
Weltweit sind beinahe zwei Milliarden Menschen übergewichtig. Die WHO empfiehlt, höchstens zehn Prozent des täglichen Energiebedarfs durch Zucker zu decken. Das entspricht etwa 50 Gramm, zehn Teelöffeln oder 14 Stücken Würfelzucker pro Tag. In Deutschland wird diese Richtlinie jedoch deutlich überschritten. Laut der Nationalen Verzehrstudie II nehmen Männer durchschnittlich 13 Prozent ihrer täglichen Kalorien in der Form von Zucker zu sich, bei Frauen sind es 13,9 Prozent und der DONALD-Studie zufolge sind es bei Kindern sogar 16,3 Prozent.
Grundsätzlich ist die Aufnahme von Zucker nicht automatisch schlecht, da der menschliche Körper eine beständige Versorgung mit Traubenzucker (Glucose) benötigt, um funktionieren zu können, denn dieser stellt den Brennstoff für die Energiegewinnung in den Zellen dar. Deshalb sollte man eine Unterzuckerung vermeiden, denn eine solche kann, vor allem, wenn sie länger anhält, zu verheerenden Folgeerscheinungen, wie diversen Krankheiten, führen. Man sollte darauf achten, einen Mindestzuckergehalt von 80 bis 100 Milligramm Zucker in 100 Milliliter Blut aufrecht zu erhalten.
Man kann zwischen verschiedenen Arten von Zucker unterscheiden, die im Körper jedoch alle zu Glucose abgebaut werden können. Zum einen gibt es die natürlichen Formen von Zucker, wie beispielsweise Stärke oder Fruchtzucker, die man zusammen mit Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen, die den Glucosefluss bremsen, einnimmt, wodurch die Glucose langsamer ins Blut übergeht.
Zum anderen existiert der industriell hergestellte Haushaltszucker, den die meisten Menschen meinen, wenn sie von „Zucker“ sprechen. Dieser wird in der Regel in höheren Mengen mit kaum Begleitstoffen eingenommen, wodurch der Blutzuckerspiegel schnell ansteigt und letztendlich viel Energie frei wird. Dadurch wird man vorübergehend leistungsfähiger und glücklicher. Allerdings ist nach der übermäßigen Einnahme dieses Zuckers der Blutzuckerspiegel schnell erschöpft, da die Glucose nicht gleichmäßig verwertet wird, wie es bei den natürlichen Zuckerquellen der Fall ist. Dadurch stellen sich Zustände wie Energielosigkeit und Müdigkeit bei dem Konsumenten ein. Im Folgenden ist mit „Zucker“ dieser Haushaltszucker gemeint.
Für den übermäßigen Verzehr von Zucker gibt es verschiedene Gründe. Einerseits ist der Mensch durch seine Vorfahren darauf gepolt, Zucker zu bevorzugen, da etwas Süßes Energie liefert und in der Natur selten giftig ist. Andererseits kann der Verzehr bestimmter Zuckermengen genetisch bedingt sein oder aus Essgewohnheiten resultieren. Hinzu kommt, dass viele Kinder dahin trainiert werden, etwas Süßes als Belohnung zu verorten. Es gibt aber auch Abläufe im Körper, die eine Entwicklung von Zuckersucht begünstigen: Um den Zucker zu den Zellen transportieren zu können, um Energie freizusetzen, benötigt der Körper Insulin. Wenn viel Zucker auf einmal zur Verfügung steht, wird auch entsprechend viel Insulin ausgeschüttet. Dieses Hormon hat aber auch die Funktion, die Bildung von Serotonin, einem Glückshormon, zu aktivieren. Auch der Dopaminspiegel wird durch den Verzehr von Zucker erhöht. Dadurch werden die Belohnungs- und Lustzentren im Gehirn gesteuert. Deshalb nehmen viele Menschen übermäßig viel Zucker zu sich, um ihren Glückszustand aufrecht zu erhalten. Das Problem ist, dass bei einem langfristigen Verzehr von Zucker der Dopaminspiegel wieder gesenkt wird, was zu dem Verlangen nach immer mehr Zucker führt. Somit wird der Zucker mit anderen Drogen vergleichbar.
