Archiv der Kategorie: Sexismus

Sexismus in der Musikindustrie

„There is a different vocabulary for men and women in the music industry, right? […] A man does something, it’s strategic; a woman does the same thing, it‘s calculated. A man is allowed to react; a woman can only overreact.“ – Taylor Swift

Symbolbild: Frauen in der Musikindustrie begehren gegen Sexismus und Ausgrenzung auf

Mit dieser Aussage Taylor Swifts in einem Interview 2019 versuchte die amerikanische Sängerin den Unterschied aufzuzeigen, der nach wie vor im benutzten Vokabular für Frauen und Männer in der Musikindustrie herrscht. Während eine Handlung eines Mannes also strategisch ist, ist dieselbe Handlung einer Frau kalkuliert. Männer dürfen reagieren, Frauen können nur überreagieren. 

Sie bekam auf diese Aussage hin sowohl viel Zustimmung als auch viel Kritik. Auf der einen Seite befanden es viele als einen sehr wichtigen Schritt, um den täglichen Sexismus häufiger und offener anzusprechen und gemeinsam dagegen zu wirken. Auf der anderen Seite waren jedoch auch einige Menschen der Meinung, sie hätte damit überreagiert, denn es sei mittlerweile in der Musikbranche so gut wie kein Sexismus mehr vorhanden.  

Sexismus wird als eine Art Diskriminierung definiert. „Es ist die Benachteiligung, Abwertung, Verletzung und Unterdrückung einer Person oder einer Gruppe aufgrund des Geschlechts.“ Durch einige feministische Bewegungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten erhielt das Thema Sexismus mehr Aufmerksamkeit und gilt nicht mehr als „Tabuthema“. 

In jedem Teil der Welt und der Arbeitsindustrie herrscht zu einem gewissen Maß Sexismus. Wie er sich äußert und wie stark er ausgeprägt ist, ist aber überall unterschiedlich. Am Beispiel der Musikindustrie lässt sich gut zeigen, dass der Sexismus, der nach wie vor in dieser Branche herrscht, vielen nicht bewusst ist. Man kann ihn jedoch vor allem an zwei Tatsachen festmachen. 

Zum einen wird die gesamte Branche überdurchschnittlich von Männern dominiert. Nur 22 % der bekannten Musiker und Musikerinnen und lediglich 3 % aller Produzenten und Produzentinnen von Popmusik sind Frauen. Außerdem wird die Musik von weiblichen Künstlerinnen nur wenig von Männern gehört; diese machen sich oft eher über diese „weibliche“ und „zu emotionale“ Musik lustig. In Genres wie Rock, Rap oder Country überwiegen die männlichen Künstler zudem deutlich. 

Zum anderen kann man in etlichen Liedtexten, vor allem im amerikanischen Rap, von Sängern wie bspw. Travis Scott oder Kanye West sexistische Bemerkungen oder sogar Beleidigungen finden. Dass solche Aussagen in der heutigen Zeit in der Musik vermittelt werden, die schließlich einen wichtigen Teil unserer Kultur darstellt und jeden im alltäglichen Leben begleitet, wirkt genau dem entgegen, was so viele erreichen wollen: eine Gleichberechtigung und gleicher Respekt gegenüber allen Menschen.

Im Gegensatz zu den negativen Entwicklungen sprechen gerade in den Jahren kurz vor, während und nun auch nach der Corona-Pandemie immer mehr bekannte Personen dieses Problem an. 

Sowohl in ihrer eigenen Dokumentation „Miss Americana“ als auch in einigen ihrer Lieder macht Taylor Swift Sexismus und andere Probleme, die damit in Verbindung stehen, zu einem wichtigen Thema. Als einflussreiche Popsängerin und Vorbild vieler junger Menschen versucht sie ihre Reichweite unter anderem zu nutzen, um mehr auf dieses Thema aufmerksam zu machen. 

Neben Taylor Swift teilen auch viele andere Sängerinnen wie bspw. Selena Gomez, Miley Cyrus oder Lady Gaga offen in Interviews, Reden oder auch Liedern ihre eigenen Erfahrungen, Einstellungen und Bitten mit.

