
Am 29. Dezember vergangenen Jahres starb eine der berühmtesten Modedesignerinnen unserer Zeit: Vivienne Westwood. Ohne Zweifel waren es ihre Kleidungsentwürfe, die sie zu einer bekannten Persönlichkeit machten. Sie lediglich auf den Beruf der Modeschöpferin zu reduzieren, wäre jedoch ein Fehler. „I am a fashion designer and activist.“ – so beschrieb sie schließlich selbst ihre Tätigkeit. Es waren nicht nur die Kleidungsstücke selbst, sondern vor allem die oft politischen, kontroversen und unkonventionellen Botschaften dahinter, welche Aufmerksamkeit erregten. Rückblickend auf ihr Leben sollen nun ihr Werdegang und politischer Aktivismus dokumentiert werden.
Vivienne Isabel Swire wurde am 8. April 1941 in einer kleinen Stadt namens Glossop in der englischen Grafschaft Derbyshire geboren. Sie wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf: Ihr Vater war Schuster, ihre Mutter Arbeiterin in einer Baumwollspinnerei. Sie besuchte die „Glossop grammar school“ bevor ihre Familie 1958 nach London zog.
Dort studierte sie kurzzeitig an der „Harrow School of Art“, arbeitete dann aber in einer Fabrik und ließ sich schließlich zur Grundschullehrerin ausbilden. 1962 heiratete die Lehrerin Derek Westwood und bekam ihren ersten Sohn. 1965 folgte jedoch bereits die Scheidung und sie lernte Malcolm McLaren kennen, Kunststudent und zukünftiger Manager einer populären Punk-Band, die „Sex Pistols“. Westwood, die mittlerweile selbst erlernte Schmuck- und Modedesignerin war, eröffnete zusammen mit ihrem neuen Partner und dem Vater ihres zweiten Sohnes eine Boutique in der King’s Road 430 in London. Die dort verkauften T-Shirts mit provokativen Schriftzügen standen oft in der Kritik rechts-konservativer Politiker, fanden jedoch Gefallen in der Punk-Szene, die die englische Gesellschaft der 1970er verurteilte. Eines dieser T-Shirts von 1977, das mit dem Wort „Destroy“ bedruckt war, sollte zum Aufstand gegen Diktatoren wie Augusto Pinochet in Chile aufrufen. Doch das war erst der Anfang von Westwoods politischen Statements.
Seit 1986 trat sie getrennt von McLaren als unabhängige Designerin auf und erfreute sich zunehmender Beliebtheit. So wurde sie 1989 auf der Titelseite des Magazins „Tatler“ abgebildet, verkleidet als die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher. Somit wurde die Politikerin verspottet und der „Schaden“ angeprangert, den diese laut Westwood verursacht hatte. Einige Jahre später, 2005, war es erneut ein T-Shirt, das eine Botschaft beinhaltete: Das „I am not a terrorist“-T-Shirt kritisierte die geplanten Anti-Terror-Gesetze der englischen Regierung, welche unter anderem eine drei Monate lange Haft von Verdächtigen ohne Anklage ermöglichen sollte.
Ein weiteres Anliegen der Aktivistin war der Klimawandel. 2012 startete sie ihre „Climate Revolution“-Kampagne bei den Paralympics in London. 2013 arbeitete sie zusammen mit Greenpeace an einer Ausstellung mit Fotos von Prominenten, welche T-Shirts mit einem von Westwood gestalteten „Save The Arctic“-Logo trugen. 2014 schenkte sie dem einstigen Premierminister David Cameron einen Brief und eine Kiste mit Asbest zu Weinachten als Protest gegen Fracking, bei dem giftige Stoffe beim Extrahieren von Erdöl und -gas aus tiefen Gesteinsschichten freigesetzt werden. Schließlich nutzte sie auch ihre Modenschauen, um ihre Meinung zu vertreten. In ihrer „Red Label SS15 show“ von 2014 machte sie ihre Unterstützung der schottischen Unabhängigkeit deutlich und ein Jahr später, in der „Red Label AW15 show“, animierte sie die Zuschauer dazu, die grüne Partei zu wählen. Bis zu ihrem Tod stellte sie letztendlich zusammen mit ihrem zweiten Ehemann und Geschäftspartner Andreas Kronthaler sicher, dass ihre Modemarke Nachhaltigkeit befürwortet und das von ihr Gepredigte auch in die Tat umgesetzt wird.
Vivienne Westwood war eine Frau, die es nicht scheute, für ihre Überzeugungen einzustehen, welche auch nach ihrem Tod nicht an Bedeutung verloren haben. Beeinflusst von der Punk-Bewegung hat sie ihr ganzes Leben lang gegen Missstände rebelliert. Sie nutzte die Mode als Element der Kunst, kombinierte aber diese mit gesellschaftlichen Themen und machte sie somit zum Überbringer ihrer Ansichten. Die Modeikone ist gestorben, aber ihre Marke lebt weiter und setzt den Aspekt der Nachhaltigkeit fort. Ebenso hören Menschen nicht auf, dafür einzustehen, wofür sich Westwood ausgesprochen hat.
Quellen:
https://www.viviennewestwood.com/de/
https://www.dazeddigital.com/fashion/article/24335/1/vivienne-westwood-s-top-ten-political-moments
https://www.lofficielusa.com/fashion/vivienne-westwood-sex-pistols-punk-fashion-history
https://www.theguardian.com/lifeandstyle/gallery/2013/nov/30/vivienne-westwood-sexpistols
https://www.biography.com/fashion-designer/vivienne-westwood