Die Folgen einer Zuckersucht sind weitreichend. Wenn man regelmäßig zu viel Zucker isst, steigt nicht nur die Wahrscheinlichkeit von Karies, einer Fettleber und Übergewicht, sondern das Immunsystem wird geschwächt, wodurch der Mensch anfälliger für Infektionskrankheiten wird. Außerdem ist eine Irritation des Blutzuckers entzündungsfördernd. Das stellt eine Voraussetzung für chronische Krankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Rheuma und Depressionen, dar.
Zuckersucht liegt aber nicht ausschließlich in der Verantwortung der Konsumenten. Die Lebensmittelindustrie lässt dem Verbraucher kaum noch eine Möglichkeit, industriellem Zucker zu entkommen, denn die Lebensmittelkonzerne befinden sich im Wettbewerb zueinander und müssen deshalb versuchen, den Konsumenten für sich zu begeistern. Eine gängige Strategie hierbei ist, Zucker in Fertigprodukte zu mischen, wo er gar nicht vermutet wird, da er den Geschmack abrundet, als natürlicher Geschmacksverstärker fungiert, ein Konservierungsstoff ist und krosse Oberflächen schaffen kann. Damit werden die Lebensmittel für den Konsumenten attraktiver. Um die Beinhaltung von Zucker möglichst unkenntlich zu machen, wurden manipulative Methoden entwickelt. So versteckt er sich hinter zahlreichen Namen und oft befinden sich verschiedene Arten von Zucker in einem Produkt. Auf der Zutatenliste rückt er somit um einige Plätze nach hinten und ist bei einem schnellen Überfliegen dieser Liste nicht sofort präsent. Wenn man seinen Konsum von Zucker ein wenig reduzieren möchte, wäre es also ratsam, sich die verschiedenen Begriffe für Zucker anzusehen und die Zutatenlisten und Nährwerttabellen auf Fertigprodukten zu beachten.
Da die übermäßige Aufnahme von Zucker, wie bereits erklärt, negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen hat, trägt sie zur Überlastung des Gesundheitssystems bei. Wegen der Dringlichkeit dieses Problems hat die Bundesregierung die Lebensmittelhersteller bereits dazu aufgefordert, den Zuckergehalt zu verringern. Doch durch das Eingreifen diverser Lobbys wird die Beschließung von Gesetzen bezüglich des Zuckergehalts verhindert, da diese das Wirtschaftswachstum gefährden würden. Schließlich bringt der Vertrieb von zuckerhaltigen Produkten eine Menge Geld ein und es gibt für die Lebensmittelindustrie günstige Abmachungen bezüglich des Zuckerhandels. Zudem bringen erkrankte Menschen Ärzten und der Pharmazie keine geringen Summen an Geld ein.
Dennoch gehen andere Länder bereits politisch gegen die manipulativen Strategien der Lebensmittelkonzerne vor. Norwegen, Schweden, Irland und Großbritannien beispielsweise, verbieten die Werbung für Lebensmittel mit viel Zucker in Radio- und Fernsehprogrammen, deren Zielgruppe Kinder sind. Chile versteuert Produkte mit hohem Zuckergehalt höher und kennzeichnet sie mit Warnsymbolen.
Vielleicht siegt auch in Deutschland irgendwann die Sorge um das Wohl der Menschheit seitens der Politik über wirtschaftliche Eigeninteressen von Konzernen. Bis dahin hat es der Konsument in der Hand, wie viel er sich über seine Ernährung informiert und ob er darauf achtet. Lohnen würde sich das sicherlich, denn durch eine Ernährung, die den Bedürfnissen des Körpers entspricht, kann einer Menge Krankheiten vorgebeugt werden.
Quellen:
https://www.zentrum-der-gesundheit.de/ernaehrung/lebensmittel/zucker-uebersicht/zucker
https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Zucker-Gefaehrlich-fuer-die-Gesundheit,zucker133.html
https://www.deutschlandfunk.de/zucker-das-geschaeft-mit-dem-suessen-stoff-100.html