Archiv für den Monat Juli 2023

Bedeutet ChatGPT des Ende des Journalismus? Die Klasse 10b fragt nach

Die Klasse 10b befragte Medienvertreter: Hat Journalismus überhaupt noch eine Zukunft?

Glaubt man den Experten und dem Chatbot selbst: ja, unbedingt!  

Wir, die Klasse 10b, beschäftigten uns im Fach Sozialpraktische Grundbildung vertieft mit dem Thema Medien und untersuchten unter anderem, vor welche Herausforderungen das Berufsfeld aktuell durch ChatGPT, Social Media und Fake News gestellt wird.

Christoph Wittmann (Bayerischer Rundfunk)

Auch die Rolle und den Aufbau der Öffentlich-Rechtlichen Nachrichtensender (ÖRR) betrachteten wir näher. Natürlich recherchierten wir hier auch die jüngsten Skandale (z.B. rund um den rbb), jedoch wollten wir es dann doch noch genauer wissen und luden Christoph Wittmann – einen Redakteur der Sendung „quer“ (BR) – ein, um ihn zu interviewen. 

Unser Gast zeigte uns anfangs gleich auf, wie umfangreich der Auftrag an den ÖRR aussieht und wie herausfordernd es ist, die richtigen Schwerpunkte zu setzen und alle Interessensgruppen möglichst ausgewogen und zeitgemäß zu bedienen.

Im Anschluss sprachen wir gemeinsam über die Komplikationen, die entstehen, wenn Menschen nur noch Social Media benutzen und keine Qualitätssendungen konsumieren. Wieso ist das so problematisch? Nun, öffentlich-rechtliche Nachrichten geben zum Beispiel ihre Quellen an und versuchen Fake News zu enthüllen. Das ist aufwendig und kostet enorm viel Geld, schafft aber auch Vertrauen. Der Job der Journalistin, so Christoph Wittmann, werde sich sicherlich verändern, aber das genaue Einordnen von Nachrichten und das Unterscheiden von Wahr und Falsch, das seien Bereiche, in denen Chat-GPT den Menschen auf absehbare Zeit nicht ersetzen könne.

Natürlich interessierte uns auch brennend, wie lange es denn dauert, einen Fernsehbeitrag zu filmen, was dabei wichtig ist und wie viele Menschen daran beteiligt sind. Das taten wir anhand eines fünf-minütigen Clips, an dessen Entstehung unser Gast für „quer“ mitverantwortlich war. In diesen fünf Minuten steckten, so der Redakteur, etwa eine Woche Arbeit und es seien viele Leute involviert.  Wir nahmen Christoph Wittmann auf jeden Fall ab, dass er seinen „absoluten Traumjob“ gefunden hat und sind froh, dass er in seinem „kommunikativen Job den PolitikerInnen oft ziemlich auf die Nerven gehen muss.“

Gökalp Babayiğit (Süddeutsche Zeitung)

Wenige Tage darauf wurde uns die Möglichkeit geboten, per MicrosoftTeams ein Interview mit dem Geschäftsführenden Redakteur und stellvertretenden Nachrichtenchef der Süddeutschen Zeitung (SZ), Gökalp Babayiğit, zu führen. Ein absolutes Highlight!

Gleich zu Beginn unserer Fragerunde erklärte uns der Herr Babayiğit, dass er und sein Team seit Längerem daran arbeiten, die SZ gerade für junge Medienkonsumenten attraktiv zu gestalten, z.B. mit verstärkter Präsenz auf Instagram. Junge Menschen könnten so seriöse Quellen in ihren Alltag integrieren. Im Moment folgen 700.000 Menschen der SZ!

Unser Interviewpartner bot uns eine große Bandbreite an Informationen über seinen Arbeitsalltag als Journalist und stellvertretender Ressortleiter. Außerdem erläuterte er, dass hinter jedem Artikel, der von der SZ veröffentlicht werde, nicht nur ein einzelner Reporter, sondern ein ganzes Team stecke. Vor allem an der Recherche seien mehrere Mitarbeiter beteiligt, z.B. Berichterstatter vor Ort, Korrespondenten im Ausland, aber auch Nachrichtenagenturen, die bei der Informationsbeschaffung unterstützen. Herr Babayiğit verwies hier auf die „Kunst des Weglassens“, die für ihn den essenziellsten Bestandteil seiner Arbeitsweise darstelle: „Wir könnten jeden Tag fünf Zeitungen füllen, mit dem, was auf der Welt passiert, wir müssen aber aussuchen, was das Wichtigste für den Leser ist. Und das ist die Aufgabe: Information bewerten, prüfen, recherchieren und verifizieren lassen und dann so aufschreiben, dass es jeder versteht!“

Unweigerlich bewegte sich der Fokus aber dann wieder auf Fragen, die wir bereits mit Herrn Wittmann intensiv diskutiert hatten. Bedeuten die sozialen Medien und künstliche Intelligenzen wie ChatGPT das Ende des Journalismus?

