Archiv für den Tag 22. Dezember 2023

Fachkräftemangel in Deutschland – Trotz Arbeitslosigkeit herrschen Engpässe auf dem Arbeitsmarkt

Deutschland steht vor einer Herausforderung: Trotz einer vorhandenen Arbeitslosigkeit lässt sich eine wachsende Lücke an hochqualifizierten Fachkräften erkennen. In bestimmten Branchen und Regionen können schon heute offene Stellen nicht mit geeigneten Fachkräften besetzt werden. Viele Unternehmen sind deshalb bereits akut von dem Mangel an Fachkräften betroffen.

Im Jahr 2022 hat der Personalengpass einen Höchststand erreicht, rund 630 000 Stellen konnten nicht besetzt werden. Jedoch wurden in Deutschland im selben Jahr durchschnittlich fast 2,5 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das scheint sich zu widersprechen: Wie kann es zu wenige Fachkräfte geben, wenn immer noch viele Menschen einen Job suchen?

Ein wesentlicher Faktor, der besonders in der Zukunft einen entscheidenden Einfluss auf den herrschenden Fachkräftemangel haben wird, ist die demografische Entwicklung. Wie andere Industriestaaten auch steht Deutschland vor weitreichenden demografischen Herausforderungen. Die Alterspyramide verändert durch niedrige Geburtenzahlen und steigende Lebenserwartung grundlegend ihre frühere Struktur. Folglich sieht sich Deutschland mit einer alternden Bevölkerung und einem schrumpfenden Arbeitskräftepotential konfrontiert. Die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit, die sogenannte Baby-Boomer-Generation, welche durch das Wirtschaftswachstum in den 50er- und 60er-Jahren hervorgerufen wurde, tritt in den Ruhestand, somit verlassen viele qualifizierte Arbeitskräfte den Arbeitsmarkt. Auch der Nachwuchs kann diese Lücke nicht immer ausreichend füllen. Denn Deutschland befindet sich aktuell in der vierten Phase des demografischen Übergangs, dort stabilisiert sich die Geburtenrate auf niedrigem Niveau. Die Sterberate lässt sich ebenfalls stabil auf niedrigem Niveau erkennen. Demnach herrscht in der Bundesrepublik ein langsames Bevölkerungswachstum. Dies führt zu einem Ungleichgewicht zwischen der Nachfrage nach Fachkräften und dem verfügbaren Angebot.

Eine weitere Ursache für den Fachkräftemangel ist die Diskrepanz zwischen den verfügbaren Arbeitskräften und den Anforderungen der Arbeitswelt. Oft passt das, was die Arbeitssuchenden können, nicht zu den Anforderungen der Unternehmen oder Firmen. Das Fehlen von spezifischen Fähigkeiten oder Qualifikationen kann die Fachkräftelücke verschärfen. Es ist daher wichtig, dass Bildungseinrichtungen eng mit der Wirtschaft zusammenarbeiten, denn nur so lässt sich sicherstellen, dass die Qualifizierung der Arbeitskräfte den aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes entspricht. Langfristig kann eine Qualifizierung den Mangel an gebildeten Fachkräften lindern. Somit werden die Arbeitsuchenden besser auf die Anforderungen, Erwartungen und Bedürfnisse der Unternehmen vorbereitet, wovon die gesamte Wirtschaft und der Arbeitsmarkt profitieren werden.

Zu den von Fachkräfteengpässen besonders betroffene Bereiche zählen unter anderem akademische Berufsgruppen in den Bereichen Medizin, Ingenieurwesen und Informationstechnologie, Gesundheitswesen und Handwerk. Aufgrund dieser branchenspezifischen Engpässe muss die duale Ausbildung in Deutschland gestärkt und angepasst werden. Diese Engpässe treten auf, wenn es in bestimmten Wirtschaftszweigen einen signifikanten Mangel an qualifizierenden Arbeitskräften gibt. Diese Problematik entsteht, wenn die Nachfrage nach bestimmten Fähigkeiten in einer Branche das Angebot an verfügbaren Fachkräften übersteigt. Ein Beispiel hierfür ist das Gesundheits- und Sozialwesen. Alten- und Krankenpfleger, Therapeuten und Sozialarbeiter werden aktuell und auch in Zukunft dringend benötigt. Der steigende Bedarf an Betreuungsdiensten verstärkt den Engpass. Erhebliche Auswirkungen auf die betroffenen Branchen sind zu erwarten, deshalb erfordern sie gezielte Maßnahmen, um die Ausbildung von Fachkräften in den betroffenen Bereichen zu fördern. Ziel ist es dabei, den Bedarf an Arbeitskräften zu decken.

Insgesamt ist der Fachkräftemangel in Deutschland trotz hoher Arbeitslosigkeit eine komplexe Herausforderung, die weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaft, Gesellschaft und die betroffenen Unternehmen und Einrichtungen hat. Die Bewältigung des Fachkräftemangels ist ein langfristiger Prozess, der eine Anpassung und Zusammenarbeit aller Beteiligten – von Bildungseinrichtungen über Unternehmen bis hin zu Politik – erfordert.

Quellen:

https://www.iwd.de/artikel/fachkraefteluecke-trotz-arbeitslosigkeit-wie-passt-das-zusammen-592877/https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/fachkraeftemangel-wirtschaft-hoechststand-100.htmlhttps://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/fachkraeftestrategie-2133284https://www.bmas.de/DE/Service/Presse/Pressemitteilungen/2022/fachkraeftegipfel-mehr-fachkraefte-fuer-deutschlands-zukunft.htmlhttps://studyflix.de/erdkunde/modell-des-demographischen-ubergangs-5395