moderatoren erklimmen die Bühne und erklären die „Spielregeln“: Alle vorgetragenen Texte müssen selbst erdichtet sein, jeder Künstler hat ein Zeitlimit von maximal sieben Minuten, um seine Werke zum Besten zu geben und darf dabei außer einem Medium, von dem er den Text gegebenenfalls abliest, keinerlei Requisiten verwenden. Die wichtigste Regel jedoch gilt dem Publikum: „Respect the poets!“ Die Moderatoren selbst haben die Mission, das Publikum durch den Abend zu führen und es bei Laune zu halten, während die Juris, die aus freiwilligen Grüppchen aus dem Publikum bestehen, nach jedem Auftritt eine Wertung von einem bis zehn Punkten abgeben.

Der Wettkampf

Der erste Poet betritt die Bühne und eröffnet die Vorrunde. Nach ihm ziehen noch sieben weitere die Zuschauer mit verschiedenen Texten über gesellschaftliche Themen, sowie Gefühle und Erlebnisse in den Bann. Es werden Werke über Konsum, Klimawandel, Selbstakzeptanz, Bedrängnis, die Psyche von Kindern im Heim und Übernachtungen auf der Zeltwiese eines Festivals vorgetragen. Auf den Gesichtern der Zuschauer spiegeln sich zwischen Sehnsucht, Belustigung, Wut und Traurigkeit beinahe jede Gefühlslage wieder.

Dann kommt das Finale. Die drei Poeten, welche an diesem Abend die meisten Herzen erobert haben, tragen ein zweites Werk vor. Sie untermalen ihre Worte mit wilden Gesten, harren auf manchen aus und es entsteht ein regelrechtes Schauspiel auf der Bühne und in den Köpfen.

Das Publikum selbst entscheidet nun mit der Stärke des Applauses über den Sieger und es wird geklatscht, gepfiffen, geschrien und gestampft. Die Siegerin steht fest. Es werden aber alle Darsteller mit tosendem Applaus noch einmal geehrt. Schließlich geht es bei diesem Event mehr um ein schönes Miteinander und das Erfahren der Kunst als ums Gewinnen.

Nur Spaß an der Freude?

Diese Veranstaltung ist noch so viel mehr als „nur“ ein schöner Abend mit Freunden, ein Grund, sich mal wieder ein Glas Wein oder Bier zu gönnen, mal abzuschalten, sich vom Alltag abzulenken, mehr als reine Unterhaltung, denn Poetry Slams erfüllen auch eine soziale Funktion. Wie der Moderator Sebastian Geiger erzählt, könne man gesellschaftliche und hochpolitische Themen ansprechen und hätte dabei ein Publikum, das das auch unvoreingenommen aufnehme. Bei vergangenen Slams hätten auch Angehörige von Minderheiten, queere Leute oder auch farbige Künstler teilgenommen, die ihre Probleme und Themen mit auf die Bühne genommen hätten.

Ein Poetry Slam ist also auch ein Ort, an dem man sich als Teilnehmer emotional öffnen kann. Man hat eine Möglichkeit, zum Nachdenken anzuregen, aufzuklären und Toleranz zu schaffen.

„Also ja, es ist definitiv mehr als Unterhaltung. Aber es ist schön, dass es auch immer Unterhaltung ist“, beendet Herr Geiger seine Ausführungen.

Quellen:

https://www.sprechakt.de/

https://poetry-slam-essen.de/was-ist-poetry-slam/

https://www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-deutschland/poetry-slam