Soziale Medien sind durch ihre Präsenz und Relevanz in unserer Gesellschaft eine häufig genutzte und präferierte Informationsquelle, die durch ihre Kürze und Simplizität überzeugt. Herr Babayiğit sieht das durchaus kritisch: „Wir merken es immer, wenn irgendetwas Großes passiert in der Welt, an unseren Leserzahlen, dass die Leute Orientierung suchen. Sie wollen unbedingt geprüfte, journalistisch saubere Nachrichten lesen. (…) Das heißt meines Erachtens wird Journalismus immer wichtiger, durch diese ganzen Entwicklungen.“

Uns wurde wieder bewusst, dass der Beruf und das Handwerkszeug der Journalistin weiterhin erlernt werden muss, um die Verbreitung von Falschmeldungen zu reduzieren und zu minimieren. Genau wie Herr Wittmann bezeichnete Herr Babayiğit seinen Beruf als „Traumjob“, den er schon seit der 5. Klasse verfolge.  

Herr Babayiğit gewährte uns einen informativen und umfangreichen Einblick in das Berufsfeld Journalismus und Medienarbeit. Sicherlich inspirierte er damit einige SchülerInnen für die Wahl eines späteren Berufsfeldes.

Abschließend bedanken wir uns herzlich bei Christoph Wittmann, Gökalp Babayiğit und unserem Lehrer Herr Menauer, dass uns dieses Projekt ermöglicht wurde.

Anna Meindl, Leonie Glatz, Laura Janssen

Meinung: Vivienne Westwood – Modepüppchen rebelliert

Am 29. Dezember vergangenen Jahres starb eine der berühmtesten Modedesignerinnen unserer Zeit: Vivienne Westwood. Ohne Zweifel waren es ihre Kleidungsentwürfe, die sie zu einer bekannten Persönlichkeit machten. Sie lediglich auf den Beruf der Modeschöpferin zu reduzieren, wäre jedoch ein Fehler. „I am a fashion designer and activist.“ – so beschrieb sie schließlich selbst ihre Tätigkeit. Es waren nicht nur die Kleidungsstücke selbst, sondern vor allem die oft politischen, kontroversen und unkonventionellen Botschaften dahinter, welche Aufmerksamkeit erregten. Rückblickend auf ihr Leben sollen nun ihr Werdegang und politischer Aktivismus dokumentiert werden.

Vivienne Isabel Swire wurde am 8. April 1941 in einer kleinen Stadt namens Glossop in der englischen Grafschaft Derbyshire geboren. Sie wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf: Ihr Vater war Schuster, ihre Mutter Arbeiterin in einer Baumwollspinnerei. Sie besuchte die „Glossop grammar school“ bevor ihre Familie 1958 nach London zog.

Dort studierte sie kurzzeitig an der „Harrow School of Art“, arbeitete dann aber in einer Fabrik und ließ sich schließlich zur Grundschullehrerin ausbilden. 1962 heiratete die Lehrerin Derek Westwood und bekam ihren ersten Sohn. 1965 folgte jedoch bereits die Scheidung und sie lernte Malcolm McLaren kennen, Kunststudent und zukünftiger Manager einer populären Punk-Band, die „Sex Pistols“. Westwood, die mittlerweile selbst erlernte Schmuck- und Modedesignerin war, eröffnete zusammen mit ihrem neuen Partner und dem Vater ihres zweiten Sohnes eine Boutique in der King’s Road 430 in London. Die dort verkauften T-Shirts mit provokativen Schriftzügen standen oft in der Kritik rechts-konservativer Politiker, fanden jedoch Gefallen in der Punk-Szene, die die englische Gesellschaft der 1970er verurteilte. Eines dieser T-Shirts von 1977, das mit dem Wort „Destroy“ bedruckt war, sollte zum Aufstand gegen Diktatoren wie Augusto Pinochet in Chile aufrufen. Doch das war erst der Anfang von Westwoods politischen Statements.