Einer der bekanntesten Songs von Taylor Swift, der sich mit diesem Thema beschäftigt, ist „The Man“. Sie stellt darin dar, dass es für Frauen in der Musikindustrie grundsätzlich härter ist, viel zu erreichen; sie müssen also wesentlich mehr Arbeit leisten als Männer, um den gleichen Erfolg zu erzielen. Beispielsweise in den Lyrics „I’m so sick of running as fast as I can/ Wondering if I’d get there quicker if I was a man“ beschreibt sie genau dieses Problem. 

Offensichtlich herrscht also nach wie vor viel Sexismus in der Musikindustrie. Diesem kann jedoch, wie es schon jetzt getan wird, entgegengewirkt werden, indem dieses Thema noch offener angesprochen wird. 

Quellen:

Internet:

https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-in-einfacher-sprache/331402/sexismus/

https://oldtimemusic.com/the-meaning-behind-the-song-the-man-by-taylor-swift/

https://www.cnbc.com/2019/08/08/taylor-swift-says-this-was-the-moment-she-woke-up-to-sexism-in-the-music-industry.html

Sexismus im Sport – Der Kampf um Anerkennung

150€ pro Spielerin – das ist der Betrag, den das norwegische Beachhandball-Team der Frauen bezahlen soll. Der Grund? Verstoß gegen eine der Regeln: „Spielerinnen müssen Bikini-Hosen tragen, die der angehängten Abbildung entsprechen. Sie müssen körperbetont geschnitten sein, mit einem hohen Beinausschnitt. Die Seitenbreite darf höchstens 10 cm betragen.“

Die norwegischen Sportlerinnen verstießen beim Spiel um Platz drei in der EM gegen Spanien im Juli 2021 bewusst gegen diese Kleiderordnung, indem sie Shorts trugen, so wie ihre männlichen Kollegen auch. Die Männer sind nach den Regeln der IHF (Internationalen Handball Föderation) sogar verpflichtet, Shorts zu tragen, welche „mindestens zehn Zentimeter über dem Knie enden“. Es gibt also eher eine Regelung für eine minimale Deckung, welche in direktem Kontrast zu der verpflichtenden Maximale Bedeckung bei Frauen steht. Folglich argumentieren viele nun, dass die Hose wohl nicht die Spielqualität der Sportler:innen beeinflusst, sondern nur ein ästhetischer Faktor diesen Regelungen zugrunde liegen kann. Die EHF (Europäische Handball Federation) bezeichnet die Shorts der Sportlerinnen als „unangemessen“.

Dass viele Sportlerinnen ihre knappen Outfits als unpraktisch oder sogar erniedrigend empfinden, ist jedoch leider kein Phänomen, dass beim Beachhandball Halt macht: Auch in anderen Sportarten, wie beispielsweise dem Turnen, beschweren sich Frauen immer häufiger über die unfaire Kleiderordnung und die daraus resultierenden Gefühle. „Turnen ist natürlich auch eine ästhetische Sportart, aber ich finde, es ist trotzdem nochmal ein Unterschied zwischen Ästhetik und etwas Sexualisiertem […]. Auch wenn ich etwas poste, […] kommt dann oft als Reaktion, gerade eben von Männern, was sie geil oder toll oder heiß finden. Ich versuch das zu ignorieren, ich lösch die Nachrichten meistens auch und wenn’s mir zu viel ist, dann blockiere ich auch den Nutzer und möchte damit auch eigentlich nichts zu tun haben, weil ich meine Sportart präsentieren will und nicht meinen Körper.“, so die Turnerin Elisabeth Seitz gegenüber dem SWR.

Dass im Sport Frauen eine weniger große Rolle spielen als Männer und die Leistungen von Frauen oft grundsätzlich herabgewürdigt wird, fällt schnell auf. Vor allem in männerdominierten Sportarten ist dieses Phänomen des Öfteren zu beobachten. In den letzten Monaten hörte man manchmal, die Engländer hätten es seit 1966 nicht mehr in ein Finale der EM oder WM geschafft, was für die Männer durchaus stimmt, das Frauenteam jedoch völlig außer Acht lässt: Erst bei der Europameisterschaft der Frauen 2009 standen die Engländischen Frauen zuletzt in einer Finalrunde, so auch 1984.

