



Die Klasse 10b befragte Medienvertreter: Hat Journalismus überhaupt noch eine Zukunft?
Glaubt man den Experten und dem Chatbot selbst: ja, unbedingt!
Wir, die Klasse 10b, beschäftigten uns im Fach Sozialpraktische Grundbildung vertieft mit dem Thema Medien und untersuchten unter anderem, vor welche Herausforderungen das Berufsfeld aktuell durch ChatGPT, Social Media und Fake News gestellt wird.
Christoph Wittmann (Bayerischer Rundfunk)
Auch die Rolle und den Aufbau der Öffentlich-Rechtlichen Nachrichtensender (ÖRR) betrachteten wir näher. Natürlich recherchierten wir hier auch die jüngsten Skandale (z.B. rund um den rbb), jedoch wollten wir es dann doch noch genauer wissen und luden Christoph Wittmann – einen Redakteur der Sendung „quer“ (BR) – ein, um ihn zu interviewen.
Unser Gast zeigte uns anfangs gleich auf, wie umfangreich der Auftrag an den ÖRR aussieht und wie herausfordernd es ist, die richtigen Schwerpunkte zu setzen und alle Interessensgruppen möglichst ausgewogen und zeitgemäß zu bedienen.
Im Anschluss sprachen wir gemeinsam über die Komplikationen, die entstehen, wenn Menschen nur noch Social Media benutzen und keine Qualitätssendungen konsumieren. Wieso ist das so problematisch? Nun, öffentlich-rechtliche Nachrichten geben zum Beispiel ihre Quellen an und versuchen Fake News zu enthüllen. Das ist aufwendig und kostet enorm viel Geld, schafft aber auch Vertrauen. Der Job der Journalistin, so Christoph Wittmann, werde sich sicherlich verändern, aber das genaue Einordnen von Nachrichten und das Unterscheiden von Wahr und Falsch, das seien Bereiche, in denen Chat-GPT den Menschen auf absehbare Zeit nicht ersetzen könne.
Natürlich interessierte uns auch brennend, wie lange es denn dauert, einen Fernsehbeitrag zu filmen, was dabei wichtig ist und wie viele Menschen daran beteiligt sind. Das taten wir anhand eines fünf-minütigen Clips, an dessen Entstehung unser Gast für „quer“ mitverantwortlich war. In diesen fünf Minuten steckten, so der Redakteur, etwa eine Woche Arbeit und es seien viele Leute involviert. Wir nahmen Christoph Wittmann auf jeden Fall ab, dass er seinen „absoluten Traumjob“ gefunden hat und sind froh, dass er in seinem „kommunikativen Job den PolitikerInnen oft ziemlich auf die Nerven gehen muss.“
Gökalp Babayiğit (Süddeutsche Zeitung)
Wenige Tage darauf wurde uns die Möglichkeit geboten, per MicrosoftTeams ein Interview mit dem Geschäftsführenden Redakteur und stellvertretenden Nachrichtenchef der Süddeutschen Zeitung (SZ), Gökalp Babayiğit, zu führen. Ein absolutes Highlight!
Gleich zu Beginn unserer Fragerunde erklärte uns der Herr Babayiğit, dass er und sein Team seit Längerem daran arbeiten, die SZ gerade für junge Medienkonsumenten attraktiv zu gestalten, z.B. mit verstärkter Präsenz auf Instagram. Junge Menschen könnten so seriöse Quellen in ihren Alltag integrieren. Im Moment folgen 700.000 Menschen der SZ!
Unser Interviewpartner bot uns eine große Bandbreite an Informationen über seinen Arbeitsalltag als Journalist und stellvertretender Ressortleiter. Außerdem erläuterte er, dass hinter jedem Artikel, der von der SZ veröffentlicht werde, nicht nur ein einzelner Reporter, sondern ein ganzes Team stecke. Vor allem an der Recherche seien mehrere Mitarbeiter beteiligt, z.B. Berichterstatter vor Ort, Korrespondenten im Ausland, aber auch Nachrichtenagenturen, die bei der Informationsbeschaffung unterstützen. Herr Babayiğit verwies hier auf die „Kunst des Weglassens“, die für ihn den essenziellsten Bestandteil seiner Arbeitsweise darstelle: „Wir könnten jeden Tag fünf Zeitungen füllen, mit dem, was auf der Welt passiert, wir müssen aber aussuchen, was das Wichtigste für den Leser ist. Und das ist die Aufgabe: Information bewerten, prüfen, recherchieren und verifizieren lassen und dann so aufschreiben, dass es jeder versteht!“
Unweigerlich bewegte sich der Fokus aber dann wieder auf Fragen, die wir bereits mit Herrn Wittmann intensiv diskutiert hatten. Bedeuten die sozialen Medien und künstliche Intelligenzen wie ChatGPT das Ende des Journalismus?
Soziale Medien sind durch ihre Präsenz und Relevanz in unserer Gesellschaft eine häufig genutzte und präferierte Informationsquelle, die durch ihre Kürze und Simplizität überzeugt. Herr Babayiğit sieht das durchaus kritisch: „Wir merken es immer, wenn irgendetwas Großes passiert in der Welt, an unseren Leserzahlen, dass die Leute Orientierung suchen. Sie wollen unbedingt geprüfte, journalistisch saubere Nachrichten lesen. (…) Das heißt meines Erachtens wird Journalismus immer wichtiger, durch diese ganzen Entwicklungen.“
Uns wurde wieder bewusst, dass der Beruf und das Handwerkszeug der Journalistin weiterhin erlernt werden muss, um die Verbreitung von Falschmeldungen zu reduzieren und zu minimieren. Genau wie Herr Wittmann bezeichnete Herr Babayiğit seinen Beruf als „Traumjob“, den er schon seit der 5. Klasse verfolge.
Herr Babayiğit gewährte uns einen informativen und umfangreichen Einblick in das Berufsfeld Journalismus und Medienarbeit. Sicherlich inspirierte er damit einige SchülerInnen für die Wahl eines späteren Berufsfeldes.
Abschließend bedanken wir uns herzlich bei Christoph Wittmann, Gökalp Babayiğit und unserem Lehrer Herr Menauer, dass uns dieses Projekt ermöglicht wurde.
Anna Meindl, Leonie Glatz, Laura Janssen