Seit 1986 trat sie getrennt von McLaren als unabhängige Designerin auf und erfreute sich zunehmender Beliebtheit. So wurde sie 1989 auf der Titelseite des Magazins „Tatler“ abgebildet, verkleidet als die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher. Somit wurde die Politikerin verspottet und der „Schaden“ angeprangert, den diese laut Westwood verursacht hatte. Einige Jahre später, 2005, war es erneut ein T-Shirt, das eine Botschaft beinhaltete: Das „I am not a terrorist“-T-Shirt kritisierte die geplanten Anti-Terror-Gesetze der englischen Regierung, welche unter anderem eine drei Monate lange Haft von Verdächtigen ohne Anklage ermöglichen sollte.

Ein weiteres Anliegen der Aktivistin war der Klimawandel. 2012 startete sie ihre „Climate Revolution“-Kampagne bei den Paralympics in London. 2013 arbeitete sie zusammen mit Greenpeace an einer Ausstellung mit Fotos von Prominenten, welche T-Shirts mit einem von Westwood gestalteten „Save The Arctic“-Logo trugen. 2014 schenkte sie dem einstigen Premierminister David Cameron einen Brief und eine Kiste mit Asbest zu Weinachten als Protest gegen Fracking, bei dem giftige Stoffe beim Extrahieren von Erdöl und -gas aus tiefen Gesteinsschichten freigesetzt werden. Schließlich nutzte sie auch ihre Modenschauen, um ihre Meinung zu vertreten. In ihrer „Red Label SS15 show“ von 2014 machte sie ihre Unterstützung der schottischen Unabhängigkeit deutlich und ein Jahr später, in der „Red Label AW15 show“, animierte sie die Zuschauer dazu, die grüne Partei zu wählen. Bis zu ihrem Tod stellte sie letztendlich zusammen mit ihrem zweiten Ehemann und Geschäftspartner Andreas Kronthaler sicher, dass ihre Modemarke Nachhaltigkeit befürwortet und das von ihr Gepredigte auch in die Tat umgesetzt wird.

Vivienne Westwood war eine Frau, die es nicht scheute, für ihre Überzeugungen einzustehen, welche auch nach ihrem Tod nicht an Bedeutung verloren haben. Beeinflusst von der Punk-Bewegung hat sie ihr ganzes Leben lang gegen Missstände rebelliert. Sie nutzte die Mode als Element der Kunst, kombinierte aber diese mit gesellschaftlichen Themen und machte sie somit zum Überbringer ihrer Ansichten. Die Modeikone ist gestorben, aber ihre Marke lebt weiter und setzt den Aspekt der Nachhaltigkeit fort. Ebenso hören Menschen nicht auf, dafür einzustehen, wofür sich Westwood ausgesprochen hat.

Quellen:

https://www.viviennewestwood.com/de/

https://www.dazeddigital.com/fashion/article/24335/1/vivienne-westwood-s-top-ten-political-moments

https://www.lofficielusa.com/fashion/vivienne-westwood-sex-pistols-punk-fashion-history

https://www.theguardian.com/lifeandstyle/gallery/2013/nov/30/vivienne-westwood-sexpistols

https://www.biography.com/fashion-designer/vivienne-westwood

https://www.britannica.com/biography/Vivienne-Westwood

Ehrenamtliche Tätigkeiten – eine Win-Win Situation?

ein Interview

 „Bayern lebt vom ehrenamtlichen Engagement. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft,“ 1 propagierte die bayerische Sozialministerin Emilia Müller am 13. März 2018.

Das persönliche Engagement von Menschen in Bayern über 14 Jahren (ca. 5,2 Millionen Bürger/innen) wird durch die gelebte Solidarität als „Kitt der Gesellschaft“ bezeichnet. Besonders das Ehrenamt im Bereich Sport bietet generationsübergreifende Möglichkeiten zum gemeinsamen Dialog und ein breitgefächertes Betätigungsfeld. Drei Trainer, tätig im Sportbereich mit Kindern und Jugendlichen, beschreiben im Folgenden ihre Erfahrungen und langjährige Arbeit in ihrem Ehrenamt:

Wie bist du dazu gekommen, dich ehrenamtlich im Jugendbereich zu engagieren und wie würdest du deine Tätigkeit beschreiben?

Christoph: „Auf Anfrage der Vereinsführung als Papa eines Spielers bin ich dazu gekommen, das Training zu machen. Aktuell bin ich Co-Trainer im Fußball. Ich unterstütze mein Team im Training und bei der Spielvorbereitung und coache vor, während und nach dem Spiel. Zu meinen Aufgaben gehört außerdem die Organisation des Teams.“

Welche besonderen Fähigkeiten und Voraussetzungen benötigt man, um dieses Ehrenamt speziell mit Kindern und Jugendlichen auszuüben?