Nun hier ein kleiner Selbsttest: bisher wurden 12 Frauenfußball-EM ausgetragen. Wie oft gewannen die Deutschen Frauen? Ich wage zu behaupten, die meisten, wenn nicht fast alle von uns, müssten raten. Einmal? Zweimal? Sogar dreimal? Die Antwort überrascht: Ganze acht Mal ging unsere deutsche Frauen-Fußballnationalmannschaft als Siegerteam aus der EM hervor. Eine Fehleinschätzung kann zeigen: Erfolg garantiert nicht gleich öffentliche Anerkennung, sondern ist im Sport auch geschlechtsabhängig.

Auch im Boxen geht es vielen Frauen nicht anders: die Glorifizierung, wie sie bei Männern oft erfolgt, bleibt aus. Nadine Apetz, eine deutsche Amateurboxerin, mehrfach ausgezeichnet auf internationaler Ebene, erzählt dem SWR von einem Erlebnis. Bei einer Boxveranstaltung mit internationalen Gästen wurde für die Männer abends eine ganze Großveranstaltung hochgezogen, „in einer tollen Halle, mit Einlaufmusik und Nebel, Lichtern und Zuschauern“. Doch die Frauen mussten ihre Kämpfe vormittags ohne Zuschauer in einer kleinen Sporthalle nebenan führen.

Selbst statistisch fällt der Sexismus auf, es sind also nicht nur Einzelfälle: Bei einer Umfrage von SWR gaben über 700 Spitzensportlerinnen in Deutschland ihre Stimme ab und gaben mehrheitlich an, mehr als ein Mann leisten zu müssen, um ähnliche gesellschaftliche Anerkennung zu bekommen. Jede dritte Frau gab an, Sexismus im Sport erfahren zu haben, sich aber nicht bei Verantwortlichen zu beschweren. Als Grund wurden hier vor allem Machtlosigkeit und Angst genannt; so wurden in der Vergangenheit bereits ‚unbequeme‘ Sportlerinnen aussortiert.

Rückendeckung erhielten nun zumindest die norwegischen Frauen von ihrem Landesverband, der am Dienstag (20.07.2021) bei Facebook ein Foto der Mannschaft postete und dazu schrieb: „Wir sind super stolz auf diese Mädchen, die während der EM im Beachhandball ihre Stimme erhoben und deutlich gemacht haben: GENUG IST GENUG! Der Norwegische Handballverband steht hinter Euch und unterstützt Euch. Wir werden weiterhin gemeinsam dafür kämpfen, dass das internationale Regelwerk zur Bekleidung geändert wird, damit alle Spielerinnen in der Kleidung spielen dürfen, in der sie sich wohlfühlen.“

Zudem kündigte der Verband an, die von der EHF drohende Geldstrafe in Höhe von 1500€ bezahlen zu wollen.

Quellen:

https://www.tagesschau.de/sport/sportschau/sexismus-sport-101.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Handballf%C3%B6deration

https://sport.sky.de/artikel/beachhandball-news-norwegen-muss-geldstrafe-wegen-zu-langer-hosen-zahlen/12359541/34240

https://www.focus.de/sport/mehrsport/shorts-statt-bikini-hoeschen-norwegische-beachhandballerinnen-kassieren-unglaubliche-geldstrafe_id_13513805.html

https://www.sportschau.de/handball/swr-knappe-kleidung-und-nackte-haut-warum-sich-sportlerinnen-andere-outfits-wuenschen-story100.html

https://rp-online.de/sport/handball/lange-hose-statt-bikini-geldstrafe-fuer-norwegens-beach-handballerinnen_aid-61656391

https://www.welt.de/sport/article232623281/Handball-EM-Keine-Bikini-Hoeschen-getragen-Strafe-fuer-Norwegens-Team.html

https://www.stern.de/sport/beachhandball-frauen-wollen-in-shorts-spielen—verband-besteht-auf-knappe-slips-30621848.html

https://www.swr.de/sport/frauen-im-sport/sexismus-im-leistungssport-100.html

https://www.berliner-zeitung.de/sport-leidenschaft/starker-auftritt-gegen-maenner-regeln-wer-hat-hier-die-hosen-an-beachhandball-em-sexismus-kleiderstreit-katinka-haltvik-li.172031?pid=true

https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Europameisterschaft_der_Frauen

https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Europameisterschaft

https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Weltmeisterschaft_der_Frauen

https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Weltmeisterschafthttps://beacheuro.eurohandball.com/news/en/disciplinary-commission-imposes-a-fine-for-improper-clothing/