Markus: „Neben der „Liebe“ zum Sport und zur Bewegung ist sicherlich eine ordentliche Prise Empathie hilfreich, um mit den Kindern mehrmals in der Woche zu arbeiten. Grundsätzlich ist unser Anspruch im Verein, dass die Kinder lächelnd zum Training kommen und auch wieder lächelnd gehen, sprich – sie sollen aus eigenem Antrieb gerne zum Sport kommen und Freude an der Bewegung und am wahrscheinlich schönsten Mannschaftssport der Welt haben. Insofern müssen – soweit möglich – die Kinder da abgeholt werden, wo sie aktuell stehen und individuell gefördert werden. Empathie hilft zu erkennen, wo die Kinder sportlich aber auch mental stehen.“

Bist du der Ansicht, dass dein Engagement auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen einen Einfluss hat, wenn ja, welchen?

Markus: „Zu erkennen, dass man als Trainer/ Übungsleiter einer Gruppe eine absolute Vorbildfunktion einnimmt, dauert eine Weile. Durch die ständige Rückkopplung am Platz bei den Kindern, aber auch aus Gesprächen mit den Eltern, ergibt sich dies aber dann Stück für Stück. Als Trainer ist man ein „Anker“ außerhalb der Schule und weg von zu Hause, der den Kindern Halt geben kann, aber auch Fähigkeiten vermitteln kann, die im Mannschaftssport unabdingbar sind, z. B. Zusammenhalt, sich Einfinden in einer bestimmten Rolle, Akzeptanz und Respekt, wenn’s mal nicht so läuft, aus gemeinsamen „Niederlagen“ zu lernen und wieder anzupacken, was für das spätere Leben und auch im Beruf extrem hilfreich ist.“

Wie hat sich der Bereich des Ehrenamtes im Kinder- und Jugendbereich seit deinem Einstieg verändert, und wie lange übst du dieses schon aus?

Thomas: „Ich habe angefangen, als mein Sohn sechs Jahre war, das heißt, ich mache das jetzt seit 15 Jahren. Ich hatte ein Jahr eine kurze Unterbrechung, aber ansonsten mache ich das jetzt seit 15 Jahren ehrenamtlich. Ich glaube, dass sich gar nicht so viel verändert hat, also zumindest nicht, was ich jetzt sportlich mache. Ansonsten glaube ich, hat sich verändert, dass es im Ehrenamt schwieriger geworden ist, Leute zu finden, die sich engagieren. Man hat immer wieder die gleichen Leute, die sich engagieren. Also ich stelle fest, dass die Leute, die im Beruf auch engagiert sind, da Verantwortung übernehmen und das dann auch im Privaten, in einem Ehrenamt machen. Bei den Kindern haben sich vielleicht die Kinder ein bisschen verändert. Klar, es sind ganz andere Voraussetzungen heutzutage, als sie es vor 15 Jahren waren, auch die Formulare sind schon etwas mehr geworden, z. B. auch speziell durch Corona und auch davor schon, was man alles ausfüllen muss. Der Papierkram ist vielleicht ein bisschen mehr geworden, aber eigentlich nichts, was sich jetzt speziell im Ehrenamt verändert hat. Es ist eigentlich die allgemeine Veränderung, wie man es sonst auch überall anders antrifft, in den Schulen, in der freien Wirtschaft oder sonst irgendwo. Diese Veränderungen schlagen sich auch natürlich überall auf das Ehrenamt durch, aber ansonsten nichts Spezielles, denke ich, aus meiner Sicht.“

Woraus ziehst du deine Motivation, eine so wichtige Aufgabe ohne Bezahlung zu leisten?

Christoph: „Fußball ist eine der schönsten Sportarten. Kindern und Jugendlichen den Spaß und die Kenntnisse dazu zu vermitteln, „Soziale Arbeit“ zu leisten und in einer starken Gemeinschaft als Verein zusammenzustehen. Wenn ein Spieler später etwas kann, was jetzt noch nicht funktioniert, weil er gezeigt bekommt, wie es besser geht, ist das doch ein schönes Ziel.“

Herzlichen Dank für euer soziales Engagement und die Beantwortung meiner Fragen!

https://www.bayern.de/sozialministerin-mueller-neue-zukunftsstiftung-ehrenamt-bayern-staerkt-das-ehrenamtliche-engagement-in-bayern-buergerschaftliches-engagement/ 1

https://www.stmi.bayern.de/sug/engagement/index.php

https://www.stmi.bayern.de/sug/ehrungen/sportundgesellschaft/index.php

https://www.bayern.de/sozialministerin-emilia-mueller-ehrenamt-und-buergerschaftliches-engagement-sind-der-kitt-unserer-gesellschaft-buergerschaftliches-engagement/